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Gastspiel im Land des Lächelns

Buddhistische Tempelanlage in Thailand
Goldene Tempel, scharfes Essen, herzliche Menschen - Thailand ist ein Traumziel für Urlauber. Aber auch für Studierende kann ein Aufenthalt im Land des Lächelns interessant sein.
Foto: Meramo Studios

Freemover in Thailand

Gastspiel im Land des Lächelns

Für ein Auslandssemester wollte Fahrzeugtechnik-Student Marius Heuel unbedingt nach Thailand. Statt über eine Hochschulkooperation ging der 25-Jährige als Freemover an die Kasetsart-Universität Bangkok, organisierte sich also einen Großteil seines Aufenthalts selbst – und kehrte begeistert zurück.

Das Fernweh hat Marius Heuel während seiner Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker gepackt, als er ein dreiwöchiges Praktikum auf Fuerteventura machen durfte. „Ein neues Land, neue Menschen, eine neue Kultur – das war eine tolle Erfahrung“, erinnert sich der heute 25-Jährige. Nach der Ausbildung nutzte er sein Abitur, nahm ein Bachelorstudium der Fahrzeugtechnik an der FH Dortmund auf – und wollte sobald wie möglich wieder ins Ausland.

Eigeninitiative und Hilfe einer Agentur

Inspiration lieferte ihm eine Freundin, die ein Auslandssemester in der thailändischen Hauptstadt Bangkok absolvierte: „Ich besuchte sie dort und es hat mir unglaublich gut gefallen. Da jedoch in meinem Fachbereich keine Kooperation mit Thailand bestand, entschied ich mich dazu, als sogenannter Freemover mein Auslandsemester selbst zu organisieren.“

Ein Porträtbild von Marius Heuel

Marius Heuel

Foto: privat

Unterstützung fand er bei der Agentur „Asia Exchange“. „Ich bewarb mich bei dieser um ein Semester an der Kasetsart-Universität in Bangkok. Dafür reichte ich mein ‚Transcript of Records‘ – eine auf Englisch übersetzte Notenübersicht –, ein Empfehlungs- sowie ein Motivationsschreiben ein. Außerdem musste ich eine Auslandskrankenversicherung nachweisen und 75 Euro Bewerbungsgebühr bezahlen“, erklärt er. Tags darauf erhielt er bereits die Zusage und die Agentur kümmerte sich um die Anmeldung an der Uni. Die Studiengebühr inklusive der Vermittlungspauschale der Agentur kostete den Studenten 1.650 Euro.

Um das Visum kümmerte sich Marius Heuel selbst und wurde dafür im Generalkonsulat Thailands in Essen vorstellig. „Ich beantragte ein ‚Multiple Entry Tourist Visa‘, das mir innerhalb eines Jahres den Aufenthalt sowie das Reisen in andere Länder und die Wiedereinreise nach Thailand ermöglichte. Die Gebühr betrug 150 Euro“, erzählt er. Außerdem suchte er sich von Deutschland aus auf eigene Faust ein möbliertes Zimmer in einer privaten Wohnanlage, für das er 230 Euro im Monat bezahlte.

Beeindruckender Campus, gute Betreuung

Ende Juli 2017 und damit zwischen seinem dritten und vierten Semester ging die Reise los. Die Kasetsart-Universität Bangkok ist eine der größten des Landes, der riesige Campus im Norden der Hauptstadt beeindruckte Marius Heuel: „Der Campus ist so groß wie die gesamte Dortmunder Innenstadt! Es gibt eigene Buslinien und vier Mensen mit einem hervorragenden, vielfältigen Angebot. Auch die Fachräume sind top ausgestattet und die Betreuung durch die Professoren fand ich sehr gut.“

In seinem Auslandssemester belegte er die Module Thermodynamik und Automotive Technologies. Die je fünf ECTS-Punkte wurden ihm – nach einigen Absprachen – an der FH Dortmund anerkannt. „An der Kasetsart-Uni gibt es nur Vorlesungen, keine Seminare. In Übungen und in selbst organisierten Lerngruppen werden dann Beispiele durchgerechnet. Mir gefiel sehr gut, dass man eine Mid-Term-Prüfung hat, die 40 Prozent der Note ausmacht. So ist der Druck bei der Abschlussklausur nicht so hoch wie in Deutschland“, sagt er. Und obwohl auf Englisch gelehrt wurde, nutzte der Freemover die Gelegenheit, einen Thai-Sprachkurs zu absolvieren.

„Die Thai sind unglaublich freundlich“

Kontakt zu den einheimischen Studierenden hatte der Deutsche allerdings wenig. „Die Thai-Kommilitonen sind dafür zu schüchtern“, erklärt Marius Heuel. „Dafür waren wir Studierenden aus dem International Program wie eine Familie. Ich habe nun Freunde aus aller Welt, zum Beispiel aus Mexiko, Skandinavien, den Philippinen oder Indonesien.“ Mit einigen von ihnen unternahm er Reisen durch Thailand, Laos, Malaysia und Singapur.

Einen weiteren Freund gewann der Student quasi vor der Haustür: Gon, der Besitzer eines kleinen Restaurants gegenüber seines Wohnhauses. „Ich hatte schon öfters dort gegessen, tolles, sehr scharfes Thai-Food. Eines Tages lief ich vorbei, als Gon mit seiner Familie zu Abend aß. Er lud mich spontan ein“, erzählt er – der Beginn einer bis heute anhaltenden Freundschaft. „Wir kochten daraufhin öfters gemeinsam und wenn ich mal ein Problem hatte, setzte er alle Hebel in Bewegung, um mir zu helfen. Die Thai sind unglaublich freundlich.“

Bereichernde Zeit

Fünf Monaten dauerte sein Auslandssemester im Land des Lächelns. „Es war eine tolle, bereichernde Zeit. Ich bin offener und noch selbstständiger geworden“, findet der 25-Jährige. Die insgesamt 6.870 Euro, die er durch Erspartes, einen Studienkredit sowie die Hilfe seiner Eltern finanzierte, haben sich aus seiner Sicht definitiv bezahlt gemacht.

Nun, wieder zurück an der FH Dortmund, möchte er seinen Bachelor in Fahrzeugtechnik abschließen und entweder direkt in die Berufswelt einsteigen oder einen Master anhängen. Und das Fernweh? „Für mich stellt sich nicht die Frage, ob ich wieder ins Ausland gehe – sondern wann.“

Mehr Infos

Agenturen wie „Asia Exchange“, „GoStralia!“ oder „TravelWorks“ organisieren gegen Gebühr Auslandsaufenthalte für Studierende. Sie kümmern sich etwa um die Suche nach passenden Hochschulen und Studiengängen, den Kontakt mit den ausländischen Hochschulen oder das Visum.

Es gibt auch kostenlose Beratungsstellen und Vermittler: Öffentliche Anbieter sind etwa die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit und der Deutsche Akademische Austauschdienst, private etwa „College Contact“ oder „International Education for Global Minds“.

abi>> 31.05.2018