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Literaturforschung hoch drei

Eine junge Frau hält ein Wörterbuch deutsch-französisch in den Händen.
Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien - die Universität der Großregion verbindet Studierende aus diesen vier Ländern zum gemeinsamen Studium miteinander.
Foto: Martin Rehm

Germanistik trinational

Literaturforschung hoch drei

Julia Monsees studiert drei Schwerpunkte an drei Hochschulen in drei Ländern: Der trinationale Germanistik-Master der Universität der Großregion beschäftigt sich mit Literatur-, Kultur- und Sprachgeschichte des deutschsprachigen Raums. Gelehrt wird an der Universität Luxemburg, an der Universität des Saarlandes und an der Universität Lothringen. Für abi>> berichtet die 26-Jährige von ihren Erfahrungen.

Während meines Bachelors in Französisch und Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hatte ich kaum Gelegenheit, französisch zu sprechen. Als ich dann für ein Erasmus-Semester in Nancy war, wurde mir klar, dass ich das im Master ändern wollte.

Der trinationale Germanistik-Master wird an der Universität der Großregion angeboten, ein Zusammenschluss von Hochschulen aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Luxemburg. Der Studiengang gefiel mir, weil ich mich für Literatur interessiere und gerne gleichzeitig in unterschiedlichen Ländern studieren wollte. Wenn eine Gruppe deutscher Studierender gemeinsam für ein Semester nach Frankreich geht, kann es passieren, dass sie unter sich bleibt. Wenn aber – wie in diesem Programm – alle Nationalitäten immer überall sind, durchmischt sich die Gruppe besser. Das gefällt mir gut.

Zu Beginn des Studiums sind wir gemeinsam für einige Tage zum Literaturarchiv in Marbach gefahren, sodass wir gleich zu einer internationalen Gruppe zusammenwuchsen. Weil es ein Germanistikmaster ist, sprechen wir in der Regel Deutsch miteinander. Aber wenn in einem Kurs überwiegend Franzosen sitzen, einigt man sich auch mal darauf, Französisch zu sprechen.

Pendeln zwischen drei Ländern

Ein Porträtbild von Julia Monsees

Julia Monsees

Foto: privat

Vor jedem Semester kann ich entscheiden, an welcher der drei Universitäten ich Kurse besuchen möchte. Die Städte liegen nicht weit auseinander, sodass ich problemlos am Montag in Saarbrücken, am Dienstag in Luxemburg und am Mittwoch in Metz studieren kann.

Ich war immer nur drei bis vier Tage pro Woche an der Uni und habe mich dabei in jedem Semester auf zwei Länder fokussiert. Im ersten Semester habe ich zum Beispiel in Saarbrücken gewohnt, aber viele Kurse in Metz belegt. Jetzt wohne ich in Straßburg im Elsass, bin aber für Veranstaltungen einmal wöchentlich nach Saarbrücken und Luxemburg gefahren, mit dem Zug oder dem Bus. Finanziert habe ich mir mein Studium unter anderem mithilfe der Mobilitätsbeihilfe der Deutsch-Französischen Hochschule und mit BAföG.

Interkulturelle Masterarbeit

Das Studium vermittelt einen Überblick über die Linguistik, Kulturgeschichte und die deutsche Literatur. Ich habe mich auf die Literatur des 19. Jahrhunderts sowie auf Übersetzungen spezialisiert.

In meiner Masterarbeit, die fast fertig ist, habe ich „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ als deutsch-französischen Kulturtransfer untersucht. Der Autor der Erzählung, Adelbert von Chamisso, ist in Frankreich geboren und dann nach Deutschland gezogen. Er hat die Erzählung auf Deutsch geschrieben, doch sie wurde zu seinen Lebzeiten fünfmal auf Französisch übersetzt. Die Übersetzungen unterscheiden sich stark voneinander und auch vom Original. Während der Protagonist in der deutschen Version beispielsweise am Ende wegen eines Handels mit dem Teufel seinen Schatten verliert und einsam ist, gibt es in einer französischen Übersetzung ein Happy End. Das lässt sich damit erklären, dass es in Frankreich zu der damaligen Zeit unüblich war, Geschichten offen ausgehen zu lassen. Insofern wurde die Erzählung an die Normen der französischen Literatur, also an die damalige Literaturkultur angepasst.

Um das zu untersuchen, habe ich zunächst das Konzept des Kulturtransfers definiert, dann anhand der Sekundärliteratur aus Deutschland und Frankreich ausgewertet, wie die Erzählung hier und da gesehen wurde. Anschließend habe ich die Veränderungen in zwei Übersetzungen analysiert und versucht zu erklären. Und schließlich konnte ich das Konzept des Kulturtransfers auf dieser Basis kritisch untersuchen.

Meine Masterarbeit hat stark vom trinationalen Studium profitiert, denn ich habe in den Vorlesungen und Seminaren selbst erlebt, dass die Forschungskultur in Frankreich eine andere ist. Mir ist zum Beispiel aufgefallen, dass Goethe und Schiller in Frankreich – anders als in Deutschland – als typische Romantiker gelten, weil dort die Romantik gegen die Klassik kämpfte, was auch auf die deutsche Literatur übertragen wird.

Berufswunsch: Deutschunterricht an der Hochschule

Während meines Studiums habe ich ein Semester lang, acht Stunden pro Woche als Fremdsprachenassistentin in Lothringen Deutschunterricht an Schulen gegeben. Seitdem weiß ich, dass ich gerne Lehrerin werden möchte. Außerdem unterstütze ich in Kehl ehrenamtlich einen geflüchteten Jungen beim Deutschlernen, weil die Sprache wichtig für die Integration ist.

Als nächstes möchte ich im deutsch-französischen PhD-Track meines Studiengangs promovieren, denn das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben macht mir großen Spaß. Ich hoffe, dass ich anschließend in die wissenschaftliche Lehre einsteigen kann. Durch meinen trinationalen Abschluss habe ich ja die Möglichkeit, in drei Ländern zu arbeiten – das verbessert meine Chancen auf eine Anstellung in diesem Bereich enorm.

>> Hinweis: Mehr zum Thema Forschung findest du im Thema der Woche „Arbeiten in Wissenschaft und Forschung".

abi>> 16.08.2017