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Horizont erweitern in ganz Europa

Mann und Frau befinden sich im Eingangsbereich eines Flughafens und laufen Richtung Schalter.
Koffer packen und ab zum Flughafen: Viele deutsche Studierende absolvieren im Laufe ihres Studiums ein Auslandssemester. Die beliebtesten Länder in Europa sind Spanien, Frankreich und Großbritannien.
Foto: Martin Rehm

Ins Ausland mit Erasmus+ - Hintergrund

Horizont erweitern in ganz Europa

Wer für ein Semester oder ein Praktikum ins Ausland geht, lernt nicht nur einen anderen Studien- und Arbeitsalltag kennen, sondern entdeckt auch neue Kulturen und verbessert seine Sprachkenntnisse. Das Austauschprogramm Erasmus startete vor 30 Jahren und verhilft Studierenden bis heute erfolgreich zu einem Auslandsaufenthalt in Europa.

Im Herbst im Meer baden, sich von der Gelassenheit der Franzosen anstecken lassen, zum Kaffeetrinken spontan nach Italien fahren – Tabea Nussbaumer hat ihr Auslandssemester in Südfrankreich sehr genossen. Weil die Bachelorstudentin der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften nicht wollte, dass ihr Schulfranzösisch nach dem Abi einrostet, entschied sie sich, fünf Monate mit dem Austauschprogramm Erasmus+ in Nizza zu verbringen. Während des Wintersemesters 2016/2017 studierte sie an der Université de Nice Sophia Antipolis. „Das fünfte Bachelorsemester war ein guter Zeitpunkt, da ich mich nach meiner Rückkehr nun auf meine Abschlussarbeit konzentrieren kann“, sagt die 21-Jährige.

Die Bewerbung lief über das Akademische Auslandsamt ihrer Heimatuniversität in Augsburg. „Ich habe mich etwa ein Jahr im Voraus mit einem Motivationsschreiben und meinem Lebenslauf beworben.“ Mithilfe des Vorlesungskatalogs auf der Homepage der französischen Uni konnte sie sich im Vorfeld die Fächer aussuchen, die sie belegen wollte. Mit ihrer Gastuni schloss sie ein sogenanntes „Learning Agreement“ ab. Dieses stellt sicher, dass die im Ausland erbrachten Studienleistungen zurück in der Heimat von der eigenen Uni anerkannt werden.

Über Erasmus+ erhielt die Studentin eine Förderung von drei Raten in Höhe von je 330 Euro. „Außerdem können in Frankreich alle Studierenden – auch ausländische – Wohngeld beantragen“, erklärt Tabea Nussbaumer. Beides zusammen half ihr, einen Teil ihrer Miete in einer Fünfer-WG zu decken, in der sie mit anderen ausländischen Studierenden lebte. „Zusätzlich habe ich meine Wohnung in Augsburg untervermietet. Außerdem hatte ich durch meinen Nebenjob etwas gespart und meine Eltern haben mich während des Auslandsaufenthalts unterstützt.“

Andere Länder, andere Unisitten

Ein Porträt-Foto von Tabea Nussbaumer

Tabea Nussbaumer

Foto: privat

Das Französische stellte die Studentin vor einige Herausforderungen. „Am Anfang war es für mich nicht so einfach, in den Vorlesungen mitzukommen. Außerdem ist der Stil ein ganz anderer als in Deutschland. Ich bin es gewohnt, dass unsere Professoren mit Power-Point-Präsentationen, Folien oder Skripten arbeiten. In Frankreich sitzt der Professor vorne, liest vor und die Studierenden schreiben Wort für Wort mit. Außerdem dauert eine Vorlesung drei statt eineinhalb Stunden. Nach zwei Wochen habe ich mich langsam daran gewöhnt, am Ende konnte ich alles mitschreiben.“

Auch inhaltlich unterschied sich der Stoff: „Zwar sind das französische und das deutsche Rechtssystem vergleichbar, weil beide textbasiert sind. Allerdings wird in Frankreich mehr Wert auf die Rechtsgeschichte und einzelne Paragraphen gelegt, während wir in Augsburg vor allem die Anwendung von Methoden lernen, um juristische Fälle zu lösen.“

Ihr Fazit nach fünf Monaten in Frankreich fällt sehr positiv aus: „Ich würde es immer wieder machen. Und ich kann mir gut vorstellen, im Master nochmal ins Ausland zu gehen. Über Erasmus bekommt man sehr viel von Land und Leuten mit.“

30 Jahre erfolgreicher Kooperationen in Europa

Wie Tabea Nussbaumer nutzt ein Großteil der deutschen Studierenden, die einen Auslandsaufenthalt absolvieren, Erasmus+. 2014/15 waren es etwa 30.700. Das Erasmus-Programm wurde 1987 von der Europäischen Union ins Leben gerufen, um allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport innerhalb Europas zu fördern. 2014 wurde es finanziell aufgestockt und trägt seitdem den Namen Erasmus+. In Deutschland ist die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) für die Koordination zuständig.

In den vergangenen drei Jahren waren jeweils rund 71 Millionen Euro für das Austauschprogramm in Deutschland verfügbar, nun sind es 85 Millionen. Für deutsche Austauschstudierende bedeutet das, dass sie sich ab 2018 auf eine Steigerung der Monatsraten von zehn bis 15 Prozent freuen können. „Wie hoch die finanzielle Förderung durch Erasmus+ ausfällt, legen die Unis in bestimmten Grenzen selbst fest“, erklärt Markus Symmank, der das Referat „Erasmus+ Mobilität von Einzelpersonen“ des DAAD leitet. Daneben bieten die meisten Hochschulen Unterstützung bei Fragen bezüglich Visa und Unterbringung im Zielland. Vor Ort sind die Gastunis für die Betreuung der Studierenden zuständig.

Persönlich und beruflich profitieren

Ein Porträt-Foto von Sabrina Sandmann

Sabrina Sandmann

Foto: privat

Sabrina Sandmann vom International Office der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf betreut das Erasmus-Programm der Uni und berät Studierende, die ins Ausland gehen möchten. Ihrer Erfahrung nach zogen so gut wie alle Studierenden das Fazit, sich durch den Auslandsaufenthalt positiv entwickelt zu haben.

„Außerdem hat man so die Möglichkeit, die eigenen Karrierechancen zu verbessern“, ergänzt die Expertin. Denn wer ins Ausland geht, entdeckt nicht nur neue Länder und Kulturen: „An einer ausländischen Hochschule lernt man, sich in einem fremden System zurechtzufinden. Das verhilft zu mehr Selbstständigkeit und lässt einen wachsen. Außerdem kommt man mit Studierenden aus aller Welt in Kontakt“, betont Sabrina Sandmann.

Rechtzeitig Infoangebote nutzen

Sie empfiehlt, mindestens ein Jahr im Voraus mit der Vorbereitung für den Auslandsaufenthalt zu beginnen. Informationen zur Organisation, den Partneruniversitäten, Bewerbungsunterlagen sowie jeweiligen Fristen erhalten Interessierte auf den Webseiten des International Office ihrer Hochschule, vor Ort in einem Beratungsgespräch oder bei Informationsveranstaltungen. Außerdem sollte man sich beim Fachbereich über angebotene Kooperationen informieren, da Bewerbungen nur innerhalb des Fachs möglich sind, das man studiert.

Für Praktika gibt es keine Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen, auf die Studierende zurückgreifen können. „Den Praktikumsplatz muss man sich selbst organisieren“, erklärt Sabrina Sandmann. Ist das geschafft, kann man sich auf finanzielle Unterstützung durch Erasmus+ bewerben.

Zusage hängt nicht nur von den Noten ab

Die Auswahlkriterien für eine Förderung werden vom Erasmusbeauftragten des jeweiligen Fachs festgelegt. „Grundsätzlich soll das Erasmus+-Programm für alle da sein. Deshalb werden beispielsweise Noten meist nur dann zum Auswahlkriterium, wenn es mehr Bewerber als freie Plätze gibt“, sagt Sabrina Sandmann.

„Die größte Hürde kann mitunter die Sprache sein. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass beim erforderlichen Sprachniveau immer die Unterrichtssprache, nicht die Landessprache gemeint ist.“ In der Regel reicht es aus, wenn man das geforderte Sprachniveau bis zum Beginn des Auslandssemesters erreicht.

Vergünstigungen und Förderung in Anspruch nehmen

Ob die im Ausland erbrachten Studienleistungen anerkannt werden, muss jeder Studierende individuell innerhalb seines Fachs absprechen. Und auch zeitliche Fragen gilt es im Vorfeld zu klären: „Wenn man das Auslandssemester gut organisiert und bereit ist, eventuell im Semester davor oder danach ein bis zwei Prüfungen mehr zu schreiben, muss sich das Studium durch den Aufenthalt nicht zwangsweise verlängern. Außerdem kann man für die Zeit auch ein Urlaubssemester einlegen, das nicht auf die Zahl der Fachsemester an der Heimatuni angerechnet wird“, erklärt die Beraterin der Uni Düsseldorf. Dadurch verringert sich meist auch der Sozialbeitrag an der Heimatuniversität.

Geförderte erhalten ein monatliches Stipendium, das die Mehrkosten auffangen soll, die im Zielland entstehen. Außerdem wird man von den Studiengebühren an der Gastuni befreit. „Und wer möchte, kann sich für die Zeit auch die Kosten für das Semesterticket vom AStA erstatten lassen.“ (Weitere Informationen findest du hier: „Die wichtigsten Fragen rund um Erasmus“.) Ebenfalls sollten Studierende vorab klären, ob sie Auslands-BAföG erhalten können.

Auslandssemester in Großbritannien nach dem Brexit?

Eines der beliebtesten Ziele deutscher Austauschstudierenden und ein wichtiger Partner des Programms ist Großbritannien. Zurzeit halten sich 4.400 deutsche Studierende mit Erasmus+ an britischen Universitäten auf.

Eine Frage, die Markus Symmank vom DAAD in letzter Zeit oft gestellt bekommt, ist, wie es nach dem Brexit weitergehen wird. „Wir sehen in dem geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU ein erhebliches Gefährdungspotenzial für das Erasmusprogramm und können nicht absehen, wie sich die Zusammenarbeit entwickeln wird. Wir wissen, dass es auf britischer Seite ein großes Interesse daran gibt, die guten Beziehungen aufrechtzuerhalten. Aber ob das politisch geht, ist eine andere Frage.“

Für geplante Aufenthalte in diesem Jahr gibt er Entwarnung: „Die Förderverträge mit den Hochschulen laufen jeweils zwei Jahre. Für dieses Jahr ist alles stabil. Und wir sehen durchaus eine gute Perspektive, dass es trotz Brexit auch nach 2017 weitergehen wird.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland und in der Rubrik „Im Ausland“ über Studienmöglichkeiten im Ausland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de/auslandskooperationen.html

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Infos zu Studium und Praktika im Ausland und zu Fördermöglichkeiten für Studierende wie das Erasmus+-Programm
www.daad.de

Erasmus+

Auf diesen Seiten informiert der DAAD speziell über das Austauschprogramm Erasmus+.
https://eu.daad.de

abi>> 12.06.2017