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Donau und Kaffeehäuser vor der Tür

Junge Frau recherchiert in der Bibliothek und liest dafür verschiedene Bücher sowie Zeitschriften
Was steckt hinter einem Gemälde? Im Kunstgeschichtsstudium in Wien lernen Studierende, Kunstwerke zu analysieren und zu interpretieren.
Foto; Karsten Socher Fotografie / KS-F

Kunstgeschichtsstudium in Österreich

Donau und Kaffeehäuser vor der Tür

Leonie Oelsen (25) aus Hannover macht ihren Master in Kunstgeschichte an der Universität Wien. Die gute Betreuung durch ihre Dozenten und der Flair der Donaumetropole sind zwei der Gründe, warum sie so gerne dort studiert.

Bevor Leonie Oelsen nach Österreich umgezogen ist, hat sie in Halle an der Saale einen Bachelorabschluss in Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften gemacht. Als sie sich nach möglichen Hochschulen für ihren Master umschaute, machte sie nicht an den deutschen Landesgrenzen halt – und beschloss, auch österreichische Universitäten in Betracht zu ziehen.

„Ich suchte nach einer Uni mit einem guten Ruf“, beschreibt die Studentin ihre Beweggründe. „Und es war mir wichtig, dass ich meine Schwerpunkte so individuell wie möglich wählen kann und nicht beschränkt werde, weil ein Lehrstuhl fehlt oder eine Thematik im Lehrplan nicht vorgesehen ist. Außerdem hatte ich den Wunsch, in eine große Stadt zu gehen, die viel zu bieten hat.“ Leonie Oelsen entschied sich für die Uni Wien – ohne jemals zuvor in Österreich gewesen zu sein.

Unkomplizierte Online-Anmeldung

Die Bewerbung für das Studium verlief problemlos. „Ich konnte mich einfach online anmelden, meine Unterlagen hinschicken und nach einer kurzen Wartezeit bekam ich die Zusage. Dann fuhr ich nach Wien, um mich persönlich einzuschreiben. Das war einfach und angenehmer als das, was deutsche Unis für meine Masterbewerbung von mir eingefordert hätten“, erinnert sich Leonie Oelsen.

Auch das Studium selbst ist in Wien anders, als sie es aus Halle gewohnt ist. „Die Uni hier ist um einiges größer. Dementsprechend sitzen mehr Leute in den Seminaren und aus Kapazitätsgründen werden weniger Vorträge gehalten. In vielen Veranstaltungen gibt es schriftliche Prüfungen“, erzählt sie.

In ihrem Masterstudium beschäftigt sich Leonie Oelsen mit den historischen und sozialen Hintergründen von Gemälden und Plastiken, in Architektur und angewandter Kunst. „Wie in der Geschichte arbeiten wir viel mit Quellen und fragen, warum etwas zu diesem Zeitpunkt wie dargestellt wurde“, erzählt sie. Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Je nach Schwerpunkt lernen die Studierenden, wie sie in den Bereichen Denkmalpflege und Restaurierung vorgehen, Ausstellungen organisieren oder Museen aufbauen.

Gutes Verhältnis zu den Kommilitonen

Die Entscheidung für den Umzug nach Österreich hat Leonie Oelsen bis heute nicht bereut: „Obwohl die kunsthistorische Fakultät in Wien ziemlich groß ist, fühle ich mich durch meine Professoren gut betreut, es ist sehr familiär bei uns. Toll ist auch, dass es hier strukturiert und organisiert zugeht.“

Auch außerhalb der Hochschule gefällt ihr das Leben. „Die Stadt ist toll. Ich liebe die Museen, die Donau, in der man im Sommer sogar schwimmen kann, die vielen Parks und nicht zuletzt die Kaffeehäuser, für die Wien berühmt ist“, schwärmt sie. Gleich von Beginn an fand sie außerdem Anschluss an ihre Kommilitonen – und zwar aus allen Ländern, wie sie betont: „Natürlich hatte ich vor meinem Umzug davon gehört, dass die deutschen Studierenden bei den Österreichern nicht sonderlich beliebt sein sollen. Bestätigt hat sich das aber nie: Ich wurde noch von keinem schief angeschaut oder gar beleidigt.“ Das liegt sicherlich auch daran, dass die Uni Wien sehr international ist. „Am Ende sind wir doch alle Studierende und das schweißt zusammen – unabhängig von der Herkunft“, findet die 25-Jährige.

Zeit für die Wohnungssuche mitbringen

Einziger Wermutstropfen sind die Lebenshaltungskosten, die Leonie Oelsen als etwas höher als in Deutschland einstuft. „Vor allem die Lebensmittel sind unheimlich teuer.“ Gleichzeitig gibt sie Entwarnung: „Wenn man etwas intensiver sucht und ein wenig Zeit mitbringt, kann man Wohnungen oder Zimmer finden, die verhältnismäßig günstig sind. Und für die Krankenversicherung oder die öffentlichen Verkehrsmittel zahlt man sogar weniger.“ Die Kunststudentin selbst hat ein bezahlbares Zimmer in einer Vierer-WG ergattert. Österreichische Krankenversicherer bieten Studententarife zwischen 30 bis 60 Euro im Monat an. Man kann, muss aber nicht wechseln, denn die deutsche gesetzliche Krankenversicherung gilt auch in Österreich.

In zwei Semestern wird die gebürtige Hannoveranerin ihr Studium beenden – wie es danach für sie weitergeht, weiß sie schon jetzt ganz genau: „Ich möchte auf jeden Fall in Wien bleiben und versuchen, hier eine Stelle im Kunstbereich zu finden.“

abi>> 07.10.2016