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Die NC-Hürde umgehen

Detail: Stethoskop auf Fachliteratur
Wer über ein Medizinstudium im Ausland nachdenkt, sollte sich gut über die Rahmenbedingungen informieren.
Foto: Sonja Brüggemann

Medizinstudium im Ausland

Die NC-Hürde umgehen

Der Studiengang Humanmedizin ist sehr beliebt, entsprechend groß ist der Kampf um einen Studienplatz. Eine Alternative ist ein Medizinstudium im Ausland, denn hier zählen oft andere Auswahlkriterien.

Wie Hildegard Nagl geht es vielen Abiturienten in Deutschland: Die Abiturnote reicht nicht aus, um einen der begehrten Studienplätze in Medizin zu bekommen. „Meinen Traum, Ärztin zu werden, wollte ich deswegen nicht aufgeben. Daher bewarb ich mich an der Medizinischen Universität Innsbruck“, erzählt die 23-Jährige. Der Vorteil: In Österreich entscheidet allein das Ergebnis eines gemeinsamen Aufnahmeverfahrens aller Unis, die ein Medizinstudium anbieten, das sogenannte MedAT. Auch hier ist aufgrund der Menge an Bewerbern die Konkurrenz groß, zumal aktuell nur 20 Prozent der Studienplätze an EU-Bürger vergeben werden. Diese Quotenregelung läuft zwar Ende 2016 aus, wie es weitergeht, ist aber noch nicht sicher.

Hildegard Nagls Diplomstudium, das in drei Abschnitte aufgeteilt ist, unterscheidet sich inhaltlich kaum von dem in Deutschland. Im elften und zwölften Semester steht wie hierzulande das Praktische Jahr an. Einen wesentlichen Unterschied gibt es jedoch: „Wir schreiben keine Staatsexamen, sondern haben nach jedem Semester eine große Prüfung zu absolvieren“, sagt die Studentin im neunten Semester. Mit ihrem Abschluss und dem Titel „Dr. med. univ.“ könnte Hildegard Nagl problemlos in Deutschland als Ärztin arbeiten. Wohin und in welche Fachrichtung es sie verschlagen wird, ist noch offen.

Abi-Note? Im Ausland weniger relevant

Ein Porträt-Foto von Steffen Witt

Steffen Witt

Foto: privat

Wie in Österreich kann auch in anderen Ländern die Abiturnote eine untergeordnete Rolle spielen. „Das Medizinstudium ist aber auch anderswo beliebt und die Anzahl der Studienplätze an ausländischen Hochschulen ebenso begrenzt“, wendet Steffen Witt, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Greifswald, ein. So müssen Bewerber Tests absolvieren oder mit praktischen Erfahrungen oder Motivationsschreiben punkten. Zudem ist ein Nachweis von Kenntnissen der Landessprache erforderlich. Nicht ohne Grund stehen daher Hochschulen in deutschsprachigen Ländern wie Österreich und die Schweiz hoch im Kurs. Allerdings hat man in der Schweiz keine Chancen auf einen Studienplatz, sofern man nicht seit mindestens zwei Jahren in der Alpenrepublik wohnt.

Bei wem es mit Fremdsprachen hapert, für den hat der Berufsberater einen Tipp: „Die Semmelweis Universität in Budapest und die Pommersche Medizinische Universität Stettin in Polen bieten deutschsprachige Medizinstudiengänge an.“ An anderen ausländischen Hochschulen, etwa im bulgarischen Varna, wird in Englisch gelehrt.

Teils hohe Studiengebühren

Nicht nur in Sachen Sprachkenntnisse ist rechtzeitige Recherche das A und O: Welche Fristen gibt es? Welche Bewerbungsunterlagen sind nötig? Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?

Die letzte Frage ist einfach zu beantworten: „Bei einem Studium in einem EU-Land oder in der Schweiz steht der Approbation, der staatlichen Zulassung zum Beruf, in Deutschland nichts im Wege“, so Steffen Witt. Bei Abschlüssen, die außerhalb der EU erreicht wurden, kann gegebenenfalls eine Prüfung vonnöten sein. Deutlich schwieriger wird es, wenn man während des Auslandsstudiums zurück nach Deutschland möchte. Dafür braucht es einen vergleichbaren Studienaufbau und einen freien Platz an einer deutschen Hochschule. Letzteres ist bei einer Abbruchquote im einstelligen Prozentbereich eher unwahrscheinlich.

Wenn man diesen Weg wählt, sollte man sich also darauf einstellen, das gesamte Studium im Ausland zu absolvieren – und zu finanzieren. „Während in Österreich oder Frankreich keine Studiengebühren anfallen, können es andernorts mehrere Tausend Euro pro Semester sein. In den Niederlanden sind es rund 2.000 Euro, an polnischen Unis wie Stettin hingegen sind es über 10.000 Euro pro Jahr“, merkt Berufsberater Steffen Witt an.

abi>> 03.10.2016

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