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Für das Traumstudium ins Ausland

Frau lernt an Modell mit Buch
In Deutschland sind die Plätze für ein Medizinstudium hart umkämpft. Ein Studium in Ungarn kann eine Alternative darstellen.
Foto: Julia Hendrysiak

Medizinstudium in Ungarn

Für das Traumstudium ins Ausland

Mit ihrer Abiturnote von 1,8 bekam Lisa Gerstner (23) keinen Studienplatz für Humanmedizin in Deutschland. Seit sechs Semestern studiert sie nun in Ungarn – auf Deutsch.

Auf einen Studienplatz in Deutschland hatte Lisa Gerstner lange gewartet: Nach dem Abitur absolvierte sie ein dreimonatiges Pflegepraktikum und ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem Altenheim. Nach über einem Jahr Wartezeit schaute sie sich schließlich nach Studienmöglichkeiten im Ausland um – und stieß auf das Angebot der ungarischen Universität Pécs.

Die Uni bietet neben ihren Kursen auf Ungarisch auch ein Studium der Humanmedizin an, das wahlweise komplett auf Englisch oder Deutsch absolviert werden kann und sich vor allem an ausländische Studierende richtet. „Ein Bekannter von mir studierte damals schon hier“, erzählt die 23-Jährige. „Dem gefiel das gut, und auch bei meinen Recherchen im Internet habe ich immer wieder gelesen, dass das Studium gut sein soll.“ Ihr sagte außerdem zu, dass die Stadt keine Metropole, sondern mit rund 150.000 Einwohnern eher überschaubar ist.

Studienaufbau ähnlich wie in Deutschland

ein Porträt-Foto von Lisa Gerstner

Lisa Gerstner

Foto: Privat

Für die Bewerbung reichte Lisa Gerstner ihren Lebenslauf, das Abizeugnis und ein Motivationsschreiben ein – alles auf Deutsch. Ungarisch-Kenntnisse musste sie nicht nachweisen. Außerdem legte sie ihre Bescheinigungen für das Pflegepraktikum und das FSJ bei. „Die Uni wählt nicht nur nach den Noten aus, sondern berücksichtigt auch, ob die Leute schon im medizinischen Bereich gearbeitet haben.“

Bereits kurze Zeit nach ihrer Bewerbung bekam Lisa Gerstner eine Zusage; mittlerweile studiert sie im sechsten Semester. „Die ersten vier Semester ist das Studium hier ähnlich aufgebaut wie in Deutschland“, erzählt sie. In dieser Zeit standen Grundlagenfächer wie Mikrobiologie, Physiologie und Anatomie auf dem Programm. Nach zwei Jahren hatte sie das Physikum – also den ersten Abschnitt der ärztlichen Prüfung – bestanden. „Das Physikum wird in Deutschland problemlos anerkannt. Deswegen haben sich viele Studierende von hier als Quereinsteiger in Deutschland beworben und tatsächlich einen Studienplatz bekommen.“

„Mir gefällt die Art des Lehrens sehr“

Auch Lisa Gerstner bewarb sich um einen Studienplatz an einer deutschen Uni. Bei ihr klappte es zwar nicht – traurig ist sie deswegen aber nicht. „Ich wollte nicht wirklich weg aus Pécs“, sagt sie. „Mir gefällt die Art des Lehrens sehr.“ Sie empfindet das Lernen als besonders intensiv, da die Studiengruppen mit etwa 20 Leuten relativ klein sind.

Vor allem aber findet sie gut, wie man in Ungarn Prüfungen absolviert. „Wir bekommen eine Reihe von Terminen zur Auswahl und können selbst entscheiden, wann wir bereit sind.“ Viele Prüfungen finden mündlich statt. „Da muss man ganz anders lernen und viel mehr die Zusammenhänge erklären können“, findet die 23-Jährige.

Seit dem ersten Semester belegt Lisa Gerstner Ungarisch-Sprachkurse an der Uni. Das ist Pflicht, damit die Studierenden später mit ihren Patienten sprechen können – ab dem fünften Semester stehen nämlich Kurse in der Klinik auf dem Studienplan. Neben Fächern wie Pathologie, Mikrobiologie und Einführung in die Chirurgie lernen Lisa Gerstner und ihre Kommilitonen nun, welche Vorbereitungen für eine Operation getroffen werden müssen und wie man Anamnesegespräche mit Patienten führt.

Hohe Kosten

Der entscheidende Nachteil des Studiums sind in Lisa Gerstners Augen die hohen Studiengebühren: „In den ersten vier Jahren kostet es pro Semester 6.600 Euro.“ Danach gäbe es Vergünstigungen – zum Beispiel, wenn man gute Leistungen erbringt. Die Lebenshaltungskosten sind laut der 23-Jährigen vergleichbar mit Deutschland, vielleicht sogar etwas geringer. „Ich bekomme Auslands-BAföG, den Großteil finanzieren mir aber glücklicherweise meine Eltern“, sagt sie.

Insgesamt dauert das Studium sechs Jahre. Danach möchte Lisa Gerstner nach Deutschland zurückkehren. Da der Abschluss an der Universität in Pécs europaweit anerkannt wird, kann sie hierzulande als Ärztin arbeiten.

abi>> 31.05.2016