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Zwei Länder, zwei Abschlüsse

Paris, Champs Elysee
Ein binationales Studium erweitert die Horizonte, interkulturellen Kompetenzen und Sprachfähigkeiten.
Foto: Annika Voßen

Binationales Studium

Zwei Länder, zwei Abschlüsse

Ein Studium, aber in zwei Ländern und mit zwei Abschlüssen: Elisabeth Lindemann hat sich für den deutsch-französischen Studiengang der Rechtswissenschaften an der Uni Potsdam und der Uni Paris-Nanterre (Paris X) entschieden. Die 23-Jährige hat dadurch gute Berufsaussichten in beiden Ländern.

Zurück in Deutschland nach einem Studienjahr in Paris hat Elisabeth Lindemann nun zwei Abschlüsse im Gepäck: den Bachelor of Laws der Universität Potsdam und die Licence en Droit der Universität Paris X. „Mir hat die französische Sprache schon immer gefallen“, erzählt sie. „Deshalb habe ich auch schon das bilinguale Abitur, AbiBac, gemacht. Da die Sprache einrostet, wenn man sie nicht benutzt, habe ich mich für einen Studiengang mit Doppelabschluss entschieden.“

Im deutsch-französischen Studiengang Rechtswissenschaften studieren Deutsche und Franzosen zusammen. Die ersten beiden Studienjahre verbringen sie an der Universität Potsdam, dann geht es für zwei Semester nach Paris. „Der Vorteil von gemischten Gruppen ist, dass immer Muttersprachler dabei sind, die sich auskennen und helfen können“, findet die 23-Jährige. „Es haben sich schnell Freundschaften entwickelt. So redet man auch in der Freizeit Französisch.“

Zwei Studiengänge parallel

Ein Porträt-Foto von Elisabeth Lindemann

Elisabeth Lindemann

Foto: privat

In den ersten vier Semestern absolvieren die Studierenden das Grundstudium des deutschen Jurastudiengangs. Zusätzlich halten französische Dozenten in Blockveranstaltungen Vorlesungen über Rechtsgebiete in Frankreich, die am Ende des Semesters ebenfalls mit Klausuren geprüft werden. Im letzten Studienjahr in Paris ist die Aufteilung umgekehrt. Außerdem konnte Elisabeth Lindemann das gesamte Studium über Sprachkurse belegen.

„Mir gefällt besonders die Beschäftigung mit einem anderen Rechtssystem“, erzählt die Jurastudentin. „Nur wenn man weiß, wie andere Länder ihr Recht handhaben, kann man das eigene System kritisch hinterfragen. Außerdem schafft es Verständnis für Regelungen in der EU, die aus deutscher Sicht vielleicht in manchen Fällen merkwürdig erscheinen.“ Die fremde Sprache war für sie kaum ein Problem: „Die deutsche Rechtssprache ist so kompliziert, dass man da genauso Vokabeln lernen muss wie im Französischen. In Frankreich hat man zudem die Möglichkeit, einige Klausuren durch mündliche Prüfungen zu ersetzen – das macht es leichter.“

Organisation hier und dort

Das französische Studium ist ein bisschen anders strukturiert als das in Deutschland: „In Frankreich ist alles frontaler und verschulter. Während man in Deutschland viele Anwendungskurse freiwillig belegen kann, gab es in Paris überall Anwesenheitspflicht und viele Zwischenklausuren. Das deutsche Studium ist freier, erfordert aber auch mehr Selbstdisziplin.“

Die Organisation des integrierten Auslandsaufenthaltes empfand die Studentin als unkompliziert. Da die Anerkennung der Studienleistungen durch den doppelten Studiengang sichergestellt war, musste sich Elisabeth Lindemann nur in Paris immatrikulieren und in Potsdam ein Urlaubssemester beantragen. Studiengebühren gibt es keine. „Man wird bei allem an die Hand genommen, ob beim Beantragen finanzieller Unterstützung durch Erasmus+ und das Netzwerk Deutsch-Französische Hochschule oder bei einer Informationsveranstaltung über die Eröffnung des Bankkontos im Ausland. Die Wohnung in Potsdam habe ich über den Alumniverein ‚Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen‘ gefunden, denn diese werden oft an die nächsten Studierenden im Programm weitervermittelt. In Paris halfen uns Muttersprachler bei der Wohnungssuche.“

Berufschancen in beiden Ländern

Mit den beiden Abschlüssen in der Tasche bereitet sich die Jurastudentin nun auf ihr erstes Staatsexamen in Deutschland vor. Ihre Kenntnisse des französischen Rechtsystems kann sie sich dabei als Schwerpunkt anrechnen lassen. „Ich habe meine Zeit im Ausland sehr genossen“, fasst Elisabeth Lindemann zusammen. „Es ist toll, das Leben in Paris mit seinem ‚Savoir vivre‘ zu erleben. Außerdem kann man die Sprache viel intensiver lernen. Ich finde es wichtig, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Für meine späteren Bewerbungen sind die beiden Abschlüsse sehr wertvoll, weil sie mich aus der Masse der Jurastudierenden hervorheben“, ist sie sich sicher.

Was sie später beruflich machen möchte, weiß Elisabeth Lindemann noch nicht. Neben den klassischen Rechtsberufen in Deutschland hat sie die Möglichkeit, in Unternehmen mit internationaler Ausrichtung, Kanzleien in Frankreich, internationalen Organisationen oder Einrichtungen der EU zu arbeiten. „Ich werde erst einmal mein Referendariat absolvieren und dann sehen, was mir in der Praxis am meisten Spaß macht.“

abi>> 22.01.2019