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Studieren am anderen Ende der Welt

Auf dem Foto ist ein Wald zu sehen.
Wüsten, Steppen und Wälder - Chile hat eine vielfältige Vegetation zu bieten.
Foto: Juliane Gutmann

Studieren in Chile - Hintergrund

Studieren am anderen Ende der Welt

Unter deutschen Studierenden ist das Land an der Westküste Südamerikas noch weitgehend unbekannt, dabei kann es mit renommierten Hochschulen und sehr guter Betreuung punkten.

„Chile ist wie eine Tausend-Schichten-Torte“ hat die chilenisch-US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Isabel Allende einmal gesagt und tatsächlich schwärmen deutsche Studierende, die einige Zeit in Chile verbracht haben, vor allem von der landschaftlichen und kulturellen Vielfalt des Landes. Mit 4.300 Kilometern von Nord nach Süd und 300 Kilometern von West nach Ost ist Chile das längste und gleichzeitig schmalste Land der Welt. Im Westen wird es durch den Pazifik begrenzt, im Osten durch die Anden.

Der Staat mit seinen 17,8 Millonen Einwohnern, von denen fast ein Drittel in der Landeshauptstadt Santiago lebt, ist für deutsche Studierende noch ein „Geheimtipp“. Dabei genießen viele der Hochschulen einen sehr guten Ruf: „Lobenswert ist vor allem die Betreuung der Studierenden durch die Dozenten. Das Verhältnis ist oft sehr persönlich, die Seminare sind sehr viel kleiner als man es aus Deutschland gewöhnt ist“, sagt Jutta Steffen.

Unterschiede im Hochschulsystem

Es gibt Bachelorstudiengänge, die in der Regel nach drei Jahren zum Erwerb des Grades „Bachiller“ führen. Verbreiteter sind jedoch vier- bis siebenjährige Lizenziatsstudiengänge, beispielsweise in den Fachrichtungen Architektur, Ingenieurwissenschaften oder Medizin. Auf der „Licenciatura“ aufbauend, können zweijährige Masterstudiengänge absolviert werden und wie in Deutschland ist auch in Chile der Doktorgrad der höchste zu erlangende Abschluss. Das reguläre Studienjahr beginnt Anfang März und endet Mitte Dezember.

Ein Porträt-Foto von Jutta Steffen

Jutta Steffen

Foto: Privat

„Deutsche Studierende sollten außerdem wissen, dass das chilenische Hochschulsystem um einiges verschulter ist als bei uns. Es werden fortlaufend Tests geschrieben, anstatt am Ende des Semesters eine große Prüfung zu absolvieren“, erklärt Jutta Steffen.

264 Kooperationen zwischen Chile und Deutschland

Aktuell bestehen 264 Kooperationen zwischen deutschen und chilenischen Hochschulen (Stand: November 2015) – vor allem Studierende aus den Wirtschafts- und Kulturwissenschaften zieht es in das lateinamerikanische Land. „Darüber hinaus ist Chile bekannt für die Fächer Psychologie und Astrophysik – in der Atacamawüste im Norden befinden sich leistungsstarke Teleskope, was Physiker aus aller Welt anlockt“, sagt Jutta Steffen.

Aktuell werden in Chile Studiengebühren erhoben, die pro Jahr je nach Studiengang und Hochschule zwischen 200 Euro für ein geisteswissenschaftliches Studium und 4.000 Euro für ein Medizinstudium betragen. Die privaten Hochschulen unterliegen diesbezüglich keiner Kontrolle, sodass sie wesentlich höhere Studiengebühren – bis zu 10.000 Euro – erheben können. „Allerdings wurde gerade ein Gesetz verabschiedet, laut dem chilenische Studierende zukünftig keine Gebühren mehr bezahlen sollen. Wann es in Kraft tritt und ob es auch für internationale Studierende gelten wird, ist aber noch unklar“, schildert Jutta Steffen.

Hohe Lebenshaltungskosten

Sollten die Studiengebühren künftig wegfallen, bliebe den Studierenden mehr Geld für die Finanzierung ihres Alltags, denn die Lebenshaltungskosten in Chile seien nicht zu unterschätzen, weiß Jutta Steffen: „Sie sind in etwa vergleichbar mit jenen in Deutschland.“ Akzeptable Studentenwohnheime gibt es nur wenige, darum leben die meisten Studierenden in privaten Apartments oder Wohngemeinschaften.

Wer nach Chile kommt, sollte sich vorab ausreichend Gedanken über die Finanzierung machen, denn das Studentenvisum, mit dem man einreist, erlaubt es den ausländischen Studenten nicht, einen Nebenjob anzunehmen. „Wer möchte, kann sich aber ehrenamtlich betätigen, zum Beispiel in Schulen oder Kindertagesstätten. Die Hochschulen helfen bei der Vermittlung von Plätzen. So lernen die Studierenden auch Menschen außerhalb des Universitäts-Kosmos kennen, was ich sehr wichtig finde“, sagt Jutta Steffen.

Wissenswertes über Chile

Geografie: Chile teilt man in fünf Regionen: Neben Zentralchile gibt es den kleinen und großen Norden sowie den kleinen und großen Süden. Die Anden-Kordillere im Osten Chiles ist die zweithöchste Bergkette der Erde.

 

Wirtschaft: Chile gilt als das unternehmerfreundlichste und exportstärkste Land Lateinamerikas. Die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren sind der Bergbau (v.a. Kupfer), die Agrarwirtschaft (v.a. Fisch, Wein und Obst) und zunehmend auch der Tourismus. Die wichtigsten Handelspartner sind China, die USA und Europa.

 

Bekannteste Persönlichkeiten: Berühmt ist Chile für seine Schriftsteller Isabel Allende (* 1942) und Pablo Neruda (1904-1973). Neruda erhielt 1971 den Literaturnobelpreis.

 

Chilenische Küche: Neben den Empanadas (gefüllte Teigtaschen) gibt es in Chile Fisch und Meeresfrüchte, Fleisch, Gemüse und Obst. Auch Torten und süßer Nachtisch sind üblich. Nationalgetränk ist der Pisco, ein Traubenmost.

 

Erdeben und Vulkane: Die Erde bebt immer wieder in Chile, zuletzt im September 2015 in der Stärke 8,4. Die meisten Chilenen gehen gelassen damit um, Erdbeben gehören zum Leben dazu. Auch die vulkanische Aktivität hat in den letzten Jahren zugenommen. Studentin Jennifer Müller etwa bestieg im März 2014 den 2.800 Meter hohen Vulkan Villarrica bei Pucón. Ein Jahr später brach er aus. „Bei solchen Neuigkeiten kriegt man schon Gänsehaut – aber das ist eben Lateinamerika“, sagt sie.

 

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Unter „Studieren im Ausland“ kannst du dich über Finanzierung und Förderungsprogramme informieren.

www.studienwahl.de/de/chstudieren/chim_ausland.htm

Hochschulkompass

Infos über internationale Hochschulkooperationen:
www.hochschulkompass.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD ist eine Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern.

www.daad.de

Länderinformationen über Chile:
www.daad.de/laenderinformationen/chile/de
DAAD-Informationszentrum Chile:
www.daad.cl/de
Stipendiendatenbank des DAAD:
www.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben

Liste der chilenischen Hochschulen:

http://sitios.cl/directorio/universidades.htm

Organización de Estados Iberoamericanos

Auf Spanisch und Englisch verfasste Informationen zu Fragen der Anerkennung von Studienleistungen,
-abschlüssen und akademischen Graden:
www.oei.es/quipu/chile/index.html

International Student Identity Card

Der internationale Studentenausweis (ISIC) beweist den Studentenstatus rund um die Welt und wird von der UNESCO als einziger Studentenausweis international anerkannt. Damit sind Ermäßigungen in verschiedenen Bereichen möglich, etwa Reisen, Essen, Software.
www.statravel.de

abi>> 08.01.2016