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Studieren unter 24 Millionen Menschen

Eine Stadtansicht von Shanghai
24 Millionen Menschen, alles überragende Hochhäuser, blinkende Leuchtreklamen: Die chinesische Metropole Shanghai ist ein spannendes Ziel für ein Auslandssemester, berichtet Studentin Jeniffer Hinrichs.
Foto: Meramo Studios

Studieren in China – Erfahrungsbericht

Studieren unter 24 Millionen Menschen

Ein Semester Sprachenstudium plus sechs Monate Praktikum sind fester Bestandteil des Studiengangs „Angewandte Wirtschaftssprachen und Internationale Unternehmensführung“ der Hochschule Bremen – so auch für Jeniffer Hinrichs (24). Die Studentin erzählt abi>>, wie sie ihre Zeit in der Megacity Shanghai erlebt hat.

Für Shanghai habe ich mich aus zwei Gründen entschieden: Zum einen kooperiert die Hochschule Bremen mit chinesischen Universitäten in Beijing, Chengdu und Shanghai. Zum anderen erhalte ich seit meinem dritten Semester ein Deutschlandstipendium von einer Spedition, die ein Auslandsbüro in Shanghai unterhält. Da ich dort also Studium und ein Praktikum kombinieren konnte, fiel meine Wahl auf Shanghai.

Die Bewerbung an der chinesischen Universität war dank der Kooperation mit meiner Hochschule nur eine Formalie. Mit der Zulassungsbescheinigung konnte ich ein Studierendenvisum beantragen, das nach der Einreise 30 Tage gültig war. Innerhalb dieses Monats musste ich es vor Ort in eine „Residence Permit“ für Studierende beziehungsweise später noch einmal in eine für Praktikanten umwandeln lassen. Die Kombination aus Studium und Praktikum ist ein großer Vorteil, weil momentan für China keine Visa nur für ein Praktikum ausgestellt werden. Auch die Anerkennung von Credit Points für mein Studium in Bremen war aufgrund der Kooperation geregelt.

Ankommen in einer anderen Welt

Ein Bild von Jeniffer Hinrichs im Yu Garden

Jeniffer Hinrichs im Yu Garden

Foto: privat

Shanghai ist mit rund 24 Millionen Einwohnern die größte Stadt Chinas – dagegen wirken deutsche Städte wie Bremen fast putzig. Ich war vor meinem Auslandssemester noch nie außerhalb Europas und hatte bei der Anreise tatsächlich einen kleinen Kulturschock. Vom modernen Flughafen Pudong ging es mit der klimatisierten Metro in die Innenstadt voller Lichterreklamen, wo um 23 Uhr immer noch 35 Grad herrschten. Was mich überrascht hat, war der Lärmpegel: Da in China weit mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sind als bei uns, hält sich der Verkehrslärm nämlich in Grenzen.

Zum Glück waren bereits einige meiner Kommilitonen aus Deutschland vor mir in Shanghai gewesen. Ich wusste also, mit welcher Metro ich zur East China Normal University im Stadtteil Putuo komme, wo der nächste Supermarkt ist und wo die Polizeistation liegt, bei der sich jeder Studierende kurz nach der Ankunft anmelden muss. Das hat mir den Start erleichtert.

Chinesisch an der Uni und im Alltag

Der Campus der East China Normal University ist sehr weitläufig. Mit einem der Share-Bikes, die überall zur Verfügung stehen, kommt man aber schnell von A nach B. Täglich hatten wir von 8.30 Uhr bis 11.45 Uhr Unterricht in Wirtschaftschinesisch, Umgangschinesisch und gesprochenem Chinesisch. Vier Stunden am Stück die Sprache und die Schriftzeichen zu lernen und dann nachmittags intensiv vor- und nachzubereiten, war anstrengend, aber machbar.

Leider hatten wir an der Uni kaum Kontakt zu chinesischen Studierenden, weil es wenig Berührungspunkte gab. Und die Chinesen, die zuvor bei uns ein Auslandsjahr an der HS Bremen verbracht hatten, lebten auf einem anderen Campus als wir. Im Praktikum bei der Spedition dagegen konnte ich mein Chinesisch im Gespräch mit Mitarbeitern und Kunden anwenden und eine Menge branchenspezifisches Fachvokabular lernen. Zwar sprechen die Menschen in Shanghai einen eigenen Dialekt, doch die Stadt ist ein Schmelztiegel – die Menschen kommen aus allen Teilen Chinas und jeder spricht auch Hochchinesisch.

Als Praktikantin habe ich im Business Development und Sales einer deutschen Kollegin zugearbeitet, die als Bindeglied zwischen deutschem Hauptsitz und den chinesischen Büros tätig ist. Außerdem durfte ich das deutsche Marketing in China-Angelegenheiten unterstützen, zum Beispiel den offiziellen WeChat-Account der Firma aufbauen, der hier statt WhatApp genutzt wird.

Finanzierung? Stipendium!

Die Wohnungssuche für meinen Aufenthalt in Shanghai gestaltete sich zum Glück einfach: Ich konnte das WG-Zimmer einer anderen Studentin übernehmen. Die Wohnung lag zentral im Stadtteil Jing‘an, nur eine Haltestelle vom Bahnhof entfernt, und hatte einen netten Balkon mit Blick auf den Suzhou River. Die Mieten in Shanghai sind allgemein sehr hoch – allein für das WG-Zimmer bezahlte ich 450 Euro im Monat. Dafür sind Metro, Eintritte für Freizeitangebote und das Essen günstig.

Finanzieren konnte ich meinen Aufenthalt über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdiensts, das auf kombinierte Studien- und Praxissemesteraufenthalte zugeschnitten war. Damit waren alle Kosten abgedeckt – Flugticket, Miete, Studiengebühren, Büchergeld und Versicherungen.

Mentalität verstehen lernen

Durch das Jahr in Shanghai hat sich nicht nur mein Chinesisch deutlich verbessert, ich verstehe auch die Mentalität viel besser. Zum Beispiel ist meiner Erfahrung nach die Arbeitsweise in China lockerer als in Deutschland – da kann es schon mal zu Missverständnissen kommen. Nach meinem Studium möchte ich in der Logistikbranche arbeiten und kann mir auch vorstellen, später mal im Ausland zu arbeiten.

abi>> 07.02.2019