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Lernen in Gruppen

Zwei junge Frauen und ein junger Mann sitzen an einem Tisch und schauen auf Unterlagen.
Vorlesungen und Seminare sind in den Niederlanden eher untypisch. Die Studierenden lernen häufig in Gruppen.
Foto: Meramo

Studieren in den Niederlanden - Hintergrund

Lernen in Gruppen

Nahe der niederländischen Grenze arbeitet Lothar Dröge bei der Arbeitsagentur Aachen-Düren. Der Berufsberater erklärt, warum sich ein Studium im Nachbarland lohnt und was Interessierte vor ihrem Auslandsaufenthalt wissen sollten.

Die Niederlande sind bei deutschen Studierenden äußerst beliebt: Lothar Dröge schätzt, dass derzeit über 20.000 Deutsche dort studieren. Da er an der Grenze zum Nachbarland arbeitet, hat er täglich mit jungen Erwachsenen aus beiden Ländern zu tun. „Die Niederlande sind sehr beliebt, weil dort Studiengänge angeboten werden, die es hierzulande in der Form nicht gibt“, schildert Lothar Dröge. Das betrifft zum Beispiel hochspezialisierte Fächer aus den Bereichen Agrar, Umwelt und Ernährung.

„Oft wollen Deutsche auch Gesundheitsstudiengänge belegen, die bei uns meistens an Berufsfachschulen angeboten werden: In den Niederlanden dagegen werden Fächer wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie an berufsbildenden Hochschulen unterrichtet. Der Abschluss, ein Bachelor, wird hierzulande in aller Regel anerkannt.“ Zudem haben die meisten Fächer keine Zulassungsbeschränkungen.

Problem-based learning

Porträt von Lothar Dröge

Lothar Dröge

Foto: privat

Es gibt noch weitere Unterschiede zwischen den beiden Hochschulsystemen. „In den Niederlanden ist ein völlig anderes Lernsystem üblich, das als problem-based learning bezeichnet wird“, erklärt der Berufsberater. Vorlesungen und Seminare sind eher untypisch, stattdessen lernen die Studierenden in Gruppen und setzen sich intensiv mit einem Thema auseinander. Dabei können sie die Professoren bitten, ein Gruppenprojekt zu begleiten. Außerdem sei der Umgang zwischen Dozenten und Studierenden offener. „In Deutschland ist das Studium deutlich anonymer. Manche hingegen halten das niederländische Hochschulsystem für zu verschult“, zieht Lothar Dröge den Vergleich.

Ein Studium ist an wissenschaftlichen (universiteiten) sowie an berufsbildenden Hochschulen (hogescholen, abgekürzt: HBO) möglich. Erstere leiten Studierende zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten an. Die hogescholen dagegen haben einen stärkeren Praxisbezug. An der Open Universiteit in Heerlen kann zudem ein Fernstudium absolviert werden. Wie in Deutschland können Studierende an allen diesen Einrichtungen einen Bachelor- und einen Masterabschluss machen. „An den Fachhochschulen sind auch mehrere Praktika vorgesehen, die man in Deutschland oder anderswo absolvieren kann“, ergänzt Lothar Dröge.

Höhere Lebenshaltungskosten

Die Einreise in die Niederlande ist ohne Hindernisse möglich. Schwieriger könne sich die Suche nach einer Unterkunft gestalten, meint der Berufsberater: „In den Ballungsräumen ist es oft nicht einfach, eine Wohnung zu finden – viele Studierende ziehen daher aufs Land.“ Die Lebenshaltungskosten schätzt er etwas höher ein als in Deutschland. Außerdem erheben niederländische Hochschulen Studiengebühren: Für EU-Bürger liegen diese im Studienjahr 2015/2016 bei 1.951 Euro. Unter Umständen kann eine zusätzliche Gebühr in gleicher Höhe anfallen, das sogenannte „instellingscollegegeld“. Das legt jedoch jede Hochschule selbst fest, weshalb es ratsam ist, sich vorab danach zu erkundigen.

„Studierende haben aber die Möglichkeit, Auslands-BAföG zu erhalten. Alternativ gibt es eine niederländische Studienfinanzierung, die jeder beziehen kann – unabhängig vom Einkommen der Eltern“, erklärt Lothar Dröge. Eine der Voraussetzungen dafür: Man muss mindestens 56 Stunden im Monat arbeiten; die Art von Job ist dabei unwichtig. Weitere Fördermöglichkeiten werden im Beitrag „Bewerbungstermin ab Mitte Oktober“ genannt.

Info

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern
www.daad.de

Länderinformationen Niederlande:
https://www.daad.de/laenderinformationen/niederlande/de

Stipendiendatenbank:
https://www.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben

Erasmus+
Förderprogramm der Europäischen Union
www.erasmusplus.de

Studielink
Zentrale Internetplattform für Bewerbungen an niederländischen Hochschulen
www.studielink.nl

Study in Holland
www.studyinholland.nl

Studieren in Holland
www.studieren-in-holland.de

Studienscout NL
www.studienscout-nl.de

Stipendienlotse
Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.stipendienlotse.de

International Student Identity Card
Der internationale Studentenausweis (ISIC) beweist den Studentenstatus rund um die Welt und wird von der UNESCO als einziger Studentenausweis international anerkannt. Damit sind Ermäßigungen in verschiedenen Bereichen möglich, etwa Reisen, Essen, Software.
www.isic.de

abi>> 15.04.2016