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Per Du mit dem niederländischen Prof

Abgeschlossene Fahrräder an einem Brückengeländer.
Frieder Kurbjeweit studiert auch im Land der Grachten und Tulpen.
Foto: Meramo

Studieren in den Niederlanden

Per Du mit dem niederländischen Prof

Frieder Kurbjeweit (23) studiert seit 2013 „Public Governance across Borders“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der niederländischen Partnerhochschule, der School of Management and Politics der Universiteit Twente. Für abi» erzählt er von seinem Studium und dem Leben im Land der Grachten und Tulpen.

Münster und die niederländische Region Twente liegen nur etwa 70 Kilometer auseinander, eine Auto- oder Zugfahrt von rund einer Stunde. Ich kann also bequem zwischen Münster und Enschede – die Stadt, in der sich die Uni Twente befindet – pendeln. Für den Bachelorstudiengang „Public Governance across Borders“ kooperieren beide Hochschulen miteinander, weshalb das Studium für deutsche und niederländische Studierende an beiden Standorten stattfindet: Das erste Studienjahr habe ich in Münster verbracht und bis zum Sommer 2016 besuche ich Seminare im Nachbarland. Im fünften und sechsten Semester wiederum studiere ich an der deutschen Uni und schreibe meine Bachelorarbeit.

Zwei Sprachkurse zu je drei Monaten

Für meinen politikwissenschaftlichen Studiengang habe ich mich entschieden, weil er interdisziplinär ausgerichtet ist und auch Fachrichtungen wie Wirtschaft und Soziologie umfasst. Dass es sich dabei um einen internationalen Studiengang handelt, der mir sogar zwei Hochschulabschlüsse einbringt – den der Uni Münster und den der Uni Twente –, war für mich ein zusätzlicher Vorteil. So kann ich ein neues Umfeld erleben und eine neue Sprache lernen. In den Niederlanden habe ich an der Uni direkt zwei Sprachkurse belegt, die jeweils drei Monate dauerten. Aber Verständigung war sowieso kein Problem, weil in der Grenzregion viele Einwohner auch Deutsch sprechen. Außerdem sind in meinem Fach alle Seminare auf Englisch. Aus diesem Grund müssen Studienbewerber Englischkenntnisse nachweisen, entweder, indem sie das Fach Englisch bis zum Abitur mit mindestens ausreichend belegt haben, oder über einen TOEFL-Test.

An der Uni Münster, wo ich mich beworben habe, lag der Numerus clausus für „Public Governance across Borders“ zu meiner Zeit bei 2,0. Bewerber an der Uni Twente hingegen müssen keinen bestimmten Notendurchschnitt nachweisen – dort gelten wieder andere Bestimmungen. Zum Beispiel braucht man die allgemeine Hochschulreife und muss die Fächer Mathematik und Englisch bis zum Abitur belegt haben.

Zuschuss dank Stipendium

Porträt von Frieder Kurbjeweit

Frieder Kurbjeweit

Foto: privat

In den Niederlanden habe ich mich gut eingelebt und einige Freunde gefunden. Die Uni Twente erleichtert uns ohnehin eine schnelle Eingewöhnung, da niederländische Hochschulen die Studierenden intensiv betreuen. Die Professoren nehmen sich für den Einzelnen viel Zeit und kennen jeden beim Namen. Alle sprechen sich mit dem Vornamen an, was den Umgang lockerer macht.

Auch das Lernsystem ist anders als in Deutschland: Ergänzend zu den Lehrveranstaltungen nehmen wir in den Niederlanden regelmäßig ein Thema drei Monate lang sehr intensiv in Projektgruppen durch, die aus vier bis sechs Teilnehmern bestehen. (Lies dazu auch den Beitrag „Lernen in Gruppen“, verlinkt wird auf den Artikel) Es gibt also keine Semesterstruktur wie in Deutschland, stattdessen dauern die Module nur zehn Wochen. In der Mitte oder am Ende dieser Zeit müssen wir Hausarbeiten abgeben oder Prüfungen schreiben. Das hat den Vorteil, dass die Klausurtermine gleichmäßig verteilt sind und wir weniger Stress haben. Außerdem bleibt das Wissen auf diese Art dauerhaft präsent.

Theater, Chor und Fahrradfahren

Ich hatte das Glück, ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung zu bekommen. Die Stiftung ist für die in den Niederlanden anfallenden Studiengebühren von rund 1.900 Euro für ein Jahr aufgekommen und hat mir monatlich noch 300 Euro Auslandszuschuss gewährt. Die Studierenden versorgen sich meist selbst, denn in Enschede gibt es keine richtige Mensa. Vom Prinzip her sind die Studentenrestaurants zwar ähnlich, aber deutlich teurer. Da ich in einer Wohngemeinschaft lebe, kochen meine Mitbewohner und ich oft gemeinsam. Insgesamt sind wir 16 Leute aus den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Spanien.

Außerhalb des Studiums kann einem auch nicht langweilig werden, da die Uni viele Freizeitaktivitäten anbietet, wie Sport- und Theatergruppen oder einen Chor. Außerdem fahre ich in Enschede gerne mit dem Fahrrad – zwar ist auch Münster als Fahrradstadt bekannt, aber in den Niederlanden sind die Radwege sogar noch besser ausgebaut.

abi>> 15.04.2016