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Ein spannendes Jahr

Detailaufnahme von einer Glasweltkugel auf einer Landkarte.
Immer mehr Hochschulen legen Wert auf eine internationale Ausrichtung.
Foto: Axel Jusseit

Studieren in der Slowakei

Ein spannendes Jahr

Radoslaw Berger (27) studiert Internationales Finanzmanagement an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das erste Jahr des Masterstudiengangs absolvierte er an der Partneruni im slowakischen Bratislava.

Schon während seines Bachelorstudiums der Internationalen Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Nordhausen verbrachte Radoslaw Berger ein Semester in Polen. Das gefiel ihm so gut, dass er auch im Master wieder nach Osteuropa wollte. Er informierte sich über die Möglichkeiten – und entdeckte den Studiengang Internationales Finanzmanagement, eine Kooperation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Wirtschaftsuniversität Bratislava. „Bei dem Studiengang ist es Pflicht, die ersten beiden Semester an der Partnerhochschule in Bratislava zu absolvieren“, erzählt der 27-Jährige. Das sagte ihm zu: „Ich wollte mehr von Osteuropa kennenlernen und hatte viel Spannendes über Bratislava gehört.“

Er bewarb sich mit seinem Bachelorzeugnis und einem Motivationsschreiben auf Deutsch. Viel Zeit zum Vorbereiten blieb ihm nicht: Die Zusage für den Studienplatz erhielt er Anfang September – und schon Ende des Monats zog er ins Ausland.

Deutsch an der Uni, Slowakisch im Alltag

Ein Porträt-Foto von Radoslaw Berger

Radoslaw Berger

Foto: Privat

„Ich habe kein Wort Slowakisch gesprochen“, erinnert sich Radoslaw Berger. „Meine Familie hat aber polnische Wurzeln, und ich spreche gut Polnisch. Das hat mir geholfen, weil die slawischen Sprachen Gemeinsamkeiten haben.“ Außerdem belegte er freiwillig einen Sprachkurs in Bratislava und zog bewusst in ein Wohnheim, wo er sich eine Wohnung mit drei Slowaken teilte. „So konnte ich ziemlich schnell zumindest die Grundlagen der Sprache lernen.“

Das Studium selbst lief komplett auf Deutsch. „Wir sind zwölf Studierende aus Deutschland und der Slowakei. Für das zweite Masterjahr sind jetzt alle nach Halle-Wittenberg gekommen.“ Auch die Lehrkräfte pendeln über die Grenzen: „Mehr als die Hälfte der Kurse in Bratislava wurden von Professoren aus Halle gehalten.“ Dabei handelte es sich meist um intensive Blockkurse, die sich über zwei Wochen erstreckten. Die Seminare und Vorlesungen der slowakischen Lehrkräfte hingegen liefen über ein ganzes Semester.

Da das Studium eine feste Kooperation der beiden Hochschulen ist, stand auch der Lehrplan für das Auslandsjahr fest. Wahlmöglichkeiten hatte Radoslaw Berger nicht, stattdessen belegte er wie all seine Kommilitonen Seminare wie Internationale Rechnungslegung oder Finanzen und Währung.

Kosten niedriger als in Deutschland

Studiengebühren musste Radoslaw Berger in Bratislava nicht bezahlen. Überhaupt war das Leben in der Slowakei seiner Meinung nach ziemlich preiswert. „Ich habe für mein Zimmer 80 Euro im Monat gezahlt, das ist unschlagbar. Auch die Kosten für Essen, öffentlichen Nahverkehr und Freizeitaktivitäten waren deutlich niedriger als in Deutschland“, sagt er. Seine Eltern unterstützten ihn finanziell, außerdem bekam er Auslands-BAföG und konnte auf Erspartes zurückgreifen.

„Das Jahr war wirklich super für mich“, schwärmt der 27-Jährige. Er fand gute Freunde: Zu seinen ehemaligen Mitbewohnern hält er engen Kontakt und besucht sie weiterhin jeden Monat.

Das Ziel: Ein Job im Ausland

In Bratislava bekam Radoslaw Berger die Chance, beim Unternehmen Henkel zu arbeiten – erst als studentische Aushilfe während des Semesters, danach noch einige Wochen als Vollzeitkraft. Nach seinem Abschluss würde der 27-Jährige gern im Bereich Business Intelligence arbeiten – also in der Auswertung von Unternehmens- und Marktdaten mit dem Zweck, Abläufe zu optimieren und bessere strategische Entscheidungen zu ermöglichen. „Ich sehe mich irgendwo in Europa, eher nicht in Deutschland. Ich würde gerne neue Regionen wie Skandinavien kennenlernen.“

abi>> 06.06.2016