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Nachhaltigkeitsforschung in Tansania

Globus mit dem afrikanischen Kontinent
In ihrem Auslandssemester im südafrikanischen Tansania hat Alexandra Unger viel gelernt - fachlich, aber auch menschlich.
Foto: Ria Kipfmüller

Studieren in Tansania

Nachhaltigkeitsforschung in Tansania

Das vierte Semester ihres Masterstudiums führte Alexandra Unger (30) ins tansanische Dar es Salaam. Dort gewann sie nicht nur fachlich wertvolle Eindrücke – das Leben im ostafrikanischen Land hat sie auch persönlich weitergebracht.

Für Alexandra Unger war klar, dass sie in ihrem Masterstudiengang „Sustainability Economics and Management (SEM)“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg noch einmal für ein Semester ins Ausland gehen würde. „Nach Auslandsaufenthalten in Europa und Lateinamerika wollte ich ein neues Terrain erkunden, auch wenn das fachlich nicht zwingend war“, sagt sie. Die Entscheidung für Tansania als Ziel fiel aufgrund einer Kooperation ihrer Hochschule mit der University of Dar es Salaam.

Los ging’s mit einer Bewerbung beim Akademischen Auslandsamt. „Alle Klärungen wurden uns weitgehend abgenommen und auch die University of Dar es Salaam war sehr kooperativ“, erinnert Alexandra Unger sich. Allerdings: Das Studentenvisum ließ auf sich warten, also reiste sie mit einem Touristenvisum nach Tansania ein. „Wir konnten das Studentenvisum dann vor Ort beantragen. Heute ist das meines Wissens aber nicht mehr möglich,“ warnt sie.

Während ihres Auslandssemesters im Sommer 2016 belegte sie an der afrikanischen Gastuni Module des Masterstudiengangs „Climate Change and Sustainable Development“. Da der Fachbereich ihrer Heimatuniversität eng mit dem tansanischen Masterprogramm zusammenarbeitet, erleichterte dies vieles für die Studentin, beispielsweise die Immatrikulation an der Gastuni oder die Anrechnung von Modulen.

Auch in Afrika kommt es auf die Lehrenden an

Portrait von Alexandra Unger

Alexandra Unger

Foto:privat

Ihr Studium in Tansania war sehr abwechslungsreich – von größeren Seminaren mit Frontalunterricht bis hin zu sehr diskussionsorientierten Kleingruppen gab es alles. „Unser Seminar zur Wanderweidewirtschaft etwa war hochspannend mit sehr offenen Diskussionen“, erinnert sich die 30-Jährige. Auf dem Lehrplan standen Fächer zu Themen wie Nachhaltigkeit, Ökosysteme, Infrastruktur und Landwirtschaft im Klimawandel. „Die Qualität der Lehrveranstaltungen war stark von den Professoren abhängig.“ Beeindruckt hat sie die Fülle an Stoff, die die Studierenden bewältigen müssen. „Und das, obwohl in meinem Programm recht häufig Kurse ausgefallen sind.“

Auch die Studienbedingungen an der tansanischen Universität waren zum Teil ganz unterschiedlich. „Masterstudiengänge sind privilegiert – die Räume waren klimatisiert und die Ausstattung deutlich besser als die der meist überfüllten Bachelor-Kurse“, beschreibt Alexandra Unger den Unibetrieb. Administrative Prozesse erlebte sie als eher schleppend – ob es um die Anmeldung selbst oder die Erteilung von Noten ging. „Wer sich Kurse für das Studium in Deutschland anrechnen lassen möchte, muss hartnäckig sein.“

Persönlicher Kontakt zählt – an der Uni und privat

Privat suchte Alexandra Unger den Kontakt zu einheimischen Studierenden und anderen Tansaniern. Geholfen haben ihr auch Tipps von Kommilitonen ihres Fachbereichs, die bereits ein Auslandssemester in Dar es Salaam absolviert hatten. So kam sie auch auf die Idee, sich gemeinsam mit anderen Austauschstudierenden eine Privatwohnung zu suchen. Die war zwar mit monatlich rund 175 Euro Miete nicht so günstig wie ein Zimmer im Studentenwohnheim auf dem Campus, aber das war es ihr Wert, weil es im Wohnheim keine Kochmöglichkeiten und häufig Probleme mit der Wasserversorgung gab.

Finanzieren konnte die Studentin ihren Aufenthalt mit Auslands-BAföG und einem PROMOS-Stipendium des DAAD. Dieses Stipendium wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und richtet sich an Studierende aller Fachbereiche. Auslandsstudienaufenthalte von bis zu sechs Monaten können so mit einem monaltichen Zuschuss gefördert werden.

Über alle fachlichen Erkenntnisse hinaus hat Alexandra Unger eine wichtige Einsicht aus Tansania mitgenommen: „Die Erfahrung, wie privilegiert man als Europäer ist, war einschneidend. Und sei es nur die Möglichkeit, im Ausland zu studieren, die uns jederzeit offensteht. Es lohnt sich, sich in die Geschichte des Gastlandes einzulesen und die eigene privilegierte Rolle zu reflektieren“, empfiehlt sie.

Heute ist die 30-Jährige Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt zum Thema klimaneutrales Wohnen. Afrika ist sie auch nach ihrem Studienaufenthalt treu geblieben: Sie engagiert sich im Vorstand des ANSA e.V., einem Netzwerk der Alumni und Stipendiaten in Subsahara Afrika.

abi>> 10.04.2019