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Mehrere Wege führen nach Frankreich

Imbisswagen mit Crepes in einer französischen Stadt.
Jeden Morgen frische Crêpes: Viele deutsche Studierende zieht es für ein Auslandssemester nach Frankreich.
Foto: Martin Rehm

Studieren in Frankreich: Interview

Mehrere Wege führen nach Frankreich

Wer sich für ein Studium in Frankreich entscheidet, sollte sich vorher gut informieren. Das sagt Christiane Schmeken vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Denn es gibt mehrere Möglichkeiten, in Frankreich zu studieren und diesen unterscheiden sich in puncto Anerkennung, Finanzierung und Bewerbungsverfahren. Die Außenstellenleiterin des Pariser Büros schildert im Interview die wichtigsten Eckdaten.

abi >> Frau Schmeken, kann jeder Deutsche mit einem Abi in der Tasche in Frankreich studieren?

Ein Porträt-Foto von Christiane Schmeken

Christiane Schmeken

Foto: Privat

Christiane Schmeken: Als EU-Bürger sind Deutsche in Frankreich ihren französischen Mitbewerbern grundsätzlich gleichgestellt. Das Abitur wird in Frankreich anerkannt. Allerdings verlangen die Hochschulen in der Regel den Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse. Nähere Infos hierzu erteilen die Instituts Français, die es in vielen deutschen Städten gibt. Dort kann man auch Sprachtests ablegen. Wer in der Schule einen Französisch-Leistungskurs belegt hat, ist vom Test befreit. Während das Bachelorstudium an Universitäten in fast allen Fächern zulassungsfrei ist – es gibt in Frankreich keinen Numerus clausus – sieht es beim Master und an den Ingenieur- und Wirtschaftshochschulen, den sogenannten Grandes Ecoles, anders aus. Dort wird anhand von Eignungsprüfungen, Auswahlverfahren oder guter Noten ausgewählt.

abi >> Welche Studienmöglichkeiten gibt es?

Christiane Schmeken: Die unkomplizierteste Art ist das Studium im Rahmen eines Austauschprogramms. Am bekanntesten ist Erasmus+, aber es gibt je nach Hochschule auch noch andere Partnerschaften. Darüber informiert das Akademische Auslandsamt oder International Office der Heimathochschule. Der Vorteil ist, dass die Leistungen an der Partnerhochschule anerkannt werden können und sich das Studium durch die Auslandserfahrung nicht unbedingt verlängert.

abi >> Gibt es auch andere Wege?

Christiane Schmeken: Ja, zum Beispiel die integrierten deutsch-französischen Studiengänge unter dem Dach der Deutsch-Französischen Hochschule. Hier verbringen die Studierenden etwa die Hälfte der Studienzeit an einer französischen Partnerhochschule und erwerben die Abschlüsse beider Hochschulen, also einen sogenannten Doppelabschluss. Während des Studiums in Frankreich gibt es außerdem eine Mobilitätsbeihilfe in Höhe von derzeit 270 Euro monatlich. Wer im Inland eine Unterstützung bekommt, etwa durch BAföG oder eine Stiftung, kann diese in der Regel mit ins Ausland nehmen.

abi >> Und ganz eigeninitiativ? Geht das auch?

Christiane Schmeken: Immer mehr deutsche Studierende entscheiden sich tatsächlich dafür, ein komplettes Studium in Frankreich zu absolvieren. Dies ist sicher eine bereichernde Erfahrung, macht es aber schwierig, ein Stipendium zu bekommen. Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Berufseinstieg in Deutschland unter Umständen schwierig werden kann, auch wenn die Abschlüsse formal natürlich anerkannt sind.

abi >> Wie läuft die Bewerbung ab?

Christiane Schmeken: Bei Aufenthalten, die nicht über eine deutsche Hochschule koordiniert werden, läuft die Bewerbung für ein erstes Studienjahr nach dem Abitur in den meisten Fällen über das zentrale Bewerbungsportal www.admission-postbac.fr, in allen anderen Fällen direkt über die Wunschhochschule in Frankreich. Die Internetseiten der Hochschulen enthalten hierzu in der Regel ausreichend Informationen.

abi >> Gibt es finanzielle Unterstützung?

Christiane Schmeken: Der DAAD bietet grundsätzlich Mobilitätsstipendien, also eine Unterstützung für ein vorübergehendes Studium in Frankreich, nicht für ein komplettes Auslandsstudium. Es gibt Stipendien für reine Studien- oder Praxisaufenthalte sowie für ein kombiniertes Jahr aus beidem. Die Stipendien setzen gute Leistungen im bisherigen Studium plus ein überzeugend dargelegtes Studienvorhaben voraus. Der DAAD bietet eine Reihe von Programmen an; einen guten Überblick gibt unsere Stipendiendatenbank.

abi>> 17.07.2015