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Fettnäpfchen-Bonus für Ausländer

Japanische Speisen
Traditionell wird in Japan viel Reis, Gemüse, Fleisch und Fisch gegessen.
Foto: André Deco

Auslandsjahr in Japan

Fettnäpfchen-Bonus für Ausländer

Während seines Bachelorstudiums der Japanologie verbrachte Daniel Echter (25) ein Austauschjahr in Kagoshima im Süden Japans. Ihm gefiel es so gut, dass er am liebsten geblieben wäre.

Als Student der Japanologie wollte Daniel Echter eine längere Zeit in Japan verbringen, um die Sprache intensiver zu lernen und tief in die Kultur einzutauchen. Zum Glück bot seine Heimathochschule – die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) – die Möglichkeit, ein Jahr lang an der Universität Kagoshima zu studieren. Um den Studienplatz musste er sich an seiner Heimatuni bewerben: Maßgeblich für die Auswahl waren die Noten, die er bis zum vierten Semester in den Sprachprüfungen erzielt hatte. Ein Motivationsschreiben war nicht nötig. Da es genauso viele verfügbare Studienplätze wie Bewerber gab, ging niemand leer aus.

Das Auslandsjahr finanzierte Daniel Echter mithilfe eines Stipendiums der japanischen Regierung, das ihm monatlich rund 600 Euro einbrachte. „Obwohl Japan teuer ist, bin ich mit dem Geld gut ausgekommen“, erzählt der 25-Jährige, der als Student einer Partnerhochschule keine Studiengebühren an der Universität Kagoshima entrichten musste.

Sushi in der Mensa

Ein Porträt-Foto von Daniel Echter

Daniel Echter

Foto: Privat

Für sein Japanjahr nahm Daniel Echter nach dem fünften Semester zwei Urlaubssemester. Vor Ort war er in einem Wohnheim für internationale Studierende untergebracht. Kurz nach seiner Ankunft kümmerte er sich um Organisatorisches, zum Beispiel eröffnete er ein Bankkonto und schloss einen Handyvertrag ab. Unterstützt wurde er dabei von studentischen Tutoren der japanischen Uni. Auch er selbst engagierte sich später in einem Uni-Verein, der die internationalen Studierenden näher zusammenbrachte. „Ein- oder zweimal im Monat gab es zum Beispiel eine Barbecue-Nacht. Und immer wieder haben Studierende die Kultur und Küche ihrer Herkunftsländer vorgestellt“, erinnert er sich.

Ansonsten ging Daniel Echter während des Austauschjahrs häufig in der Mensa oder auch in günstigen Restaurants essen. „Traditionell gibt es in Japan viel Reis, dazu Gemüse, Fleisch und Fisch. Wenn man nicht gerade etwas sehr Spezielles haben möchte, vermisst man hier eigentlich nichts auf der Speisekarte“, findet er.

Japanisch im Alltag

An der Uni besuchte Daniel Echter in erster Linie Japanisch-Kurse. Darüber hinaus nahm er an Veranstaltungen der Humanwissenschaften teil, in denen es etwa um das aktuelle politische Geschehen in Japan ging. Zu Beginn eine Herausforderung für ihn, da die Veranstaltungen auf Japanisch stattfanden.

Glücklicherweise hatte sich Daniel Echter schon an der LMU gute Japanischkenntnisse angeeignet, sodass er vor Ort schnell lernte, sich im Alltag relativ flüssig und ohne große Probleme zu verständigen. „Bevor ich nach Japan kam, habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich beim Sprechen viele Fehler mache. Jetzt rede ich einfach drauf los und traue mich eher, Leute einfach anzusprechen“, sagt er.

„Man merkt es an den Blicken“

Seine Freizeit verbrachte Daniel Echter mit japanischen und internationalen Kommilitonen. Kagoshima ist zwar lange nicht so groß und turbulent wie beispielsweise Tokio, aber es gibt unter anderem Bowlingbahnen und Bars. Interessant fand er, dass es in der Interaktion mit Einheimischen viele ungeschriebene Gesetze gibt: „Wenn man in ein Fettnäpfchen getreten ist, merkt man es an den Blicken der Japaner. Aber sie sehen einem ja an, dass man nicht von hier ist. Deshalb nehmen sie einem vieles nicht übel, man hat eine Art Ausländerbonus“, ist seine Erfahrung.

An der Uni spielen Hierarchien eine große Rolle: „Bestimmte Hochschul-Clubs stehen zum Beispiel nur Studierenden höherer Semester offen. Doch für Ausländer, die nur ein Jahr lang bleiben, werden da auch mal Ausnahmen gemacht“, erklärt Daniel Echter. Insgesamt hat er sich in dem asiatischen Land so wohl gefühlt, dass er gar nicht mehr wegwollte. Vor wenigen Monaten erst ist er von seinem Austauschjahr zurückgekehrt, hat zwischenzeitlich sein Bachelorstudium abgeschlossen und legt jetzt vor Beginn des Japanologie-Masters noch einen Urlaub in seinem Lieblingsland ein.

Hintergrund: Studieren in Japan

Laut dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gibt es in Japan gut 1.000 Hochschulen, darunter Universitäten und Technische Fachhochschulen. Die Mehrheit der Universitäten ist privat geführt. In Japan ist das Studium unterteilt in einen Undergraduate-Bereich, der mit einem Bachelor (Gakushi), und einen Graduate-Bereich, der mit einem Master (Shushi) abschließt. Einige der Studiengänge sind englischsprachig. Das akademische Jahr beginnt im April und endet im März.

Egal ob privat oder staatlich: „Die Studiengebühren sind in Japan generell hoch, an den privaten Hochschulen aber noch höher“, sagt Rolf Giering vom DAAD. An staatlichen Hochschulen können sich die Kosten im Undergraduate-Bereich auf rund eine Million Yen (circa 7.300 Euro) im ersten Studienjahr belaufen, wobei die Gebühren in den folgenden Jahren meist um etwa 30 Prozent niedriger liegen. An privaten Schulen können sogar bis zu fünf Millionen Yen (circa 37.000 Euro) jährlich anfallen. Austauschstudierende wie Daniel Echter, die einen Platz an einer japanischen Partnerhochschule bekommen, müssen in der Regel allerdings keine Gebühren bezahlen. Dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz zufolge bestehen derzeit 622 Kooperationen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen (Stand: August 2015).

 

>> Lies auch die Reportage: Auslandssemester in Südkorea

 

Weitere Informationen

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

informiert deutsche Studierende über Studienmöglichkeiten im Ausland, Hochschulsysteme, Land und Leute sowie Finanzierungsoptionen. Über Japan und Südkorea hält der DAAD Länderinformationen bereit.
www.daad.de

Flyer „Programme des DAAD für Deutsche nach Japan“:
http://tokyo.daad.de/wp/wp-content/.pdf

DAAD-Außenstelle in Tokio

http://tokyo.daad.de/wp/lang/de

DAAD-Informationszentrum in Seoul

www.daad.or.kr/de

Japan Student Services Organization (JASSO)

Website mit umfassenden Informationen über das Studium in Japan
www.jasso.go.jp/index_e.html

Buch „Student Guide to Japan“

www.jasso.go.jp/study_j/sgtj_e.html

Study in Korea

Website zum Studium in Südkorea, herausgegeben von der südkoreanischen Regierung
www.studyinkorea.go.kr/en/main.do

Studieren in Korea

Blog des ehemaligen Austauschstudenten Simon Weihofen mit persönlichen Tipps und Erfahrungen
www.studium-in-korea.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

International Student Identity Card

Der internationale Studentenausweis (ISIC) beweist den Studentenstatus rund um die Welt und wird von der UNESCO als einziger, international gültiger Studentenausweis anerkannt. Damit sind Ermäßigungen in verschiedenen Bereichen möglich, etwa Reisen, Essen, Software etc.
www.statravel.de/isic.htm

abi>> 18.09.2015