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Im Land der Gegensätze

Ein Mann sieht sich ein Roentgenbild an.
Um sich für einen Studienplatz an einer südkoreanischen Hochschule zu bewerben, musste Esther Dietrich unter anderem ein Röntgenbild einreichen.
Foto: Hans-Martin Issler

Auslandsemester in Südkorea

Im Land der Gegensätze

Esther Dietrich (22) legte im sechsten Semester ihres Bachelorstudiums im Fach „Computergestützte Ingenieurwissenschaften“ ein Auslandssemester an der Ajou University in Suwon, Südkorea, ein.

Während ihrer Schulzeit hatte Esther Dietrich ein Austauschjahr in den USA verbracht und wollte im Studium eine völlig neue Kultur kennenlernen. Schon im ersten Semester an der Leibniz Universität Hannover erkundigte sie sich im Hochschulbüro für Internationales nach ihren Möglichkeiten. An der Partnerhochschule in Südkorea sagte ihr vor allem das Kursangebot zu, das zur Wahl stand. Esther Dietrich wusste zu dem Zeitpunkt noch wenig über das Land: „Deshalb fand ich Südkorea umso spannender“, sagt sie.

Bewerbung mit Röntgenbild

Sie musste sich an der deutschen und an der südkoreanischen Hochschule um den Studienplatz bewerben – mit einem Lebenslauf, einem deutschen und einem englischsprachigen Motivationsschreiben, einem Empfehlungsschreiben eines Professors und dem Ergebnis eines Englischtests. Die Ajou University in Südkorea forderte außerdem einen Röntgenbefund als Nachweis dafür, dass sie keine Tuberkulose hat. „Das fand ich erst seltsam, aber es scheint in Korea gang und gäbe zu sein“, schildert sie.

Ein Porträt-Foto von Esther Dietrich

Esther Dietrich

Foto: Janna Degener

Um das Auslandssemester finanzieren zu können, bewarb sich Esther Dietrich außerdem auf ein Promos-Stipendium. Das Mobilitätsprogramm Promos fördert Auslandsaufenthalte von bis zu sechs Monaten; die Stipendien werden direkt von den deutschen Hochschulen vergeben. Dadurch hatte die 22-Jährige monatlich 300 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus finanzierte sie ihren Aufenthalt mithilfe ihrer Eltern und Erspartem.

In der Vorbereitungsphase fand Esther Dietrich Unterstützung bei der Auslandskoordinatorin der Uni Hannover. Diese vermittelte ihr auch den Kontakt zu einer Studentin, die zwei Jahre zuvor ein Semester an derselben südkoreanischen Uni verbracht hatte und viele organisatorische Fragen beantworten konnte. „Das war äußerst hilfreich, um zum Beispiel überhaupt das englischsprachige Kursangebot auf der Website der koreanischen Uni zu finden“, erinnert sich Esther Dietrich.

Englisch ist gut, Koreanisch ist besser

Koreanisch lernte die 22-Jährige schon vor dem Auslandsaufenthalt. Da es an der Uni Hannover keinen Sprachkurs gab, nutzte sie Sprachlernvideos im Internet. „In Suwon kam ich mit Englisch zwar zurecht, aber nicht sehr gut. Häufig musste ich mich mit Händen und Füßen verständigen und auch die Kommunikation mit den Kommilitonen war zum Teil schwierig“, erklärt sie.

Aufgrund ihrer Vorkenntnisse konnte sie an der Uni in Suwon gleich in einen Sprachkurs für Fortgeschrittene einsteigen. Abgesehen davon besuchte sie ausschließlich englischsprachige Seminare: einen Kurs in „Computer Engineering“, zwei aus dem Bereich Wirtschaft und einen zum Thema Maschinenbau. „Ich konnte mir zwar nicht alle Kurse anrechnen lassen, aber mir war es eh wichtiger, mal über den Tellerrand zu schauen“, meint sie.

Strenge Regeln auf dem Campus

Das Studium an sich empfand Esther Dietrich als verschulter und strenger als in Deutschland: „In jedem Kurs gilt Anwesenheitspflicht; die Studierenden müssen sich identifizieren, indem sie ihre Studentenkarte in ein Lesegerät stecken, das vor jedem Hörsaal angebracht ist. Außerdem muss man fast jede Woche Hausaufgaben einreichen und Zwischenprüfungen in jedem Fach ablegen, die gemeinsam mit den Abschlussprüfungen in das Gesamtergebnis einfließen“, berichtet sie.

Auch im Studentenwohnheim gelten strenge Regeln: „Es gibt Jungen- und Mädchenetagen. Die Fahrstühle sind strikt getrennt und fahren nur die entsprechenden Etagen an. Jeder Besuch muss angemeldet und genehmigt werden“, erzählt sie.

Im Wohnheim teilte sich Esther Dietrich das Zimmer mit einer koreanischen Studentin, mit der sie sich gut verstand. Sie aß meistens gemeinsam mit Kommilitonen in der Mensa, wo es sehr scharf gewürztes Essen und fast immer eingelegten Kohl gab. Als Vegetarierin hatte sie manchmal Probleme, weil das Essen in Korea recht fleischlastig war. Auch die Essgepflogenheiten waren anders als gewohnt, was ihr jedoch zusagte: „Die Koreaner sind sehr gesellig. Meist steht ein Teller in der Mitte, von dem alle mit ihren Stäbchen essen.“

Die Wochenenden verbrachte Esther Dietrich häufig mit anderen Austauschstudierenden in der nahe gelegenen Hauptstadt Seoul oder in den Bergen. „Südkorea bietet wirklich für jeden etwas: Man kann hier auf Partys gehen oder Tempel besichtigen, im Sommer am Strand liegen und im Winter Ski fahren“, schwärmt sie. Seit zwei Wochen ist die 22-Jährige nun zurück und beginnt mit ihrer Bachelorarbeit.

Hintergrund: Studieren in Südkorea

Dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zufolge gibt es in Südkorea gut 400 Hochschuleinrichtungen, darunter Universitäten, Technische Universitäten und Colleges, von denen einige staatlich und viele privat sind. Die Studiengebühren können pro Studienjahr an staatlichen Universitäten umgerechnet von etwa 4.000 Euro in den Geisteswissenschaften bis zu 8.000 Euro in der Medizin reichen, an privaten Hochschulen sogar von rund 6.000 bis circa 11.000 Euro (jeweils Bachelor-Bereich). Austauschstudierenden von Partnerhochschulen wie Esther Dietrich werden die Studiengebühren aber in der Regel erlassen. Laut Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz bestehen derzeit 393 Kooperationen zwischen deutschen und südkoreanischen Hochschulen (Stand: August 2015). Einige Hochschulen bieten englischsprachige Studiengänge an, häufig gibt es aber die Möglichkeit, koreanische Sprachkurse zu besuchen.

„Viele der Hochschulen in Südkorea sind Campus-Unis, wo die Studierenden meist in Wohnheimen unterkommen können“, sagt Rhan Gunderlach, Geschäftsführerin der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft in Berlin. Wie in Deutschland, gibt es auch in Südkorea ein Bachelor- und Mastersystem. Das Studienjahr ist in Semester unterteilt, die jeweils von August bis Dezember und Februar bis Juni dauern.

 

>> Lies auch die Reportage: Auslandsjahr in Japan

abi>> 18.09.2015