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„Bildung ist in Afrika eine knappe Ressource“

Eine Landkarte von Afrika und Teilen von Asien
Wer sich für ein Studium in Afrika interessiert, sollte einige Besonderheiten beachten.
Foto: Nicole Schwab

Studieren in Ostafrika – Interview

„Bildung ist in Afrika eine knappe Ressource“

Die beiden Experten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Felix Wagenfeld und Rolf Giering geben jungen Menschen, die sich für einen Studienaufenthalt in Ostafrika interessieren, Tipps zu Planung und Organisation.

abi>> Wie ist die ostafrikanische Region derzeit wirtschaftlich aufgestellt?

DAAD: Allgemein lässt sich sagen, dass Ostafrika ein stabiles Wirtschaftswachstum aufweist. Der „African Economic Outlook“ errechnete für 2016 für den Kontinent insgesamt ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent, die Werte für das östliche Afrika liegen sogar noch höher. Im regionalen Vergleich profitiert beispielsweise Kenia von einer liberalen Wirtschaftsordnung mit einem weit entwickelten Privatsektor sowie von einer gut ausgebauten Infrastruktur. Gleichzeitig gibt es jedoch auch eine hohe Ungleichheit in der Einkommensverteilung, was immer wieder zu Protesten führt.

abi>> Hat das stabile Wirtschaftswachstum positive Effekte auf das Bildungssystem?

DAAD: Bildung ist in Afrika eine knappe Ressource. Ein Studium gilt hier häufig als einziger Weg zu vernünftigen und vernünftig bezahlten Jobs. Auch steigt die Zahl der Schüler mit einer Hochschulzugangsberechtigung. In allen Ländern versuchen die Regierungen dieser gestiegenen Nachfrage zu entsprechen – größtenteils mit den Neugründungen von staatlichen sowie privaten Hochschulen.

abi>> Für welche Studierende einer deutschen Hochschule macht ein Aufenthalt in Ostafrika überhaupt Sinn?

Ein Porträtfoto von Felix Wagenfeld

Felix Wagenfeld

Foto: privat           

DAAD: Grundsätzlich gibt es hier keine Fachgebiete, die sich nicht anbieten. Vor Ort sind die Einschreibequoten in den geisteswissenschaftlichen Fächern sowie in den Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften in der Regel höher als in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Letztere sind jedoch für die Regierungen von strategischer Bedeutung. Deshalb wurde beispielsweise im kenianischen Entwicklungsplan „Vision 2030“ festgeschrieben, den Fokus verstärkt auf Naturwissenschaften zu legen – insbesondere auf STI: Science, Technology and Innovation.

abi>> Wie sieht das Hochschulsystem in ostafrikanischen Ländern aus?

DAAD: Das ist je nach Land unterschiedlich. Eine Erstinformation finden interessierte Schüler und Studierende auf den Länderseiten des DAAD in der Rubrik „Hochschul- und Bildungswesen“ (https://www.daad.de/laenderinformationen/afrika/de).

abi>> Und wie hoch sind die Studiengebühren an ostafrikanischen Hochschulen?

Porträt von Rolf Giering

Rolf Giering

Foto: privat

DAAD: Auch das ist unterschiedlich. Generell lässt sich sagen, dass ausländische Studierende in den meisten ostafrikanischen Ländern mehr Studiengebühren bezahlen als Einheimische.
In Kenia zum Beispiel betragen die Studiengebühren für einen Bachelorstudiengang an den staatlichen Universitäten etwa 2.200 Euro pro Jahr, für einen Master liegen die Gebühren häufig noch etwas höher. An den privaten Hochschulen kostet ein Studienjahr zwischen 1.700 und 7.000 Euro. Ausländische Studierende zahlen ungefähr 20 bis 30 Prozent mehr. Die Gebühren sind allerdings auch stark von der Fächerwahl abhängig. So kostet ein Bachelor in den Rechtswissenschaften knapp 1.800 Euro pro Jahr, während ein Medizinstudium mit 4.800 Euro pro Jahr deutlich teurer ist.
Etwas anders sieht es dagegen in Äthiopien aus: Wurde der Studienplatz an einer staatlichen Hochschule durch das Bildungsministerium zugewiesen, müssen erst nach erfolgreichem Studienabschluss die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Studiengebühren zurückgezahlt werden. Man hat aber auch die Möglichkeit, sich als Privatstudierender zu immatrikulieren – und entsprechende Studiengebühren zu bezahlen. Bürger aus anderen ostafrikanischen Ländern zahlen gut 1.500 Euro, weitere ausländische Studierende gut 6.000 Euro.

abi>> Wie sehen die Bewerbungsmodalitäten für ausländische Studierende aus?

DAAD: Diese sind von Land zu Land und von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Grundsätzlich ist eine Hochschulzugangsberechtigung notwendig. Weitere Voraussetzungen wie Eingangstests oder Sprachtests muss man bei der Hochschule seiner Wahl erfragen.

abi>> Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für Deutsche, die in Ostafrika studieren oder dort ein Auslandssemester verbringen möchten?

DAAD: Zum einen kann man Auslands-BAföG beantragen. Darauf hat jeder deutsche Studierende Anspruch, wenn das Einkommen der Eltern eine bestimmte Summe nicht überschreitet. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, beim DAAD ein Stipendium zu beantragen.

abi>> Braucht man ein Visum? Und wie einfach bekommt man eines?

DAAD: Grundsätzlich besteht für alle Staaten Ostafrikas Visumspflicht. Ein Studenten- oder Praktikantenvisum wird in den meisten Fällen erteilt, ist aber je nach Land kostenpflichtig und sollte früh genug – in manchen Ländern ein halbes Jahr vorher – beantragt werden. Erstinformationen finden Interessierte auf den Länderseiten des DAAD in der Rubrik „Leben in …“. Detaillierte Informationen geben auch die jeweiligen Botschaften oder Konsulatabteilungen.

Weitere Informationen

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern
www.daad.de


Länderinformationen Afrika
www.daad.de/laenderinformationen/afrika/de
DAAD-Stipendiendatenbank
www.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben


Initiative „Studieren weltweit“
Kooperation des DAAD mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung
www.studieren-weltweit.de


Auslands-BAföG
www.bafög.de/de/auslandsfoerderung-384.php


Studienwahl
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de


Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit
www.arbeitsagentur.de/zav


Hochschulkompass
Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de/auslandskooperationen.html


anabin
Das Infoportal der Kultusministerkonferenz zu ausländischen Bildungsabschlüssen
www.anabin.kmk.org


Stipendienlotse
Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.stipendienlotse.de


Länderinformationen Auswärtiges Amt
www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laender_Uebersicht_node.html


Informations-Plattform Rausvonzuhaus
Informationsportal zum Thema Auslandsaufenthalte
www.rausvonzuhaus.de

abi>> 13.04.2017