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Auf zu neuen Ufern

Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau
Osteuropäische Städte wie Moskau, Prag oder Budapest haben nicht nur kulturell viel zu bieten.
Foto: Felix Schädlich

Studieren in Osteuropa - Hintergrund

Auf zu neuen Ufern

Für ein Auslandsemester oder gar ein Studium in Osteuropa entscheiden sich vergleichsweise wenige deutsche Studierende. Dabei haben osteuropäische Länder viel zu bieten. Städte wie Budapest, Prag oder Warschau locken Studierende mit internationalen Studienangeboten, niedrigen Lebenshaltungskosten und einem breiten kulturellen Angebot.

England, Frankreich, USA und Spanien – das sind mit die beliebtesten Länder, in denen deutsche Studierende ein Auslandsemester oder sogar ihr ganzes Studium absolvieren. Osteuropäische Staaten stehen in dieser Hinsicht längst nicht so weit vorn. „Bei uns unterschätzen viele noch die Studienmöglichkeiten in Osteuropa“, sagt Dr. Randolf Oberschmidt, Leiter des Referats „Kooperationsprojekte in Europa, Südkaukasus und Zentralasien“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Um den akademischen Austausch mit den Ländern Mittel-, Südost- und Osteuropas zu fördern, startete der DAAD im Jahr 2002 gemeinsam mit der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft die Initiative „Go East“. Im Rahmen der Kampagne werden etwa Stipendien für Studienaufenthalte in Osteuropa vergeben oder Osteuropatage an Hochschulen gefördert.

Tatsächlich wandelt sich das Interesse langsam: Immer mehr deutsche Studierende entscheiden sich für einen Auslandsaufenthalt in Ländern wie Polen, Rumänien oder Tschechien. Gemäß Erhebungen des Statistischen Bundesamtes waren zuletzt jeweils einige Hundert deutsche Studierende an den dortigen Hochschulen eingeschrieben. Ein Land erfreut sich besonders hoher Beliebtheit: Während im Jahr 2002 laut Statistischem Bundesamt rund 500 deutsche Studierende ungarische Hochschulen besuchten, waren es 2013 schon 2.850.

Modern ausgestattete Hochschulen

Dafür gibt es einige Gründe. Immerhin kann ein Studienaufenthalt in Osteuropa mehrere Vorteile haben, wie Randolf Oberschmidt sagt. „Viele Hochschulen, in die in den vergangenen Jahren investiert wurde, sind mittlerweile moderner ausgestattet als deutsche Hochschulen.“ Hinzu kommt, dass ein Großteil der osteuropäischen Universitäten international ausgerichtet ist: Sie haben nicht nur mittlerweile auf die Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt, sondern bieten auch immer öfter Studiengänge auf Englisch oder Deutsch an. Gleichzeitig kann man vor Ort zumindest Grundlagen der Landessprache erlernen.

Teilweise sind die Voraussetzungen für zulassungsbeschränkte Studiengänge deutlich leichter zu erfüllen als in Deutschland. Das gilt laut Randolf Oberschmidt gerade im Bereich der Medizin. Wer in Deutschland wegen seiner Abiturnote lange auf einen Studienplatz warten muss, hat in Ungarn, Tschechien, Rumänien oder Polen oft bessere Chancen, sofort mit dem Studium zu beginnen –häufig sogar auf Deutsch (siehe hierzu auch den Artikel „Für das Traumstudium ins Ausland“).

Auslandserfahrungen als wichtige Zusatzqualifikation

Ein Aufenthalt an einer osteuropäischen Hochschule kann sich auch für Studierende anderer Fachrichtungen lohnen – zum Beispiel für Studierende der osteuropäischen Geschichte, der russischen oder slawischen Literatur (siehe auch die Reportage „Ein anderes Gefühl von Internationalität“). Sie können im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes ihre Sprachkenntnisse vertiefen, die Kultur besser kennenlernen und mit Originalquellen arbeiten.

In den Bereichen Wirtschaft und Jura könnten Erfahrungen aus Osteuropa ein Herausstellungsmerkmal oder gar eine entscheidende Zusatzqualifikation sein. Die neuen EU-Mitgliedsstaaten werden immer wichtigere Handelspartner. „Mit einem Aufenthalt kann man zu einem Kenner des Landes, seiner Gesellschaft und seiner Wirtschaft werden“, betont Randolf Oberschmidt.

Niedrige Lebenshaltungskosten

Eine entscheidende Rolle bei der Planung eines Auslandsaufenthalts spielt die Finanzierung. Auch in diesem Zusammenhang können osteuropäische Länder punkten: Die Lebenshaltungskosten – von Großstädten wie Moskau abgesehen – sind in der Regel geringer als in Deutschland.

Billig ist ein Studium dadurch aber nicht automatisch. Viele Hochschulen erheben Studiengebühren für ausländische Studierende, gerade wenn man nicht in der Landessprache studiert. „Pro Jahr kann das Studium 3.000 bis 8.000 Euro kosten, an privaten Hochschulen noch mehr.“ Bei der Finanzierung könnten Stipendien des DAAD oder des Erasmus-Programms helfen (s. „Weitere Informationen“). Wer Anspruch auf BAföG hat, kann auch Auslands-BAföG beantragen. Darüber hinaus entfallen bei Austauschprogrammen zwischen deutschen und ausländischen Hochschulen häufig die Studiengebühren.

Gute Planung ist wichtig

Bei der Planung eines Auslandsaufenthaltes sollte man zunächst für sich klären, ob man ein oder mehrere Semester dort verbringen will – oder sogar ein ganzes Studium. „Es kann ganz allgemein gesprochen gut sein, sein Studium erst einmal in Deutschland anzufangen und rechtzeitig einen Auslandsaufenthalt einzuplanen“, sagt Randolf Oberschmidt. Wem das gefällt, der könnte nach dem Bachelorabschluss den Master im Ausland absolvieren (siehe auch die Reportage „Ein spannendes Jahr“). „So hat man mehr Zeit und Einblick, um herauszufinden, welche Studiengänge an welchen Hochschulen am besten zu einem selbst passen“, betont der Experte vom DAAD.

Im nächsten Schritt sollte man sich über die Kosten und die genauen Zulassungsbedingungen – etwa Sprachtests, Motivationsschreiben oder Aufnahmeprüfungen – informieren. Diese unterscheiden sich laut Randolf Oberschmidt oft von Land zu Land, aber auch von Hochschule zu Hochschule. Einige Universitäten verlangen übersetzte Abschlusszeugnisse. Einen guten Überblick über Hochschulen und Bewerbungsmodalitäten in Osteuropa gibt der DAAD auf seiner Website.

Außerdem ist es wichtig, das Studienangebot der Wunschhochschule schon vorab zu kennen und sich mit der Anerkennung in Deutschland auseinanderzusetzen. Grundsätzlich gilt zwar bei allen Bologna-Teilnehmerstaaten, dass die Leistungen vergleichbar sind und damit europaweit anerkannt werden. „Trotzdem empfehle ich, dass man vor seinem Auslandsaufenthalt genau mit der deutschen Hochschule abspricht, welche Leistungen erbracht werden müssen“, betont Randolf Oberschmidt. Wenn es eine bestehende Hochschulkooperation gibt, werden die im Ausland erbrachten Leistungen in der Regel angerechnet.

Wer sein komplettes Studium im Ausland absolviert, muss seinen Abschluss unter Umständen vom Landesprüfungsamt seines Bundeslandes anerkennen lassen. Das ist bei reglementierten Berufen der Fall, für die man eine bestimmte Qualifikation nachweisen muss – etwa bei Ärzten, Rechtsanwälten oder Lehrern an staatlichen Schulen.

 

Bevölkerung

Währung

Anzahl deutscher Studierender

Studiengebühren

Polen

38,5 Mio. 

 Zloty

 801

Nein  

Rumänien

 19,9 Mio.

 Leu

 769

 Ja (außer für subven­tionierte
Studien­plätze)

Russland

143,8 Mio. 

 Rubel

 178

Abhängig von der jeweiligen
Hoch­schule 

 Slowakische Republik

5,4 Mio. 

 Euro

 430

Ja, für Studien­gänge in fremden
Sprachen 

 Tschechien

10,5 Mio 

 Tschechische Krone

 436

 Ja, für auslän­dische
Studie­rende

 Ungarn

9,9 Mio. 

 Forint

 2.850

Ja 

  

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

www.daad.de

DAAD-Kampagne „Go East“

www.goeast.daad.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/zav

Deutsches Studentenwerk

www.studentenwerke.de

Rausvonzuhaus

Informationsportal zum Thema Auslandsaufenthalte
www.rausvonzuhaus.de

Studieren in Ungarn

www.studyinhungary.hu

Studieren in Polen

www.go-poland.pl

Studieren in Tschechien

www.studyin.cz

Studieren in der Slowakischen Republik

www.studyin.sk

Studieren in Russland

de.russia.edu.ru

abi>> 06.06.2016