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„Nicht auf eine Hochschulart festlegen“

Junger Mann steht an einem Bücherregal und liest in einem Buch.
Die universitäre Bildung zielt im Vergleich zur Fachhochschule stärker auf wissenschaftliche Karrieren.
Foto: Julien Fertl

Interview

„Nicht auf eine Hochschulart festlegen“

Uni oder FH? Wer ein Studium aufnehmen möchte, muss sich zunächst damit auseinandersetzen, welcher Hochschultyp überhaupt infrage kommt. Christian Tauch, Leiter des Arbeitsbereichs Bildung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), erklärt, worauf Studierwillige achten sollten.

abi>> Herr Tauch, die verbreitetsten Hochschularten sind Universität und Fachhochschule. Worin liegt der Unterschied?

Christian Tauch: Beide Hochschularten bilden auf wissenschaftlicher Grundlage aus und zielen auf Beschäftigungsfähigkeit, aber nicht auf Berufsfertigkeit. Sie bereiten also auf ein Berufsfeld vor, aber nicht auf einen konkreten Arbeitsplatz. Das ist wichtig zu erwähnen, weil hier bei Studieninteressenten und auch bei der Wirtschaft immer wieder Missverständnisse auftauchen.

Die universitäre Bildung zielt im Vergleich zur Fachhochschule stärker auf wissenschaftliche Karrieren. Beispielsweise liegt hier das Promotionsrecht, die Professorinnen und Professoren haben einen höheren Anteil an Forschungsaufgaben und es wird Grundlagenforschung betrieben. Bei den Fachhochschulen dagegen wird ein größerer Schwerpunkt auf den Anwendungsbezug gelegt. Deswegen nennen sie sich heute zum großen Teil „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“.

abi>> Worauf sollten Studieninteressierte bei der Wahl des Hochschultyps achten?

Ein Porträt-Foto von Christian Tauch

Christian Tauch

Foto: Privat

Christian Tauch: Wichtig ist, sich im Vorfeld bewusst zu machen, ob man eher ein praxis- oder eher ein forschungsorientiertes Studium aufnehmen möchte. Da die Fachhochschulen stärker anwendungsorientiert sind, hat beispielsweise etwa die Hälfte der dortigen Studiengänge eine Regelstudienzeit von sieben Semestern. Bei den Universitäten überwiegen die sechssemestrigen Bachelorangebote. Das liegt auch daran, dass an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften weit häufiger Praxissemester integriert sind. Auch zwischen den Lehrinhalten gibt es Unterschiede. Wer beruflich in die Forschung möchte – ob in Wirtschaft oder Wissenschaft – wird sicher in einem universitären Studiengang besser aufgehoben sein. Insgesamt ist es also wichtig, sich anzuschauen, wie die verschiedenen Studienangebote im angestrebten Fach aussehen. In vielen Fällen ist man gut beraten, sich dabei nicht von vornherein auf eine Hochschulart festzulegen.

abi>> Was hat sich durch die Europäische Studienreform geändert?

Christian Tauch: Bei den Abschlüssen zum Beispiel ist das Label „(FH)“ weggefallen. Man wollte deutlich machen, dass die Abschlüsse den gleichen Wert haben, auch wenn sich die Studienprogramme und ihre Schwerpunkte unterscheiden. Die Studienangebote sind seit der Europäischen Studienreform deutlich vielfältiger geworden und so können sich die Studiengänge zweier Fachhochschulen sogar stärker unterscheiden als die einer Universität und einer FH.

abi>> Welche Entwicklungen sind künftig zu erwarten? Ist es zum Beispiel möglich, dass ein völlig neuer Hochschultyp entsteht?

Christian Tauch: Die Herausforderungen liegen eher darin, dass die bestehenden Hochschultypen ihre Profile festigen und sich herauskristallisiert, wie die Studierendenzahlen sich auf die verschiedenen Typen verteilen. Auch die Durchlässigkeit zwischen den Hochschularten und zwischen Hochschulen und der beruflichen Bildung muss noch besser werden. Außerdem wäre wünschenswert, dass die Studienangebote leichter zu überblicken sind.

abi>> 17.03.2016