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„Promotion auch mit Fachhochschulabschluss möglich“

Eine junge Frau sitzt im Hörsaal und lächelt in die Kamera.
Die Hochschulart mit den meisten Studierenden ist die Universität - dort studieren knapp zwei Drittel der insgesamt 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland.
Foto: Andreas Tamme

Hochschularten - Interview

„Promotion auch mit Fachhochschulabschluss möglich“

Welche Hochschularten gibt es in Deutschland und wie unterscheiden sie sich? Darüber hat abi>> mit Christian Tauch, Leiter des Arbeitsbereichs Bildung der Hochschulrektorenkonferenz, gesprochen.

abi>> Herr Tauch, welche Hochschularten werden in Deutschland angeboten?

Christian Tauch: Die Hochschulart mit den meisten Studierenden ist nach wie vor die Universität. Knapp zwei Drittel der insgesamt 2,8 Millionen Studierenden sind dort eingeschrieben. Rund eine Million Studierende finden sich an Fachhochschulen (FH), die heute überwiegend als „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ firmieren. Die Kunst- und Musikhochschulen haben derzeit etwas über 36.000 Studierende. Für die Lehrerbildung gibt es nur noch in Baden-Württemberg eigenständige Pädagogische Hochschulen. Weitere Hochschularten sind Theologische und Philosophische Hochschulen mit einem entsprechend spezialisierten Studienangebot. Einen Sonderfall stellen die Dualen Hochschulen dar. Genauso wie in den Berufsakademien soll dort Berufsausbildung mit akademischer Bildung kombiniert werden. Das geschieht an Berufsakademien in unterschiedlicher Weise, sodass deren Einordnung als Hochschule und ihre Abschlüsse verschieden beurteilt werden. Auch die Verwaltungsfachhochschulen sind ein eigener Fall: Sie sind für Nachwuchskräfte in der Verwaltung reserviert.

abi>> Wie unterscheiden sich die beiden großen Hochschultypen Universitäten und Fachhochschulen voneinander?

 

Ein Porträt-Foto von Christian Tauch

Christian Tauch

Foto: privat

Christian Tauch: Die Universitäten liefern seit jeher die klassische akademische Bildung, die unter anderem auf eine wissenschaftliche Karriere zielt. Sie haben entsprechend das Promotions- und Habilitationsrecht. Die Fachhochschulen sind 1969 entstanden, oft auf Basis bestehender Einrichtungen wie Ingenieurschulen. Der Bedarf an wissenschaftsbasierten Bildungsangeboten mit Praxisnähe war immer mehr gestiegen. Seitdem ist ein differenziertes Bildungsangebot noch wichtiger geworden. Die Pflegeberufe sind beispielsweise heute so anspruchsvoll, dass in diesem Feld neue Studienangebote an Fachhochschulen entstanden sind, viele davon als Weiterbildungen für Berufserfahrene, auch ohne Abitur. Die Fächerschwerpunkte an den Fachhochschulen liegen bislang vor allem in den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, in der Sozialen Arbeit und im Design. Die FH-Professorinnen und -Professoren haben in der Regel zunächst außerhalb der Hochschule gearbeitet. Fachhochschulen sind zudem im Schnitt kleiner als Universitäten, aber zu dieser Faustregel gibt es auch Ausnahmen.

abi>> Und inwieweit gleichen sich Universität und Fachhochschulen weiter an?

Christian Tauch: Die Abschlüsse Bachelor und Master, die an beiden Hochschultypen verliehen werden, sind gleichwertig. Das drückt sich auch darin aus, dass es nicht mehr den Zusatz „(FH)“ gibt. Was die Unterrichtsformen angeht, so finden sich Vorlesungen und auf die Vermittlung von Praxis zielende Veranstaltungen an beiden Hochschultypen. Seminare werden eher, aber keineswegs ausschließlich, an Universitäten angeboten.

abi>> Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Angebot verschiedener Hochschularten für die Hochschulwahl und den weiteren Werdegang?

Christian Tauch: Es liegt meines Erachtens auf der Hand, dass, wer von vornherein eine akademische Karriere im Blick hat oder in die Forschung eines Unternehmens strebt, sich eher an einer Universität einschreiben sollte. Allerdings ist der Weg zur Promotion auch mit einem sehr guten Fachhochschulabschluss nicht versperrt. Die Einstiegsgehälter für Uni- und FH-Absolventen sind im jeweiligen Fachgebiet vergleichbar.

abi>> Welche unterschiedlichen Trägerschaften der Hochschulen gibt es?

Christian Tauch: In Deutschland sind die Hochschulen überwiegend staatlich finanziert. Daneben gibt es 39 Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft. Und es gibt – gar nicht so wenige – private Hochschulen: An diesen rund 120 Einrichtungen studieren allerdings nur knapp acht Prozent aller Studierenden. [Anm. der Red.: Studienbewerber sollten bei privaten Studienangeboten darauf achten, dass diese staatlich anerkannt sind]

abi>> Wird die Unterscheidung verschiedener Hochschularten aus Ihrer Sicht Bestand haben? Oder entstehen künftig ganz neue, andere Hochschultypen?

Christian Tauch: Bislang zeichnet sich eher ab, dass sich die Aufgabenteilung zwischen den Hochschularten verschieben wird. So könnten etwa mehr Studienplätze an den Fachhochschulen geschaffen oder Studienangebote an der Schnittstelle zwischen Studium und dualer Ausbildung weiterentwickelt und ausgebaut werden.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und sie unter anderem nach Hochschulart filtern lassen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
www.berufsfeld-info.de/abi

Stiftung für Hochschulzulassung – hochschulstart.de

Portal für die Vergabe von allen bundesweit und einigen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen
www.hochschulstart.de

Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Das gemeinnützige CHE versteht sich als Projektpartner von Ministerien und Hochschulen und veröffentlicht unter anderem in regelmäßigen Abständen Hochschulrankings.
www.che.de

abi>> 17.12.2018