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"Ein Blick über den Tellerrand"

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Foto: WillmyCC

Interview

"Ein Blick über den Tellerrand"

Rainer Schultz (43), Leiter der Zentralen Studienberatung an der Georg-August-Universität Göttingen, über studentisches Engagement, Vorteile in Bewerbungsverfahren und Ausgleich zum Studienstress.

Rainer Schultz: " Ich denke, dass das Engagement in studentischen Initiativen nicht zwangsläufig das Studium verlängert."

Foto: Trabandt

abi>>: Herr Schultz, wie denken Sie über Engagement in studentischen Initiativen?

Rainer Schultz: Ich finde das sehr positiv. Die Studienzeit soll ja eine umfassende Lernphase sein, die nicht nur ein Fachstudium und Pauken bedeutet, sondern auch den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Auch prominente Alumni unserer Hochschule erzählen, dass ihre Mitarbeit in studentischen Initiativen prägend war und wichtige Impulse für ihre heutige Berufstätigkeit gegeben hat. Erfahrungen außerhalb von Seminarräumen zu sammeln hat eine besondere Qualität.

abi>>: Sollten sich Studierende in Vereinen engagieren, die ihrem Studienfach entsprechen?

Rainer Schultz: Aus meiner Sicht kommt es in erster Linie auf die persönliche Motivation an. Wenn sich das Engagement mit dem Studienfach verbinden lässt, ist das natürlich ideal, aber grundsätzlich muss die Initiative nicht passgenau das Studienfach ergänzen. „Fachfremdes“ Engagement hat ebenso positive Auswirkungen.

abi>>: Habe ich durch freiwilliges Engagement bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Rainer Schultz: Der Blick auf den Lebenslauf sollte nicht der Hauptgrund sein. Ich bin aber sicher, dass Personalentscheider in den meisten Branchen sehr häufig auf ein solches Engagement schauen und es ein Vorteil im Bewerbungsverfahren ist. In den meisten Berufsfeldern spielen Soft-Skills und Kompetenzen in den Bereichen Team- und Kommunikationsfähigkeit eine große Rolle und die erwirbt man sicherlich, wenn man sich in studentischen Initiativen engagiert.  Außerdem können sich darüber auch Einblicke in bestimmte Arbeitsfelder ergeben, die vielleicht später einmal Anknüpfungspunkte in der Phase des Berufseinstiegs werden.

abi>>: Viele Studierende klagen über Stress und befürchten, durch das Engagement könnte sich ihr Studium in die Länge ziehen.

Rainer Schultz: Ich sehe das Engagement eher als Ausgleich und Gegengewicht zu anstrengenden Zeiten im Studium. Manche Studierende gehen schwimmen

Rainer Schultz (43)

Rainer Schultz (43)

Foto: Privat

oder treffen Freunde, andere arbeiten in studentischen Projekten. Ich denke, dass das Engagement in studentischen Initiativen nicht zwangsläufig das Studium verlängert. Beides lässt sich meist sehr gut verbinden.

abi>>: Wie viel Zeit muss ich neben dem Studium einplanen?

Rainer Schultz: Das Studium entspricht in der Regel dem Arbeitsaufwand einer vollen Stelle und auch viele Berufstätige engagieren sich ja neben ihrem Job noch ehrenamtlich. Außerdem haben sich viele studentische Projekte auf die zeitlichen Belastungen der Bachelor- und Masterstudiengänge eingestellt und verteilen die Aufgaben so, dass nicht eine einzelne Person in Arbeit versinkt und keine Zeit mehr für das Studium hat. Teilweise wird studentisches Engagement auch in Lehrveranstaltungen an der Uni aus dem Bereich Schlüsselkompetenzen integriert.

abi>>: Wann ist der ideale Zeitpunkt für den Eintritt in eine studentische Initiative? Sollte man sich erst im zweiten oder dritten Semester dort betätigen, um zunächst zu überprüfen, wie hoch die zeitliche Belastung im Studium ist?

Rainer Schultz: Das würde ich pauschal nicht sagen. Am Anfang muss man sich an der Uni und vielleicht auch in der neuen Stadt orientieren. Das kostet Zeit. Andererseits sind die vielen neuen Eindrücke vielleicht auch anstrengend und gerade dann kann ein Ausgleichseffekt wichtig sein. Außerdem können Studierende so auch Kontakte und Verbindungen außerhalb des eigenen Studienfachs knüpfen.

abi>> 23.05.2012