Chance für Engagierte
Sina Wieczorek hat sich sofort nach dem Abitur bei der ZVS um einen Studienplatz in Veterinärmedizin beworben. Deutschlandweit gibt es nur fünf Ausbildungsstätten für Tierärzte. Die Brandenburgerin erhielt zunächst eine Absage.
Viele Hochschulen prüfen vorher, ob die zukünftigen Studierenden auch wirklich geeignet sind. So lässt sich die Studienabbrecherquote senken.
Foto: Ausserhofer
Da der Studiengang nur zum Wintersemester begonnen werden kann, musste sie ein Jahr warten, bis sie sich erneut bewerben konnte. Auch diesmal bekam sie zuerst keine Zulassung, hatte aber die Option, im Rahmen der Auswahlquote der Hochschulen berücksichtigt zu werden. Sie erhielt von der Freien Universität Berlin eine Einladung, um an einem Studierfähigkeitstest teilzunehmen - neben rund Tausend anderen Bewerbern. Fünf Tage lang wechselten sich kleine Gruppen ab, die in alphabetischer Reihenfolge ausgewählt worden waren, um im PC-Pool der Fakultät am Bildschirm 180 Fragen zu beantworten.
„Ein Großteil des Tests besteht aus Aussagen, die bewertet werden sollen", erzählt Sina Wieczorek. Die eigene Meinung kann anhand einer Skala artikuliert werden, die von „Ich stimmte dem voll und ganz zu" bis hin zu „Ich stimme dem überhaupt nicht zu" reicht. Auf diese Weise sollen Interessen, Neigungen und Persönlichkeitsmerkmale der Bewerber festgestellt werden. Etwa 30 bis 45 Minuten braucht man für den Test.
„Könnten Sie ein Tier töten?"
Neben allgemeinen Aussagen kommen auch solche vor, die unmittelbar mit dem Beruf eines Veterinärs zusammenhängen. Studieninteressenten müssen sich auf Aussagen folgender Art gefasst machen: „Ich bin ein geruchsbetonter Mensch", „Ich könnte ein Tier töten" oder „Ich würde in einem Schlachthof arbeiten". Für Sina Wieczorek ist klar, dass die Beantwortung erkennen lässt, ob sich jemand wirklich mit dem Beruf auseinandergesetzt hat. „Viele Tierärzte arbeiten auf einem Schlachthof und wir machen dort ein Praktikum", sagt die 23-Jährige. Sentimentale Tierliebe jedenfalls reicht nicht aus, um später als Tiermediziner zu arbeiten: „Ich muss zum Wohle des Tieres handeln", sagt Sina Wieczorek. „Und das kann unter Umständen bedeuteten, dass ich in der Lage sein muss, es zu töten."
Auch wenn durchschaubar ist, welche Eigenschaften und Fähigkeiten der Bewerber abgefragt werden sollen, ist es ratsam, ehrlich zu antworten. Denn das System erkennt, wenn jemand mogelt - und das ist ein Ausschlusskriterium. „Einige Fragen wiederholen sich, auch wenn sie etwas anders formuliert werden", erklärt die Studentin. Es ist nicht möglich, zurückzuklicken und nachträglich etwas zu verändern.
Die angehende Tierärztin ist eine von etwa hundert Studierenden, die aufgrund des Tests ihr Studium aufnehmen konnten. Wenn die Hochschule eine Rangfolge der Teilnehmer bildet, fließt neben dem Ergebnis auch die Abiturnote mit ein. Inzwischen studiert Sina Wieczorek im sechsten Semester. Sie hält den Studierfähigkeitstest vor allem für eine Chance für diejenigen, die wie sie hoch motiviert und engagiert sind und für die es keinen anderen Beruf geben könnte. „Als ich zugelassen wurde, lag der NC in der Abiturquote für Brandenburg bei 1,6. Eine Freundin von mir hat es dank Test auch noch mit einem Schnitt von 2,5 geschafft", sagt sie.

