Mit den eigenen Händen zum Erfolg

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Die Digitalisierung spielt für den Arbeitsalltag von Maxim Kuhn eine immer größere Rolle. Mit einer App werden unter anderem Aufzugsdaten erfasst oder Fehlerdiagnosen gestellt.
Foto: Julia Hendrysiak

Abiturienten im Handwerk

Mit den eigenen Händen zum Erfolg

Viele gelernte Handwerker sind heute erfolgreiche Unternehmer oder Manager in Führungspositionen. Ihr Beispiel zeigt: Es lohnt sich, über eine Ausbildung in einem handwerklichen Betrieb nachzudenken. Gesucht werden zunehmend Leute, die im Zuge der Digitalisierung, Globalisierung und des Klimawandels komplexe Zusammenhänge souverän meistern können. Genau diese Kompetenz bringen viele Abiturienten mit.

Nach dem Abitur direkt ins Studium einzusteigen wäre mir zu theoretisch gewesen. Ich wollte gleich etwas Praktisches machen. Der Beruf Mechatroniker mit seinen technischen Inhalten hat mich besonders interessiert“, sagt Maxim Kuhn. Mittlerweile ist der 21-Jährige im dritten Lehrjahr und oft auf Baustellen unterwegs. Denn der angehende Mechatroniker kombiniert seine Ausbildung mit einer Qualifikation zum Aufzugsmonteur bei der international tätigen Otis Elevator Company. „Wir waren zuerst für zwei Wochen am Standort Oslo für eine Einweisung in die grundlegenden Techniken. Dann wurden wir jeweils einem Monteur zugewiesen, mit dem wir auf verschiedenen Baustellen in der Region Dortmund arbeiten“, erzählt er.

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt

Ein Porträtfoto von Maxim Kuhn.

Maxim Kuhn

Foto: privat

Auf den Baustellen erlebt er, wie ein neues digitales Werkzeug zum Einsatz kommt: Mit der Field-Mobility-App werden unter anderem Fehlerdiagnosen gestellt, Aufzugsdaten erfasst, Aufträge verwaltet und Reparaturen im Vorfeld geplant. Auch beim Kontakt zu Kunden und Kollegen kommt die App zum Einsatz. „Die App wird gerade eingeführt und je nach Monteur schon mehr oder weniger häufig angewendet“, erklärt Maxim Kuhn. Dies zeigt: Die Arbeitswelt von Handwerkern wandelt sich.

Die Digitalisierung, technologische Innovationen, der Umwelt- und Klimaschutz verändern Arbeitsprozesse – neue Geschäftsmodelle entstehen. Produktion, Wartung und Vertrieb verschmelzen mit der Informationstechnik. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine wird intensiviert. „Ein Beispiel aus dem Handwerk ist das Smart Home. Es verändert die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ebenso wie das Bauhandwerk“, erklärt Katja König, Referatsleiterin Berufsausbildung und Berufsberaterin bei der Handwerkskammer für Ostthüringen.

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge

Bei Maxim Kuhn ist es das Thema Industrie 4.0 und das Internet der Dinge, das ihn als angehenden Mechatroniker und Aufzugsmonteur zunehmend beschäftigen wird. Deshalb wurde seine Ausbildung 2018 umfassend modernisiert: Neben Steuerungs-, Regelungs- und Installationstechnik oder Metallbearbeitung rücken Inhalte wie Datenbankpflege, Programmierung, Datenschutz und Informationssicherheit in den Fokus des Berufsschulunterrichts.

Maxim Kuhn besuchte die Berufsschule in den ersten drei Jahren seiner Ausbildung in zweiwöchigen Blöcken. „Im letzten halben Jahr haben wir immer donnerstags Berufsschule und werden dabei auf die Abschlussprüfung vorbereitet“, erklärt er. Mit einer Übernahme nach seinem erfolgreichen Abschluss kann Maxim Kuhn rechnen. „Mein Ziel ist, nun erst einmal den Festvertrag zu bekommen. Später möchte ich mich gern berufsbegleitend zum Techniker für Maschinenbau oder Elektrotechnik weiterbilden“, schildert er.

Interessant für Abiturienten

Einen Fuß in die Tür bekommen, sich kontinuierlich weiterbilden und Schritt für Schritt die Karriereleiter aufsteigen – das ist ein Weg, der sich auch für Abiturienten lohnt. „Eine duale Ausbildung im Handwerk bedeutet durch die Bindung an das Unternehmen einen direkten Praxisbezug und gute Übernahmechancen. Das ist besonders für Abiturienten geeignet, die nicht immer nur lesen, lernen und ausarbeiten, sondern am Tagesende auch ein konkretes Ergebnis sehen möchten. Mit Abitur kann man häufig direkt in das zweite Lehrjahr einsteigen, wenn sich Betrieb und Auszubildende entsprechend einigen. Und: Man verdient von Anfang an eigenes Geld, während bei einem Studium schon die Finanzierung für manche Grenzen setzen kann“, fasst Katja König zusammen.

Ein Porträtfoto von Katja König.

Katja König

Foto: privat

Die Expertin ist der Meinung, dass jeder Handwerksberuf für Abiturienten attraktiv sein kann. „Alle Branchen des Handwerks bieten interessante Perspektiven und Möglichkeiten. Letztlich hängt es von den persönlichen Vorlieben und Zielen ab. Dennoch gibt es Berufe, für die sich Schulabgänger mit höheren Abschlüssen häufiger interessieren. Hier muss man aber auch vorsichtig sein mit Klischees. Einen Eindruck sollte sich jeder selbst verschaffen, dabei können Praktika hilfreich sein“, betont sie.

Zusatzqualifikationen schon während der Ausbildung

Je nach Region ist es oft möglich, die Ausbildung von Anfang an mit einer Zusatzqualifikation zu kombinieren. „In Thüringen haben wir zum Beispiel gerade ein schönes Projekt, bei dem Abiturienten während der Ausbildungszeit die Teile III und IV der Meisterprüfung absolvieren können, also den wirtschaftlich-rechtlichen Teil und die Ausbildereignungsprüfung.“

Es gibt zudem die Möglichkeit, eine Handwerksausbildung mit einem Studium zu kombinieren oder im Rahmen eines sogenannten trialen Studiums den Meistertitel gleich mit zu erwerben. In anderen Regionen kooperieren die Handwerkskammern mit den Industrie- und Handelskammern, um kaufmännische Zusatzqualifikationen wie zum Beispiel Europaassistent/in anzubieten.

Meistertitel und Bachelor sind gleichwertig

Wer den Gesellenbrief in der Tasche hat, kann schnell eine verantwortungsvolle Position übernehmen, ein Team leiten, eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister dranhängen und sich selbständig machen. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks sucht derzeit etwa jeder vierte Betriebsinhaber einen Firmennachfolger. „Was relativ neu ist und viele nicht wissen: Der Meistertitel und der Bachelorabschluss sind im so genannten Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf demselben Niveau eingestuft“, erläutert die Expertin. Dies trifft für den Techniker ebenfalls zu.

Auch ein Bachelorstudium ist nach der Handwerksausbildung möglich. Darüber hinaus werden für Handwerker Fortbildungen angeboten, mit denen man sich je nach Region beispielweise zum Energieberater, zur Fachkraft für Solartechnik oder zum Fachwirt oder Betriebswirt qualifizieren kann. „Damit lässt sich die eigene Expertise weiter steigern, etwa um mit dem technologischen Wandel mitzuhalten“, sagt Katja König.

Beste Chancen auf eine Stelle

So oder so sind die Perspektiven, einen Ausbildungsplatz und im Anschluss einen sicheren Arbeitsplatz im Handwerk zu finden, gut. Dieses bildet mit fast einer Million Betrieben, in denen rund 5,4 Millionen Erwerbstätige beschäftigt sind, das Rückgrat des deutschen Mittelstands. Das Handwerk erzielte 2016 einen Umsatz von 500 Milliarden Euro, im ersten Quartal 2017 erreichte es ein neues Allzeithoch: Die Umsätze stiegen laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zum Vorjahr um 6,5 Prozent.

Darüber hinaus ist das Handwerk „Ausbilder der Nation“: Von A wie Augenoptikerin bis Z wie Zweiradmechaniker – das Handwerk bietet mehr als 130 Ausbildungsberufe aus den Bereichen Bau, Holz, Metall/Elektro, Bekleidung, Nahrung, Gesundheit, Glas und Papier an. „Immer mehr Unternehmen klagen über Nachwuchsmangel. So blieben 2018 rund 17.000 gemeldete Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt. Die Arbeitslosenzahl ist niedrig und stetig fallend, die Nachfrage nach Fachkräften hoch“, erläutert Claudia Suttner vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. In einigen Berufen, die ausschließlich dem Handwerk zugeordnet werden können, herrsche sogar Fachkräftemangel – zum Beispiel in der Klempnerei, Hörakustik oder Fleischverarbeitung.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild.

Suchwort: Handwerk
berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
berufsfeld-info.de

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe.
berufe.tv

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildungen der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Entgeltaltas der Bundesagentur für Arbeit

entgeltatlas.arbeitsagentur.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

www.bibb.de

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

www.zdh.de

Initiative der Handwerkskammern

www.handwerkskammer.de

AusbildungPlus

Bundesweiter Überblick über Ausbildungsangebote mit

Zusatzqualifikation und duale Studiengänge
www.ausbildungplus.de

Berufsprofile im Handwerk

Website des Deutschen Handwerkskammertags (DHKT)
www.handwerk.de

Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk

www.zwh.de

Handfest-Online

Jugendmagazin der ZWHim Internet
www.handfest-online.de

Handwerksberufe von A bis Z

www.handwerk4you.net

 

Karrierewege im Handwerk

Mit dem Gesellenbrief in die Chefetage

Wer Karriere machen will und irgendwann sein eigener Chef sein möchte, der hat mit einer Ausbildung im Handwerk einen guten Grundstein gelegt. Schon zu Beginn lassen sich die ersten Weichen stellen. Aber auch später kann man noch durchstarten. abi» zeigt dir einen exemplarischen Weg.

Ausbildungsebene

Ausbildung im Beruf

Das Handwerk bietet 130 Ausbildungsberufe. Die duale Ausbildung dauert zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Mit Abi ist eine Verkürzung möglich.

Zusatzqualifikationen

Bundesweit gibt es 2.200 Zusatzqualifikationen, die Azubis zeitglich mit ihrer Ausbildung absolvieren können, z. B. Betriebsassistent*, diverse IT-Qualifikationen oder Fremdsprachen.

Gesellenebene

Erste Aufstiegsfortbildung

Wer den Gesellenbrief in der Tasche hat, kann sich bei den Handwerkskammern zum Beispiel zum Fachwirt, Ausbilder, Bereichsleiter oder Servicetechniker fortbilden. Selbstverständlich sind auch fachlich vertiefende Weiterbildungen möglich.

Meisterebene

Zweite Aufstiegsfortbildung

Für 41 Berufe gilt die Meisterpflicht. Für zwölf weitere Berufe wird die Pflicht derzeit wieder eingeführt. Das heißt, wer sich etwa als Zimmerer, Schornsteinfeger oder Bäcker selbständig machen möchte, benötigt einen Meistertitel. Meister dürfen auch Lehrlinge ausbilden. Formal ist der Meister dem Bachelor gleichgestellt. Wer in der Industrie Karriere machen möchte, für den ist auch eine Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker eine Option.

Führungsebene

Dritte Aufstiegsfortbildung

Wer seinen Betrieb zielstrebig in Richtung betriebswirtschaftlichen Erfolg steuern möchte, für den kann eine zusätzliche Qualifikation zum Beispiel als Geprüfter Betriebswirt sinnvoll sein. Außerdem gibt es diverse Fortbildungen für Führungspositionen in einem bestimmten fachlichen Aufgabenbereich, z. B. im Qualitätsmanagement.

*Die jeweilige Berufsbezeichnung schließt die weibliche Form mit ein.

 

Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Julia Klose (21) macht bei der Holthausen GmbH in Köln eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und studiert gleichzeitig Energie- und Gebäudetechnik. Für abi» schildert sie, wie ein Tag in der Abteilung Heizung aussehen kann.

7.15 Uhr

Julia Klose trifft in der Firma ein. Gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen wird zunächst im Büro die Tagesplanung besprochen. Dabei werden alle Abzubildenden Monteuren zugewiesen, die sie jeweils auf die Baustellen begleiten.

7.30 Uhr

Die Auszubildende stellt im Lager das für den Tag benötigte Material zusammen. Gemeinsam wird der Transporter beladen. Abfahrt von der Firma – und los geht es zu den Kunden.

8 Uhr

Ankunft beim ersten Termin: Julia Klose bringt das Werkzeug und Material in den Heizungskeller. Zusammen mit dem Monteur reinigt sie den Heizkessel und führt eine Abgasmessung durch. Die Arbeiten am Warmwasserspeicher und die Überprüfung der Anlage selbst sind weitere Arbeiten bei der Wartung. Anschließend wird alles rund um den Heizkessel gereinigt und ordentlich verlassen.

11 Uhr

Ankunft beim zweiten Termin: Nun gilt es, ein Bauteil an einer Heizungsanlage auszutauschen und die Funktion zu prüfen.

12 Uhr

Mittagspause.

12.30 Uhr

Ankunft beim dritten Termin: Die Auszubildende sieht vor Ort, wie man die Ursache einer Heizungsstörung aufspürt. Es stellt sich heraus, dass eine Reparatur erforderlich ist. Das nötige Material dafür besorgt sie beim Großhändler. Zurück beim Kunden wird der Fehler beseitigt und die Anlage nochmals geprüft.

15.30 Uhr

Es geht zurück in die Firma – noch das Auto ausladen und zu einer kurzen Besprechung ins Büro.

16 Uhr

Julia Klose macht Feierabend und hat noch reichlich Zeit, um sich auf die nächste Klausur vorzubereiten.

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Gebäudereiniger mit Zusatzqualifikation

Handwerk macht den Meister

Ausbildung plus statt Studium: Maximilian Lenk (23) will später ein Unternehmen führen. Deshalb kombinierte er seine Ausbildung zum Gebäudereiniger mit der Zusatzqualifikation „Geprüfter Fachmann für kaufmännische Betriebsführung“ und hat schon Teile einer Meisterweiterbildung in der Tasche.

Nach dem Abitur hatte Maximilian Lenk zunächst andere Pläne. Er studierte Bauingenieurwesen an der FH Leipzig. Doch der 23-Jährige hatte sich das Studium anders vorgestellt. „Es lief vor allem auf Arbeiten am Schreibtisch und Computer hinaus, doch ich bin jemand, der gern den ganzen Tag draußen ist und anpackt.“ Im fünften Semester entschied er sich deshalb für einen Neustart. „Hinzu kam, dass ich mit der Gebäudereinigung sozusagen groß geworden bin. Das gefiel mir gut, und nun zeichnete sich auch noch die Möglichkeit ab, einmal den elterlichen Betrieb übernehmen zu können.“

Gemeint ist die Altenburger Dienstleistung und Service GmbH in Thüringen, in der er seine Ausbildung zum Gebäudereiniger schließlich startete. Jetzt, nach drei Jahren Ausbildung, blickt er auf eine abwechslungsreiche Zeit zurück. „Gelernt habe ich wirklich alles, was mit Reinigung zu tun hat. Unter anderem die Grundreinigung von unterschiedlichen Fußbodenbelägen, wie zum Beispiel PVC, oder wie man Verschmutzungen von Oberflächen beurteilt und behandelt. Denn man muss zum Beispiel Flecken auf dem Boden richtig einschätzen können und wissen, ob man sie mit alkalischen Produkten oder Säure behandelt.“

Zusatzqualifikation als Teil des Meisterkurses

Ein Portätfoto von Maximilian Lenk.

Maximilian Lenk

Foto: privat

Ein Thüringer Sonderprogramm ermöglichte es Maximilian Lenk, zugleich die Zusatzqualifikationen „Geprüfter Fachmann für kaufmännische Betriebsführung (laut Handwerkerordnung – HWO)“ und die „Ausbildereignungsprüfung“ zu erlangen – beides sind nicht fachspezifische Teile der Weiterbildung zum Meister. „Das wird derzeit durch das Land Thüringen gefördert, sodass ich mir den Großteil der sonst anfallenden Lehrgangskosten sparen konnte“, freut er sich. „Für diese Inhalte des Meisterkurses musste ich dann nur noch insgesamt circa 200 Euro an Gebühren zahlen. So sind es dann nur noch circa 3.500 Euro für die zwei fehlenden Teile der Meisterweiterbildung, mit der ich direkt anschließend beginnen möchte.“

Im Meisterkurs wird er sein bereits erworbenes Fachwissen praktisch und theoretisch vertiefen: zum Beispiel das über Schädlingsbekämpfung und Textilreinigung. Weil Gefahrstoffe sowie Arbeiten in der Höhe in diesem Aufgabenbereich eine große Rolle spielen, war auch der Arbeitsschutz ein Thema der Gesellenausbildung. „Wir müssen wissen, wie Gefährdungen entstehen und durch welche Schutzmaßnahmen man sie vermeidet. Auch eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist in bestimmten Situationen erforderlich, etwa geeignete Handschuhe, Schutzbrille, Helm und Sicherheitsschuhe oder eine PSA gegen Abstürze bei Arbeiten an höher gelegenen Fensterfronten. Damit muss man umgehen können“, erläutert er.

Auf dem Weg in leitende Aufgaben

In der Praxis hat er erlebt, wie entscheidend eine gute Kommunikation ist, nicht nur in Gefahrsituationen. „Wir sind immer bei verschiedenen Kunden, jeder Tag ist anders in diesem Geschäft. Das gefällt mir so an diesem Beruf“, sagt er. Die Theorie erlernte Maximilian Lenk im Blockunterricht, alle eineinhalb Monate für jeweils zwei Wochen an einer Berufsschule in Erfurt. Auch die Kurse für seine Zusatzqualifikationen besuchte er dort. Sie werden bei der örtlichen Handwerkskammer angeboten.

„Das lief während der Ausbildung im dritten Lehrjahr parallel“, erklärt der 23-Jährige, der mittlerweile im elterlichen Betrieb als Geselle arbeitet und in Kürze berufsbegleitend mit den zwei noch fehlenden Kursteilen seiner Meisterweiterbildung beginnen wird. „Im Betrieb übernehme ich nach und nach leitende Aufgaben, unter anderem auch die Organisation unserer rund 130 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“, berichtet er.

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Schornsteinfeger

Im Auftrag des Umweltschutzes

Schornsteinfeger sind Fachleute für Emissionen und Abgase – und damit auch erste Ansprechpartner für Fragen rund ums nachhaltige Heizen, Dämmen und Lüften. Moderne Analysetools in der Cloud und innovative Technologien wie Drohnen unterstützen sie dabei. Vom spannenden Alltag der energetischen Bewertung von Gebäuden berichtet der gelernte Schornsteinfeger Max Fußhöller (25).

Mit dem Abi in der Tasche hätte Max Fußhöller vieles studieren können, doch es reizte ihn mehr, direkt in die Berufspraxis zu gehen. „Mir war es wichtig, nicht immer nur in der Theorie zu bleiben, sondern die Kenntnisse auch direkt anzuwenden. Ich wollte gern etwas Technisches machen, und der Beruf des Schornsteinfegers hat mich besonders interessiert, weil ihn schon mein Vater und Großvater ausübten“, berichtet der 25-Jährige, der nach seiner Lehre im nordrheinwestfälischen Brühl als Schornsteinfegergeselle unterwegs war und mittlerweile als Technischer Berater beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks arbeitet.

„Nun befasse ich mich mit allem, was im Hintergrund abläuft und den Kollegen im Einsatz die Arbeit vereinfacht“, sagt er. „Wir kehren nicht nur Schornsteine, wir messen auch Abgas- und Emissionswerte. Wir sind also viel im Sinne des Umweltschutzes unterwegs und überprüfen die Betriebssicherheit der Feuerstätten – also vor allem der Gas- und Ölheizkessel beziehungsweise -thermen. Auch Heizkessel für feste Brennstoffe wie Holzpellets sind dabei, dort messen wir beispielsweise den Anteil an Staub und Kohlenstoffmonoxid in den Abgasen“, schildert er.

Beratung zum Heizen, Lüften und Dämmen

Ein Foto von Max.

Max Fußhöller

Foto: privat

Wenn der Schornsteinfeger an der Heizung eine Messung durchführt und die Abgasverluste misst, muss er die Anlage auch grundsätzlich energetisch bewerten können. „Daher sind Schornsteinfeger oft erste Ansprechpartner, wenn es um die Modernisierung einer Heizung geht oder wenn es Fragen gibt, ob die Heizung richtig eingestellt ist. Dann sprechen uns die Eigentümer direkt an, wenn ich oder die Kollegen im Haus sind. Schornsteinfeger sind ja nicht nur für die Heizung zuständig, sondern befassen sich ganzheitlich mit dem Gebäude, insbesondere mit Faktoren wie der Wärmedämmung“, beschreibt er das Aufgabengebiet seines Berufsstandes.

Eine weitere wichtige Aufgabe seiner Kollegen ist die Kontrolle und Reinigung der Lüftungsanlagen. Diese sind wichtiger geworden, weil Gebäude zunehmend gedämmt werden, um den Durchzug zu verringern. Dies senkt die Heizungskosten, kann aber zu Schimmelbildung führen. „In einigen Bundesländern werden diese Aufgaben verpflichtend durch einen Schornsteinfeger durchgeführt“, erklärt Max Fußhöller. „In anderen sind sie freiwillig und erfolgen durch den Auftrag eines Kunden.“

Neue digitale Arbeitsmittel

Auch durch neue Technologien hat sich der Beruf des Schornsteinfegers gewandelt. „Heute kann man zum Beispiel die Messwerte mit einem Tablet erfassen und arbeitet nicht mehr mit Karteikarten, wie ich es noch gelernt habe“, sagt Max Fußhöller. „Das wird inzwischen alles mit einer speziellen Software erfasst und in der Cloud analysiert. So können ganze Gebäude inklusive der Anlagentechnik online energetisch bewertet werden. Mittlerweile benutzen einige Kollegen sogar Drohnen, um Abgasanlagen auf dem Dach zu begutachten“, ergänzt der 25-Jährige.

Sein Wissen rund um Energie- und Gebäudetechnik hat Max Fußhöller nach zwei Jahren Berufserfahrung im Rahmen eines Bachelorstudiums an der TH Köln vertieft. „Meine handwerkliche Ausbildung war dabei ein enormer Vorteil, weil ich mir die grundlegenden Kenntnisse über die Heizungstechnik bereits in der Ausbildung angeeignet hatte. Das erwies sich als großer Vorteil gegenüber Kommilitonen, die nach dem Abitur direkt ins Studium eingestiegen sind“, erinnert sich der gelernte Schornsteinfeger, der direkt nach seinem Studienabschluss die Stelle als Technischer Berater beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks angetreten hat.

Mit vertieftem Fachwissen gut beraten

Für Max Fußhöller ist das Lernen immer noch nicht zu Ende. Er bereitet sich derzeit auf die Meisterprüfung vor. „Als Technischer Berater muss ich Kollegen die gewünschten Informationen geben und richtig kommunizieren können, insbesondere, was für uns relevante Verordnungen und Gesetze anbelangt“, sagt der gelernte Schornsteinfeger. „Um dabei auf Augenhöhe mitreden und mit Fachinfos punkten zu können, ist der Meister schon wichtig. Und auch hier macht sich inzwischen vielerorts der digitale Wandel bemerkbar – ich mache den Lehrgang berufsbegleitend mit Online-Schulungen und Präsenzblöcken in Erfurt.“


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Stand: 29.02.2020