Gute Fahrt!

Zu sehen ist eine Lokführerin.
Die Ausbildungsmöglichkeiten bei Eisenbahnbetrieben sind vielfältig. Lokführer/in ist nur ein Beispiel.
Foto: Martin Rehm

Ausbildung auf Schienen

Gute Fahrt!

Bei Eisenbahnbetrieben werden Fachkräfte händeringend gesucht, allen voran Lokomotivführer und Fachkräfte, die die Lokomotiven und Züge warten können. Die meisten Ausbildungsplätze bietet die Deutsche Bahn.

Fabian Kielczynski ist zwar kein typischer „Trainspotter“, der schon als Kind von Zügen fasziniert war, aber ein Faible für Züge hatte er trotzdem schon immer. Als er dann zum ersten Mal eine Weiche umstellte und kurz darauf ein 2.000 Tonnen schwerer Güterzug über die Schienen fuhr, „packte“ es ihn: „Ich habe vor zwei Jahren an einem Camp der Deutschen Bahn (DB) teilgenommen, bei dem der Beruf des Fahrdienstleiters vorgestellt wurde“, erzählt der 30-Jährige.

Sein Studium, das sich nicht so entwickelte wie gedacht, gab er daraufhin auf und bewarb sich bei der DB für die Ausbildung zum „Eisenbahner/-in im Betriebsdienst (EiB), Fachrichtung Fahrweg“, die auf eine Tätigkeit als Fahrdienstleiter vorbereitet. „Das ist vergleichbar mit einem Lotsen im Flugverkehr. Man stellt Weichen und Signale und trägt eine entsprechend hohe Verantwortung für die Menschen in den Zügen“, beschreibt er. Darüber hinaus sperren Fahrdienstleiter bei Störungen Gleise oder veranlassen Nothalte. In enger Kommunikation mit den Lokführern sorgen sie für den pünktlichen, reibungslosen und sicheren Zugbetrieb.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für die Ausbildung nicht vorgeschrieben, aber im Jahr 2016 hatten 54 Prozent der angehenden Fahrdienstleister die Hochschulreife. „Kein Wunder“, meint Fabian Kielczynski, denn der Lernstoff hat es in sich: „Zunächst bekommt man eine Grundausbildung über Züge, Schienen- und Zugsicherungssysteme sowie Stellwerktechniken. Dann geht es weiter mit Richtlinien, Verordnungen und Gesetzen, die man beherrschen muss.“

Viele Unternehmen, wenig Ausbildungsbetriebe

Ein Porträt-Foto von Fabian Kielczynski

Fabian Kielczynski

Foto: privat

Das Schienennetz in Deutschland erstreckt sich laut Statistischem Bundesamt über 33.380 Kilometer. Den Großteil davon betreibt zwar die Deutsche Bahn, doch sie ist nur eines von über 400 öffentlichen Eisenbahnunternehmen, die das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) listet. Hinzu kommen private Unternehmen und etwa auch Chemieparks mit eigenem Bahnbetrieb. Aber längst nicht jeder Betrieb bildet aus. Die Deutsche Bahn ist mit Abstand der größte Anbieter an Ausbildungsplätzen, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Laut der DB haben 2017 mehr als 3.700 Schulabgänger dort eine Berufsausbildung oder ein duales Studium begonnen. Neben 50 Ausbildungsberufen stehen 25 duale Studiengänge zur Auswahl.

Nach der Ausbildung könne man Fabian Kielczynski zufolge theoretisch überall in Deutschland eingesetzt werden. „Es ist aber immer eine örtliche Einweisung nötig“, betont er. Wer wie der 30-Jährige Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Fahrweg werden will, findet die meisten Ausbildungsplätze bei der DB Netz AG. Wer hingegen die zigtausend PS starken, tonnenschweren Loks im Personen- oder Güterverkehr steuern will, muss eine Ausbildung zum „Eisenbahner/-in im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ durchlaufen und benötigt zudem eine Fahrberechtigung. „Diese setzt bestimmte medizinische und psychologische Anforderungen voraus“, weiß Schulleiter Josef Lammers von der „Städtischen Berufsschule für Fahrzeugtechnik – Eisenbahn – Fahrbetrieb“ in München.

Vielfalt an Ausbildungsberufen

Den größten Teil der Ausbildungsangebote auf Schienen machen aber die gewerblich-technischen Berufe aus, etwa Mechatroniker/-in, Industriemechaniker/-in oder Elektroniker/-in für Betriebstechnik. Sie werden zum Beispiel in der Fahrzeuginstandhaltung, in Stellwerken oder bei der Wartung von Maschinen und Anlagen gebraucht. „Duale Studiengänge im Bereich Betriebswirtschaft und Ingenieurwesen bieten die Option, innerhalb von drei Jahren einen reinen Bachelorabschluss oder in viereinhalb Jahren einen Bachelor und parallel dazu einen IHK-Abschluss als Facharbeiter zu erwerben. So kann man zum Beispiel Bauingenieur und Gleisbauer/Tiefbaufacharbeiter kombinieren“, nennt Manuela Stock, Beraterin der Agentur München, eine weitere Möglichkeit für Abiturienten, die eine Affinität zur Eisenbahn haben.

Zu den kaufmännischen Berufen gehören die Kaufleute für Verkehrsservice, die unter anderem als Zugbegleiter unterwegs sind, sowie in Reisezentren oder Servicepoints arbeiten. Um die Logistik hinter den Kulissen geht es dagegen in der Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung. „Dieser kaufmännische Beruf ist auf die Besonderheiten des Verkehrs- und Logistikmarktes zugeschnitten. Hier sorgt auch der stark wachsende Internethandel für einen Bedarf an Fachkräften“, weiß Manuela Stock. „Und da auch auf den Schienen nichts mehr ohne IT läuft, gibt es neben den Berufen mit Bezug zur Eisenbahn auch Fachinformatiker/-innen in den Fachrichtungen Systemintegration oder Anwendungsentwicklung sowie IT-Systemelektroniker/-in, die etwa bei der DB Systel GmbH ausgebildet werden.“

Job mit Zukunft

Die im Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) organisierten Verkehrsunternehmen im Personen- und Eisenbahngüterverkehr befördern nach eigenen Angaben rund 10 Milliarden Fahrgäste jährlich und transportieren rund 600 Millionen Tonnen Güter im Jahr – Tendenz steigend.

Diese Entwicklung sorgt dafür, dass gut ausgebildete Mitarbeiter immer mehr gefragt sind. Aktuell befinden sich rund 2.600 Nachwuchskräfte in der Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, der Großteil davon in der Fachrichtung „Lokführer und Transport“. Der Nachwuchs werde dringend gebraucht, denn laut VDV ist die Personalsituation bei den Triebfahrzeugführern/-innen und beim Eisenbahnbetriebspersonal bereits angespannt: „Einerseits kommen neue Eisenbahnunternehmen hinzu und die Aufgaben der am Markt tätigen Anbieter nehmen stetig zu, andererseits wird es immer schwieriger, junge Menschen für eine duale Berufsausbildung zu gewinnen“, weiß Marcus Gersinske, Fachbereichsleiter Ressourcenmanagement Eisenbahn im VDV.

Und was bringt die Digitalisierung? Werden dadurch Berufe wie Lokführer nicht wegfallen, wenn Züge künftig autonom fahren? Diese Frage beantwortet der Experte mit einem klaren Nein: „Im Berufsalltag spielt die digitale Unterstützung eine immer größere Rolle, aber die Berufe werden sicher nicht abgeschafft werden.“ Die Digitalisierung sieht der Verband nicht als Bedrohung, im Gegenteil: „Wir erhoffen uns davon generell effizientere Automatisierungsprozesse.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Studienwahl

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im finder nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Schienenjobs

Das Jobportal für Berufe rund um die Schiene liefert einen Überblick über verschiedene Berufsgruppen der Bahnberufe und listet aktuelle Stellenangebote auf.
www.schienenjobs.de/bahnberufe/

Eisenbahn-Bundesamt

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist die deutsche Aufsichts-, Genehmigungs- und Sicherheitsbehörde für Eisenbahnen und Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Hier sind sowohl öffentliche als auch private Unternehmen aufgelistet.
www.eba.bund.de

Karriereseite der Deutschen Bahn

Die Bewerbung bei der DB erfolgt über die Karriereseite www.deutschebahn.com/karriere. Hier findet man bereits jetzt alle Ausbildungsplätze und Angebote für duale Studiengänge für den Start im Herbst 2019.

 

Ausbildung auf Schienen – Berufsübersicht

Berufliche Vielfalt

Bei den Berufen rund um den Eisenbahnverkehr gibt es nicht nur den Lokführer, sondern eine Vielzahl an Ausbildungsberufen, die eine Karriere auf Schienen ermöglichen. abi» hat eine Auswahl zusammengestellt.

Im Fahrbetrieb:

Eisenbahner/in im Betriebsdienst – Fahrweg

o Aufgaben: Die Ausbildung bereitet auf den Beruf als Fahrdienstleiter vor. Sie regeln den Verkehrsablauf auf den Schienen, beaufsichtigen die Fahrstrecken und Weichen, stellen Signale ein und rangieren die Züge. Sie arbeiten in Stellwerken, in Betriebszentralen oder Fernsteuerzentralen eines Schienennetzbetreibers.

o Mögliche Arbeitgeber: Schienennetzbetreiber im Personen- und Güterverkehr, Unternehmen zum Betrieb von Zugsicherungssystemen.

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Eisenbahner/in im Betriebsdienst – Lokführer und Transport

o Aufgaben: Sie sind im Fern- oder Nahverkehr unterwegs, steuern Elektro- oder Diesellokomotiven, Triebwagen und Rangierlokomotiven, befördern Reisende oder Güter. Sie arbeiten oft in Wechselschichten, also auch nachts. Sie führen Sicherheitschecks wie Bremsmanöver durch, rangieren Züge, stellen einzelne Züge zusammen und sorgen dafür, dass die richtigen Wagen an die jeweilige Lok angekoppelt werden.

o Mögliche Arbeitgeber: Öffentliche und private Eisenbahnunternehmen für Personen- und Güterverkehr

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Kaufmännisches:

Kaufmann/-frau – Eisenbahn- und Straßenverkehr

o Aufgaben: Die Kaufleute planen, organisieren und analysieren Transportdienstleistungen von Zügen, Bussen und LKWs. Sie recherchieren Verkehrswege und -mittel, achten darauf, dass vorhandene Ressourcen effizient ausgelastet werden, berechnen Preise und erstellen Angebote. Kaufleute im Eisenbahn- und Straßenverkehr kennen sich zudem mit Frachtpapieren, Zolldokumenten und mit der Versicherung von Sendungen aus.

o Mögliche Arbeitgeber: Straßenverkehrs- und Eisenbahngesellschaften, öffentliche Verkehrsbetriebe, Speditionen, Post- und Kurierdienste.

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Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung

o Aufgaben: Sie sind Frachtspezialisten für Luft, Schiene und Straße. Hier geht es darum, wie eine Sendung am schnellsten zum Ziel kommt. Die Kaufleute organisieren den Versand, Umschlag und falls nötig die Lagerung von Gütern. Sie kalkulieren Preise, erstellen Angebote, arbeiten Verträge aus und kümmern sich um den Versicherungsschutz.

o Mögliche Arbeitgeber: Speditionen, Unternehmen im Bereich Umschlag/Lagerwirtschaft

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Kaufmann/-frau für Verkehrsservice

o Aufgaben: Sie informieren im Servicecenter Kunden über Reiseverbindungen, verkaufen Tickets oder sind als Zugbegleiter unterwegs. Sie können auch als Sachbearbeiter/-innen tätig werden und etwa Reklamationen bearbeiten.

o Mögliche Arbeitgeber: Bahn-, Schifffahrts- und Busunternehmen, Reisebüros, Flughafenbetreiber

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Technisches:

Gleisbauer/in

o Aufgaben: Gleisbauer/innen montieren und verlegen Schienen und Weichen und bauen Bahnübergänge. Sie kontrollieren die Schienenfahrwege und beheben Mängel an den Gleisanlagen.

o Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Tiefbaus, Betreiber von Schienennetzen

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Elektroniker/in für Betriebstechnik

o Aufgaben: Sie sorgen dafür, dass alles, was an den Loks und Triebzügen mit Elektronik zu tun hat, jederzeit einsatzbereit ist. Sie erkennen Fehler und beheben diese.

o Mögliche Arbeitgeber: überall dort, wo Produktions- und Betriebsanlagen eingesetzt und instand gehalten werden.

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Mechatroniker/in

o Aufgaben: Sie betreuen Hard- und Softwarekomponenten sowie mechatronische Systeme, etwa die Pneumatik und Hydraulik der Maschinen und Anlagen. Sie montieren Bauteile, installieren und prüfen Geräte, Maschinen und Anlagen.

o Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, Betriebe des Fahrzeug-, Luft- oder Raumfahrzeugbaus, Betriebe der Informations-, Kommunikations- oder Medizintechnik

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Industriemechaniker/in

o Aufgaben: Sie warten Loks und Triebzüge, Güter- und Reisezugwagen, Weichen, Maschinen und Anlagen. Defekte Maschinen und Systeme reparieren sie, beschaffen Ersatzteile oder fertigen diese selbst an. Sie arbeiten in der Regel in speziellen Werkstätten.

o Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen fast aller industriellen Wirtschaftsbereiche, z.B. Metall, Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektro, Chemie, Papier oder Druck

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Ausbildung auf Schienen - Interview

Karriere ohne Bachelor oder Master

Welche Ausbildungen auf Schienen bei Abiturienten besonders beliebt sind und welche Interessen Bewerber mitbringen sollten, erklären Mareen Behrendt und Maja Richter, Referentinnen Personalgewinnung bei der Deutschen Bahn.

abi>> Frau Behrendt, Sie sind für das Schülerrecruiting zuständig. Welche Ausbildungsberufe, die einen Bezug zum Schienenverkehr haben, sind bei Abiturienten besonders gefragt?

Mareen Behrendt: Bei unseren Bewerbern sind besonders der Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Fahrweg, also unsere zukünftigen Fahrdienstleiter sowie der Mechatroniker und die IT-Ausbildungsberufe beliebt.

abi>> Welche Voraussetzungen müssen die Bewerber erfüllen?

Ein Porträt-Foto von Mareen Behrendt

Mareen Behrendt

Foto: privat

Mareen Behrendt: Formal brauchen die Bewerber einen Schulabschluss, um bei uns in die Berufsausbildung oder das duale Studium einzusteigen. Bewerben sollte man sich ein Jahr vor Ausbildungs- beziehungsweise Studienbeginn. Die Bewerber erwartet ein Auswahlverfahren mit Onlinetest und Vorstellungsgespräch. Wer ein duales Studium machen möchte, muss zusätzlich noch ein Assessment-Center absolvieren. Und bei einigen Ausbildungsberufen gibt es bestimmte medizinische Voraussetzungen, die unsere Bewerber erfüllen müssen. Zum Beispiel dürfen die künftigen Lokführer und Fahrdienstleiter keine Rot-Grün-Sehschwäche haben.

abi>> Welche Interessen sollten Abiturienten mitbringen?

Mareen Behrendt: Wichtig ist, dass die Bewerber motiviert sind für den Weg, den sie bei uns einschlagen wollen: Ein zukünftiger Koch sollte eine Leidenschaft fürs Kochen haben, die künftigen Elektroniker sollten eine Idee davon haben, wie ein Relais funktioniert, und die neuen IT-ler sollten sich schon mal mit Programmierung beschäftigt haben. Und alle sollten Interesse an der Eisenbahn haben.

abi>> Welche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben Abiturienten bei der Deutschen Bahn?

Ein Porträt-Foto von Maja Richter

Maja Richter

Foto: privat

Maja Richter: Wir sind ein sehr großes Unternehmen, bei uns kann man in vielen Bereichen Karriere machen. Ein Fahrdienstleiter kann sich zum Beispiel weiterentwickeln zum Zugdisponenten oder Personaleinsatzplaner und dann weiter zum Bezirksleiter Betrieb. Ein Elektroniker für Betriebstechnik kann nach seiner Ausbildung und einer Zeit als Facharbeiter eine Weiterbildung zum IHK-Meister absolvieren und könnte Anlagenmeister oder Fachbauüberwacher werden. Wir fördern auch akademische Weiterqualifikationen, aber bei uns kann man auch sehr gut ohne einen Bachelor- oder Masterabschluss Karriere machen.
Für (Fach-)Abiturienten haben wir noch ein ganz spezielles Angebot, nämlich die Kombination der Berufsausbildung Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Fahrweg mit einer direkt anschließenden Weiterqualifizierung zum Fachwirt für den Bahnbetrieb.

 

Eisenbahner im Betriebsdienst – Lokführer und Transport

Chef über Tausende PS

Etwas bewegen und Verantwortung tragen: Das macht Matthias Markgraf (20) täglich. In seiner Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer/Transport lernt er unter anderem, wie man einen Zug steuert.

Der Fahrerstand von Matthias Markgraf unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht stark vom Cockpit eines Flugzeugs: Hebel, Schalter, Knöpfe, diverse Anzeigen etwa für Motorleistung oder Fahrpläne sind zu sehen. Doch der 20-Jährige fliegt nicht über den Wolken, sondern fährt durch bayerische Landschaften. Er befindet sich in seinem zweiten von insgesamt drei Ausbildungsjahren. Ob er als Abiturient die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzen kann, hängt von seiner Zwischenprüfung und einer Beurteilung seines Arbeitgebers ab.

Dass er nach dem Abitur Lokführer werden wollte, war keine Überraschung: „Ich bin in der Nähe einer Bahnanlage aufgewachsen und hatte schon immer Interesse am Bahnbetrieb.“ Zwar werden Lokführer gesucht, aber eine Hürde muss zuvor jeder nehmen: es gilt, einen Einstellungstest und eine medizinische Erstuntersuchung zu absolvieren. Dabei werden unter anderem das Reaktionsvermögen und die Wahrnehmungsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein getestet. Er bestand alle Tests.

Lieber ländlich als bundesweit

Ein Porträt-Foto von Matthias Markgraf

Matthias Markgraf

Foto: privat

Zur DB gehören unterschiedliche Verkehrsunternehmen: „Je nachdem, ob man im Güterverkehr (DB Cargo), bei der S-Bahn, im Fern- oder Regionalverkehr fahren möchte, unterschreibt man einen Ausbildungsvertrag bei der entsprechenden Gesellschaft“, erklärt Matthias Markgraf.

Er hatte sich bei der DB Regio beworben, weil er gerne ländliche Strecken fahren möchte. Nach seinem Abschluss wird der 20-Jährige weiter in seiner Heimatregion im Streckennetz Garmisch eingesetzt – so wie er es sich wünscht. Anders als im Fernverkehr kann er im Regionalverkehr nach der Schicht zu Hause sein: „Andere wollen lieber viele Städte kennenlernen und was sehen von Deutschland. Ich fahre durch eine Landschaft mit Bergblick, durch eine Region, in der andere Urlaub machen.“ An seine erste Fahrt von Murnau nach Oberammergau kann er sich noch sehr gut erinnern: „Das vergisst man so schnell nicht. Es war ein tolles Gefühl!“ Der Zug hatte 1.500 PS und wog über 300 Tonnen. Trotz aller Euphorie ist Sicherheit das Wichtigste: „Schließlich trage ich die Verantwortung für die Fahrgäste.“

Eintauchen in einen eigenen Kosmos

Die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst (EiB) findet im Betrieb, in der Schule und im DB Ausbildungszentrum in Aubing statt, wo die angehenden Lokführer in einem Simulator auch Trockenübungen absolvieren können. Natürlich fährt er auch auf richtigen Strecken, allerdings keine Nachtschichten. Das wird nach der Ausbildung sicherlich anders werden, schließlich fährt die Bahn 24 Stunden am Tag. Zu Beginn lernen die EiB erst einmal alle Fachbegriffe kennen, etwa Pendel 1, Trasse, Haltestelle, Haltepunkt. Hinzukommen die Signale: „Das ist eine Welt für sich“, weiß Matthias Markgraf inzwischen. „Aber allein aus Sicherheitsgründen ist es Grundvoraussetzung, dass man das Vokabular und die Betriebsabläufe beherrscht.“

Da die Züge immer von zwei Personen gesteuert werden, vom Lokführer im Zug und vom Fahrdienstleiter, der Weichen stellt und Signale setzt, schnuppert jeder Auszubildende auch in die berufliche Welt des anderen rein. Dann kommen die technischen Details: Wie ist ein Triebwagen aufgebaut, welche Baureihen gibt es? „Wenn man einmal weiß, welche Bauteile in einer Lokomotive stecken, betrachtet man sie mit ganz anderen Augen“, resümiert der Auszubildende.

Es gibt verschiedene Baureihen, für die die Fahrer eine sogenannte „Baureihenbefähigung“ benötigen. In der Ausbildung absolviert Matthias Markgraf zunächst einen Triebfahrzeugführerschein – eine Grundausbildung für zwei Baureihen.

Die Lok ist das eine, die Strecke das andere. Auch hier müssen die Fahrer eine Streckenkunde absolvieren: „Man fährt erst zwei bis drei Wochen mit, um eine Strecke kennenzulernen.“ Was ebenfalls in der Ausbildung intensiv trainiert wird, ist das Reagieren in Stresssituationen: „Wenn man irgendwo auf der Strecke stehenbleibt, muss man wissen, was im Störungsfall zu tun ist.“

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Eisenbahner im Betriebsdienst – Lokführer/Transport

So kann ein Arbeitstag aussehen

14.30 Uhr

Zunächst holt Matthias Markgraf die Tagesweisung ein, auf der aufgeführt ist, was an diesem Tag für ihn ansteht.

14.45 Uhr

Er besteigt den Triebwagen und beginnt mit dem Vorbereitungsdienst. Dazu gehört zum Beispiel, dass er alle Sicherheitssysteme im Führerstand überprüft, angefangen von der Stromversorgung über die Klimaanlage bis zur Sicherheitsfahrschaltung, mit der die Vitalfunktionen des Fahrers überprüft werden können.

15.15 Uhr

Er öffnet die Türen, damit die Fahrgäste einsteigen können.

15.25 Uhr

Los geht’s! Matthias Markgraf fährt vom Münchner Hauptbahnhof bis nach Mittenwald. Dabei schaut dem Auszubildenden ein ausgebildeter Lokführer stets über die Schulter.

17.25 Uhr

Ankunft in Mittenwald. Der 20-Jährige hat eine Stunde Pause.

18.25 – 20.25 Uhr

Er fährt zurück zum Hauptbahnhof München. Dort hat er 20 Minuten Aufenthalt.

20.45 Uhr

Seine nächste Station ist zugleich die Endstation für ihn an diesem Tag – Murnau am Staffelsee.

21:45 Uhr

Ankunft in Murnau. Er rüstet den Zug ab, wobei er zum Beispiel überprüft, ob Beschädigungen aufgetreten sind und ob die Fangbehälter für das Kondenswasser der Bremsen voll sind. Bei Störungen gibt er entsprechende Meldungen an den Wartungsdienst weiter. Aber an diesem Tag ist alles in Ordnung.

22:00 Uhr

Der Arbeitstag ist zu Ende.

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Kauffrau für Verkehrsservice

Zügig ans Meer

Janine Martinsen (25) ist Kauffrau für Verkehrsservice bei der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH. Als solche berät sie Kunden, verkauft Tickets, rangiert Triebwagen und bringt eigene Ideen ein, etwa bei der Optimierung von Arbeitsabläufen – und das alles mit Blick aufs Meer.

Das kleine Städtchen Niebüll mit seinen knapp 10.000 Einwohnern ist eine wichtige verkehrstouristische Drehscheibe. Von dort aus führt der Zugverkehr Reisende weiter auf die Nordseeinseln Amrum, Föhr, Sylt, zu den Halligen im Nationalpark Wattenmeer oder ins südwestliche Dänemark. Während die Reisenden im Zug bei der Fahrt durch die Marsch bis an den Fährhafen entspannen können, sorgt Janine Martinsen dafür, dass alles rund läuft. Die 25-jährige Kauffrau für Verkehrsservice absolvierte ihre dreijährige duale Berufsausbildung bei der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (neg).

Die neg im friesisch und dänisch geprägten Luftkurort Niebüll, die über 70 Mitarbeiter beschäftigt, betreibt den Eisenbahnverkehr zwischen Niebüll und Dagebüll Mole. Darüber hinaus betreut sie die Eisenbahninfrastruktur zwischen Dagebüll, Niebüll und dem dänischen Ort Tønder, unterhält eine Schienen- und Nutzfahrzeugwerkstatt sowie den Güterbahnhof in Neumünster. Pro Jahr befördert die Eisenbahngesellschaft im Durchschnitt 420.000 Personen.

Abwechslung im Kundencenter und im Zug

Ein Porträt-Foto von Janine Martinsen

Janine Martinsen

Foto: privat

Janine Martinsen ist über ein kaufmännisches Praktikum, das sie an der Fachoberschule absolviert hat, auf die friesische Bahn gekommen: „Mir hat von Anfang an gefallen, dass der Beruf so abwechslungsreich ist“, erzählt sie. „Am Anfang habe ich im Kundencenter gearbeitet, wo sich auch die Touristeninformation befindet.“ Hier dreht sich alles um Fahrplanauskünfte, Gruppenfahrten, Informationen über Tagestouren und das Organisieren von Unterstützung, wenn jemand aufgrund einer Behinderung Hilfe beim Ein-, Aus- und Umsteigen braucht. „Das Schöne bei der neg ist, dass man immer dort eingesetzt werden kann, wo man gerade gebraucht wird.“

Vor allem in den Sommermonaten und in der Weihnachts- und Neujahrszeit, wenn die Touristen auf die Inseln reisen, herrscht dichtes Gedränge. „Damit Fahrgäste aus Berlin, Dresden, Hannover, Frankfurt am Main oder aus Köln direkt nach Dagebüll Mole fahren können, ohne in Niebüll umsteigen zu müssen, gibt es den Kurswagenverkehr. Das bedeutet, dass jeweils zwei Wagen eines IC-Zuges der Deutschen Bahn an unsere Triebwagen angehängt werden“, erklärt die 25-Jährige.

Janine Martinsen wird auch als Zug- und Rangierbegleiterin eingesetzt. Kauffrau für Verkehrsservice ist also keineswegs ein reiner Bürojob, was ihr sehr entgegen kommt. Auf Dauer nur am Schreibtisch zu arbeiten – das wäre nichts für sie: „Während der Ausbildung war ich von Anfang an viel in den Kurswagen unterwegs. Das ist Learning-by-Doing.“

Arbeiten im Schichtbetrieb

Wie ihre Kolleginnen und Kollegen arbeitet Janine Martinsen im Schichtbetrieb. „Schließlich fahren die Züge von morgens um vier bis neun Uhr abends.“ Die Strecke ist verhältnismäßig kurz: Zwischen 14 und 19 Minuten dauert die Fahrt mit ihren vier Haltestellen. Nicht viel Zeit, um die Fahrgäste zu kontrollieren, Fragen zu beantworten und hier und da helfend einzugreifen, gerade wenn viele Passagiere reisen. Dabei muss die Verkehrskauffrau stets kundenorientiert handeln und ein Lächeln auf den Lippen haben: „In der Regel sind die Fahrgäste sehr freundlich. Aber natürlich kann es passieren, dass jemand einen schlechten Tag erwischt hat.“ Dann heißt es Ruhe bewahren und sich nicht provozieren lassen: „Wenn zum Beispiel die Kurswagen mit Verspätung ankommen und wir nicht mehr warten können, kann das schon mal die Laune strapazieren.“

Mittlerweile kann die tatkräftige Nordfriesin sogar die neg-Lokomotiven steuern: „Ich bin gefragt worden, ob ich nicht die Fahrberechtigung erwerben möchte, um vielseitiger eingesetzt werden zu können.“ In sechs Monaten konnte sie neben ihrem Beruf die Fahrberechtigung erwerben und bestand die Prüfung: „Hätte mir jemand in der Schule erzählt, dass ich einmal eine Lokomotive steuere, hätte ich das für abwegig gehalten“, erzählt sie lachend.


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Stand: 14.10.2019