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Interview

„Nachhaltigkeit ist für die Branche kein Modewort“

Im Gespräch mit abi» geben die Branchenvertreter Joachim Dünkelmann (Geschäftsführer beim Bundesverband der Juweliere, Schmuck und Uhrengeschäfte e.V.) sowie Albert Fischer (Präsident des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik) einen Ausblick auf aktuelle Entwicklungen im Handwerk und im Handel.

Jemand repariert eine Uhr mit einer Pinzette.

Ausgebildete Uhrmacher*innen sind rar und gesuchter denn je.

abi» Was ist die größte Herausforderung in Ihrer Branche?

Ein Porträtfoto von Joachim Dünkelmann.

Joachim Dünkelmann

Joachim Dünkelmann: Der Brückenschlag zwischen einer ansprechenden Onlinepräsenz und stationär exzellenten Mitarbeitern und Geschäften. Wenn der Einkaufsbummel immer öfter auf dem Smartphone stattfindet, dann müssen wir die Kunden dort auch abholen. Ein Juwelier verkauft Emotionen und Glücksgefühle – die sind am Bildschirm aber nur eingeschränkt zu vermitteln. Die Branche braucht mehr Kompetenz in Online-Marketing und beispielsweise in sozialen Netzwerken.

Albert Fischer: Definitiv die Bekämpfung des Nachwuchs- bzw. Fachkräftemangels, denn seit geraumer Zeit sind die Ausbildungszahlen im Uhrmacherhandwerk rückläufig, was dazu führt, dass weniger ausgelernte Uhrmacher nachkommen als sich auf der anderen Seite in den Ruhestand verabschieden. Dementsprechend sind ausgebildete Uhrmacher gesuchter denn je, man kann hier schon fast von einer Beschäftigungsgarantie sprechen.

abi» Welche Trends erwarten Sie in Zukunft?

Ein Porträtfoto von Albert Fischer.

Albert Fischer

Joachim Dünkelmann: Neben die bleibenden Werte wie Edelsteine, Edelmetalle und handwerkliche Kunst treten immer stärker neue Bereiche wie Wearables, Smartwatches und neue Techniken in der Herstellung wie beispielsweise 3D-Druck. Gleichzeitig wird das stationäre Geschäft immer stärker mit der Onlinewelt verzahnt.

Albert Fischer: Natürlich ist der Smartwatchboom enorm und die intelligente Uhr am Arm mit immer fortgeschritteneren Funktionen wird auch in Zukunft ihre Träger finden, jedoch bleibt insbesondere im höherwertigen Uhrenbereich die Mechanik beinahe ohne Konkurrenz. Gerade hier schätzen Uhrenträger deren Wertigkeit, Wertbeständigkeit und infolge der Reparaturmöglichkeit auch Langlebigkeit. Diese beiden Trends werden auch in Zukunft parallel weiterlaufen.

abi» Was bedeutet das für Berufseinsteiger?

Joachim Dünkelmann: Die Luxusgüterbranche bleibt innovativ. Zum Start locken vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten von Verkäufer*in über Goldschmied*in und Uhrmacher*in bis hin zu Kaufmann*Kauffrau im E-Commerce. Aber es gibt immer wieder neue Produkte und Einsatzbereiche – und damit die Möglichkeit, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln.

Albert Fischer: Sie werden sich sehr rasch mit dem kompletten Portfolio beschäftigen, von der einfachen Quarzuhr über die Smartwatch bis hin zur mechanischen Uhr bzw. Luxusuhr. Der Markt an Uhren, die in regelmäßigen Abständen repariert oder gewartet werden müssen, ist immens groß, weshalb den Uhrmacherwerkstätten die Arbeit auch in Zukunft nie ausgehen wird.

abi» Welche Rolle spielen Themen wie Nachhaltigkeit und Fair Trade in Ihrer Branche?

Joachim Dünkelmann: Bei einem so persönlichen Produkt wie Schmuck sind Herkunft der Materialien, Arbeitsbedingungen bei Gewinnung und Verarbeitung, der Umgang mit Ressourcen und Umwelt zentrale Aspekte. Nachhaltigkeit ist für die Branche deshalb kein Modewort, sondern seit sehr langem ein wichtiges Thema.

Albert Fischer: Uhrenträger beziehen das Thema Nachhaltigkeit inzwischen verstärkt in ihre Überlegungen beim Kauf mit ein. Hier punktet natürlich vor allem die mechanische Uhr, da diese allein durch die Bewegungen des Trägers in Gang gehalten wird. Aber auch die Solaruhr, die sich allein durch die Kraft der Sonne „auftankt“, wird unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gerne gewählt.

abi» 12.10.2020

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