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Ausbildungsberufe in der IT

Fachkräfte für Hard- und Software

Die Zukunft passiert im Netz. Konferenzen werden mittels Videochat geführt und die Hochschulen haben aufgrund der Corona-Pandemie das Sommersemester 2020 sogar zum digitalen Semester auserkoren. Entsprechend hoch ist der Bedarf an IT-Fachkräften, die den reibungslosen Ablauf gewährleisten. Mit ihrem Know-how bringen sie die Digitalisierung voran, sorgen für Datensicherheit und funktionierende Netzwerke.

Eine Frau testet die Schaltungen für eine Smart-Home-Anlage.

Sie programmieren Apps, richten Netzwerke ein, entwerfen Sicherheitssysteme und lösen komplexe Computerprobleme: IT-Fachkräfte sind gefragter denn je.

Wenn die Computertechnik streikt, können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) an ihren IT-Service wenden. Auch die angehende Fachinformatikerin für Systemintegration, Annemarie Baumert (27), nimmt dort Anrufe entgegen und leistet als First Level Support bei kleineren Schwierigkeiten mit der Technik erste Hilfe. Aufwändigere Aufgaben reicht sie an den sogenannten Second Level Support weiter, der sich dann mit einer Lösung zurückmeldet oder das Problem vor Ort löst, wenn beispielsweise ein Monitor oder ein PC ausgetauscht werden muss. Der direkte Kundenkontakt macht der Auszubildenden besonders viel Spaß: „Es ist unheimlich schön, jemandem bei einem Problem geholfen zu haben, der dann glücklich ist, wenn es wieder funktioniert.“ Und auch die manchmal erst überraschten, dann aber doch durchweg positiven Reaktionen darauf, dass da eine Frau die IT-Probleme löst, gefallen ihr.

Vom Studium zur Ausbildung

Porträtbild von Annemarie Baumert

Annemarie Baumert

Schon als Kind hatte die 27-Jährige Interesse an Computern. Inzwischen ist daraus eine echte Leidenschaft für Elektronik und PCs entstanden. Nach dem Abitur führte sie ihr Weg zunächst an die Universität, doch aufgrund familiärer Probleme musste sie ihr Bioinformatik-Studium abbrechen und eine Alternative suchen. „Ich wollte der Richtung aber treu bleiben.“ Ihre Recherche führte sie zum Beruf der Fachinformatikerin, an dem sie besonders der große Praxisbezug reizte.

Annemarie Baumert bewarb sich bei verschiedenen Berliner Unternehmen, durchlief mehrere Assessmentcenter erfolgreich und konnte sich am Ende ihren Ausbildungsbetrieb aussuchen. Bei der BSR überzeugte sie die freundliche und familiäre Atmosphäre. Aktuell befindet sie sich am Ende ihres ersten Ausbildungsjahres und ist bei der Netzwerkadministration eingesetzt. Die Mitarbeitenden dieser Abteilung sorgen dafür, dass alle Mitarbeiterbüros mit WLAN und LAN ausgestattet sind. Im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung wird sie unter anderem ihre Kolleginnen und Kollegen in der IT bei der Realisierung, Konfiguration, Inbetriebnahme und Verwaltung vernetzter IT-Systeme durch Einbindung verschiedener Softwarekomponenten unterstützen.

Neue Fachrichtungen für angehende Fachinformatiker/innen

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) begannen im Jahr 2019 insgesamt 16.431 junge Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker ihre Ausbildung, davon 9.267 in der Fachrichtung Systemintegration und 7.164 in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung. Das ist eine Steigerung zu 2018 von sieben bzw. elf Prozent. „Die Arbeits- und Geschäftsprozesse sind von zunehmender Digitalisierung sowie von einer Vielzahl technischer Neuentwicklungen in den Bereichen Hard- und Software geprägt“, begründet Mandy Rusch, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Leipzig den steigenden Bedarf an IT-Fachkräften und das größere Angebot an Ausbildungsplätzen. Auch die Bedeutung von Datenspeicherung, Datenübertragung sowie IT-Sicherheit nehme immer mehr zu. „Mit der Modernisierung der Ausbildungsordnungen aller IT-Berufe werden diese Themen zukünftig stärker gewichtet.“ Im Zuge der Modernisierung werden ab August 2020 auch zwei neue Fachrichtungen in der Fachinformatikausbildung eingeführt: Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung.

Jenseits der Informatikausbildung gibt es auch noch weitere interessante Ausbildungsberufe mit IT-Bezug, beispielsweise IT-System-Elektroniker, Informationskaufleute (ab August 2020 Kaufleute für Digitalisierungsmanagement) und IT-Systemkaufleute (ab August 2020 Kaufleute für IT-System-Management).

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Porträtbild von Mandy Rusch

Mandy Rusch

„Für alle IT-Berufe und Fachrichtungen sollte man selbstverständlich Interesse an Mathematik und Informatik mitbringen“, erklärt Mandy Rusch. Ebenso seien sprachliche Fähigkeiten notwendig – und zwar nicht nur in Englisch, wie die Berufsberaterin betont: „Vor allem in den kaufmännischen Berufen, in denen man viele Kundengespräche führt oder Schulungen hält, braucht man auch gutes Deutsch.“ Ebenso sei ein Interesse an wirtschaftlichen Themen von Vorteil.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt und sich für eine Ausbildung in der IT entscheidet, muss sich momentan wenig Gedanken um seine berufliche Zukunft machen. „Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für IT-Fachleute sind hervorragend“, weiß Mandy Rusch. Und auch Claudia Suttner vom Bereich Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit bestätigt das: „Der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute hat sich 2019 sehr gut entwickelt. Nach wie vor gibt es nur wenig Arbeitslose mit IT-Berufen.“ 856.000 IT-Fachleute waren 2019 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sieben Prozent mehr als im Jahr davor. „Mit 20.000 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten freien Stellen bewegte sich die Nachfrage nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf Höchstniveau", sagt Claudia Suttner.

Interessante Weiterbildungsmöglichkeiten

In einem Beruf, der sich so schnell weiterentwickelt wie die IT-Branche, ist lebenslanges Lernen fast schon Pflicht. „Entsprechende Qualifizierungen nach der Ausbildung sind sowohl berufsbegleitend als auch in Vollzeit möglich“, erläutert Berufsberaterin Mandy Rusch. „Über die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Fachschulausbildung zum Techniker beispielsweise kann man sich zuerst bei den örtlichen IHKs informieren.“ Darüber hinaus sei eine Weiterbildung zum Betriebswirt beziehungsweise Betriebswirtin oder ein Studium, beispielsweise in Wirtschafts- oder Verwaltungsinformatik, denkbar.

Annemarie Baumert will zunächst ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren. Mit guten Noten kann sie die dreijährige Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Danach möchte sie in ihrem neuen Beruf arbeiten: Vor allem das Thema Netzwerkadministration findet sie spannend. „Auf jeden Fall käme dann auch eine Weiterbildung infrage“, sagt die technikbegeisterte junge Frau. Und auch ein duales Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik, das die BSR anbietet, könnte sich die angehende Fachinformatikerin später gut vorstellen.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Ausbildungen findest du im Teilberufsfeld „Computer und Informatik“.
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Informatik)
berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: IT- mit Bindestrich eingeben, oder Informatik).
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

erlebe IT

eine Initiative des BITKOM e.V.
erlebe-it.de/software-berufe

abi» 22.05.2020

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