Tüfteln im Labor

Eine junge Frau mischt im Labor gemahlene Körner im Reagenzglas mit Milchsäure.
Weil sie naturwissenschaftliche Kenntnisse auf Oberstufenniveau mitbringen, haben Abiturienten gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz in den Laborberufen.
Foto: Karsten Socher

Ausbildungsberufe im Labor

Tüfteln im Labor

Analysieren, mikroskopieren, präparieren – Laborberufe wie Pflanzentechnologe, Werkstoffprüferin oder Biologielaborant sind inhaltlich anspruchsvoll und bieten ein vielseitiges Arbeitsfeld. Kein Wunder, dass sich viele Abiturienten für eine Ausbildung in einem dieser Berufe entscheiden.

Eine ideale Verbindung aus Theorie und Praxis – das stellt die Ausbildung zur Pflanzentechnologin für Judith Reese dar. Die 22-Jährige aus Lage Lückhausen im Landkreis Lippe ist in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend zu Hause und wusste immer, dass sie später im Bereich der Landwirtschaft arbeiten wollte: „Ich bin gerne draußen praktisch tätig, zudem finde ich Pflanzen und das, was in ihrem Inneren abläuft, spannend.“ Daher hat sie sich für eine Ausbildung zur Pflanzentechnologin bei der W. Borries-Eckendorf GmbH & Co. KG entschieden.

Nah an der Natur

Ein Porträt-Foto von Judith Reese.

Judith Reese

Foto: privat

Pflanzentechnologen züchten Kulturpflanzen wie Raps oder Getreide und entwickeln sie weiter. „Man kann jeden einzelnen Schritt in der Entwicklung einer Pflanze miterleben“, erzählt Judith Reese. Welche Saison gerade herrscht, wie die Pflanze währenddessen wächst – all das prägt den Alltag von Pflanzentechnologen. Im Herbst säen sie aus, im Winter analysieren sie die vergangene Ernte und bereiten im Gewächshaus neue Kreuzungen vor. Im Frühling beurteilen sie die jungen Pflanzen und sondern unerwünschte aus, im Sommer ernten sie. Frühling und Sommer bedeuten immer auch, lange Tage auf dem Feld zu verbringen. „Es ist toll, so nah an der Natur zu sein“, bringt es Judith Reese auf den Punkt.

Herbst und Winter dagegen sind Laborzeit. „Über Monate habe ich im Saaten-Union Biotec Labor auf unserem Firmengelände praktisch gearbeitet: auf der Sterilbank Doppelhaploiden, also reinerbige Pflanzen, angelegt und herangezogen. Diese wurden später ins Gewächshaus gepflanzt und weiterentwickelt.“ Außerdem führte sie im Molekularlabor Markeranalysen durch, prüfte also anhand bestimmter Merkmale der Pflanzen, ob sie sich für die Zucht eignen.

Die dreijährige Ausbildung, die sie dank ihres Abiturs um ein Jahr verkürzen konnte, hat sie mittlerweile abgeschlossen: „In den zwei Jahren Ausbildung war kein Tag wie der andere. Pflanzentechnologe ist ein sehr vielfältiger Beruf“, resümiert Judith Reese. Seit dem Wintersemester 2017 studiert die junge Frau nun Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen. „Die vorangegangene Ausbildung hat mich gut auf das Studium vorbereitet. Meine bisherigen praktischen Erfahrungen kann ich in jedem Fall nutzen. Und ich muss keine Praktika mehr machen“, erklärt sie.

Eine echte Alternative zum MINT-Studium

Berufsberater Matthias Riedel von der Agentur für Arbeit Jena beobachtet häufig, dass Abiturienten nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung in einem Laborberuf wählen. Pflanzentechnologen gehören ebenso zu dieser Berufsgruppe wie Werkstoffprüfer, Milchwirtschaftliche Laboranten, Lacklaboranten, Agrarwirtschaftlich- beziehungsweise Landwirtschaftlich-technische Assistenten, Biologie-, Chemie- oder Physiklaboranten.

„Eine Ausbildung in diesem Bereich ist für Abiturienten mit naturwissenschaftlichen Interessen und Stärken eine echte Alternative zum MINT-Studium“, meint der Berufsberater. Vor allem aus zwei Gründen: Einerseits sind die meisten Laborberufe inhaltlich anspruchsvoll sowie vielseitig und bieten gute Einstiegs-, Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten. Andererseits schrecken manche Abiturienten vielleicht vor einem MINT-Studium zurück, weil es ihnen zu lang, theoretisch und schwierig erscheint. Außerdem haben in einigen Fachrichtungen – beispielsweise in der Chemie – Absolventen oft nur dann Chancen auf einen guten Job, wenn sie promovieren. So müssen sie nach dem Studienabschluss weitere Jahre auf höchstem wissenschaftlichen Niveau arbeiten und forschen, und dies in einigen Regionen bei unsicheren Zukunftsaussichten.

Ausbildung als Sprungbrett

„Gerade Abiturienten mit Neigung zum praktischen naturwissenschaftlichen Tun entscheiden sich vor diesem Hintergrund oft für eine Ausbildung“, weiß Matthias Riedel. Hinzu kommen diejenigen, die perspektivisch – wie Judith Reese – studieren wollen und die Ausbildung als Sprungbrett nutzen. Sie lernen zunächst solide naturwissenschaftliche Arbeitstechniken, können dank der Ausbildung teilweise Praktika ersetzen und haben bereits erste Erfahrungen in der Branche gesammelt.

„Bei Abiturienten sind nach meiner Erfahrung vor allem die Ausbildung zum Biologie- und zum Chemielaboranten gefragt. Berufe wie Baustoffprüfer oder Textillaborant sind weniger bekannt“, berichtet der Berater. Der Anteil der Azubis mit Fach- oder Hochschulreife ist bei allen Laborberufen groß: vergleichsweise am geringsten bei den Milchwirtschaftlichen Laboranten mit 47 Prozent, am höchsten bei den Biologielaboranten mit 76 Prozent.

Gefragte Fachkräfte

„Abiturienten bringen Vorkenntnisse der entsprechenden Naturwissenschaften auf Oberstufenniveau mit, vor allem, wenn sie darauf ihren Schwerpunkt gelegt haben. Dazu kommen meist solide Mathekenntnisse, ein souveräner Umgang mit Tabellen und Statistiken, Forscherdrang und Experimentierfreude sowie gute fremdsprachliche Fähigkeiten, vor allem in Englisch. All dies macht sie zu idealen Ausbildungsbewerbern für die Laborberufe, zumal viele außerdem noch selbstständig sind und bereit, sorgfältig zu arbeiten“, fasst Matthias Riedel zusammen. Nach dem Abschluss bieten viele Unternehmen den Laborspezialisten attraktive Arbeitsplätze, besonders in der Pharma- und Chemiebranche.

Laut Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit machen Laborberufe einen relativ kleinen Anteil des gesamten Arbeitsmarktes aus. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist leicht gewachsen, die Arbeitslosigkeit etwas gesunken“, kommentiert sie. Zudem wurden in den landwirtschaftstechnischen Berufen im vergangenen Jahr mehr offene Stellen gemeldet als noch 2016 – mit Ausnahme der Lacklaboranten. „Generell ist es in dieser Branche – wie in vielen anderen – empfehlenswert, sich frühzeitig ein Netzwerk zu schaffen und über Praktika Kontakte zu knüpfen, wenn man den Einstieg schaffen will“, rät Claudia Suttner.

Info

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Labor)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Labor)
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten. (Suchwort: Labor; Berufswelt Ausbildung: z.B. Naturwissenschaften; Glas, Farben, Lacke, Kunststoffe)
www.berufsfeld-info.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

www.bibb.de

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland

www.vbio.de

 

Ausbildungsberufe im Labor – Übersicht

Im Auftrag der Wissenschaft

Versuche durchführen, Messdaten protokollieren und auswerten, Inhaltsstoffe prüfen – die Arbeit im Labor ist abwechslungsreich und bietet viele Herausforderungen. abi» hat eine Auswahl verschiedener Ausbildungsberufe zusammengestellt.

Biologielaborant/in

o Aufgaben: Untersuchungen an Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen und Zellkulturen vorbereiten und durchführen; Versuchsabläufe beobachten, kontrollieren und protokollieren und Ergebnisse auswerten
o Mögliche Arbeitgeber: medizinische und biologische Forschung, angewandte Medizin, öffentliches Gesundheitswesen, Pharma- und Kosmetikhersteller, Lebensmittelhersteller, Krankenhäuser; Betriebe, die biologische Produkte herstellen

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Chemielaborant/in

o Aufgaben: chemische Untersuchungs- und Versuchsreihen vorbereiten und durchführen; Stoffe analysieren, Stoffgemische trennen und chemische Substanzen herstellen; die Arbeiten dokumentieren und die protokollierten Ergebnisse auswerten
o Mögliche Arbeitgeber: chemische und pharmazeutische Industrie, Farben- und Lackindustrie, Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, naturwissenschaftliche und medizinische Institute von Hochschulen, Firmen der chemischen Untersuchung und Beratung, Umweltämter

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Lacklaborant/in

o Aufgaben: in der Entwicklung und Herstellung unterschiedlicher Beschichtungsstoffe oder -systeme mitarbeiten; Qualität von Lacken und Farben im Labor prüfen; Messdaten dokumentieren und auswerten
o Mögliche Arbeitgeber: chemische, Lack herstellende und verarbeitende Industrie, Fahrzeugbau, Hersteller von Möbel- und Holzkonstruktionsteilen, Maschinen- und Anlagenbau

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Landwirtschaftlich-technische/r Assistent/in

o Aufgaben: unter der Leitung von naturwissenschaftlichen Fachkräften Untersuchungen und Versuch durchführen und Ergebnisse auswerten; agrarwirtschaftliche Fragestellungen analysieren; Zusammensetzung und Qualität landwirtschaftlicher Produkte untersuchen
o Mögliche Arbeitgeber: Forschungsinstitute, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft, Unternehmen der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Nahrungsmittelindustrie, öffentliche Verwaltung (zum Beispiel im Umweltschutz), Tierkliniken

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Medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in

o Aufgaben: zur Krankheitsvorsorge, -erkennung und -behandlung Laboruntersuchungen von Körperflüssigkeiten und Gewebe durchrühren
o Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Arztpraxen, medizinische Labore, Blutspendedienste

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Milchwirtschaftliche/r Laborant/in

o Aufgaben: die einwandfreie Qualität von Milch und Milcherzeugnissen sicherstellen; Inhaltsstoffe und Eigenschaften von Rohmilch, Zwischen- und Endprodukten überprüfen
o Mögliche Arbeitgeber: Betriebe der Milchverarbeitung (wie Molkereien oder Käsereien), öffentliche Verwaltung, Institute, die Milcherzeugnisse nach den Vorschriften der Lebensmittelgesetze überprüfen, milchwirtschaftliche Lehr- und Versuchsanstalten, Betriebe der Nahrungsmittelherstellung

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Pflanzentechnologe/-technologin

o Aufgaben: an der Entwicklung und Zucht neuer Energie-, nahrungs- und Zierpflanzen mitarbeiten; Versuche durchführen; Kulturen pflegen
o Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der Pflanzenzucht, des Pflanzenschutzes und der Pflanzenvermehrung, Saatgutfirmen, landwirtschaftliche und gartenbautechnische Untersuchungs- und Forschungsanstalten, biologische Institute an Hochschulen

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Physiklaborant/in

o Aufgaben: physikalische Messungen und Versuchsreihen durchführen; Versuchsanlagen aufbauen; Messungen und Versuche vorbereiten, durchführen und dokumentieren
o Mögliche Arbeitgeber: Hochschulen und physikalische Forschungseinrichtungen, Prüflabore verschiedener Industriezweige wie Maschinenbau-, Glas- und Baustoffindustrie

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Werkstoffprüfer – Metalltechnik

o Aufgaben: metallische Werkstoffe auf Eigenschaften oder Schäden untersuchen, Proben entnehmen; Messungen und Prüfungen durchführen und Ergebnisse dokumentieren
o Mögliche Arbeitgeber: Stahlwerke und Gießereien, Warm- und Kaltumformer, Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbau, Energiewirtschaft, Werkstoffprüfanstalten, Materialforschungseinrichtungen

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Agrarwirtschaftlich-technische Assistentin

Von Spermatologie bis Qualitätskontrolle

Wie sieht das Sperma eines Rinds aus? Ein Thema, das viele Menschen sicher zwischen „betrifft mich nicht“ und „eklig“ einstufen. Carolin Meyer hat jedoch keine Berührungsängste. Die 21-Jährige absolviert eine zweijährige schulische Ausbildung zur agrarwirtschaftlich-technischen Assistentin mit Schwerpunkt Tierproduktion.

Vor Kurzem betrachtete die Schülerin im Laborpraktikum die Ejakulate verschiedener Nutztiere unter dem Mikroskop, verglich sie und prägte sich wichtige Erkennungsmerkmale ein.

Zunächst eignete sich die Auszubildende im Blockunterricht an der Albrecht-Thaer-Schule in Celle theoretische Grundlagen an. Darauf folgte dann die Praxisphase, die meist aus zwei sechsmonatigen Praktika bei unterschiedlichen Firmen oder Institutionen besteht.

Das Laborpraktikum gehört zum theoretischen Teil ihrer Ausbildung. In ihrem Praxisjahr hatte sich Carolin Meyer bereits mit Spermatologie beschäftigt. Im ersten Halbjahr war sie in einer Firma für Rinderzucht tätig gewesen, wo im Labor Rindersperma qualitativ beurteilt wurde. Das zweite Halbjahr hatte sie in der Qualitätskontrolle eines Unternehmens verbracht, das Kartoffeln und Erbsen verarbeitete. „Ich fand das so interessant, dass es meinen vorhandenen Studienwunsch noch verstärkt hat. Ich weiß jetzt genau: Ich möchte nach meinem Abschluss ein Studium im Bereich der Biotechnologie aufnehmen“, erklärt die 21-Jährige.

Berufserfahrung dank Praktika

Ein Porträt-Foto von Carolin Meyer.

Carolin Meyer

Foto: privat

Auch die Ausbildung hat Carolin Meyer schon mit Blick auf ein künftiges Studium ausgewählt: „Ich habe mich nach meiner Fachhochschulreife für diesen Beruf entschieden, weil er mir das naturwissenschaftliche Basiswissen und die Arbeitstechniken vermittelt, die ich für ein Studium dieser Fachrichtung brauche. Hinzu kommt die Berufserfahrung, die man in den Praktika erwirbt. Zudem findet man mit dieser Ausbildung leichter eine Stelle in einem Labor, wo man während der Semesterferien arbeiten kann“, begründet sie ihre Wahl. Seit Sommer 2016 lernt Carolin Meyer, die aus Neuenhaus an der holländischen Grenze stammt, ihren Beruf und wohnt deshalb von montags bis freitags in einer WG in Celle. Im Sommer 2018 wird sie ihren Abschluss machen.

Wichtige Arbeitstechniken erlernen

Nach dem Praxisjahr schließt sich der zweite Theorieblock an, der die Schüler auf die Abschlussprüfung vorbereitet. „In diesem Ausbildungsabschnitt befinde ich mich gerade. Wir tauschen uns über unsere Praxiserfahrungen aus und bringen unsere Erfahrungen in den Unterricht ein“, erzählt Carolin Meyer. Unterrichtet wird sie in berufsübergreifenden Fächern wie Englisch, Deutsch, Politik, Informationsverarbeitung oder Chemie. Hinzu kommen berufsbezogene Fächer wie Versuchswesen, Tierernährung, Tierzucht, Tierhygiene, Biologie und Mikrobiologie.

„Zusätzlich erlernen wir in der Schule bei den chemischen, biologischen und mikrobiologischen Laborpraktika wichtige Arbeitstechniken, etwa wie man Proben nimmt, mikroskopiert oder Protokoll führt. All das werde ich auch im Studium brauchen“, betont die junge Frau.

Wer sich wie sie zur agrarwirtschaftlich-technischen Assistentin – der Beruf ist auch bekannt unter der Bezeichnung landwirtschaftlich-technische/r Assistent/in – ausbilden lassen möchte, sollte sich ihrer Meinung nach für naturwissenschaftliche Fächer interessieren sowie gern im Labor und mit Tieren arbeiten. Und wer sich für Rindersperma nicht begeistern kann, für den hält die Ausbildung viele weitere Untersuchungsgegenstände bereit.

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Agrarwirtschaftlich-technische Assistentin – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Carolin Meyer (21) macht eine Ausbildung zur agrarwirtschaftlich-technischen Assistentin an der Albrecht-Thaer-Schule in Celle. Die Auszubildende gewährt abi>> einen Einblick in ihren Schulalltag.

7.55 – 9.25 Uhr

Der Unterricht beginnt. Carolin Meyer und ihre Mitschüler haben Chemie. Sie beschäftigen sich mit den Grundlagen dieses Faches, die für die Laborarbeit wichtig sind. Heute geht es darum, wo man Laugen und Säuren im Alltag findet und wie sie aufgebaut sind. Außerdem lernen die Schüler verschiedene Trennverfahren von Stoffen kennen, die sie später im Laborpraktikum ausprobieren können.

9.40 – 11.10 Uhr

Nun steht das Fach Tierernährung auf dem Stundenplan. Hier dreht sich alles um die Verdauungsorgane von Wiederkäuern, Schweinen und Geflügel. Heute wird thematisiert, wie man eine Futtermittelanalyse durchführt und mit welchen Verfahren man dabei die einzelnen Komponenten des Futters bestimmen kann.

11.30 – 13 Uhr

Der dritte Block an der Berufsschule bedeutet heute: Politik. Die Lehrer informieren in diesem Fach die Schüler über aktuelle Themen und diskutieren diese mit ihnen. Das können allgemeinere Themen sein, wie die Agrarpolitik der Bundesregierung, aber auch fachbezogenere Dinge, wie die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Die Schüler sollen sich Gedanken machen, wie sie zu den einzelnen Sachverhalten stehen.

13.15 – 14.45 Uhr

Am Ende des Schultags wird es praktisch: In den Stunden sieben und acht steht das biologische Laborpraktikum auf dem Plan. Die Schüler experimentieren hier zu Themen, die sie aus den theoretischen Unterrichtseinheiten kennen. So schauen sie sich heute den Aufbau einer Zelle unter dem Mikroskop an. Dabei notieren sie die Unterschiede zwischen Pflanzen- und Tierzelle. In einer der letzten Stunden haben sie sich eingehender mit Tierzellen beschäftigt und Spermien von Schwein, Rind und Pferd unter dem Mikroskop betrachtet.

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Lacklaborant

Alles im Lack?!

Als Auszubildender zum Lacklaboranten entwickelt und verbessert Noah Petry (19) mit seinen Kollegen Rezepturen für den farbigen Oberflächenbelag. Dabei muss er beachten, wo der Lack später haften soll, wie der Kunde ihn auftragen will und ob er Sonne oder Nässe ausgesetzt sein wird.

Alles im Lack – dieses Motto prägt den Arbeitsalltag von Noah Petry. „Schon in der Schule hatte ich viel Spaß an Chemie, wünschte mir also eine Tätigkeit, die damit zu tun hat. Außerdem wollte ich nicht den ganzen Tag im Büro sitzen. Als Lacklaborant kann ich Handwerk und Theorie ideal verbinden“, schwärmt der 19-Jährige aus dem hessischen Driedorf, der bei der Firma Weilburger Coatings im dritten Lehrjahr den Beruf des Lacklaboranten erlernt.

In der Ausbildung beschäftigt sich Noah Petry mit allen Stationen, die der Lack durchläuft: von der Herstellung über Auftragetechniken bis zu Prüfmethoden und Qualitätssicherung. Der meist farbige Oberflächenbelag ist ein komplexes Material. Winzige Änderungen einzelner Komponenten können dafür sorgen, dass er glänzender oder matter, zäher oder flüssiger wird. Denn Lack ist nicht gleich Lack: Ein Belag, der auf Holz aufgetragen werden soll, ist anders als einer, den man für Kunststoff und Metall verwendet.

Rezepturen ausprobieren und verbessern

Ein Porträt-Foto von Noah Petry.

Noah Petry

Foto: Roland Hofmann

Wenn Noah Petry und seine Kollegen Lack herstellen, erfolgt daher immer zunächst ein Gespräch mit dem Kunden, egal ob Firma oder Privatperson. Die Lacklaboranten erfragen dabei, wie der Kunde den Lack haben möchte und wofür er ihn einsetzen will. Danach probieren sie verschiedene Rezepturen aus, verbessern sie gezielt oder entwickeln sie weiter. Am Ende kommt ein Produkt heraus, das an die Wünsche des Kunden angepasst ist.

„Dazu gehören auch Kundenbesuche vor Ort. Dort schauen wir uns an, wie der Kunde unseren Lack konkret nutzt. Falls dabei Probleme entstehen, können wir die direkt erfassen und nach Lösungen suchen. Die Versuche mit neuen Rezepturen führen wir bei uns im Labor durch, dokumentieren dabei akribisch, was wir getestet haben und zu welchen Ergebnissen wir gekommen sind“, erzählt Noah Petry.

Spritzen, streichen oder tauchen?

„Auch die Art und Weise, wie der Kunde den Lack auftragen möchte, spielt eine entscheidende Rolle – will er ihn spritzen, streichen, walzen oder tauchen?“, berichtet Noah Petry. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Einflüsse, denen der Lack später ausgesetzt sein wird: Wirkt Sonnenlicht oder Feuchtigkeit auf ihn ein, muss er mechanischem Druck standhalten und darf sich daher nicht leicht zerkratzen lassen? „In diesem Fall ist es Pflicht, dass wir einen Schutz gegen Korrosion einbauen“, erläutert der Auszubildende. Auch die Farbe des Lackes bestimmt der Kunde. „Bestimmte Effekte wie Metallic sind dabei recht populär. Das kennt man aus der Autoindustrie“, fügt er hinzu.

Gerne möchte der angehende Lacklaborant, der sich in seinem Ausbildungsbetrieb sehr wohlfühlt, nach dem Abschluss dort weiterarbeiten. „Die Aussichten sind gut, glaube ich.“ Noah Petry ist unter anderem deshalb erfolgreich in seiner Ausbildung, weil er eine der Grundvoraussetzungen dafür mitgebracht hat: Interesse an und gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern.

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Lacklaborant – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Du möchtest wissen, was ein angehender Lacklaborant macht? Hier erfährst du, wie ein Arbeitstag des Auszubildenden Noah Petry aussieht.

7 Uhr

Noah Petry und seine Kollegen besprechen, welches Problem in letzter Zeit bei einem bestimmten Lack aufgetreten ist, und planen eine Versuchsreihe. In diesem Fall klumpte der Lack, was künftig verhindert werden soll.

8.15 Uhr

Sie bereiten die Versuchsreihe vor und suchen alle Rohstoffe und Laborgeräte heraus, die sie dafür brauchen.

9 Uhr

Frühstückspause

9.30 Uhr

Noah Petry und die anderen Mitarbeiter probieren verschiedene Konzentrationen der Rohstoffe aus, um ein Rezept zusammenzustellen, bei dem der Lack nicht klumpt.

10.30 Uhr

Sie werten die Ergebnisse der Versuchsreihe aus und ermitteln dann, wie hoch bestimmte Komponenten des Lacks mindestens dosiert werden müssen, damit der gewünschte Effekt eintritt und der Lack elastisch und glatt ist.

10.45 Uhr

Die Ergebnisse der Versuchsreihe werden sorgfältig dokumentiert.

11.30 Uhr

Die Lacklaboranten drucken das neue Rezept aus und prüfen, ob alle Rohstoffe vorhanden sind. Falls nötig, holen sie fehlende Bestandteile aus dem Materiallager.

12 Uhr

Mittagspause

13.30 Uhr

Noah Petry und seine Kollegen vermischen mithilfe spezieller Rührer die Rohstoffe und verteilen die Pigmente und Füllstoffe fein im Lack.

15 Uhr

Die Mitarbeiter füllen den fertigen Lack in Behälter ab.

16 Uhr

Sie reinigen gründlich die Geräte, damit künftig kein Schmutz in den neu produzierten Lack gerät.

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Werkstoffprüferin

Auf Biegen und Brechen

Jessica Groß testet als Werkstoffprüferin der Fachrichtung Metalltechnik bei der DEKRA Automobil GmbH metallische Werkstoffe darauf, wie sie beschaffen sind und ob sie beschädigt wurden. Dabei prüft die 29-Jährige die Teile mechanisch oder analysiert sie unter dem Mikroskop.

Werkstücke geben ihr Innenleben nicht ohne Weiteres preis. Mitunter muss man als Werkstoffprüfer zu drastischen Maßnahmen greifen, wenn man erfahren will, wie ein Bolzen im Inneren aufgebaut oder warum eine Welle fehlerhaft ist. Man kann Werkstücke ziehen, biegen, falzen, schleifen, mithilfe von Röntgenstrahlen, Ultraschall oder unter dem Mikroskop untersuchen. Bei einigen Testverfahren zerstört man das Werkstück, bei anderen prüft man es zerstörungsfrei, so dass man es danach wieder einsetzen kann.

Jessica Groß kennt all diese Testmethoden aus ihrer mehrjährigen Berufspraxis. Nach ihrer Fachhochschulreife absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Werkstoffprüferin in der Abteilung Werkstofftechnik und Schadensanalytik der DEKRA Automobil GmbH in Saarbrücken. Seitdem übt sie diesen Beruf bei ihrer Ausbildungsfirma aus.

Werkstücke auf ihre Beschaffenheit testen

Ein Porträt-Foto von Jessica Groß.

Jessica Groß

Foto: Anika Diesinger

Viele Kunden kommen aus der Automobilbranche. „Einer davon überließ uns beispielsweise eine Kurbelwelle, bei deren Bearbeitung das entsprechende Werkzeug stark verschliss. Er wollte wissen, warum das geschieht. Wir vereinbarten, dass wir die Welle metallografisch untersuchen, um herauszufinden, wo die Ursache für das Problem lag“, berichtet Jessica Groß von einem typischen Auftrag. Sie und ihre Kollegen unterzogen das Werkstück drei aufeinanderfolgenden Testverfahren: Zunächst analysierten sie spektrochemisch die Zusammensetzung der Welle, um auszuschließen, dass von vornherein versehentlich ein falscher Werkstoff verbaut worden war. Bei dieser Analysemethode wird der Stoff einer Energiezufuhr ausgesetzt, zum Beispiel durch einen Lichtbogen. Dieser regt die darin befindlichen Atome an, so dass sie eine elektromagnetische Strahlung aussenden, die charakteristisch für bestimmte chemische Elemente ist. Daran kann man erkennen, aus welchen Stoffen die Probe zusammengesetzt ist.

In einem zweiten Arbeitsgang ermittelten die Prüfer die Härte der Welle. Danach erstellten sie einen sogenannten Mikroschliff, betrachteten also unter dem Mikroskop den inneren Aufbau der Welle. Bei der chemischen Zusammensetzung und dem Härtetest fanden sie nichts Auffälliges. „Doch die mikroskopische Untersuchung zeigte: In der Welle gab es Gefügestrukturen, die im Vergleich zum restlichen Material sehr hart waren. Dies hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit den Werkzeugverschleiß verursacht“, fasst Jessica Groß das Ergebnis zusammen.

Methodische Fehlersuche

Die 29-Jährige und ihre Kollegen testen jedoch nicht nur Werkstücke auf ihre Beschaffenheit oder auf Fehler, sondern versuchen auch, mögliche Probleme vorab zu erkennen und zu vermeiden: Bei den Korrosions- und Umweltsimulationsprüfungen setzen sie gezielt Materialien jenen Umwelteinflüssen aus, mit denen sie später konfrontiert sind. Diese Einflüsse simulieren sie, stellen sie also künstlich her.

Wer als Werkstoffprüfer erfolgreich sein und Freude an dem Beruf haben will, sollte nach Meinung von Jessica Groß handwerkliche und technische Fähigkeiten mitbringen sowie strukturiert und analytisch denken können. „Wichtig sind auch Neugier und Recherchebereitschaft – also geduldig und methodisch den Fehler im Werkstück suchen zu wollen“, sagt die junge Saarländerin.

Mittlerweile ist sie nicht nur ausgebildete Werkstoffprüferin, sondern staatlich geprüfte Technikerin der Fachrichtung Werkstofftechnik. „Ich habe die Weiterbildung gleich nach meinem Berufsabschluss begonnen, sie vier Jahre lang parallel zum Beruf absolviert und vor einigen Jahren abgeschlossen“, berichtet sie. „Ich habe so meine Kenntnisse gezielt erweitert und vertieft. Mit einer Weiterbildung erhält man meist ein besseres Gehalt und ist im Unternehmen vielseitiger einsetzbar“, begründet Jessica Groß diesen Schritt.

 

abi» Animation

Tüfteln und Experimentieren

Mikroskopieren, Proben nehmen, analysieren – das Arbeiten im Labor erfordert Fingerspitzengefühl und Forschergeist. Die abi» Animation stellt dir eine Auswahl an Gegenständen vor, die im Labor verwendet werden und zeigt, bei welchen beruflichen Tätigkeiten sie beispielsweise zum Einsatz kommen.

 


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Stand: 10.12.2019