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Ausbildungsberufe mit Tieren – Hintergrund

Rund ums Tier

Sich um Tiere kümmern, sie gesund pflegen, füttern oder in der Natur betreuen, sie halten und ihre Erzeugnisse verkaufen: Wer nach dem Abitur (noch) kein Studium aufnehmen möchte, aber trotzdem etwas mit Tieren machen will, kann aus einer großen Bandbreite an Ausbildungsberufen rund ums Tier wählen.

Ein Jäger im Laubwald mit seinen beiden Hunden

Ausbildungsberufe mit Tieren umfassen die Tierpflege, Nutztierhaltung und Tierzucht

Die Jagd war für Peter Streibl immer schon ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. „Mein Vater ist Hobbyjäger und mein Großvater war Berufsjäger. Da wurde mir die Jagd quasi in die Wiege gelegt“, erzählt der 28-Jährige. Nach seinem Abitur studierte er zunächst Forstingenieurwesen an der FH Weihenstephan. „Ich wollte aber noch etwas Praktisches lernen und habe mich für den Ausbildungsberuf des Revierjägers am Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten entschieden.“

Natur- und Tierschutz stehen im Vordergrund

„Die Voraussetzung für die Ausbildung ist unter anderem ein gültiger Jagdschein“, sagt Peter Streibl und betont zugleich, dass zu den Aufgaben eines Revierjägers keineswegs die Jagd allein gehöre. „Im Winter übernehmen wir beispielsweise die Wildfütterung. Außerdem halten wir die Reviere in Schuss, kümmern uns um die Schutzwaldsanierungen, halten und führen Jagdhunde, stellen Fallen und auch die Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu.“ Der Natur- und Tierschutz spielen hierbei eine besondere Rolle. „Zu meinen Aufgaben gehört es beispielsweise auch, Freizeitsuchende zu sensibilisieren, dass sie gefährdete oder besonders sensible Tierarten nicht stören.“ Nicht zuletzt überwachen Revierjäger das Verhalten eingewanderter neuer Tierarten, so genannte Neozoen.

Ein junger Mann in olivgrüner Jagdkleidung kniet auf einem Bergvorsprung. Mit seinem rechten Arm umfasst er den neben ihm sitzenden hellbraunen Mischlingshund.

Peter Streibl

Die praktische Ausbildung wird durch Theorieunterricht an der Berufsschule ergänzt. Hier befassen sich die Auszubildenden mit Wildbiologie, Jagdorganisation, Waffenkunde und auch Schießen. Allerdings sei die Jagd als Hobby wenig mit dem Dasein als Revierjäger zu vergleichen. „Man braucht eine Passion für diesen ‚grünen Beruf‘, muss die Natur lieben und sich auch darauf einstellen, dass sich unsere Arbeitszeiten oft nach Sonnenauf- und -untergang richten“, fasst Peter Streibl zusammen. „Wir sind natürlich hauptsächlich im Freien und zu Fuß unterwegs. In Bayern sollte man außerdem einen sicheren Tritt im Gebirge und eine gute Kondition haben.“
Im Juli wird Peter Streibl seine Ausbildung abschließen. Sein nächstes Ziel hat der 28-Jährige schon im Blick: „Ich möchte definitiv noch meinen Revierjagd-Meister machen.“

Auch moralische Fragen berücksichtigen

Eine Ausbildung zum Revierjäger ist bei den meisten jungen Menschen, die gerne etwas mit Tieren machen wollen, vermutlich nicht die erste Idee. Das Beispiel zeigt jedoch, wie unterschiedlich die Herangehensweise an dieses Interessensgebiet sein kann. „Wenn junge Menschen zu mir kommen, die beruflich gerne etwas mit Tieren machen wollen, klären wir zunächst gemeinsam, was genau sie sich darunter vorstellen“, sagt Dr. Nicole Schmohl, Berufs- und Studienberaterin bei der Agentur für Arbeit Hannover. Bei der Wahl des passenden Berufs geht es neben den individuellen Interessen und Fähigkeiten vor allem auch um individuelle ethische Vorstellungen. „Auch moralische Fragen sind bei der Arbeit mit Tieren wichtig“, betont die Expertin. Darunter fallen etwa Art und Weise der Tierhaltung, oder allgemein die Frage, ob Tiere überhaupt als Nutztiere gehalten werden sollten. „Den einen geht es etwa um das Pflegen und Heilen von Tieren – in diesen Bereich gehören zum Beispiel tiermedizinische Fachangestellte. Andere verstehen darunter den Nutzen von Tieren, etwa als Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelspender. In diesen Bereich fallen unter anderem landwirtschaftliche Berufe, Tierwirte, aber auch Fleischer.“

Sind diese Eckpfeiler geklärt, kann die Suche konkretisiert werden. Übrigens muss die Berufswahl nicht immer auf den ersten Blick etwas mit Tieren zu tun haben: „Wer etwa mit dem Gedanken spielt, im Bereich tiergestützter Therapie tätig zu werden, dem ist zunächst eine Ausbildung im sozialtherapeutischen Beruf anzuraten“, sagt Dr. Nicole Schmohl. Ähnlich sei dies in Berufen aus dem Bereich Schutz und Sicherheit. „Wenn eine Schülerin zu mir kommt, die als Hundeführerin oder bei der berittenen Polizei arbeiten möchte, muss sie sich klarmachen, dass der Primärberuf, etwa Polizistin, im Vordergrund stehen muss.“

Gesundheitliche Aspekte nicht vernachlässigen

Steht der Berufswunsch fest, sollte vor der Aufnahme der Ausbildung die Eignung festgestellt werden. Tierpflegerinnen und -pfleger im Zoo beispielsweise sollten nicht nur über eine gute körperliche Fitness verfügen. „Wer unter Tierhaar- oder Pollenallergien und ähnlichem leidet, und sich dem täglich im Beruf aussetzt, der riskiert schwerere gesundheitliche Folgen. Im Gespräch suchen wir dann gemeinsam nach Ausbildungsalternativen“, sagt die Berufs- und Studienberaterin. Nicht zu unterschätzen sei es außerdem, sich Informationen aus erster Quelle zu verschaffen. „Ich rate den Schülerinnen und Schülern, Menschen aus dem Wunschberuf direkt anzusprechen und sie zu befragen. Nach meiner Erfahrung geben die meisten gerne Auskunft über ihren Job.“ Hierbei empfiehlt sie unter anderem eine Kontaktaufnahme über die jeweiligen Berufsverbände.

Die Chancen, einen Beruf rund ums Tier erlernen zu können, hängen stark vom Ausbildungsplatzangebot ab. Diese gestalten sich in den verschiedenen Berufen mit Tieren durchaus unterschiedlich, weiß Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit. „Beispielsweise erfreut sich der Beruf Tierpfleger unter den Bewerbern und Bewerberinnen großer Beliebtheit. Im letzten Jahr gab es hier durchschnittlich 816 Interessenten pro 100 Ausbildungsplätze. Insgesamt wurden laut Bundesinstitut für Berufsbildung im Jahr 2018 663 neue Ausbildungsverträge in einer der drei Fachrichtungen abgeschlossen. 36 Prozent der Neu-Azubis hatten die (Fach-)Hochschulreife. Im Gegensatz dazu sind Ausbildungsstellen in der Tierwirtschaft nicht leicht zu besetzen. Hier gibt es rechnerisch 38 Bewerber je 100 Stellen.“ Generell habe sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren für Berufe rund um das Tier positiv gezeigt. Abgesehen von der Tierwirtschaft habe die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in allen Berufen dieses Bereichs zugenommen.

Video

Weitere Filme findest du auf der abi>> Videoübersicht.

Info

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung.
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B.: Tierpfleger/in)
berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort z. B.: Tiermedizinische/r Fachangestellte/r).
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

AusbildungPlus

Portal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu dualen Studiengängen und Ausbildungsangeboten mit Zusatzqualifikation.
ausbildungplus.de

abi» 11.05.2020

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