ausbildung

Bachelor und Master professional

Mit Ausbildung zum Bachelor

Neue Abschlussbezeichnungen sollen unterstreichen: Wer eine Ausbildung absolviert und sich später weiter qualifiziert, steht auf gleicher Stufe wie Studierende. Dafür sollen der neue Bachelor Professional und der neue Master Professional sorgen.

Meisterbrief in Bilderrahmen.

Dank neuer Abschlussbezeichnungen sind Ausbildung und Weiterqualifizierung mit einem Studium gleichwertig.

Mathias Németh gehört zum ersten Jahrgang der den neuen Titel tragen darf. Seit dem 31. August 2020 hält er sein Meisterzeugnis in der Hand. Doch auf der Urkunde steht noch ein Zusatz: „Damit ist die Berechtigung erworben, den Meistertitel und die Bezeichnung Bachelor Professional in diesem Handwerk zu führen“, liest der 25-jährige Tischlermeister vor, der seine Prüfung vor der Handwerkskammer Chemnitz ablegte. Für ihn ist diese Qualifizierungsbezeichnung eine Überraschung. „Meine Meisterkollegen und ich haben an diesem Tag zum ersten Mal davon gehört“, gibt er zu.

Bachelor für Meister – Master für geprüfte Betriebswirte

Ein Porträtfoto von Mathias Németh.

Mathias Németh

Im Januar 2020 trat das neue Berufsbildungsgesetz in Kraft und mit ihm wurden die zusätzlichen Qualifikationsbezeichnungen Bachelor und Master Professional eingeführt. „Das Neue daran ist, dass akademische und berufliche Abschlüsse offiziell auf die gleiche Stufe gestellt werden“, sagt Ute Lamparter, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit in Heilbronn. „Abiturientinnen und Abiturienten, die eine gehobene berufliche Position anstreben, können sich zwischen zwei gleichrangigen Berufswegen entscheiden: Einerseits den akademischen, theorieintensiveren Weg, andererseits den praxisnäheren Weg über eine Ausbildung und eine anschließende qualifizierende (Aufstiegs)Fortbildung.“

In der Praxis sind alle Absolvent*innen einer Meisterprüfung nach der Handwerksordnung (HwO) zusätzlich Bachelor Professional. Bevor Fachwirt*innen, Bilanzbuchhalter*innen und Industriemeister*innen die neue Bezeichnung tragen dürfen, müssen noch die Fortbildungsverordnungen aktualisiert oder neu geordnet werden. Gleiches gilt für den Abschluss Master Professional, den zukünftig geprüfte Betriebswirt*innen und geprüfte Berufspädagog*innen tragen werden.

Geteilte Meinung über neue Bezeichnungen

Ein Porträtfoto von Ute Lamparter.

Ute Lamparter

Während die Handwerkskammern sowie die Industrie- und Handelskammern die neuen Abschlussbezeichnungen begrüßen, regt sich Kritik bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) oder dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Sie befürchten, dass es zu Verwirrungen kommen könne, weil die Begriffe Bachelor und Master bislang in Deutschland eindeutig mit einem akademischen Bildungsweg assoziiert werden würden. „Eine Verwechslungsgefahr ist gegeben“, räumt Ute Lamparter ein. „Allerdings gibt es unterschiedliche Bezeichnungen – ein Bachelor of Engineering hat andere Qualifikationen als ein Bachelor of Arts, Science oder Laws.“ Bei einem Bachelor Professional ist es genauso. Deshalb betont die Berufsberaterin noch einmal, dass die Qualifikationen zwar auf gleicher Ebene stehen, aber nicht gleichzusetzen sind: „Bachelor Professional und Bachelor of Engineering zum Beispiel unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch in den Kompetenzen und Spezialisierungen und damit auch die Aufgaben auf dem Arbeitsmarkt. Ein Bachelor of Engineering, also ein Ingenieur oder eine Ingenieurin, übernimmt zum Beispiel Entwicklungsaufgaben. Ein Bachelor Professional, etwa ein Industriemeister oder eine Industriemeisterin, beaufsichtigt hingegen den täglichen Ablauf in der Fertigung.“

Beide Ausbildungswege im Vergleich

Der neue Bachelor Professional, Mathias Németh, kennt beide Wege: Ausbildung und Studium. Nach seinem Abitur begann er eine Tischlerausbildung – aus pragmatischen Gründen. „Ich bin ein Sicherheitstyp und dachte mir, ich mache erst einmal eine Ausbildung, dann hab ich was in der Hand. Danach kann ich noch immer studieren.“ Nach seinem Abschluss als Tischler verfolgte er zunächst einen Kindheitstraum und begann ein duales Bauingenieur-Studium. „Nach einem Jahr stellte ich fest, dass das nicht meins war und ich diesen Weg nicht weitergehen wollte.“ Beruflich vorankommen wollte Mathias Németh trotzdem. Er kehrte für einige Monate als Geselle zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück, der Tuffner Möbelgalerie im sächsischen Weißbach. Im August 2019 begann er die Meisterausbildung in Vollzeit.

Ob ihm der Titel „Bachelor Professional“ irgendwelche Vorteile bringt, weiß der Zwickauer nicht. Dass Studium und Ausbildung jedoch mit der Bezeichnung auf eine Ebene gestellt werden, befürwortet er. Auch wenn er durchaus Unterschiede zwischen beiden sieht: „Im Studium geht es darum, sich neues Wissen anzueignen, etwas Neues zu erschaffen. Als Tischlermeister entwickle ich neue Sachen.“ Egal, ob Meister oder Bachelor Professional: Mit seinem neuen Titel übernimmt Mathias Németh bei Tuffner nun auch verantwortungsvollere Aufgaben. „Ich gehe jetzt mehr in die Planung und Entwicklung. Auch werde ich mehr Kundenkontakt haben und nicht nur in der Werkstatt arbeiten.“

Weitere Informationen

KURSNET

Mit Hilfe der Suchfunktion finden sich Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in ganz Deutschland.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBOERSE

In der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit finden sich auch freie Ausbildungsplätze.
arbeitsagentur.de/jobsuche

die-duale.de

Informationsportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur dualen Berufsausbildung mit allen Regelungen zum neuen Berufsbildungsgesetz.
die-duale.de

BBiG-Novelle

Informationsseite des Bildungsministeriums zu allen Neuerungen in der höherqualifizierenden Berufsausbildung.
bmbf.de > Meldungen

ZDH

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks vertritt die Interessen von Handwerksbetrieben in Deutschland. Auf der Verbandswebsite informiert er unter anderem über die duale Ausbildung, Weiterbildungen sowie branchenpolitische Themen.
zdh.de 

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag vertritt die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland. In dieser Funktion ist er unter anderem für Neuerstellungen oder Aktualisierungen der den Kammern zugeordneten Ausbildungs- und Fortbildungsverordnungen zuständig.
dihk.de

VDI

Verein der deutschen Ingenieure e.V.

vdi.de

abi» 16.10.2020

Diesen Artikel teilen