Allrounder in Unternehmen

Detailaufnahme vom eintragen eines Termins in den Kalender
Organisationstalent, Kommunikation und ein Gefühl für Zahlen und Relationen sind wichtig für eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau.
Foto: Isabella Fischer

Kaufmännische Ausbildungen

Allrounder in Unternehmen

Wer Abitur hat und zunächst nicht studieren möchte, entscheidet sich häufig für eine kaufmännische Ausbildung. Kein Wunder: Die Aufgaben eines kaufmännischen Angestellten sind vielseitig – und in vielen Unternehmen können sie die Karriereleiter bis zur Führungsposition emporsteigen. Lukas Wolnik (22) zum Beispiel hat sich für eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel entschieden.

Ich wollte gern einen Beruf erlernen, in dem ich nicht nur am Schreibtisch sitze, sondern auch Kontakt zu Kunden habe“, sagt Lukas Wolnik. Nach einem halben Jahr Work & Travel startete er im August 2018 seine Ausbildung beim Lack- und Farbenhersteller Brillux in der Niederlassung Hamburg-Billbrook. „Brillux vertreibt seine Produkte ausschließlich im Direktvertrieb, daher habe ich fast jeden Tag mit gewerblichen Kunden zu tun, die bei uns ihre Ware abholen oder telefonisch beziehungsweise persönlich beraten werden möchten“, sagt der Auszubildende, der somit täglich mit Handwerkern zu tun hat.

Nach dem Abitur war sich Lukas Wolnik nicht sicher, ob er studieren oder eine Ausbildung machen wollte. Auf einer Ausbildungsmesse informierte er sich über verschiedene Berufe und seine Möglichkeiten nach dem Schulabschluss. „Hier habe ich den Lack- und Farbenhersteller Brillux kennengelernt“, berichtet der 22-Jährige. Er bewarb sich auf eine Ausbildung als Kaufmann im Groß- und Außenhandel und erhielt nach einem Assessment Center und einem Vorstellungsgespräch die Zusage für die dreijährige Ausbildung.

Nun hilft er bei der Kundenbetreuung, nimmt Aufträge entgegen, arbeitet im Lager mit, gestaltet Präsentationsflächen oder plant die Touren für den Versand. Groß- und Außenhandelskaufleute in anderen Unternehmen kümmern sich häufig auch um den Ankauf von Waren für den Weiterverkauf. Dabei kontrollieren sie den Wareneingang, die Lagerung, den Warenausgang und behalten im Blick, wann neue Ware bestellt werden muss. „Ich helfe oft da aus, wo gerade jemand gebraucht wird“, ergänzt er. Außerdem geht Lukas Wolnik eineinhalb Tage in der Woche zur Berufsschule.

Große Auswahl an Berufsmöglichkeiten

Ein Porträt-Foto von Lukas Wolnik

Lukas Wolnik

Foto. privat

Wie Lukas Wolnik entscheiden sich etliche Abiturienten für eine kaufmännische Ausbildung. Der Kaufmann bzw. die Kauffrau im Groß- und Außenhandel ist nur einer von vielen Möglichkeiten. Unter den Top 10 der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2016 von Azubis mit Studienberechtigung finden sich dem Berufsbildungsbericht 2018 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge sieben kaufmännische Berufe.

Angeführt wird die Rangliste von Industriekaufleuten, dicht gefolgt von Kaufleuten für Büromanagement. Bankkaufleute, Kaufleute für Versicherungen und Finanzen, Kaufleute im Einzelhandel und Kaufleute für Tourismus und Freizeit sind ebenfalls beliebte Ausbildungsmöglichkeiten. Grundsätzlich geht es in jedem Beruf darum, wirtschaftlich zu denken und zu handeln. „Sie beschäftigen sich zum Beispiel mit den Themen Steuerung, Controlling, Einkauf oder Marketing“, erklärt Gabriele Jordanski, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIBB.

Ausbildungsplätze in unterschiedlichen Bereichen

Ein Porträt-Foto von Gabriele Jordanski

Gabriele Jordanski

Foto: privat

Aber nicht in allen Berufen, die die Bezeichnung „Kaufmann“ oder „Kauffrau“ tragen, sind betriebswirtschaftliche Fragestellungen so zentral: „Kaufmännische Inhalte spielen etwa bei Informatikkaufleuten, IT-System-Kaufleuten oder Sport- und Fitnesskaufleuten eher eine weniger umfassende Rolle“, merkt Silvia Annen, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin im BIBB, an.

Die meisten Ausbildungsplätze gibt es für Kaufleute für Büromanagement, Kaufleute im Einzelhandel und Industriekaufleute. „Das bedeutet aber nicht, dass dies unbedingt die beliebtesten Berufe sind“, erläutert Gabriele Jordanski. Es heißt, dass die Unternehmen in diesen Berufen viele Ausbildungsplätze anbieten, die besetzt werden. Daher stehen sie in Ranglisten auf den vordersten Plätzen. Erfahrungsgemäß werden auch Berufe wie Sport- und Fitnesskaufmann häufig von Ausbildungswilligen nachgefragt. „Hier gibt es jedoch weit weniger Ausbildungsangebote“, weiß die Expertin vom BIBB. Der im Jahr 2018 neu eingeführte Beruf des Kaufmanns für E-Commerce läuft gut an.

Kommunikation sehr wichtig

Generell sollte jeder, der eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau anstrebt, gut kommunizieren können, weil man häufig mit Kunden und Kollegen aus anderen Abteilungen zu tun hat, sagt Silvia Annen: „Ein Gefühl für Zahlen und Relationen sowie ein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen sollte man zudem haben.“

Nach der Ausbildung warten viele Weiterbildungsmöglichkeiten. In einigen Berufszweigen kann man sich zum Fach- oder Betriebswirt weiterbilden. Auch ein Wechsel in andere Bereiche ist oft möglich. So können Industriekaufleute meist problemlos auch im Groß- und Außenhandel arbeiten. „Wer einen kaufmännischen Ausbildungsberuf erlernt, erwirbt damit die Eintrittskarte in ein großes Berufsfeld und damit bei entsprechender Flexibilität gute Beschäftigungsaussichten“, erklärt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Gute berufliche Perspektiven

941.000 Menschen waren im Juni 2018 in Deutschland in der kaufmännischen Betriebswirtschaft auf Fachkräfteniveau sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter viele Industriekaufleute. Weitere 402.000 Frauen und Männer arbeiten in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen, zum Beispiel als Kaufleute im Groß- und Außenhandel oder als Immobilienkaufleute. „Die Zahl der Arbeitslosen ist in beiden Berufsbereichen in den letzten Jahren tendenziell gesunken“, sagt Claudia Suttner.

Insgesamt waren 2018 rund 6.100 arbeitslose Fachkräfte auf der Suche nach Tätigkeiten in der kaufmännischen Betriebswirtschaft und 13.400 in Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufen. Dem standen im Jahr 2018 insgesamt rund 9.000 gemeldete Stellen gegenüber, davon gut ein Drittel in der kaufmännischen Betriebswirtschaft. Alles in allem, also gute Aussichten.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Stichwort: Kaufmann, Kauffrau)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-Info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
berufsfeld-info.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de

 

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
www.bibb.de

 

Industrie- und Handelskammern
www.ihk.de

 

Handelsverband Deutschland (HDE)
www.einzelhandel.de

 

Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA)
www.bga.de

 

Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH)
www.bevh.org

 

Kaufmann im E-Commerce

Faible für das Internet

Nils Birke gehört zu den Ersten seines Berufs. Er wird Kaufmann im E-Commerce beim Handelsunternehmen Otto. Den Beruf gibt es erst seit Herbst 2018. Umso spannender findet der 20-Jährige seine Ausbildung, von der er bei einem Schulbesuch seines jetzigen Arbeitgebers zum ersten Mal gehört hat.

Ich freue mich, dass die Ausbildung hier neue Wege geht“, sagt Nils Birke. „Die Inhalte, die wir lernen, sind doch anders als die in herkömmlichen kaufmännischen Berufen.“ Nach einem Praktikum in einem Online-Stoffhandel und der Betreuung der Website der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort war dem 20-Jährigen nach dem Abi klar, dass er gern irgendetwas im Online-Handel machen wollte.

Ein Portät-Foto von Nils Birke

Nils Birke

Foto: privat

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung zum Kaufmann für E-Commerce, bei der sich Praxis- und Theoriephasen im Betrieb und in der Berufsschule abwechseln. Der Unterricht findet bei Nils Birke in Blöcken statt: Auf ein bis zwei Monate in der Schule folgt ein mehrmonatiger Praxisblock im Unternehmen.

Spezielle Kenntnisse für den Online-Handel

In der Berufsschule lernt der Auszubildende alle kaufmännischen Grundlagen etwa zu Buchhaltung, Warenbeschaffungsprozessen und Kaufverträgen. Hinzu kommen spezielle Kenntnisse für den Online-Handel, wie Online-Marketing oder der Umgang mit Retouren. „Wir haben das Glück, in Hamburg genügend angehende Kaufleute im E-Commerce zu haben, sodass wir insgesamt drei E-Commerce-Klassen bilden konnten“, erklärt Nils Birke.

Bei Otto durchläuft er verschiedene Abteilungen. Bisher war er im Bereich Möbel und Einrichtungen, im Einkauf von Premium-Möbeln sowie im Online-Marketing im Einsatz. „Im ersten Bereich habe ich gelernt, wie ein Online-Shop aufgebaut ist und wie eine gute Benutzerführung aussieht“, erklärt der Auszubildende. „Im Einkauf hatte ich engen Kontakt zu unseren Lieferanten, mit denen wir gemeinsam die Werbung für die Premium-Möbel gestalten.“ Dabei hat er die Artikel für die Präsentation im Internet mit Daten angereichert und bestehende Sortimente analysiert.

Auch Interesse an Technik

Im Laufe der Ausbildung wird er weitere Bereiche kennenlernen, so zum Beispiel die Personalabteilung, das Finanz- und Rechnungswesen sowie eine Abteilung, die sich mit Service und Logistik, also vor allem dem Lager, befasst. „Am besten gefällt mir das Arbeiten in den unterschiedlichen Teams, von denen ich immer wieder gutes Feedback für meine Arbeit erhalte“, sagt Nils Birke. „Außerdem beschäftige ich mich gern mit der Shop-Technik und mit unseren Social-Media-Kanälen.“

Kommunikation und Flexibilität

Zum IT-Experten muss ein Kaufmann im E-Commerce allerdings nicht werden, dafür gibt es Spezialisten in der IT-Abteilung. „Aber als Schnittstelle zwischen der IT und den Sortimentsabteilungen muss man zumindest verstehen, was die Technik leisten kann“, schiebt er nach. Weil er mit unterschiedlichen Menschen im Unternehmen und auch außerhalb, etwa bei Lieferantenkontakten, zu tun hat, muss Nils Birke viel kommunizieren, was er gerne tut. Dass er selber gern im Internet einkauft, hilft dem Auszubildenden bei seiner Arbeit zusätzlich, sagt er. „Darüber hinaus sollte man flexibel mit Veränderungen umgehen können. Denn der Online-Handel ist eine Branche, die sich ständig wandelt“, gibt er allen Interessente mit auf den Weg.

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Kaufmann im E-Commerce – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Nils Birke absolviert als einer der ersten eine Ausbildung zum Kaufmann für E-Commerce. Für abi» berichtet er von seiner Arbeit im Sortimentsbereich Möbel und Einrichtung.

8 Uhr

Nils Birke ruft am Anfang des Arbeitstages seine E-Mails ab und schaut, welche Aufgaben für heute anstehen.

9 Uhr

Für den Shop soll eine neue Einrichtungsidee unter dem Motto „Frühling“ entwickelt werden. Nils Birke überlegt sich einen passenden Namen für das saisonale Programm und lässt sich dabei auch von themenverwandten Blogs inspirieren.

11 Uhr

Der Azubi analysiert, welche Möbel derzeit verstärkt verkauft werden, um sie ins Frühlingsprogramm mit aufzunehmen. Er erstellt eine Artikelliste mit infrage kommenden Möbeln. Dabei orientiert er sich an den strategischen Plänen der Fachabteilung.

13 Uhr

Nach dem Mittagessen erstellt Nils Birke verschiedene Social-Media-Postings und platziert sie bei Facebook, Instagram und Youtube. Außerdem analysiert er, woher die Leser seiner Posts kommen.

15 Uhr

Am Nachmittag treffen sich die Kollegen aus der Abteilung, um anstehende Themen für die nächsten Wochen zu besprechen. Auch Nils Birke nimmt an den Besprechungen teil und bringt seine Ideen ein.

16 Uhr

Die Liste der Artikel, die ins Frühlingsprogramm aufgenommen werden sollen, ist genehmigt, und Nils Birke beginnt damit, erste Teaser im Internet-Shop einzupflegen.

16.20 Uhr

Der Azubi checkt noch einmal seine Mails sowie eventuelle Reaktionen der Social-Media-Leser, bevor er für heute Feierabend macht.

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Veranstaltungskaufmann

Organisieren und improvisieren

Organisieren, das war schon immer Moritz Reinwalds (22) Ding. Deshalb hat er sich nach dem Abitur für eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann bei der Messe Stuttgart entschieden.

Ein Studium passt nicht zu mir“, sagt Moritz Reinwald bestimmt. Stattdessen hat sich der 22-Jährige nach dem Abitur und einer kleinen Auszeit mit Jobben und Reisen für eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann entschieden. Der Beruf sprach ihn an, weil er schon zu Schulzeiten Skifreizeiten und andere Freizeitveranstaltungen organisiert hatte. „Das passt wiederum sehr gut und kam bei der Bewerbung gut an.“

Mittlerweile ist Moritz Reinwald im zweiten Lehrjahr, drei Jahre dauert die Ausbildung an der Messe Stuttgart insgesamt. Die Berufsschule findet in Baden-Baden in Blöcken statt: Sechsmal zwei Wochen im Jahr zieht der Auszubildende in ein Wohnheim dort, um die Theorie seines künftigen Berufes zu lernen.

Vielseitige Einblicke

Ein Porträt-Foto von Moritz Reinwald

Moritz Reinwald

Foto: privat

In den Praxisphasen in Stuttgart durchläuft er unterschiedliche Abteilungen. „Ich kann Wünsche äußern, aber es muss natürlich auch gerade Arbeit für einen Auszubildenden anfallen“, erklärt der angehende Veranstaltungskaufmann. Er hat bisher in den Teams für Lifestyle- und Freizeitmessen, für Bildungs- und Wirtschaftsmessen und für Industrie- und Technologiemessen gearbeitet.

Je nach Organisationsphase einer Messe, gibt es unterschiedliche Aufgaben zu erledigen: Platzierungsvorschläge für die Messestände machen, die Beschilderung organisieren oder Veranstaltungen und das Rahmenprogramm während der Messe organisieren. „Ich bin in allen Abteilungen voll in die Aufgaben integriert“, sagt er.

Sogar Kontakt zu Journalisten und Politikern

Zudem hat der Azubi schon im Presse- und Medienservice mitgearbeitet und  das Pressezentrum betreut, Fragen der Journalisten beantwortet sowie Pressemitteilungen und Bildmaterial versendet. In der Abteilung „Protokoll“ organisierte er zum Beispiel Ausstellerabende oder Messerundgänge für Politiker oder Prominente.

„In der Regel arbeite ich ganz normal in Gleitzeit zwischen 7 und 16 Uhr“, berichtet Moritz Reinwald. „Nur bei speziellen Veranstaltungen kann es sein, dass ich auch mal abends oder am Wochenende dabei sein muss.“ Als nächste Abteilungen stehen die Hauptkasse, Verkehr und Sicherheit, der Ticketservice und die Technik an. „Am schönsten ist es, wenn ich sehe, dass sich die Vorbereitungen einer Messe auszahlen und alles reibungslos funktioniert“, sagt der Auszubildende.

Offenheit als A und O

Sein Tipp an alle, die Veranstaltungskaufmann oder -frau werden wollen: „Ich kommunziere viel mit unterschiedlichen Menschen, daher muss man eine offene Persönlichkeit haben. Außerdem ist es gut, belastungsfähig zu sein und trotz aller guter Organisation auch mal improvisieren zu können.“
Wie es nach der Ausbildung weitergeht, weiß Moritz Reinwald noch nicht. Ein Studium schließt er dann doch nicht mehr ganz so entschieden aus. „Studieren wäre schon eine Option, aber Arbeiten hat auch seine Vorteile.“

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Veranstaltungskaufmann – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Moritz Reinwald absolviert die Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann. Für abi» berichtet er von seiner Arbeit in der Vorbereitung für eine große Messe.

7 Uhr

Arbeitsbeginn: Moritz Reinwald checkt seine Mails vom gestrigen Abend und füllt das Berichtsheft aus, in dem er festhält, was er in seiner Ausbildung alles gemacht und gelernt hat.

8 Uhr

Für die Messe wird noch Einiges benötigt: Teppichböden, Pflanzen, Bühnenteile. Der angehende Veranstaltungskaufmann gibt die Bestellungen bei den entsprechenden Lieferanten auf.

10 Uhr

Den ganzen Vormittag rufen Aussteller an und haben Fragen zu ihren Messeauftritten. Moritz Reinwald beantwortet alle ihre Fragen, soweit er kann oder bespricht die Antworten mit seinen Kollegen und ruft die Aussteller zurück.

11 Uhr

Die Parkplätze für geladene Gäste müssen organisiert werden. Moritz Reinwald macht einen Plan und teilt die Parkplätze ein.

12 Uhr

Zum Mittagessen trifft sich der Auszubildende mit Kollegen in der Kantine.

13 Uhr

Es sind noch Standplätze für die Messe zu vergeben. Moritz Reinwald ruft mögliche Unternehmen an und akquiriert neue Aussteller. Dazu muss er aktuelle Adressen heraussuchen und die Adressdatenbank pflegen.

14 Uhr

Die regelmäßige Besprechung mit der Projektleitung steht an. Alle Projektbeteiligten kommen zusammen und besprechen, was erledigt ist und was noch getan werden muss.

16 Uhr

Moritz Reinwald kontrolliert noch ein letztes Mal seine Mails. Nichts Wichtiges ist reingekommen, also kann er Feierabend machen.

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Kauffrau für audiovisuelle Medien

Ansprechpartnerin für alles

„Weil das Uni-Leben nicht meins war“, bricht Lilli Steidle ihr Studium ab und wird Kauffrau für audiovisuelle Medien. Jetzt arbeitet die 22-Jährige als Produktionsassistentin bei einer Fernsehproduktionsfirma und hat richtig viel Spaß bei ihrer Arbeit.

Bei einem Praktikum bei der Constantin Entertainment GmbH in Ismaning bei München, hörte ich das erste Mal von der Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien – das hörte sich spannend an“, sagt Lilli Steidle. Sie bewirbt sich und wird direkt nach dem Praktikum in die Ausbildung bei der Fernsehproduktionsfirma übernommen. Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre, aufgrund ihres Abiturs konnte sie auf zwei Jahre verkürzen und wurde im Anschluss von ihrem Arbeitgeber übernommen. Nun organisiert sie als Produktionsassistentin Showformate wie „Versteckte Kamera“ oder „My Hit. Your Song.“.

Ein Porträt-Foto von Lilli Steidle

Lilli Steidle

Foto: privat

„Jedes Projekt hat einen Produktionsleiter, dem die Produktionsassistenten zuarbeiten und den sie bei kalkulatorischen und organisatorischen Arbeiten unterstützen“, erklärt Lilli Steidle. Sie arbeitet meist mit einem weiteren Assistenten im Team. Zur Drehvorbereitung fragt sie Gewerke wie Kameraleute, Licht- und Tontechniker an. Sie handelt mit ihnen die Honorare aus und macht die Verträge. Außerdem bucht sie Reisen und Hotels für das Team. Anschließend geht es für rund eine Woche zur Aufnahme der Show ins Studio. „Ich richte dort zum Beispiel die Garderobe für die Show-Gäste ein und organisiere ihren Transport ins Studio“, nennt die Produktionsassistentin einige Beispiele ihrer Arbeit.

Kaufmännische Inhalte sehr wichtig

Nach dem Dreh geht es darum, Rechnungen zu bearbeiten und die Handkasse zu kontrollieren, aus der Essens-, Taxi- und andere Ausgaben vor Ort getätigt wurden. Demnach sind die kaufmännischen Inhalte, die sie in ihrer Ausbildung gelernt hat, sehr wichtig. Aber auch wie eine Produktion abläuft oder ein Drehbuch aufgebaut ist, hat Lilli Steidle gelernt. „Und bei jedem Projekt lerne ich wieder Neues dazu und wachse an meinen Aufgaben.“ Am meisten Spaß macht es ihr zu sehen, wie die viele Arbeit, die vor einer Studioaufnahme notwendig ist, sich auszahlt, weil vor Ort alles klappt. „Es ist ein schönes Gefühl, die Endproduktion schließlich im Fernsehen anzuschauen.“

Die Produktionsassistentin ist Ansprechpartnerin für alles. Sie muss stets den Überblick behalten, strukturiert arbeiten und viel telefonieren – auch mit Fremden, mit denen sie vorher nichts zu tun hatte. „Außerdem sollte man gern viel reisen, denn unsere Produktionen finden in ganz Deutschland, ab und zu auch im europäischen Ausland statt“, erklärt sie. Manchmal können Arbeitstage lang und stressig werden, eine gewisse Belastbarkeit ist also vonnöten.

Weiterbildung zur Aufnahmeleiterin

Ob Lilli Steidle berufsbegleitend noch ein Studium aufnehmen will, weiß sie zurzeit noch nicht. Gern würde sie jedoch nach einigen Jahren Berufserfahrung und eventuell durch unterstützende Seminare in Zukunft als Aufnahmeleiterin arbeiten. Diese sind für den reibungslosen Ablauf des kompletten Drehs zuständig, erstellen Drehpläne, kümmern sich, dass die richtige Technik vor Ort ist und behalten den von der Produktionsleitung vorgegebenen Kostenrahmen im Auge. Dann wird sie selbst Assistenten haben, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen.

 

Kaufmännische Ausbildungen – Statements

Mit sozialen Kompetenzen hin zur Digitalisierung

Was wünschen sich Unternehmen von ihren Azubis? Welche zukünftigen Anforderungen kommen auf kaufmännische Auszubildende zu? Und was sollten Bewerber mitbringen? abi» hat bei drei Personalverantwortlichen exemplarisch nachgefragt.

Sebastian Buhe, kaufmännischer Leiter, zuständig für die Ausbildung der kaufmännischen Azubis, Bauer Elektroanlagen GmbH Halle:

Ein Porträt-Foto von Sebastian Buhe

Sebastian Buhe

Foto: privat

Die zukünftigen Anforderungen ergeben sich aus der Digitalisierung der Arbeitswelt. Auch in der kaufmännischen Ausbildung wird die Digitalisierung immer weiter voranschreiten und somit wird die Ausbildung zukünftig viele digitale Aspekte umfassen müssen. In unserem Unternehmen verwenden wir zum Beispiel ein Dokumentenmanagementsystem. Es ist sinnvoll, dass Auszubildende die Technik dahinter verstehen und anwenden können. Nicht nur die Betriebe sind hier gefragt, die Berufsschulen müssen sich ebenfalls zukünftig der digitalen Themen annehmen und diese vermitteln. Schließlich besteht der Berufsalltag zu einem Großteil aus der Arbeit am Computer und mit miteinander verknüpften Programmen. Diese Zusammenhänge müssen Auszubildende verstehen und umsetzen können.

Die Bewerber sollten demnach diesem Bereich gegenüber aufgeschlossen sein und ein gewisses Grundverständnis für digitale Technik mitbringen. Außerdem ist natürlich Spaß an den wirtschaftlichen Aspekten des Berufs wichtig.

Carolin Jansen, Personalentwicklung – Teamleitung Ausbildung, toom Baumarkt GmbH, Köln

Ein Porträt-Foto von Carolin Jansen

Carolin Jansen

Foto: privat

Neu ist, dass durch die Zusammenführung von stationärem Handel und Onlinehandel auch die Tätigkeit im stationären Handel immer digitaler wird: Arbeitsprozesse werden komplexer, technische Systeme umfangreicher und Aufgaben müssen in noch kürzerer Zeit erledigt werden. Dadurch ist Teamarbeit und gute Kommunikation untereinander noch wichtiger geworden. In Bezug auf die Ausbildung ist das Lernen nicht mehr örtlich gebunden, Azubis haben die Möglichkeit, über digitale Lernangebote des Ausbildungsbetriebs oder über Youtube, Instagram, Pinterest und Google immer häufiger in der Bahn oder zu Hause am PC zu lernen.

Wir erwarten von unseren Bewerbern den ehrlichen Wunsch, sich jeden Tag für die beste Lösung für den Kunden einzusetzen, und Lust am Austausch mit anderen Menschen zu haben. Natürlich muss man auch bereit sein, auf die Rahmenbedingungen im Handel einzugehen, wie Arbeitszeiten am Wochenende oder am späten Abend. Hinzu kommen soziale Kompetenzen, um im Team die besten Ergebnisse zu erzielen. Dazu gehören ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Fehler einzugestehen, aber Erfolge auch zu feiern und stolz zu sein auf das, was man geschafft hat.

Nicole Soesanto, Ausbildungsreferentin und zuständig für das Azubi-Marketing bei der Targobank, Düsseldorf

Ein Porträt-Foto von Nicole Soesanto

Nicole Soesanto

Foto: Gebauer Fotografie

Unternehmen schauen heute stärker auf den Menschen, Schulnoten sind nicht mehr allein ausschlaggebend für oder gegen eine Einstellung. Bewerber sollten von ihrer Haltung her zum Unternehmen passen. Bei der Targobank verstehen wir uns als Team, deshalb legen wir großen Wert auf soziale Kompetenzen. Wir trauen unseren Auszubildenden viel zu, und sie können frühzeitig Verantwortung übernehmen, unabhängig von ihrem Einsatzort, sei es in einer unserer Filialen oder in unserem Servicecenter.

Unsere jungen Kollegen sind herzlich dazu eingeladen, sich einzubringen und mit ihren Ideen und Vorschlägen dazu beizutragen, dass sich unsere Bank stetig weiterentwickelt. Wir erwarten von unseren Bewerbern also, dass sie in erster Linie sie selbst sind und sich nicht verstellen, denn davon hat weder der Bewerber noch der Arbeitgeber etwas. Es geht bei einer Bewerbung immer darum, passende Menschen und Unternehmen zusammenzubringen, um auch langfristig Freude an der Zusammenarbeit zu haben.


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Stand: 07.12.2019