Von der Schulbank direkt in den Beruf

Berufsschüler arbeitet mit Holz
Die Bandbreite schulischer Ausbildungen ist groß. Ein Bereich ist der künstlerisch-kreative.
Foto: Thomas Lohnes

Schulische Ausbildungen

Von der Schulbank direkt in den Beruf

Eine ganze Reihe von Ausbildungen werden nicht dual, sondern in schulischer Form angeboten – hauptsächlich in den Bereichen Pflege, Gesundheit, aber auch in Feldern wie Wirtschaft, Kunst oder Technik. Lucia Eckey (24) zum Beispiel macht eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA).

Naturwissenschaften haben Lucia Eckey schon in der Schule gelegen, und nach einem längeren Krankenhausaufenthalt war ihr klar: „Ich wollte gern etwas lernen, bei dem ich meine technischen und meine sozialen Interessen verbinden kann“, sagt sie. Jetzt ist sie fast am Ende ihrer schulischen dreijährigen Ausbildung zur Medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA) in Hamburg. MTRA sind Experten für bildgebende Verfahren in der Medizin. Sie helfen Ärzten, Krankheiten und Verletzungen anhand von Röntgen-, Computer- und Kernspintomografie-Aufnahmen aufzuspüren und strahlentherapeutisch zu behandeln.

Lucia Eckeys

Foto: Miriam Lindner

Los ging’s für Lucia Eckey zunächst mit einem sechswöchigen Praktikum in der Pflege, erst danach startete die Theorie mit Physik, Strahlenphysik, Mathe, Anatomie, Chemie, Statistik und Fachenglisch. Die Theorie wird an ihrer Schule immer wieder durch Praktika ergänzt: in der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin, der Röntgendiagnostik sowie in der Computertomographie (CT) und der Magnetresonanztomographie (MRT). „Das Arbeiten an den Geräten macht mir besonders viel Spaß“, sagt die 24-Jährige.

Unterschiedliche Schulgebühren und Vergütungen

Anders als andere schulische Ausbildungen an privaten Schulen ist Lucia Eckeys Schule kostenlos. „Ich habe während der drei Jahre allerdings nichts verdient“, erklärt sie. Das hat sich nun geändert: Seit diesem Jahr bekommen die Auszubildenden eine Vergütung von rund 1.000 Euro im Monat. Das haben die Gewerkschaften und Verbände jüngst für die meisten schulischen Gesundheits- und Laborausbildungen an kommunalen Krankenhäusern und Unikliniken ausgehandelt.

Schulische Ausbildung bedeutet: Statt wie bei einer dualen Ausbildung in einem Unternehmen zu arbeiten und die Berufsschule zu besuchen, gehen die Azubis in Vollzeit an eine Berufsfachschule, wobei in der Regel Praxisphasen die Theorie ergänzen. Pflegeschulen zum Beispiel gehören meist zu Krankenhäusern oder Altenheimen. „Schüler in der Gesundheits- und Krankenpflege erhalten ebenfalls rund 1.000 Euro“, berichtet Claudia Fichtner, Studien- und Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Bonn und weist darauf hin, dass der Beruf zukünftig durch die Generalisten-Ausbildung zum Pflegefachmann bzw. -frau ersetzt wird.

Verschiedene Berufsgruppen

Neben Pflege- und Gesundheitsberufen, wie alle Medizinisch-technischen Assistenten, Ergo- und Physiotherapeuten, Logopäden sowie Diätassistenten, werden auch soziale Berufe, etwa Heilerziehungspfleger und Erzieher an Schulen ausgebildet. Je nach Bundesland erhalten Auszubildende dieser Berufe ein Entgelt in ihrem Anerkennungspraktikum am Ende der Ausbildung. Für andere schulische Ausbildungen gilt das nicht, zum Beispiel die zum Dolmetscher, Fremdsprachenkorrespondenten, Musiker, Mediengestalter, Schauspieler und zum Pharmazeutisch-, Landwirtschaftlich- oder Physikalisch-technischen Assistenten. Im Gegenteil: Häufig kostet die Ausbildung an privaten Schulen eine Gebühr.

Ein Porträt-Foto von Claudia Fichtner

Claudia Fichtner

Foto: Agentur für Arbeit Bonn

An privaten Berufsfachschulen müssen Azubis mit 300 bis 700 Euro Schulgeld monatlich rechnen. „Manche Länder, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, erstatten einen Teil der Schulgebühren“, erklärt Claudia Fichtner und weist auf die Finanzierung des Lebensunterhalts durch Schüler-BAföG hin. „BAföG ist für Fachschulausbildungen grundsätzlich möglich und muss nicht zurückgezahlt werden“, erklärt sie.

Schriftliche Bewerbung mit Anschreiben

Abiturienten steht jede schulische Ausbildung offen. Für den Besuch einer Berufsfachschule ist normalerweise ein mittlerer Schulabschluss notwendig. Dennoch: gute Noten in den wichtigen Fächern werden erwartet, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliger Wehrdienst im Sanitätsbereich wird im Pflegebereich ebenfalls gern gesehen. „Je nach Beruf kann ein kürzeres oder längeres Vorpraktikum nötig sein“, sagt Claudia Fichtner.
Je nach Schule genügt eine schriftliche Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen oder es kommen Aufnahmegespräche und Prüfungen hinzu. „Im Pflegebereich kann es vorkommen, dass sich Interessenten an der Fachschule und am Praxisplatz bewerben müssen“, sagt die Berufsberaterin und betont: „Die Bewerbung sollte rechtzeitig erfolgen, bis zu einem Jahr vor Beginn der Ausbildung oder spätestens mit dem Zwischenzeugnis Ende Januar“, rät sie. Die meisten Ausbildungen starten im Herbst, einige haben einen zusätzlichen Termin im Frühjahr.

Übergang ins Berufsleben

Und wie geht es nach der schulischen Ausbildung weiter? Anders als bei einer dualen Ausbildung, gibt es nicht die Chance vom Betrieb direkt übernommen zu werden. „Man sollte sich auf jeden Fall rechtzeitig um eine Anstellung bemühen“, empfiehlt Claudia Fichtner. „Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, dort unterzukommen, wo man seine Praxiseinheiten absolviert hat.“

Ein in einem Bundesland erworbener staatlicher Abschluss inklusive Kammerprüfung ist in der Regel bundesweit gültig. Absolventen können sich also überall bewerben. Es lohnt sich, vorab bei der örtlichen IHK oder Handwerkskammer diesbezüglich nachzufragen. Ausnahmen können private Einrichtungen sein, die zum Beispiel Schauspieler, Tänzer oder Musiker ausbilden. Hier werden zum Teil „Ausbildungen“ angeboten, die nicht zu einem geregelten Berufsabschluss führen. Auch stehen die Chancen nach einer lediglich einjährigen, landesrechtlich-geregelten Ausbildung etwa im Bereich Fremdsprachenkorrespondenz oder Informationstechnischer bzw. betriebswirtschaftlicher Assistenz unter Umständen eher schlecht. Darüber sollte man sich, noch vor dem Start der Ausbildung, gut informieren.

Ausbildung als Vorbereitung aufs Studium

Manche Abiturienten nutzen die schulische Ausbildung als Vorbereitung auf ein artverwandtes Studium. Beispielsweise kann eine Pflegeausbildung eine gute Grundlage für ein Medizinstudium bilden (siehe dazu auch „Studieren ohne Abitur“). Manchmal wird ein Teil der Ausbildung aufs Studium angerechnet. „Es gibt inzwischen sogar etliche Angebote, bei denen sich Ausbildung und Studium kombinieren lassen“, sagt die Berufsberaterin und verweist als Beispiel auf den Studiengang „Angewandten Pflegewissenschaft“.

Schul-Azubis stehen übrigens später die gleichen Weiterbildungen offen, wie Azubis mit einer dualen Ausbildung. So können Medizinisch-technische Assistenten etwa Techniker der Fachrichtung Medizintechnik werden oder eine Pflegefachkraft bildet sich zum Fachkrankenpfleger weiter. MTRA Lucia Eckey hat erst einmal vor, in ihrem Beruf zu arbeiten. Sie hat bereits eine Stelle in einem Hamburger Krankenhaus gefunden und wird ab Herbst in der Röntgendiagnostik arbeiten.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de
Die Berufsfeld-Information der Bundesagentur für Arbeit. Der Wegweiser mit über 1.500 Reportagen unter anderem zu Aus- und Weiterbildung.
berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

 

BERUFE.TV
Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit mehr als 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe.
berufe.tv

 

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
jobboerse.arbeitsagentur.de


Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
www.bibb.de

 

Schulische Ausbildungen – Übersicht

Von der Technik bis zur Pflege

Derzeit gibt es laut Berufsinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Deutschland 108 anerkannte, schulische Ausbildungsberufe. Die meisten sind entweder Labortechnikberufe oder führen in den Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialbereich. Einige haben aber auch eine kaufmännische oder künstlerische Ausrichtung. abi» stellt exemplarisch ein paar Unbekanntere vor.

Technik und Labor

Physikalisch-technische/r Assistent/in

Aufgaben: Unterstützung von Physikern und Ingenieuren bei der Durchführung und Auswertung physikalisch-technischer Untersuchungen.

Mögliche Arbeitgeber: Forschungseinrichtungen für angewandte Physik, Materialprüfungsämter, Entwicklungsabteilungen von Unternehmen z. B. der Maschinenbau- oder Elektrotechnik.

Mehr zum Beruf Physikalisch-technische/r Assistent/in im BERUFENET

Bekleidungstechnische/r Assistent/in

Aufgaben: Mitwirken bei Entwurf, Schnitterstellung oder Produktion von Bekleidung

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe der Bekleidungsindustrie bzw. der handwerklichen Bekleidungsherstellung

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Assistent/in für Technische Kommunikation und Dokumentation

Aufgaben: Erstellung von Beschreibungen für Unternehmensprodukte sowie Multimedia-Anwendungen.

Mögliche Arbeitgeber: Industriebetriebe der Metall- und Elektroindustrie, des Fahrzeugbaus oder der Medizintechnik, Softwarehersteller

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Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialbereich

Orthoptist/in

Aufgaben: Mitwirkung bei der Behandlung und Diagnostik von Sehstörungen.

Mögliche Arbeitgeber: Kliniken und Krankenhäuser mit augenärztlicher Abteilung und Augenarztpraxen

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Fachkraft für Hygieneüberwachung

Aufgaben: Durchführung von Hygienekontrollen in öffentlichen, gewerblichen und privaten Anlagen und Einrichtungen, beratende Aufgaben

Mögliche Arbeitgeber: Öffentliches Gesundheitswesen

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Atem- Sprech- und Stimmlehrer/in

Aufgaben: Behandlung von Atem-, Stimm-, Sprech-, Sprach-, Hör- und Schluckstörungen sowie Unterstützung bei der Entwicklung der menschlichen Stimme und deren optimalen Einsatz

Mögliche Arbeitgeber: Sprach-, Stimm- und Atemtherapiepraxen, Kliniken, Frühförderungs- und Heilpädagogikeinrichtungen, Kindertagestätten und Seniorenheime, Rundfunkanstalten und Schauspielhäuser

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Kaufmännischer Bereich

Internationale/r Luftverkehrsassistent/in

Aufgaben: Beratung und Betreuung von Fluggästen am Flughafen, Ticketverkauf, Passagier-, Flugzeug- und Frachtabfertigung, Assistenz der Geschäftsleitung von Luftverkehrsgesellschaften im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich, z. B. im Marketing und im Controlling

Mögliche Arbeitgeber: Flughafenbetreiber, Linien- und Charterfluggesellschaften, Luftfrachtspeditionen, Reiseveranstalter

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Marketingfachkraft/Marketingassistent/in

Aufgaben: Konzeption und Umsetzung von Kunden- und Unternehmensrepräsentationen, Messen und anderen Marketingveranstaltungen, Mitwirkung bei der strategischen und konzeptionellen Weiterentwicklung des jeweiligen unternehmerischen Marketingbereichs

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, Verbände und Organisationen

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Logistikassistent/in

Aufgaben: Aussteuern logistischer Prozesse, Überwachen von Lager-, Kommissionier- und Transportsystemen und Pflege der dazugehörigen Informations- und Dokumentationssysteme

Mögliche Arbeitgeber: Transport- und Speditionsunternehmen, Logistikdienstleister und Logistikabteilungen in großen Unternehmen

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Künstlerischer/ Gestalterischer Bereich

Gestaltungstechnische/r Assistent/in

Aufgaben: Entwicklung und Realisierung des grafisch-künstlerischen Erscheinungsbildes von Produkten, je nach Schwerpunkt im Bereich Grafik, Medien/Kommunikation oder Screen-Design

Mögliche Arbeitgeber: Werbeagenturen, Verlage, Druckereien, Betriebe der Druck- und Medienvorstufe, Rundfunkveranstalter, Softwarefirmen

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Assistent/in für Produktdesign

Aufgaben: Mitwirkung bei der Entwicklung, Gestaltung und Realisierung von Produkten und Systemen

Mögliche Arbeitgeber: Designateliers und Entwicklungsabteilungen in der Industrie

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Schauspieler/in

Aufgaben: Verkörperung von Charakteren in Bühnenaufführungen und Filmen unter Einsatz von Gestik, Mimik, Körpersprache und Stimme als künstlerischem Ausdrucksmittel.

Mögliche Arbeitgeber: Theater, Film, Fernsehen und Hörfunk, Kleinkunstbühnen und Schauspielschulen

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Fremdsprachenkorrespondentin

Kommunikation in vielen Sprachen

Neue Sprachen lernen und praktisch anwenden, das wollte Annika Bartz (20) nach ihrem Abitur. Jetzt macht sie eine zweijährige Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin an einer Berufsfachschule.

Sprachen sind Annika Bartzs Leidenschaft. Englisch und Französisch fielen ihr leicht in der Schule. Bald war ihr klar: Mit Sprachen möchte sie später ihr Geld verdienen. „Kurz vor dem Abitur hielten zwei Vertreter meiner Berufsfachschule einen Vortrag über die Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Danach wusste ich, dass das genau das Richtige für mich ist“, erinnert sich die 20-Jährige. Fremdsprachenkorrespondenten sind in Unternehmen der heiße Draht zum globalen Markt. Sie kümmern sich um die schriftliche und mündliche Korrespondenz mit internationalen Zulieferern, Kunden und Partnern. Mit dem Know-how für kaufmännische und organisatorische Aufgaben sind sie zudem Experten für wirtschaftliche Zusammenhänge.

Ein Porträt-Foto von Annika Bartz

Annika Bartz

Foto: privat

All das saget Annika Bartz zu. Sie bewarb sich bereits vor dem Abi mit ihrem letzten Zwischenzeugnis an der Berufsfachschule in Bremerhaven, erhielt kurz darauf die Zusage und begann nach ihrem Schulabschluss direkt mit der zweijährigen Ausbildung. Im ersten Halbjahr hieß es für sie: noch fitter in den Sprachen werden. Vier Stunden in der Woche lernte die 20-Jährige Englisch, vier Stunden Französisch und acht Stunden Spanisch – eine Sprache, die neu für sie war. Ab dem zweiten Semester wurde dann nur noch eine Sprache unterrichtet, aber in insgesamt 20 Wochenstunden.

Fachunterricht in einer Fremdsprache

Was gilt es beim geschäftlichen Schriftverkehr zu beachten? Wie beginne ich ein Gespräch am Telefon? Auch das war für Annika Bartz neu. „Neben den Fremdsprachen hatten wir Deutsch, Betriebswirtschaft, Politik, Geografie und IT sowie Kurse zur Text- und Datenverarbeitung, also Word, Excel, Powerpoint und Zehnfingerschreiben am Computer“, berichtet die angehende Fremdsprachenkorrespondentin, die ihr Wissen nach jedem Halbjahr bei Prüfungen unter Beweis stellen muss.

Nach dem ersten halben Jahr werden an ihrer Schule sogar einige der allgemeinen Fächer in einer der Fremdsprachen unterrichtet. Das trainiert zusätzlich, genauso wie ein fünfwöchiges freiwilliges Praktikum in Frankreich, für das sich Annika Bartz in den großen Sommerferien entschied. „Ich arbeitete in einem Museum in Cherbourg, der Partnerstadt von Bremerhaven, um das Arbeiten in einer Fremdsprache kennenzulernen. Der Kontakt zu dem Museum, kam über die Berufsfachschule zustande. Der Praktikanten-Austausch zwischen den beiden Partnerstädten hat mittlerweile Tradition“, erklärt sie.

Fachpraxis in imaginärer Firma

Annika Bartz ist mittlerweile am Ende ihrer Ausbildung angekommen. Jetzt dreht sich alles nur noch um die Fachpraxis. Die Schüler arbeiten dazu in einer Art imaginärem Unternehmen – in ihrem Fall die Fresh Fruit Trade Company. Sie erledigen Aufgaben im Ein- oder Verkauf, im Sekretariat, als Lieferanten oder Kunden. Sie schicken sich gegenseitig Geschäftsbriefe und führen Gespräche. Nach den Prüfungen in der Fachpraxis und in Betriebswirtschaftslehre wird Annika Bartz ihr Abschlusszeugnis zur staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondentin in der Hand halten.

Danach möchte sie zunächst jobben und Geld für eine längere Auslandsreise sparen. „Ich möchte meine Sprachkenntnisse weiter verbessern und nach meiner Rückkehr ‚Global Management‘, also eine Mischung aus Betriebswirtschaftslehre und Sprachen, studieren“, so der Wunsch der Fremdsprachenkorrespondentin in spe. Die schulische Ausbildung war in ihren Augen ein guter Grundstein dafür.

So kann ein Schultag aussehen >>

 

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA)

Üben im Schullabor

Blutproben nehmen, im Labor arbeiten und Gewebe untersuchen: Das ist genau Franziska Bräuers (21) Ding. Deshalb hat sie sich für eine schulische Ausbildung zur Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentin (MTLA) entschieden.

Franziska Bräuer lernte während eines Schulpraktikums den Beruf der Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentin kennen. Sie hat ihr Abitur an einem Beruflichen Gymnasium in Sachsen gemacht. Hier ist ein Praktikum Pflicht. „Meine Fachrichtung an der Schule war Biotechnologie, also lag ein Praktikum in einem Krankenhaus nah“, berichtet die 21-Jährige. „Mich hat die Arbeit im Labor fasziniert. Deshalb habe ich beschlossen: Das möchte ich später machen.“ Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten (MTLA) untersuchen im Labor Körperflüssigkeiten und -gewebe, damit Krankheiten erkannt, behandelt oder vorgebeugt werden können.

Nach einiger Recherche stieß sie auf die Ludwig-Fresenius-Schule in Zwickau, die eine schulische Ausbildung für ihren Wunschberuf anbot. Sie bewarb sich online, wurde zu einem Auswahlverfahren und einem Vorstellungsgespräch eingeladen, bei dem es um fachliche Fragen aus Biologie und Mathematik ging, und erhielt die Zusage.

Dreijährige Ausbildung

Ein Porträt-Foto von Franziska Bräuer

Franziska Bräuer

Foto: privat

Mittlerweile ist Franziska Bräuer im zweiten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung. „Es gab noch die Alternative, an eine staatliche Schule ohne Schulgebühren zu gehen. Aber die inhaltliche Ausrichtung der Privatschule gefiel mir besser“, sagt sie. Die 130 Euro Schulkosten monatlich haben im ersten Jahr ihre Eltern übernommen, im zweiten Jahr bekam die Auszubildende ein Stipendium.

Im ersten Jahr lag der Fokus auf Hämatologie – also der Lehre von den Krankheiten des Blutes –, Klinische Chemie, Mikrobiologie und Histologie, der Lehre vom Gewebe. Hinzu kamen die Nebenfächer Chemie, Biologie, Physik, Mathematik und Anatomie. Das Erlernte übten die Schüler ergänzend im schuleigenen Labor in der Praxis.

Viel Praxis als Ergänzung zur Theorie

Zudem absolvierte sie ein zweiwöchiges Praktikum außerhalb der Schule. „Ich habe in einem Privatlabor gearbeitet, das Proben von Arztpraxen erhielt“, erzählt die Auszubildende. „Das hat mir aber weniger gut gefallen als mein Einsatz im Krankenhauslabor, bei dem ich Kontakt zu Patienten hatte.“ Außerdem machen alle Schüler im zweiten Halbjahr ein sechswöchiges Praktikum in der Pflege, um den Krankenhausalltag kennenzulernen.

Auch im zweiten und dritten Jahr gibt es Praktika. Diese dauern jeweils zwölf Wochen. Dieses Mal hat sich Franziska Bräuer wieder für ein Krankenhauslabor entschieden. „Das ist ein Einsatzort, an dem ich später gern arbeiten möchte“, sagt die Auszubildende, der vor allem die Arbeit im Team und mit den Patienten gefällt.

Genauigkeit, Flexibilität und keine Berührungsängste

Mittlerweile weiß sie, was Analysefehler im Labor im schlimmsten Fall bedeuten. „Von unserer Arbeit hängt die Behandlung eines Patienten ab. Wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man das ehrlich zugeben“, betont Franziska Bräuer. Genauigkeit und transparentes Arbeiten sind demnach wichtig. Außerdem müssten MTLA flexibel sein, denn Nacht- oder Spätschichten seien nicht unüblich. „Wenn ein Notfall reinkommt, kann man nicht einfach nach Hause gehen“, sagt sie. Und nicht zuletzt, merkt sie an, darf sie keinen Ekel vor Blut, Stuhl oder Urin haben. „Anfangs ist das natürlich gewöhnungsbedürftig, aber das wird schnell zur Routine“, sagt die Auszubildende, die sich sicher ist, ihren Wunschberuf gefunden zu haben.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Physiotherapeut

Nah am Patienten

Simon Lörcher (29) wollte unbedingt im medizinischen Umfeld arbeiten. Jetzt ist er Physiotherapeut und kombiniert medizinisches Fachwissen mit seiner Begeisterung für den Sport.

Ein sportlicher Typ, das war Simon Lörcher schon immer. Vier Jahre ist es her, dass der 29-Jährige seine dreijährige schulische Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert hat. Die Faszination für den menschlichen Körper und das Interesse an medizinischen Zusammenhängen haben ihn in seinen Beruf geführt. Am Klinikum Stuttgart arbeitet er nun in der orthopädischen und der neurologischen Abteilung. „In der Orthopädie helfe ich zum Beispiel, dass Patienten nach einer Operation schnell wieder auf die Beine kommen. Wir arbeiten mit den Patienten an der Gelenkbeweglichkeit und leiten sie unter professioneller Gangschule an.“

Ein Porträt-Foto von Simon Lörcher

Simon Lörcher

Foto: privat

In der Neurologie arbeitet er unter anderem mit Kindern, die mehrfach behindert sind, an Epilepsie leiden oder Entwicklungsverzögerungen haben. „Manchmal kommen Patienten ambulant zu uns, weil sie eine Überweisung von ihrem behandelnden Arzt erhalten haben“, erklärt der Physiotherapeut. Das können Mukoviszidose-Erkrankte sein, also Menschen mit einer angeborenen Stoffwechselerkrankung, oder Patienten, die eine Nachbehandlung von einer zurückliegenden Operation benötigen.

Vielfältiger Berufsalltag nah am Menschen

Seinen jetzigen Arbeitgeber hat er während eines Pflichtpratikums in der schulischen Ausbildung an der Peter-Simon-Schule in Stuttgart, heute die SRH Fachschule für Physiotherapie, kennengelernt. Darüber ist er sehr froh. „Die Arbeit am Klinikum Stuttgart ist sehr abwechslungsreich und vielfältig“, findet er. Je nach Anwendung verbringt Simon Lörcher 20 bis 60 Minuten mit einem Patienten, bevor es zum nächsten geht. „Hinzu kommt die wöchentliche Visite in den Krankenzimmern, die wir Physiotherapeuten bei Bedarf begleiten, und der Austausch mit den Ärzten im Krankenhaus. Zudem dokumentieren wir unsere Arbeit und schreiben Therapieberichte für die behandelnden Ärzte.“

Simon Lörcher könnte auch in einer Praxis arbeiten, als Angestellter oder selbstständig. Ausgelernt hat er in jedem Fall nie. „Die schulische Ausbildung ist eine gute Grundlage, aber in unserem Bereich ändert sich zurzeit so viel, dass man ständig seine Expertise erweitern muss“, betont der Physiotherapeut und erzählt von diversen Fortbildungen zur manuellen Therapie, zur manuellen Lymphdrainage und zur Krankengymnastik am Gerät, die er bereits absolviert hat. Sein Arbeitgeber unterstützt ihn dabei.

Spezialisierungen und Fortbildungen

Simon Lörcher hat sich zudem entschieden, Osteopath zu werden und mit einer vierjährigen Weiterbildung begonnen. „Ich möchte mich gern auf die Behandlung von Kindern spezialisieren“, so sein Plan. Ein späteres Studium schließt er ebenfalls nicht aus. „Physiotherapeuten müssen bereit sein, Zeit in ihre Weiterentwicklung zu investieren“, sagt er. „Und sie sollten keine Berührungsängste haben, denn nur bei wenigen Berufen ist man Patienten so nah wie wir.“

 

abi» Quiz

Von der Schule in die Schule

Eine ganze Reihe von Ausbildungen werden nicht dual, sondern in schulischer Form angeboten – hauptsächlich in den Bereichen Pflege, Gesundheit, aber auch in Feldern wie Wirtschaft, Kunst oder Technik. Wie gut kennst du dich aus?

Foto: Thomas Lohnes


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Stand: 17.02.2020