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Auf den Weltmeeren zu Hause

Detail des Schiffstagebuches mit Stift und Seekarte und Zirkel im Hintergrund.
Als Nautischer Offiziersassistent geht Jacob Schwarz den Offizieren auf einem Containerschiff zur Hand.
Foto: Sonja Brüggemann

Nautischer Offiziersassistent (NOA)

Auf den Weltmeeren zu Hause

Ein Containerschiff durch den Panamakanal steuern oder bei strahlendblauem Himmel unter der Golden Gate Bridge in die Bucht von San Francisco einfahren: In solchen Momenten weiß Jacob Schwarz (19), der eine Ausbildung zum Nautischen Offiziersassistenten (NOA) absolviert, dass er auf der Brücke genau richtig ist.

Man könnte es für Seemannsgarn halten: Delfine springen im indischen Ozean um den Schiffsrumpf, der durch Meeresleuchten angestrahlt wird. Jacob Schwarz räumt selbst ein: „Das glaubt einem keiner. Das kann man auch nicht fotografieren.“ Solche Momente machen für ihn den Beruf, den er später einmal ergreifen wird, so besonders. Sein Berufsziel lautet Kapitän. Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Der erste Schritt für ihn ist die nautische Praxisausbildung als NOA, in der er erst einmal die Grundlagen und die notwendige Fahrzeit für ein späteres Nautikstudium erwirbt. Im Gegensatz zum Schiffsmechaniker sind Nautischer Offiziersassistent und Technischer Offiziersassistent keine staatlich anerkannten Berufsabschlüsse: „Sie dienen dazu, die Seefahrtzeit und eine praktische Ausbildung nachzuweisen, die an den Fach- oder Fachhochschulen verlangt wird“, erklärt der 19-Jährige.

Hohe Anforderungen an Bewerber

Ein Porträt-Foto von Jacob Schwarz.

Jacob Schwarz

Foto: privat

Für den NOA muss er zwölf Monate reine Seefahrzeit absolvieren. Worauf er sich dabei einließ, wusste er genau. Einen ersten Eindruck davon, was Leben und Arbeiten auf einem Schiff wirklich bedeuten und ob einen nicht doch das Heimweh packt, gewann er beim Ferienfahrerprogramm, das vom Verband deutscher Reeder angeboten wird. Als 16-Jähriger fuhr er fünf Wochen lang auf einem Containerschiff nach Amerika und zurück: „Es ist das Beste, was man machen kann, wenn man ein ernsthaftes Interesse an einem Seeschifffahrtsberuf hat!“ Für ihn war nach dem Praktikum klar: Sein Platz ist auf der Brücke.

Für die Ausbildung zum NOA bei Hapag Lloyd bewarb er sich ein Jahr im Voraus. Ein Seediensttauglichkeitszeugnis musste er gleich mit einreichen. Wichtig ist neben Fächern wie Mathe und Physik auch Englisch – das ist Bordsprache. „Man sollte zudem kein Einzelgänger und offen für andere Kulturen sein“, erzählt Jacob Schwarz.

Das Assessment Center bestand er erfolgreich. Doch bevor es an Bord ging, musste er erst einmal einen zweiwöchigen Sicherheitsgrundlehrgang am Maritimen Kompetenzzentrum Elsfleth absolvieren, bei dem Brandabwehr und Rettung im Fokus standen. Nach der ersten Ausbildungsreise auf einem speziellen Ausbildungsschiff musterte er auf seinem ersten regulären Containerschiff an.

Ausbildung auf hoher See

Eine typische Route führt zum Beispiel von Hamburg über Southampton, Singapur, Südkorea, China, Ägypten, England und wieder zurück nach Hamburg. Auf seinem Lehrplan stehen unter anderem Be- und Entladen, Container sichern, Logbuch führen, Positionen in eine Seekarte plotten, Wetterdaten sammeln und abschicken, eine astronomische Kompasskontrolle durchführen, Wache gehen, Maschinenkunde und natürlich wie man Seemannsknoten knüpft. Neben dem erhabenen Gefühl ein Containerschiff steuern zu können, muss er wie alle NOAs auch harte Arbeiten erledigen, etwa Entrosten, Malen und Deck putzen.

Die Containerschiffe sind in der Regel über 300 Meter lang und über 40 Meter breit. Wenn Menschen über längere Zeit auf engem Raum zusammenarbeiten, kann es schon mal Spannungen geben. „Man sollte sich gut in ein Team einfügen können“, stellt der 19-Jährige fest. Trotz der Enge ist für Abwechslung gesorgt: Kickern, im Pool schwimmen, Fitnessraum, Karaoke singen. Und wer kann schon auf einer geschmückten Back – das ist der seemännische Fachbegriff für das Vorschiff – unterm Sternenhimmel im indischen Ozean grillen? „Wenn man mal seine Ruhe möchte, kann man sich in seine Kammer zurückziehen“, schmunzelt Jacob Schwarz. Und irgendwann nach zwei oder auch mal vier Monaten, ist die Fahrt zu Ende. Bevor er dann wieder an Bord geht, heißt es erst einmal Urlaub machen. So kommt er am Ende auf zwölf Monate Fahrtzeit und insgesamt 18 Monate Ausbildungsdauer. 

So kann ein Arbeitstag aussehen>>

abi>> 06.01.2020

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