Im Büro und im Lesesaal

Eine Frau arbeitei am Computer.
Anfragen beantworten, Berichte schreiben, Verzeichnen: Einen Großteil ihrer Arbeitszeit verbringen Archivare vor dem Computer.
Foto: Thomas Frey

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

Im Büro und im Lesesaal

Beim LWL-Archivamt für Westfalen in Münster hat Nadine Glaeser (22) vielseitige Aufgaben. Sie absolviert dort die Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FAMI) der Fachrichtung Archiv.

Anfragen beantworten, Berichte und Beiträge für soziale Medien schreiben – einen großen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt Nadine Glaeser vor dem PC. „Dazu gehört vor allem das sogenannte Verzeichnen“, erklärt sie. „Dabei bekommen Archivalien, die wir übernehmen, eine Signatur. Dann werden sie in einem speziellen Programm beschrieben und erfasst, damit man sie später wiederfinden kann.“

Kommunikative Fähigkeiten benötigt die Auszubildende im Lesesaal. „Hier ist man der erste Ansprechpartner für Nutzer, die Archivalien bestellt haben und nun lesen wollen. Wir passen darauf auf, dass die Dokumente auf angemessene Weise behandelt werden. Sie vertragen zum Beispiel nur wenig Licht und bei bestimmten Materialien müssen Handschuhe getragen werden, um die wertvollen Unikate nicht zu schädigen“, betont die 22-Jährige. Zusammen mit Kollegen und Kolleginnen kümmert sie sich zudem um Bestellungen oder um Scanaufträge, falls Nutzer Kopien von bestimmten Archivalien benötigen.

Ausheben und reponieren

Ein Porträt-Foto von Nadine Gläser

Nadine Gläser

Foto: privat

Im Magazin – einem kühlen, lichtgeschützten Raum – lagern die Archivalien. „Hier müssen wir ausheben, das bedeutet: Wir entnehmen die Archivgüter und hinterlassen Stellvertreter, damit wir wissen, dass etwas entliehen wurde. Später reponieren wir die Archivalien, bringen sie also wieder zurück“, erklärt Nadine Glaeser. Das magazintechnische Bearbeiten gehört zu den speziellen Aufgaben der Auszubildenden in der Fachrichtung Archiv. Hier müssen Schriftstücke entmetallisiert, also von Büroklammern oder Tackernadeln befreit werden. Anschließend werden sie trockengereinigt, kleinere Risse geflickt und in Mappen umgebettet, die den Archivalien auf Dauer nicht schaden können.

Speziell beim LWL-Archivamt für Westfalen betreuen die Auszubildenden außerdem Adelsarchive. „Dafür, dass wir den Adelshäusern fachliche Unterstützung im Umgang mit ihren hauseigenen Archivalien bieten, dürfen diese von Forschern im Archivamt genutzt werden. Da diese Adelsarchive überall in Westfalen-Lippe verteilt sind, unternehme ich ab und an Dienstreisen zu diesen Archiven, um die Archivalien auszuheben beziehungsweise wieder in die Adelshäuser zurückzubringen“, sagt sie.

„Die Ausbildung in unserem Haus ist sehr spannend und bietet immer wieder neue Herausforderungen“, findet Nadine Glaeser. Zu ihren Lieblingsaufgaben gehört das Erlernen von Sütterlin, einer Schreibschrift, die Anfang des 20. Jahrhunderts an deutschen Schulen gelehrt wurde. „Dadurch, dass wir viel Kontakt mit alten Schriften haben, müssen wir lernen, wie man diese liest.“

In der Berufsschule

In der Berufsschule treffen alle FAMI-Richtungen aufeinander – also Archiv, Bibliothek, Medizinische Dokumentation, Information und Dokumentation sowie Bildagentur. „Man lernt jede Fachrichtung kennen, ehe man nach anderthalb Jahren in die einzelnen Fachrichtungen aufgeteilt wird.“ An zwei Schultagen in der Woche besucht Nadine Glaeser die Fächer Deutsch, Englisch, Allgemeine Wirtschaftslehre (AWL) und den berufsspezifischen Unterricht. Dazu kommen zeitweise die Fächer Biologie, Religion, Sport und Politik.

Nach dem Abschluss stehen der angehenden Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste viele Möglichkeiten offen. „Ich werde zwar nach meiner Ausbildung nicht übernommen, doch ich bin zuversichtlich, etwas Passendes zu finden.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Fachangestellte für Medien und Informationsdienste – Typischer Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FAMI) der Fachrichtung Archiv macht Nadine Glaeser viel Spaß. Für abi>> schildert die 22-Jährige, wie ein Tag beim LWL-Archivamt für Westfalen in Münster aussehen kann.

6.30 Uhr

Nach dem Einstempeln – Nadine Glaeser hat Gleitzeit – bereitet sie den Lesesaal für die tägliche Nutzung vor. Sie fährt die PCs hoch, sieht nach, wer der diensthabende Archivar für den Tag ist und bereitet die Nutzerliste vor.

7 Uhr

Die Auszubildende setzt sich an ihren Schreibtisch im Büro, um E-Mails zu checken und sich einen Überblick über anstehende Aufgaben zu verschaffen.

7.10 Uhr

Aufgabe der FAMIs ist unter anderem der Umgang mit Sozialen Medien. Die Archivare nennen wichtige Ereignisse, die die Auszubildenden zu einem Beitrag verarbeiten könnten – je nach Zielgruppe verfassen sie dabei einen anderen Text.

7.30 Uhr

Momentan bearbeitet Nadine Glaeser einen Fotobestand – dazu ordnet, verzeichnet und verpackt sie die einzelnen Fotos in einem speziell für Archive entwickelten Programm. Sie trägt Handschuhe und achtet darauf, dass die Fotos möglichst wenig Licht ausgesetzt sind.

10 Uhr

Frühstückspause

10.15 Uhr

Die Auszubildende nimmt ihre Arbeit am Fotobestand wieder auf. Zwischendurch fallen kurzfristige Aufgaben an. Sie nimmt zum Beispiel Lieferungen an, bearbeitet Post oder holt Archivalien, die Nutzer kurzfristig einsehen möchten.

12.15 Uhr

Mittagspause

12.45 Uhr

Nadine Glaeser setzt ihre Projektaufgabe fort.

14 Uhr

Die 22-Jährige übernimmt die Aufsicht im Lesesaal. Sie passt auf, dass die Nutzer richtig mit den kostbaren Archivalien umgehen und steht für Fragen zur Verfügung. Außerdem kümmert sie sich um Bestellungen von neuen Archivalien sowie die Bearbeitung von Scanaufträgen.

16 Uhr

Heute hat Nadine Glaeser länger gearbeitet, weil sie freitags früher gehen möchte. Mit dem Ausstempeln beginnt ihr Feierabend.

<< Hier geht´s zurück zur Ausbildungsreportage


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Sensibler Umgang mit Gebäuden

  • „Historische Dunkelheit, die wir aufhellen müssen“

  • Objekte erforschen, bewahren und ausstellen

  • Vergangenes für die Zukunft bewahren

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 24.10.2019