Das Plus an Qualifikation

Zwei Fußpaare, eins mit eleganten und eins mit sportlichen Schuhen.
Doppel hält besser - durch eine Zusatzqualifikation können Auszubildende ihr Profil schärfen.
Foto: Martin Rehm

Doppelt qualifizierende Ausbildungen - Hintergrund

Das Plus an Qualifikation

Doppelt qualifizierende Ausbildungen sind für Abiturienten mit Sinn fürs Praktische ein guter erster Schritt ins Berufsleben. Sie bieten eine duale Berufsausbildung und zusätzliche Kenntnisse oder extra Qualifikationen in einem Paket.

Manchmal nimmt das Berufsleben rasant Fahrt auf. Wie im Fall von Alexandra Große aus Gröbzig in Sachsen-Anhalt. Erst vergangenes Jahr hat die 30-Jährige die doppelt qualifizierende Ausbildung zur Fachwirtin für Vertrieb im Einzelhandel abgeschlossen. Nun leitet sie schon ein Team von elf Mitarbeitern in der kleinen Stadt Köthen, unweit ihres Heimatortes.
Alexandra Große ist dabei dem Unternehmen treu geblieben, bei dem sie arbeitete, während sie die Fachhochschulreife erwarb, und auf dessen Abiturientenprogramm sie aufmerksam wurde: die TEDi GmbH & Co. KG. Die deutsche Firma mit rund 1.900 Filialen in Deutschland und anderen europäischen Ländern bietet unter anderem Geschenkartikel, Dekobedarf und Schreibwaren an. „Ich war dort als Aushilfe tätig und erfuhr: Man kann nach dem dreijährigen Programm gleich eine Filiale leiten, erwirbt während des Programms den Ausbilderschein und bekommt ein gutes Gehalt“, berichtet die junge Frau.

Gute Karrierechancen

Porträt von Alexandra Große.

Alexandra Große

Foto: Nadine Dilly

Als sich Alexandra Große damals über das Programm informierte, hieß der Abschluss der doppelt qualifizierenden Ausbildung noch „Handelsassistent/in“. Wenig später wurde daraus „Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel“. Diese Kombination aus verkürzter dualer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel und darauffolgender Fortbildung zur Fachwirtin brachte beiden – Alexandra Große und TEDi – einen Mehrwert: Die 30-Jährige fuhr gewissermaßen auf der Überholspur zur Führungsposition, und das Unternehmen bildete sich maßgeschneiderten Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen heran.
Am Bildungszentrum des Einzelhandels (BZE) lernte die Fachwirtin zum Beispiel, wie man ein Team führt, in diesem kommuniziert, sich selbst managt, kundenorientiert arbeitet oder Marketing attraktiv gestaltet, dazu Vertriebsmanagement und Volkswirtschaftlehre. „Mit meiner Doppelausbildung kann ich eine Filiale leiten – wie ich es tue – eine Abteilung, eine Gruppe oder einen Bereich. Außerdem könnte ich als Sales- oder Marketing-Managerin tätig sein, im Ein- und Verkauf oder in der Personalverwaltung“, zählt Alexandra Große auf.

Viele Vorteile – wenige Nachteile

Auch Steffi Neubauer, Berufs- und Studienberaterin bei der Agentur für Arbeit Lübeck, kennt die Vorteile, die eine doppelt qualifizierende Ausbildung mit sich bringt: „Sie ist geeignet für Menschen mit Studienberechtigung, die frühzeitig einen Verdienst anstreben, die eine praxisbetonte Ausbildung einem Studium vorziehen und die die Karrierechancen in dem ausbildenden Unternehmen reizen“, fasst sie zusammen.
Dem stehen aus ihrer Sicht wenige Nachteile gegenüber: Man erwirbt keinen akademischen Abschluss und muss – etwa im Vergleich zum dualen Studium – aus einem relativ schmalen Fächerspektrum wählen. (Weitere Informationen über die Chancen und verschiedene Typen der doppelt qualifizierenden Ausbildung findest du im Interview „Zusatzqualifikationen machen die berufliche Bildung attraktiver“) Eine weitere Option sind schulische Ausbildungsangebote für Abiturienten, beispielsweise die Ausbildung zum Fluglotsen an der Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt.

Keine einheitliche Regelung

Porträt von Steffi Neubauer.

Steffi Neubauer

Foto: Olga Nommensen

Rund zwanzig doppelt qualifizierende Ausbildungen listet BERUFENET auf – vom Außenhandelsassistenten über den Betriebsassistenten im Handwerk, den Betriebswirt (VWA) und den Europakaufmann bis hin zum Fachberater für Integrierte Systeme, den Handelsfachwirt oder den Immobilienassistenten. Die Teilnehmer werden dabei an beruflichen Schulen, Berufsfachschulen, Berufskollegs oder von privaten Bildungsträgern geschult. Großunternehmen leisten sich dafür manchmal sogar eigene Akademien. Die Abschlüsse gelten dann innerhalb des entsprechenden Unternehmens, oft jedoch sind sie auch in anderen Betrieben anerkannt. Es gibt zudem Fälle, in denen Interessierte die Zusatzqualifikation auf eigene Faust in Absprache mit der Berufsschule parallel zur Ausbildung im Betrieb erwerben.
Da die Zusatzausbildungen bundesweit nicht einheitlich geregelt sind, sollten Interessenten sich vorher gut informieren, wie das jeweilige Modell organisiert ist, was beim Bewerbungsverfahren wichtig ist, welche Fristen einzuhalten sind und wo die Abschlüsse anerkannt werden. Das können sie zum Beispiel bei Berufsschulen, Bildungszentren, Kammern oder den Berufsberatern der Agentur für Arbeit machen, aber auch bei Unternehmen, die selbst Abiturientenprogramme anbieten. Eine geeignete Informationsquelle zu den Zusatzqualifikationen und ihren Anbietern ist das Fachportal AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Eigeninitiative gefragt

Dass Abiturienten mit Hilfe dieser speziellen Ausbildungsformen einerseits schnell zur Führungskraft auf mittlerer Ebene aufsteigen können und vielseitiges Wissen erwerben, verlangt ihnen auf der anderen Seite aber auch Eigeninitiative und mitunter Anstrengung ab: „In der Ausbildungsphase wird geballtes Wissen in kurzer Zeit vermittelt. Man sollte dafür ein gutes Arbeitsverhalten, Disziplin und Selbstorganisationsfähigkeit mitbringen, mit einem hohen Arbeits- und Lernpensum umgehen können, stressresistent und, falls nötig, regional mobil sein“, betont Berufsberaterin Neubauer.
Sie empfiehlt ebenfalls, vor der Ausbildung zu prüfen, ob man damit auf das entsprechende Unternehmen beschränkt ist oder auch in andere Firmen oder Branchen wechseln kann.

Mehr Informationen

berufsfeld-info.de
Inforportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Abiturientenausbildung)
http://berufenet.arbeitsagentur.de

 

KURSNET
Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

AusbildungPlus
Portal mit Erfahrungsberichten von Auszubildenden und einer umfangreichen Liste an Zusatzqualifikationen
www.ausbildungplus.de

 

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
www.bibb.de

 

Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
vertritt die Interessen von einer Million Handwerksbetrieben in Deutschland
www.zdh.de

 

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
Mitglieder sind unter anderem die 79 deutschen Industrie- und Handelskammern.
www.dihk.de

 

Doppelt qualifizierende Ausbildungen

„Zusatzqualifikationen machen die berufliche Bildung attraktiver“

Eine doppelt qualifizierende Ausbildung – die Kombination eines anerkannten Ausbildungsberufs und einer Zusatzqualifikation – ist für Abiturienten eine gute Alternative zum Studium. Silvia Hofmann, als Mitarbeiterin des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) verantwortlich für das Fachportal „AusbildungPlus“, berichtet über die verschiedenen Arten und deren Mehrwert für Absolventen und Wirtschaft.

abi>> Frau Hofmann, wie können Interessenten eine normale Ausbildung mit einer Zusatzqualifikation verbinden?

Silvia Hofmann: Zusatzqualifikationen können Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl für einen bestimmten als auch für mehrere Ausbildungsberufe erweitern oder das Profil schärfen. Man unterscheidet dabei zwischen drei Typen: Beim ersten Typ erweitern oder vertiefen sie die beruflichen Qualifikationen horizontal. Dabei wird zum Beispiel ein kaufmännischer Azubi berufsübergreifend im Controlling ausgebildet oder berufsspezifisch für E-Business – der Abschluss heißt dann E-Business-Junior-Assistant. Die Zusatzqualifikation kann auch zu einem anderen Themenbereich gehören, zum Beispiel, wenn kaufmännische Auszubildende zusätzlich technisch geschult werden. Unter der zweiten Kategorie lassen sich berufsunabhängige Qualifikationen zusammenfassen, zum Beispiel der Europäische Computerführerschein (EDCL), Fremdsprachen oder Projektmanagementfähigkeiten. Der dritte Typ bezeichnet Zusatzqualifikationen, die die beruflichen Fähigkeiten vertikal erweitern oder vertiefen. Diese können einer abschlussbezogenen Fortbildung entsprechen und sind oft sehr umfassend, weil sie die betreffende Person auf Aufstiegspositionen vorbereiten. Als Beispiel kann man die Kombination der kaufmännischen Ausbildung mit der Fortbildung zum Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel nennen.

abi>> Wie profitieren Absolventen von solchen Zusatzqualifikationen?

Porträt von Silvia Hofmann.

Silvia Hofmann

Foto: BIBB

Silvia Hofmann: Vor allem leistungsstarke Auszubildende können damit sehr gut ihre individuellen Potenziale ausschöpfen. Sie sind damit in der Lage, ihr berufliches Bildungsprofil zu erweitern und sind dann als Fachkräfte für Unternehmen interessant, die nach genau dieser Spezialisierung suchen. Sie bieten potenziellen Arbeitgebern gewissermaßen ein Plus und erhöhen so ihre Arbeitsmarktchancen.

abi>> Da Sie die Wirtschaft ansprechen – was hat sie davon?

Silvia Hofmann: Für die Wirtschaft sind Zusatzqualifikationen ein wichtiges Instrument, um berufliche Bildung immer nah an ihrem Bedarf zu halten und gleichzeitig ihre Attraktivität zu steigern. Unternehmen können so bei ihren Beschäftigten gezielt Kompetenzen aufbauen, die sie brauchen, um beispielsweise angesichts der Digitalisierung zu bestehen.

abi>> Stimmt es, dass diese Ausbildungen oft speziell auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind, die sie anbieten?

Silvia Hofmann: Der Vorteil der Zusatzqualifikationen gegenüber der normalen Berufsausbildung liegt darin, dass sie nicht an die formalen Vorschriften der Ausbildungsordnungen gebunden sind beziehungsweise Inhalte bieten, die über das hinausgehen, was die Ausbildungsordnung vorgibt. So kann jedes Unternehmen seine Beschäftigten genau die Kompetenzen erwerben lassen, die es braucht.

abi>> Welche Chancen und Entwicklungen sehen Sie dabei gerade?
Silvia Hofmann: Im Rahmen des lebenslangen Lernens helfen diese Qualifikationen, berufliche Aus- und Weiterbildung zu vernetzen. Sie zeigen, welche weiterführenden oder ergänzenden Qualifizierungsmöglichkeiten man auf der Basis eines normalen Ausbildungsberufs wählen kann. So kann – wie schon gesagt – berufliche Bildung generell attraktiver werden.

 

Zusatzqualifikation Betriebsassistent

Technik plus Wirtschaft

Jules Wagener (19) aus Osnabrück ergänzt die duale Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker um die Zusatzqualifikation zum Betriebsassistenten.

Vierrädrige Untersätze faszinieren Jules Wagener schon lange. „Seit meinem 13. Lebensjahr schraube ich regelmäßig an Autos. Seit Kurzem habe ich einen Oldtimer, an dem ich bastele. Auch Rennen interessieren mich, daher bin ich schon einmal bei der deutschen Kart-Meisterschaft mitgefahren. Also entschied ich mich, Kfz-Mechatroniker zu werden“, berichtet der 19-Jährige.
Bald beginnt er bei seinem Ausbildungsbetrieb, dem Autohaus Hülsmann und Tegeler im Osnabrücker Stadtteil Oesede, das zweite Lehrjahr. „Es gefällt mir gut – ich lerne viel Neues, verstehe mich mit den Kollegen und mit den Ausbildern“, berichtet Jules Wagener.

Ausbildung, Meister, Studium

Porträtfoto von Jules Wagener

Jules Wagener

Foto: Privat

Dennoch denkt er bereits über die Ausbildung hinaus: Er möchte nach seinem Abschluss die Meisterprüfung ablegen, ein oder zwei Jahre arbeiten und dann mit dieser Praxiserfahrung dual Wirtschaftsingenieurwesen studieren, Fachrichtung Automobilmarkt. Dafür muss er seine Ökonomie-Kenntnisse ausbauen. Die Lösung: Die Zusatzqualifikation zum Betriebsassistenten. Hier lernt man, wie man Unternehmen aufbaut und führt. „Diese entspricht mehr oder weniger den Teilen drei und vier des Meisters, also dem betriebswirtschaftlichen Teil, ist aber für mich kostengünstiger als ein Meisterabschluss. Teil eins und zwei des Meisters – den fachlichen Part – muss ich dann zwischen Ausbildungsabschluss und Studienbeginn nachholen“, erläutert der Azubi.

Schrauben und Wirtschaft

Bei seiner dualen Ausbildung schraubt, schweißt und verdrahtet Jules Wagner in der Autowerkstatt und eignet sich in der Berufsbildenden Schule die Theorie an, die man als Kfz-Mechatroniker beherrschen muss. Dazu kommt ein zusätzlichen Tag pro Monat für die Zusatzqualifikation – sechs Stunden an derselben Berufsschule, in denen Jules Wagener und seine Mitschüler sich mit „viel Kaufmännischem“ beschäftigen: Sie lernen, wie die Buchhaltung im Unternehmen funktioniert, wie man den Preis von Waren kalkuliert und was in einem Angebot stehen muss.
„Noch fällt mir vieles leicht, weil ich mein Wissen aus der Schule nutzen kann. Doch in etwa zwei Jahren steht sowohl bei der dualen Ausbildung als auch bei der Zusatzqualifikation die Prüfungsphase an – nahezu zeitgleich, weil ich meine duale Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen will. Das kann stressig werden, meinen die Leute, die den Abschluss bereits haben“, sagt Jules Wagener.

Herausforderungen meistern

Mit Freude am Lernen und seinem echten Interesse für ökonomische Zusammenhänge wird er jedoch diese Herausforderung meistern, hofft er. Auf die Unterstützung seines Ausbildungsbetriebes kann er dabei bauen: Dieser stellt ihn für den zusätzlichen Berufsschultag frei. „Andere Azubis haben da nicht so viel Glück. Sie müssen den zusätzlichen Berufsschultag mit Überstunden herausarbeiten. Ich bin meinem Unternehmen dankbar, dass das bei mir anders ist“, betont der 19-Jährige.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Zusatzqualifikation Betriebsassistent – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hat sich Jules Wagener entschieden, weil er sich für Technik interessiert und gerne an Autos schraubt. In der Zusatzqualifikation zum Betriebsassistenten lernt er, wie man ein Unternehmen aufbaut und führt. Für abi» schildert er, wie ein Arbeitstag aussehen kann.

8 Uhr

Jules Wagener betritt das Autohaus, stempelt sich ein, zieht sich um und bespricht mit dem Gesellen, der für ihn zuständig ist, was an diesem Tag zu tun ist. Danach beginnt er, an einem Wagen die Schrauben der Karosserie zu wechseln. Dann widmet er sich einem Auto mit Unfallschaden: Hier montiert er die Stoßstange ab, die nach einem kleinen Zusammenstoß auf einem Parkplatz Dellen bekommen hat.

9 Uhr

Frühstückspause mit den Kollegen.

9.45 Uhr

Nun bringt er an dem Unfallwagen eine neue Stoßstange an. Danach führt er die gleiche Prozedur an einem Auto durch, das gerade hereingebracht wurde.

12.30 Uhr

Mittagspause

13 Uhr

Der Azubi wechselt gemeinsam mit seinen Kollegen bei einem Wagen das Lenkgetriebe und die Achsenaufhängung vorne rechts. Bei einem anderen Auto reparieren sie das Dach, das ein Hagelschlag beschädigt hat.

15.30 Uhr

Alle räumen gemeinsam die Werkstatt auf. Das ist zeitaufwändig, weil die Kollegen 20 Hebebühnen und mehrere Werkbänke schrubben müssen. Danach zieht sich Jules Wagener um, stempelt aus und fährt nach Hause.

16.45 Uhr

Dort angekommen, nimmt er nach einer kurzen Verschnaufpause seine Berufsschulhefter zur Hand. Demnächst stehen zwei Leistungskontrollen an, eine im Fach Fahrzeugtechnik innerhalb der dualen Ausbildung und eine im Fach Buchhaltung innerhalb der Zusatzqualifikation.

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Zusatzqualifikation Europakaufmann

Kaufmann mit internationalem Blickwinkel

Manuel Diener (21) macht die Aus­bildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel bei der Hermann Bach GmbH & Co. KG, die mit Sanitärprodukten handelt. Diese kombiniert er mit der zusätzlichen Qualifikation zum Europakaufmann.

Vor fast drei Jahren stellte Manuel Diener eine wichtige Weiche für seine Zukunft. Dabei wirkten zwei Faktoren: Einer davon hieß Frank Brennecke, Lehrer an der Berufsbildenden Schule 1 in Northeim, wo der 21-Jährige seit einigen Wochen den theoretischen Unterricht für seine duale Ausbildung zum Kaufman im Groß- und Außenhandel besuchte. Frank Brennecke, Koordinator für die Zusatzqualifikation zum Europakaufmann – in anderen Bildungseinrichtungen auch Eurokaufmann genannt – stellte diese den Schülern vor. Damit überzeugte er Manuel Diener, den bereits Faktor zwei beeinflusste: „Mein Ausbildungsunternehmen hat deutschlandweit 30 Standorte, ist aber hauptsächlich national tätig. Ich vermisste dort den internationalen Blickwinkel. Da die Zusatzqualifikation mir diesen versprach, entschied ich mich spontan dafür.“

Internationaler Fokus

Porträtfoto von Manuel Diener.

Manuel Diener

Foto: privat

So begann der junge Mann ein halbes Jahr später, zwei Jahre lang jeden Mittwochnachmittag nach der Arbeit drei Stunden lang die Schulbank zu drücken – zusätzlich zum normalen Berufsschulunterricht. Im Unterricht für Groß- und Außenhandelskaufleute wurde er unter anderem in Rechnungswesen, Einkauf und Vertrieb geschult. Für die Zusatzqualifikation kamen zwei Lernfelder hinzu: internationales Marketing und internationale Geschäftsabwicklung. Außerdem erwarb er Grundkenntnisse in Spanisch auf dem Niveau A 1 – seine zweite Fremdsprache neben Englisch. „Ein weiterer Baustein war der Europäische Computerführerschein. Den muss man nachweisen, um für die Prüfung als Europakaufmann zugelassen zu werden“, berichtet der heute 21-Jährige.
Ein weiteres Muss ist eine kaufmännische Ausbildung. Für die hatte sich Manuel Diener nach seinem Abitur, das er 2015 an einem Wirtschaftsgymnasium erwarb, ja bereits entschieden.

Unterstützung durch den Ausbildungsbetrieb

Damit die Kombination gelingt, müssen laut Manuel Diener die persönlichen und betrieblichen Voraussetzungen stimmen: „Man sollte gute Leistungen in der primären Ausbildung bringen, um mit der Zusatzqualifikation nicht überlastet zu sein. Außerdem sollte man bewusst mehr lernen wollen, damit man sich jede Woche für die extra Stunden motivieren kann.“ Und: Obwohl die Zusatzqualifikation formal nicht der Erlaubnis des Ausbildungsbetriebs bedarf, ist es hilfreich, wenn dieser den Azubi dabei fördert.
Der junge Niedersachse hat dies besonders bei seinem dreiwöchigen Auslandspraktikum erlebt, das er für den Abschluss als Europakaufmann braucht: „Ich bekam über die Kontakte der Schule einen Platz bei Siemens im tschechischen Ostrava, wo ich unter anderem im Einkauf arbeitete. Dafür gewährte mir mein Ausbildungsunternehmen drei Wochen Sonderurlaub. Ohne diesen wäre es schwierig geworden.“

Berufsbegleitende Weiterbildung

Vor zwei Monaten absolvierte er die Prüfungen für den Europakaufmann, nun sind die Examina für die duale Ausbildung an der Reihe. Schon jetzt weiß Manuel Diener, dass er nach dem Abschluss zunächst in seinem Unternehmen bleiben wird. „Ich möchte mich dann berufsbegleitend weiterbilden und später im Controlling arbeiten. Wie ich Arbeit und zusätzlichen Unterricht kombiniere, weiß ich ja schon“, sagt er und lacht. Dass seine Zusatzqualifikation ein Plus im Lebenslauf ist, verleiht ihm zusätzliches Selbstbewusstsein, wenn er an seine berufliche Zukunft denkt.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Zusatzqualifikation Europakaufmann - Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Manuel Diener macht eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel kombiniert mit der Zusatzqualifikation zum Europakaufmann. Hier erzählt der 21-Jährige, wie ein Arbeitstag für ihn aussieht.

7 Uhr

Manuel Diener fährt seinen Computer hoch und kontrolliert, welche E-Mails mit Materialbestellungen eingegangen sind. Parallel dazu rufen bereits Handwerker und Installationsbetriebe aus der Region an, die ebenfalls bestellen möchten. Der Azubi bringt die erste größere Lieferung auf den Weg: Ein Handwerker hat kurz nach 7 Uhr zehn Sack Beton bestellt. Manuel Diener erstellt den Lieferschein, lässt die Ware aus dem Lager holen, auf einen LKW packen und abfahren.

8 Uhr

Manuel Diener sichtet, welche Angebote er in den vergangenen Tagen geschrieben hat, und ordnet sie in der Ablage ein.

10 Uhr

Der Auszubildende führt Verkaufsgespräche mit Kunden oder informiert über Angebotspalette, Lieferkonditionen und Preise. Er schreibt schriftliche Angebote und fragt bei Bedarf seine Kollegen nach Details.

12 Uhr

Mittagspause

13 Uhr

Mit einem anderen Auszubildenden bereitet der 21-Jährige eine betriebsinterne Schulung für die Azubis vor. Sie besprechen, welche Themen die Leute interessieren könnten. Am Göttinger Standort des Unternehmens lernen derzeit zehn Auszubildende.

15 Uhr

Da heute Mittwoch ist, schaltet Manuel Diener nun seinen Rechner aus, verlässt die Firma und fährt zur Berufsbildenden Schule 1 ins rund 20 Kilometer entfernte Northeim. Dort hat er ab 15.30 Uhr Unterricht für seine Zusatzqualifikation.

18.30

Feierabend

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Zusatzqualifikation Immobilienassistentin

„Viel Stoff in wenig Zeit“

Rebecca Hiller (21) aus Böblingen in Baden-Württemberg absolviert eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau mit Zusatzqualifikation zur Immobilienassistentin.

Gebäudesanierung, Mieteranfragen, Eigentümerrechte – Rebecca Hiller fand schon früh alles spannend, was mit dem Thema Immobilien zu tun hatte. „Vielleicht begann es, als ich miterlebte, wie mein Opa ein Haus baute. Jedenfalls habe ich bereits als Schülerin in den Ferien in Immobilienfirmen gearbeitet und zwei Praktika in der Branche gemacht, eines davon bei meinem jetzigen Arbeitgeber“, berichtet sie.
Das Praktikum war der Türöffner zu ihrer Ausbildungsfirma, der Böblinger Baugesellschaft (BBG), einem Tochterunternehmen der Stadt Böblingen mit rund 40 Mitarbeitern. Dort begann sie direkt nach ihrem Abitur die Ausbildung zur Immobilienkauffrau. „Unsere Firma bot diese damals nur im Paket mit der Zusatzqualifikation zur Immobilienassistentin an. So ergab es sich, dass ich jetzt beide Abschlüsse gleichzeitig erwerbe“, erzählt die 21-Jährige.

Steuerwesen und Allfinanz

Porträt von Rebecca Hiller.

Rebecca Hiller

Foto: Privat

Für Rebecca Hiller laufen momentan die letzten Wochen ihrer zweijährigen Ausbildung – es ist Prüfungszeit. „Meine Kombination bedeutet: Viel Lernstoff in relativ wenig Zeit. Um alles zu schaffen, muss man zielstrebig sein und gerade bei schwierigeren Fächern wie dem Steuerwesen im Unterricht gut aufpassen, nachfragen und, falls nötig, zu Hause den Stoff erneut durchdenken“, erläutert die junge Frau.
In Rebecca Hillers Jahrgang an ihrer Berufsschule lernen etwa 50 junge Männer und Frauen in zwei speziellen Klassen für den kombinierten Abschluss. „In der Zusatzqualifikation kommen für uns die beiden Zusatzfächer Steuerwesen und Allfinanz hinzu, Letzteres gegliedert in Banken und Versicherungen. Dazu haben die meisten von uns noch das freiwillige Fach Bau gewählt. Darin lehrt uns ein Sachverständiger zum Beispiel, welche Gewerke bei einem Hausbau tätig werden“, erklärt die Auszubildende.

Im Basisberuf hat Rebecca Hiller Fächer wie Rechnungswesen, allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Gesamtwirtschaft und Englisch. Was sie in der Berufsschule lernt, kann sie in ihrer Firma gut anwenden: Diese baut, verkauft, verwaltet und vermietet Häuser und Wohnungen. Die Azubis durchlaufen dort alle Abteilungen und nehmen auch an Außenterminen teil.

Vorteil im Studium

Die Kenntnisse der Zusatzqualifikation zur Immobilienassistentin kann Rebecca Hiller in ihrer Firma dagegen weniger nutzen, weil diese hauptsächlich auf den Schwerpunkt Bauen und Wohnen ausgerichtet ist. Doch sie hofft, dass sie diese bald bei ihrem Studium der Immobilienwirtschaft brauchen kann, das sie im Herbst beginnen will: „Viele Themen aus der Zusatzqualifikation werden dort sicher wieder aufgegriffen. So verschafft mir meine Kombination einen Vorteil im Studium.“

„So kann ein Arbeitstag aussehen" >>

 

Zusatzqualifikation Immobilienassistentin – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Rebecca Hiller wird zur Immobilienkauffrau ausgebildet und hat sich für eine zusätzliche Qualifikation zur Immobilienassistentin entschieden. Für abi>> berichtet sie aus ihrem Arbeitsalltag.

7.30 Uhr

Rebecca Hiller betritt ihre Ausbildungsfirma, schaltet den Computer ein und prüft, welche E-Mails gekommen sind. Danach erstellt sie eine offizielle Einladung für eine Eigentümerversammlung und verschickt den Jahresabschluss und den Wirtschaftsplan an die Eigentümer.

10 Uhr

Frühstückspause

10.15 Uhr

Ein Kollege schickt Rebecca Hiller die Anfrage eines Eigentümers zu seiner Immobilie, die sie beantworten muss. Anschließend widmet sie sich kleineren Fragen von Eigentümern und Mietern. Einer möchte zum Beispiel noch einen Tagesordnungspunkt bei der Eigentümerversammlung klären, ein anderer sucht mit ihr zusammen nach Lösungen für geringfügige Mängel an Gebäuden, etwa einem undichten Blumenkasten, aus dem Wasser auf den Balkon darunter tropft.

12 Uhr

Mittagspause

13.30 Uhr

Die Auszubildende und ihre Kollegin treffen einen Eigentümer bei einem Außentermin in seiner Immobilie. Danach fahren die beiden weiter zu einem anderen Gebäude, das gerade saniert wird. Sie besichtigen die Baustelle und schauen, welche Fortschritte zu verzeichnen sind.

16 Uhr

Wieder im Büro, checkt Rebecca Hiller noch mal kurz die E-Mails und fährt dann den Rechner herunter. Sie verlässt die Firma und fährt nach Hause. Dort wiederholt sie die aktuellen Themen im Steuerwesen. Für ihre Zusatzqualifikation steht nämlich eine Klausur über Steuerrecht an.

17.30 Uhr

Feierabend

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Stand: 10.12.2019