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Arbeitsmarkt Pflege: Gute Aussichten

Eine extrem niedrige Arbeitslosenquote gibt es jetzt schon, die Prognosen sind ebenfalls gut: Pflegefachkräfte werden gesucht. Und in Zukunft wird ihr Können noch stärker gefragt sein.

Ein junger Pfleger bei der Schichtübergabe mit zwei Pflegerinnen. (Foto: Robert Söllner)

Die Bevölkerung wird immer älter und damit steigt auch der Bedarf an Pflegefachkräften. Schon jetzt sind die Arbeitsmarktchancen in diesem Bereich sehr gut, wie aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. „Im Jahr 2021 gab es über eine Million sozialversicherungspflichtige Pflegefachmänner und -frauen, was im Vergleich zu 2019 einem Anstieg um gut vier Prozent entsprach“, sagt Kirsten Singer vom Team Arbeitsmarktberichterstattung. Die Mehrheit der Beschäftigten ist weiblich (83 Prozent) und fast die Hälfte aller Beschäftigten (45 Prozent) arbeitet in Teilzeit. Die meisten Jobs gab es dabei im Gesundheitswesen, beispielsweise in Krankenhäusern. Danach folgten die Bereiche Sozialwesen (ohne Heime), darunter fallen etwa Tagesbetreuungen und ambulante soziale Dienste, sowie Heime. Kirsten Singer zufolge sank 2021 die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf 7.000, während die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen um knapp ein Prozent stieg.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht gar einen großen Personalmangel in den Pflegeberufen. „Der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal wird durch den demografischen Wandel noch steigen“, prognostiziert Anja Kathrin Hild vom DBfK.

  • Porträt von der Protagonistin im Business Outfit.

    Perspektivisch werden Pflegefachpersonen zunehmend beratende Funktionen übernehmen und der Beruf wird stark von der Digitalisierung geprägt werden.

    Anja Kathrin Hild

Mehr Spezialisierungen

Die generalistische Ausbildung ist für den DBfK ein wichtiger Schritt, um gegenzusteuern. „Sie eröffnet Auszubildenden neue Wege in den Beruf“, sagt die Expertin. „Nach der beruflichen Ausbildung oder dem primärqualifizierenden Bachelorstudium können die Absolventinnen und Absolventen in allen pflegerischen Bereichen arbeiten.“ Der Abschluss entspreche den europäischen Rahmenvereinbarungen und ermögliche damit die berufliche Mobilität innerhalb der EU.

Nach Einschätzung des DBfK werden die Anforderungen an Pflegefachpersonen generell steigen, da immer mehr Menschen pflegerische Versorgung benötigen. Auch deshalb gibt es immer mehr pflegerische Studiengänge, mit denen Studierende sich in unterschiedlichen Bereichen spezialisieren können. „Für das Pflegemanagement und die Pflegepädagogik ist ein Studium bereits Standard“, so die Referentin weiter. „Perspektivisch gehen Spezialisierungen in der Pflegepraxis ebenfalls in diese Richtung und folgen damit internationalen Vorbildern.“

Neues Berufsbild Community Health Nursing

Als Beispiel nennt sie den neu akkreditierten Masterstudiengang Community Health Nursing. „Eine Community Health Nurse kann beispielsweise Menschen mit chronischen Erkrankungen beraten und schulen, damit sie selbstbestimmt und gut mit ihrer Erkrankung leben können.“ In Deutschland ist dieses Berufsbild noch nicht etabliert – die ersten Studierenden dieses Masterstudiengangs haben im Wintersemester 2021/22 ihr Studium aufgenommen. In Ländern wie Finnland, Kanada oder den USA sind Community Health Nurses schon länger in der Gesundheitsversorgung tätig. In Deutschland könnten sie die Anamnese, körperliche Untersuchung und Diagnoseerstellung teilweise übernehmen und bei chronisch erkrankten Menschen die Medikation koordinieren, Therapien einleiten oder Beratungen durchführen. Die Aufgaben in der Gesundheitsversorgung ließen sich neu und effektiv verteilen, um Hausärztinnen und Hausärzte zu entlasten.

Pflege wird digitaler

„Perspektivisch werden Pflegefachpersonen zunehmend beratende Funktionen übernehmen und der Beruf wird stark von der Digitalisierung geprägt werden“, ergänzt Anja Kathrin Hild. Darunter falle zum Beispiel die Wundversorgung. „Hier gibt es bereits digitale Tools, mit denen Wunden dokumentiert, vermessen oder leichter beurteilt werden können. Man kann das geballte Wundwissen in Apps immer dabeihaben.“ Der Expertin zufolge werden in Zukunft auch neue Technologien – so genannte „smart dressings“ in der Patientenversorgung eingesetzt werden. „Das heißt, dass zum Beispiel über die Wundauflage Messdaten, wie etwa der pH-Wert, erhoben und übermittelt werden können, um die Versorgung individuell anzupassen.“