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Therapieberufe: Für die Gesundheit des Menschen

Menschen dabei unterstützen, wieder gesund zu werden, das will Cora Kismann. Deshalb macht die 20-Jährige eine schulische Ausbildung zur Physiotherapeutin. Sie erlernt damit einen so genannten Gesundheitsfachberuf. Eine Berufsgruppe im Umbruch.

Jemand wird am Knie massiert. (Foto: Martin Rehm)

„Ich erfahre sehr viel über den Körper und den Menschen und kann später Patienten zum Beispiel in der Reha auf ihrem Weg zur Gesundung begleiten“, sagt Cora Kismann. Sie macht eine schulische Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Privaten Berufsfachschule für Physiotherapie in Erlangen. In ihrem ersten Jahr beschäftigt sich die 20-Jährige mit Grundlagen der menschlichen Anatomie und Physiologie, mit Krankheitslehre und mit vielen praktischen Übungen. „Mein Lehrer zeigt uns an einem Azubi in Bauchlage, welche Muskeln es am Schulterblatt gibt“, schildert sie und erläutert, wie er im Anschluss klassische Massagegriffe vorführt. „Wir versuchen danach die Griffe in Übungspärchen nachzumachen. Der Lehrer schaut genau, ob wir die richtigen Muskeln gefunden haben, richtig stehen, die Liege richtig einstellen und ob der ‚Patient‘ gut gelagert ist“, ergänzt sie.

Drei Jahre dauert ihre schulische Ausbildung. Anders als früher muss sie kein Schulgeld bezahlen – dank bayerischem Gesundheitsbonus, den es in einer ähnlichen Form in anderen Bundesländern ebenso gibt. An Berufsfachschulen, die an Kliniken oder Krankenhäusern in öffentlicher Hand angesiedelt sind, würde sie sogar eine Ausbildungsvergütung bekommen. Nach Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes (TVAöD) sind das beispielsweise 1040 Euro im ersten Ausbildungsjahr. Überwiegend wird derzeit noch von privaten Bildungsträgern ausgebildet.

Therapie als Heilmittel auf Rezept

Als Physiotherapeutin ist Cora Kismann später „Heilmittelerbringer“. Das heißt, ihre Dienstleistung gibt es in Deutschland nur auf Rezept. Das ist bei der Ergotherapie und Logopädie genauso. In beide Bereiche führt ebenfalls eine dreijährige, schulische Ausbildung. In Abgrenzung zu anderen therapeutischen Berufen, wie etwa die Psychotherapie, spricht man offiziell nicht von Therapieberufen, sondern von Gesundheitsfachberufen, per Definition „nichtärztliche, nichtpsychotherapeutische Berufe im Gesundheitswesen“. Weiter gefasst gehören Fachleute, die in den Bereichen Diätassistenz, Podologie sowie Orthoptik arbeiten, ebenfalls dazu. Aber Achtung: Berufe in der Musik-, Tanz- und Bewegungstherapie werden nicht dazu gezählt, da diese Dienstleistungen in der Regel nicht über die Krankenkasse abgerechnet werden.

Anders bei Cora Kismann: Später kann sie als Physiotherapeutin auf Rezept zum Beispiel Unfall- oder Schlaganfallpatient*innen, deren körperliche Beweglichkeit bzw. Sensomotorik eingeschränkt ist, behandeln. In der Ergotherapie erlangen die gleichen Patient*innen Alltagskompetenzen wieder, während die Logopädie dabei unterstützt, bei einem Sprachverlust, Kommunikation wieder zu erlernen. „Im besten Fall wirken die Berufsgruppen zusammen und ergänzen sich“, erklärt Joachim Rottenecker, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Ergotherapieschulen e.V. „Vereinfacht lässt sich sagen, dass sich die Physiotherapie mit der Bewegung, Ergotherapie mit dem Handeln oder ‚tätig sein‘ und sich die Logopädie bzw. Sprachtherapie mit der Kommunikation befasst.“ Auch Kinder mit Beeinträchtigungen werden durch Therapien wie diese in ihrer Entwicklung unterstützt, während etwa demente Senior*innen Restkompetenzen länger behalten.

Auf Augenhöhe mit der Medizin

Porträt von Joachim Rottenecker (Foto: privat) Porträt von Joachim Rottenecker (Foto: privat)

Joachim Rottenecker

All das macht klar: Angehende Therapeut*innen wie Cora Kismann übernehmen verantwortungsvolle Aufgaben. Hand in Hand mit Ärzten und Ärztinnen – und im besten Fall auf Augenhöhe – entscheiden sie über Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation. Dies ist ein Grund, warum es derzeit Überlegungen gibt, die schulische Berufsausbildung in ein Studium zu überführen. In Modellstudiengängen wird derzeit getestet, wie dies gelingen kann. „Seit 2009 ist es über eine Modellklausel möglich, die Ausbildung in diesen Berufen in Form von berufsqualifizierenden Studiengängen zu absolvieren – so wie es für Europa und international üblich ist“, erklärt Joachim Rottenecker.

Es sei immens wichtig Patient*innen nach zeitgemäßem Wissen zu therapieren, ergänzt er: „Das Sozialgesetzbuch fordert von den Heilmittelerbringern, den Therapeutinnen und Therapeuten, eine evidenzbasierte, also auf nachprüfbaren Fakten beruhende, Versorgung.“ Er geht davon aus, dass deshalb die Ausbildung sukzessive von Hochschulen übernommen wird, so wie dies im Fall der Hebammen-Ausbildung bereits passiert ist. Momentan weist allerdings alles darauf hin, dass die Modellstudiengänge bis 2024 verlängert werden.

Für die angehende Physiotherapeutin Cora Kismann waren das bisher keine Argumente für ein Studium. Sie hat sich ganz bewusst gegen ein Studium entschieden. Sie wollte etwas Praktisches machen und nach der Ausbildung zügig ins Berufsleben starten. „Ohne ein Medizinstudium viel über den Menschen und seinen Körper erfahren“, das war und ist ihr Wunsch.

> Mehr dazu in den Ausbildungssteckbriefen

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
berufenet.arbeitsagentur.de

Verband Deutscher Ergotherapie-Schulen e.V.

vdes.de

Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe

Verbund für Akademisierung von Therapieberufen
hv-gesundheitsfachberufe.de

Bündnis Therapieberufe

Initiative für zukunftsfeste hochschulische Ausbildung in Therapieberufen
buendnis-therapieberufe.de

Verbund für Ausbildung und Studium in Therapieberufe

vast-therapieberufe.de

Deutscher Verband für Physiotherapie

physio-deutschland.de

Deutscher Verband Ergotherapeutie

dve.info

Deutscher Bundesverband für Logopädie

dbl-ev.de