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Ausbildungsberufe im Labor: Mit scharfem Blick und ruhiger Hand

Für Menschen mit Forschergeist bieten Labore vielfältige Einsatzmöglichkeiten und gute Berufsaussichten. Während einige Ausbildungen echte Allrounder hervorbringen, liegt der Fokus bei anderen von Beginn an auf Spezialgebieten.

Ein Glaskolben, in dem sich eine hellgelbe Flüssigkeit befindet, steht auf einer Feinwaage. (Foto: Helmerichs)

Ein bedeutendes Einsatzgebiet für Fachkräfte in Laborberufen ist das Gesundheitswesen. Medizinisch-technische Laborassistentinnen und -assistenten (MTLA) oder Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA) finden in Arztpraxen, Krankenhäusern, medizinischen Laboren oder bei Blutspendediensten Anstellung sowie in der pharmazeutischen Industrie und in Apotheken. „Aber auch Biologie- oder Chemielaboranten sowie Biologisch-technische Assistenten und Chemisch-technische Assistenten sind im Gesundheitswesen tätig“, sagt Verena Marschler, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Ludwigshafen. „Sie arbeiten beispielsweise in der Medizinforschung oder in der Forensik.“

  • Porträtaufnahme von Herbert Holz

    Wir halten höchste ethische Standards ein, mit großem Respekt vor den Lebewesen. Aber Biologielaboranten müssen fähig sein, eine Maus zu betäuben, Gewebe und Organe zu entnehmen und für die Experimente vorzubereiten.

    Herbert Holz, Ausbilder für Biologielaboranten/innen am Max-Planck-Institut in Freiburg
  • Foto von Verena Marschler

    Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind bei einer breit aufgestellten Ausbildung vielfältiger, doch grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt günstig. Besonders stark ist die Nachfrage in Ballungsgebieten wie zum Beispiel Rhein-Main-Neckar mit vielen Betrieben in der Chemie- und Pharmabranche.

    Verena Marschler, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit

Einsatz im Forschungslabor

Für Biologielaborantinnen und -laboranten könne die Arbeit in der Forschung ein besonders spannendes Feld sein, findet Herbert Holz, der seit zehn Jahren am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik für die Auszubildenden in diesem Beruf zuständig ist. Er weiß, welche Anforderungen Beschäftigte neben einem Interesse für Naturwissenschaften noch mitbringen sollten: „Man braucht Neugier, Experimentierfreude und viel Geduld“, fasst er zusammen. „In der Grundlagenforschung bewegen wir uns oft im unentdeckten Land. Versuche gehen im ersten Anlauf manchmal schief, das muss man aushalten können.“

Die handwerklichen Bestandteile der Laborarbeit in einem Industrielabor treten durch hochstandardisierte Abläufe und digitale Auswertung mehr und mehr in den Hintergrund – nicht so in der Forschung. „Wir arbeiten jedoch noch im Nasslabor, mit Handschuhen direkt an der Substanz“, sagt der Ausbilder. „Gearbeitet wird mit Chemikalien und Blut, aber auch mit Gewebeproben von Mäusen und Fruchtfliegen. Hier darf man keine Berührungsängste haben.“ An der Arbeit mit Tieren führe kein Weg vorbei. „Wir halten höchste ethische Standards ein, mit großem Respekt vor den Lebewesen. Aber Biologielaboranten müssen fähig sein, eine Maus zu betäuben, Gewebe und Organe zu entnehmen und für die Experimente vorzubereiten.“

Spezialisierung von Anfang an

Einige Tätigkeiten im Labor verlangen bereits in der Ausbildung eine besondere Spezialisierung. So fokussieren sich beispielsweise Milchwirtschaftliche Laborantinnen und Laboranten auf die Prüfung von Milcherzeugnissen. Die Qualität und Eigenschaften von Baustoffen sowie die Verwendbarkeit von Böden, Fels und Recyclingmaterialien wird von Baustoffprüferinnen und -prüfern im Labor vorgenommen. Textillaborantinnen und Textillaboranten kontrollieren, ob die zu prüfenden Garne, Stoffe und so weiter den Anforderungen entsprechen.

Ob nun in der Arztpraxis, im Labor, in der Apotheke oder in der Industrie: In allen Laborberufen sind eine ruhige Hand, scharfe Augen, manuelles Geschick und hohe Sorgfalt gefragt. Bei den späteren Berufsperspektiven zeigt sich laut Berufsberaterin Verena Marschler, dass die Jobchancen für Auszubildende aller Laborberufe gut sind: „Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind bei einer breit aufgestellten Ausbildung vielfältiger, doch grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt günstig. Besonders stark ist die Nachfrage in Ballungsgebieten wie zum Beispiel Rhein-Main-Neckar mit vielen Betrieben in der Chemie- und Pharmabranche.“

Schulische oder duale Ausbildung

Bevor es jedoch ins Arbeitsleben geht, steht zunächst die Ausbildung an. Diese dauert je nach Beruf und Vorerfahrung zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren. Interessierte können aus einer breiten Auswahl an Ausbildungsgängen wählen – dual im Unternehmen oder rein schulisch, etwa zum/zur Biologisch-technischen, Chemisch-technischen, Medizinisch-technischen oder Pharmazeutisch-technischen Assistent/in.

„Die Inhalte der schulischen Ausbildung sind vergleichbar mit betrieblichen Ausbildungsgängen, die theoretische Ausbildung ist allerdings vertiefter“, sagt Verena Marschler. „Auch in den Schullaboren wird umfangreich Praxis geübt.“ Das Angebot an dualen Ausbildungsplätzen für Biologie- oder Chemielaborantinnen und -laboranten ist begrenzt, daher seien schulische Ausbildungen eine gute Alternative. „Es gibt aber meist keine Ausbildungsvergütung und an privaten Schulen werden sogar Gebühren fällig“, gibt sie zu bedenken.

Auch die beruflichen Möglichkeiten unterscheiden sich kaum voneinander. „Vorteil der dualen Ausbildung ist die direkte Anbindung an ein Unternehmen.“ Für junge Menschen mit Begeisterung für Naturwissenschaften und Mathematik sei ein Laborberuf immer eine gute Wahl, so ihr Fazit. „Die Ausbildung ist aber nur der Anfang“, betont Verena Marschler. „Laboranten müssen sich ständig weiterbilden. Englischsprachige Fachliteratur ist dabei wichtig. Auch technische Geräte und IT-Anwendungen entwickeln sich stetig weiter.“

Karriere nach der Ausbildung

Für Auszubildende in Laborberufen ist nach ihrer Lehrzeit natürlich noch lange nicht Schluss, wenn sie sich weiterqualifizieren wollen. Zahntechniker/innen etwa spezialisieren sich erst nach ihrer Ausbildung auf ein bestimmtes Aufgabengebiet, wie die Kieferorthopädie, Funktionstherapie oder Zahnersatz. In einer Meisterausbildung vertiefen die Fachkräfte zusätzlich ihre Kenntnisse und können später eine Laborleitung übernehmen. Für technische Assistentinnen und Assistenten bietet sich etwa eine Qualifizierung zum/zur Biotechniker/in oder Chemietechniker/in an. Denkbar wäre auch eine Weiterqualifizierung an der Hochschule. So bietet etwa die PTA-Ausbildung eine gute Grundlage für ein Pharmaziestudium.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.arbeitsagentur.de/berufenet

Ausbildungsplatzsuche

Hier kannst du nach dualen Ausbildungen suchen, regional und bundesweit.

www.arbeitsagentur.de/ausbildungsplatzsuche

Berufsausbildung und mehr

Recherchiere in dieser Datenbank nach schulischen Berufsausbildungen.

www.arbeitsagentur.de/berufsausbildung

Berufsbild Apotheke der Apothekerkammer Hamburg

Informationen zur PTA-Ausbildung

www.berufswelt-apotheke.de/pta

VDZI

Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen
vdzi.net/berufsstand/berufsbild.html

Portal zur Zahntechniker-Ausbildung

zahntechnik-ausbildung.de

Video: Naturwissenschaften und Labor

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

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