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Ausbildungsberufe im Labor: Mit scharfem Blick und ruhiger Hand

Für Menschen mit Forschergeist bieten Labore vielfältige Einsatzmöglichkeiten und gute Berufsaussichten. Während einige Ausbildungen echte Allrounder hervorbringen, liegt der Fokus bei anderen von Beginn an auf Spezialgebieten.

Ein Glaskolben, in dem sich eine hellgelbe Flüssigkeit befindet, steht auf einer Feinwaage. (Foto: Helmerichs)
Bild von Lara Schikowski (Foto: privat) Bild von Lara Schikowski (Foto: privat)

Lara Schikowski

Der Fettanteil im Frühlingsquark muss stimmen! Lara Schikowski sorgt beim Deutschen Milchkontor in Zeven dafür, dass der Inhalt hält, was die Verpackung verspricht. Die 20-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Milchwirtschaftlichen Laborantin. Für Biologie hat sie sich schon in der Schule interessiert. „Ich wollte praktisch arbeiten und ich bin sehr pingelig“, sagt sie.

Sorgfalt und Präzision braucht sie auch für die Kontrolle des Fettgehalts im Kräuterquark. Für ihre Tests nutzt Lara Schikowski die klassische Laborausrüstung: Bunsenbrenner, Standzylinder und Reagenzgläser. „Eingangs mische ich die Quarkprobe mit 25-prozentiger Salzsäure“, erklärt die 20-Jährige. „Mit solchen Gefahrstoffen muss man sorgfältig umgehen und Schutzausrüstung anlegen.“ Die Probe wird erhitzt und mit organischen Lösungsmitteln, die einen niedrigen Siedepunkt haben (zum Beispiel Ethanol), aufgekocht. Anschließend schöpft die Auszubildende das Fett ab und destilliert das Lösungsmittel ab. Nun wiegt sie das reine Fett, das im Kolben zurückbleibt. „Hier braucht es ein scharfes Auge und eine ruhige Hand“, sagt Lara Schikowski. Den Fettgehalt in der Trockenmasse berechnet sie mit einer Formel.

Spezialisten oder Allrounder

Als Milchwirtschaftliche Laborantin hat sich Lara Schikowski auf die Prüfung von Milcherzeugnissen spezialisiert. Wer lieber als Allrounder in einem Labor arbeiten möchte, kann beispielsweise eine Ausbildung zum Biologielaboranten oder zur Chemielaborantin beginnen. „Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind bei einer breit aufgestellten Ausbildung vielfältiger, doch grundsätzlich ist der Arbeitsmarkt günstig“, betont Verena Marschler, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Ludwigshafen. „Besonders stark ist die Nachfrage in Ballungsgebieten wie zum Beispiel Rhein-Main-Neckar mit vielen Betrieben in der Chemie- und Pharmabranche.“

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet für Fachkräfte in Laborberufen ist das Gesundheitswesen. Medizinisch-technische Laborassistenten (MTLA) oder Pharmazeutisch-technische Assistentinnen (PTA) finden etwa in Arztpraxen, Krankenhäusern, medizinischen Laboren oder bei Blutspendediensten Anstellung. „Aber auch Biologie- oder Chemielaboranten sowie Biologisch-technische Assistentinnen und Chemisch-technische Assistenten sind im Gesundheitswesen tätig“, sagt Verena Marschler. „Sie arbeiten beispielsweise in medizinischen Laboren, in der Medizinforschung oder in der Forensik.“

Ob nun in der Arztpraxis oder in der Industrie: In allen Laborberufe sind eine ruhige Hand, scharfe Augen, manuelles Geschick und hohe Sorgfalt gefragt.

Einsatz im Forschungslabor

Porträtaufnahme von Herbert Holz (Foto: privat) Porträtaufnahme von Herbert Holz (Foto: privat)

Herbert Holz

„Für Biologielaboranten ist die Forschung ein interessanter Weg“, sagt Herbert Holz, der am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epogenetik in Freiburg seit acht Jahren auch als Ausbilder tätig ist. Die Arbeit im Forschungslabor stellt jedoch noch weitere besondere Anforderungen an die Beschäftigten. „Man braucht Neugier, Experimentierfreude und viel Geduld“, fasst Herbert Holz zusammen. „In der Grundlagenforschung bewegen wir uns oft im unentdeckten Land. Versuche gehen im ersten Anlauf manchmal schief, das muss man aushalten können.“

Die handwerklichen Bestandteile der Laborarbeit in einem Industrielabor treten durch hochstandardisierte Abläufe und digitale Auswertung mehr und mehr in den Hintergrund. „Wir arbeiten jedoch noch im Nasslabor, mit Handschuhen direkt an der Substanz“, sagt der Ausbilder. „Gearbeitet wird mit Chemikalien und Blut, aber auch mit Gewebeproben von Mäusen und Fruchtfliegen. Hier darf man keine Berührungsängste haben.“ An der Arbeit mit Tieren führe kein Weg vorbei. „Wir halten höchste ethische Standards ein, mit großem Respekt vor den Lebewesen. Aber Biologielaboranten müssen fähig sein, eine Maus zu betäuben, Gewebe und Organe zu entnehmen und für die Experimente vorzubereiten.“

Schulische oder duale Ausbildung

Foto von Verena Marschler (Foto: privat) Foto von Verena Marschler (Foto: privat)

Verena Marschler

Für Laborberufe gibt es eine breite Auswahl an Ausbildungsgängen, dual im Unternehmen oder als rein schulische Ausbildungen wie die Biologisch-technische Assistentin, der Chemisch-technische Assistent und der Medizinisch-technische Assistent. „Die Inhalte sind vergleichbar mit betrieblichen Ausbildungsgängen, die theoretische Ausbildung ist allerdings vertiefter“, sagt die Berufsberaterin Verena Marschler. „Auch in den Schullaboren wird umfangreich Praxis geübt.“

Das Angebot an dualen Ausbildungsplätzen für Biologie- oder Chemielaboranten ist jedoch begrenzt, daher seien schulische Ausbildungen eine gute Alternative. „Es gibt aber meist keine Ausbildungsvergütung und an privaten Schulen werden sogar Gebühren fällig“, gibt sie zu bedenken. Die beruflichen Möglichkeiten sind vergleichbar. „Vorteil der dualen Ausbildung ist die direkte Anbindung an ein Unternehmen.“ Für junge Menschen mit Begeisterung für Naturwissenschaften und Mathematik sei ein Laborberuf aber immer eine gute Wahl, so ihr Fazit. „Die Ausbildung ist aber nur der Anfang“, betont Verena Marschler. „Laborantinnen und Laboranten müssen sich ständig weiterbilden. Englischsprachige Fachliteratur ist dabei wichtig. Auch technische Geräte und IT-Anwendungen entwickeln sich stetig weiter.“

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BERUFENET

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Berufsbild Apotheke der Apothekerkammer Hamburg

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VDZI

Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen
vdzi.net/berufsstand/berufsbild.html

Portal zur Zahntechniker-Ausbildung

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