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Arbeitgeber Kirche – Hintergrund: Werte vertreten im Job

Die christlichen Kirchen sind – nach dem Staat – der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland. Die Bandbreite der Berufe im kirchlichen Dienst reicht vom Pfarrberuf über Beschäftigte in den Wohlfahrtsverbänden bis zu Mitarbeiter*innen in Bereichen wie IT, Fundraising oder Personalmanagement.

Ein Kirche von innen (Foto: Axel Jusseit)

Für Kristina Pitschke, Pastorin der Gemeinden Horst, Reinberg und Reinkenhagen bei Greifswald (siehe Erfahrungsbericht, wird verlinkt), ist es spannend, in Gottesdiensten neue Wege zu gehen. „Ich bin zwar erst 30 Jahre alt, aber die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen ist trotzdem mittlerweile schon weit weg“, stellt sie fest. Deshalb hat sie in ihren Gemeinden zusammen mit dem Jugendmitarbeiter jugendliche Gottesdienste gestalten lassen. „Wir haben jeweils Themen vorgegeben und dann hatten die Jugendlichen freie Hand“, erzählt sie. „Wie in den sozialen Medien haben sie die Besucher des Gottesdienstes viel mehr beteiligt. Eine Band hat gespielt, es gab Hörspiele und die Predigten wurden von den Jugendlichen selbst gestaltet.“

Die drei Gemeinden gewöhnen sich daran, dass mit der jungen Frau Pastorin vieles neu ist: „Ich entspreche nicht unbedingt der Vorstellung, die die Leute von einem Pastor haben. Mir fehlt der Bart“, sagt sie. „Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen wohlwollend und offen sind für Neues und Moderneres in der Kirche.“

Vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten

Foto von Susanne Kühn (Foto: Pressestelle der Arbeitsagentur Stuttgart) Foto von Susanne Kühn (Foto: Pressestelle der Arbeitsagentur Stuttgart)

Susanne Kühn

Wie Kristina Pitschke sind 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen bei den christlichen Kirchen beschäftigt, je ungefähr zur Hälfte verteilt auf die evangelische und die katholische Kirche. „Es gibt wenige Berufe, die es bei den Kirchen nicht gibt“, fasst Susanne Kühn, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit Stuttgart, zusammen. „Davon sind ein Viertel direkt bei den Kirchen beschäftigt.“ Etwa 600.000 Mitarbeiter*innen hat die Diakonie, circa 700.000 die Caritas, beides sind christliche Wohlfahrtsverbände.

Der Rest verteilt sich auf ein sehr breites Spektrum: „Vom IT-Bereich, Fundraising und Personalmanagement über Verlage, Zeitungen und Radiosender, christliche Banken oder sogar einen christlichen Automobilclub bis zum Bildungsbereich und theologischer Forschung sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unterschiedlichsten Berufsgruppen bei den Kirchen tätig.“

Arbeit in der Gemeinde

Direkt mit dem Glauben und seiner Vermittlung arbeiten die Pfarrer*innen in den Gemeinden (für weitere Gemeindeberufe siehe Berufs- und Arbeitsfelder, wird verlinkt). „Die Berufsaussichten im Bereich der Theologie und Gemeindearbeit sind sehr gut“, weiß Susanne Kühn. „Hier gibt es so gut wie keine Arbeitslosigkeit. Die Kirchen haben in den kommenden Jahren eher noch mehr Nachwuchsprobleme, weil viele Pfarrerinnen und Pfarrer in den Ruhestand gehen.“

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben ist im Pfarrberuf notwendige Voraussetzung. Die Trennung von Privat- und Berufsleben kann dabei nicht immer strikt eingehalten werden: „Man ist immer die Frau Pfarrerin oder der Herr Pfarrer, auch wenn man gerade privat auf den Markt oder spazieren geht“, erklärt die Expertin der Agentur für Arbeit. „Außerdem ist man für Notfälle jederzeit auf Abruf. Das kann das Privatleben schon einschränken.

In der katholischen Kirche kommen religiöse Verpflichtungen als Voraussetzung für den Priesterstand hinzu. Ein Beispiel ist das Zölibat, also die freiwillige Ehelosigkeit. Im Pfarrberuf kommt man den Menschen sehr nahe und nimmt vielleicht ihre Geschichten mit nach Hause. Man erlebt mit ihnen schöne und schwierige Lebenssituationen, wie Trauer und Tod. Für viele ist aber gerade der intensive Kontakt zu den Gemeindemitgliedern etwas sehr Erfüllendes. Und auch die fehlenden festen Arbeitszeiten können etwas Positives haben: Man kann sich die Arbeit sehr frei einteilen.“

Soziale Arbeit

In den Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie sind viele Menschen in  Krankenhäusern, Kindergärten und Horten, Sozialstationen, Altenpflegeheimen, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder für Menschen mit Behinderungen beschäftigt. „Im sozialen Bereich herrscht gerade generell ein großer Mangel an Fachkräften“, berichtet Susanne Kühn. „Das betrifft natürlich auch die christlichen Wohlfahrtsverbände.“

Dabei spielt in den Arbeitsbereichen außerhalb der Gemeinden der eigene Glaube eine geringere Rolle bei der Besetzung von Stellen: „Für diejenigen, die in den Gemeinden direkt die Verkündigung des Glaubens übernehmen, ist die Mitgliedschaft in der jeweiligen Kirche natürlich Voraussetzung. Das gilt auch für Religionslehrerinnen und -lehrer an Schulen“ erläutert die Berufsberaterin. „Für Beschäftigte in anderen Bereichen gibt es keine Vorschriften. Allerdings wird darauf geachtet, dass Bewerberinnen und Bewerber christliche Werte, wie Nächstenliebe, Toleranz und Solidarität, vertreten. Es gibt sogar christliche Jobbörsen, in denen sich Jobs mit solchen christlichen Werten finden lassen.“

Viele weitere Möglichkeiten

Neben der Gemeinde- und der Sozialen Arbeit finden viele weitere Berufsgruppen Beschäftigung bei den christlichen Kirchen: „Eine große Gruppe sind die Lehrerinnen und Lehrer, die Religion an den Schulen lehren. Auch die Kirchen brauchen außerdem ein professionelles Personal – oder Finanzmanagement“, nennt Susanne Kühn einige Beispiele. „Im IT-Bereich werden Expertinnen und Experten gebraucht, weil auch die Kirchen einen großen Digitalisierungsschub durchlaufen. So wurde in der Corona-Zeit beispielsweise ein kontaktloser Klingelbeutel oder digitale Spendensäulen entwickelt und realisiert.“

Um die Arbeit bei den Kirchen, besonders in den Gemeinden, kennenzulernen, empfiehlt die Berufsberaterin, ein Schnupperpraktikum oder einen längeren Freiwilligendienst zu absolvieren: „So bekommt man einen guten Eindruck, ob die Arbeit in der Gemeinde oder im diakonischen Bereich der Kirche zu einem passt.“

Weitere Informationen

katholische-theologie.info

Projekt des Katholisch-Theologischen Fakultätentages mit Informationen zu Studium und Berufsperspektiven

katholische-theologie.info

Deutsche Bischofskonferenz

dbk.de

Das volle Leben

Informationsseiten der evangelischen Kirche zu Theologiestudium und Pfarrberuf

das-volle-Leben.de

Evangelische Kirche in Deutschland

ekd.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. Oder schau ins Studienfeld "Philosophie, Theologie, Religion".
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BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Kirche).
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