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Ausbildung im Ausland während Corona: Praktikum aus dem Homeoffice

Corona hat für Larissa Jürjens (30) alles durcheinandergebracht. Statt ihr gesamtes Praktikum vor Ort in Irland zu verbringen, musste sie mittendrin zurück nach Deutschland und ins Homeoffice wechseln. Trotzdem hat die Maßschneiderin aus Leipzig viel gelernt.

Frau näht per Hand ein Stück Stoff zusammen. (Foto: Christof Stache)

Ein historisches Shinrone-Kleid (mittelalterliche Tracht) aus dem 16. Jahrhundert aus irischer roter Lammwolle und weißem Leinen ist das Ergebnis des vierwöchigen Auslandspraktikums von Larissa Jürjens. Das Ungewöhnliche: Die Hälfte dieses Praktikums hat die Maßschneiderin zu Hause im Homeoffice verbracht. Im März 2020 war sie zunächst in Sligo im Nordwesten Irlands, um während ihres Praktikums für das Spanish-Armada-Museum ein Kleid zu schneidern. „Dann ging alles sehr schnell. Ich habe von meiner Organisation in Deutschland an einem Sonntag eine SMS bekommen, ob ich mir vorstellen könnte, wegen Corona bald wieder zurückzukommen. Am Dienstag saß ich dann schon im Flieger nach Hause“, erzählt Larissa Jürjens. Sie hatte die Wahl, das Praktikum entweder abzubrechen und später nachzuholen, oder von zu Hause aus weiterzumachen. „Ich wollte es auf jeden Fall fertig machen und hatte zum Glück die Möglichkeit, die Materialien mit nach Deutschland zu nehmen.“

Leidenschaft fürs Schneidern

Ein Porträt-Foto von Larissa J. (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Larissa J. (Foto: privat)

Larissa Jürjens

Nach ihrem Fachabitur machte Larissa Jürjens zunächst eine Ausbildung zur Fotografin. Für Mode und fürs Schneidern hatte sie sich aber immer schon interessiert. „Für mein Gesellenstück als Fotografin habe ich eigentlich mehr genäht als fotografiert. Das blieb mir auch immer im Hinterkopf.“ So kam die gebürtige Ostfriesin zur Werkakademie in Leipzig, wo sie ihre schulische Ausbildung zur Bühnen-, Kostüm- und Maßschneiderin gerade beendet. „Im Lehrjahr vor mir war eine Mitschülerin über Erasmus+ in Schottland und so habe ich davon erfahren. Weil wir drei Praktika in der Ausbildung machen müssen, habe ich mich entschieden, eines in Irland zu machen.“ In den ersten Tagen in Sligo lernte die Auszubildende das Team kennen und recherchierte, welche Stoffe sie für ein historisch authentisches Kleid braucht. Es gab viele Tipps von den Profis, worauf sie bei ihrer Arbeit achten sollte. „Wäre das Praktikum von Anfang an nur virtuell gewesen, hätte mir dieser Kontakt ziemlich gefehlt.“

Tipps per Mail und Telefon

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete die 30-Jährige allein zu Hause weiter. „Ich wusste, was ich machen soll und konnte das Kleid fertigstellen. Zwischendrin stand ich immer per Mail und Telefon in Kontakt mit den Leuten in Irland und das hat auch gut funktioniert.“ Da das Museum, für das sie das Kleid anfertigen sollte, in der Zwischenzeit pandemiebedingt geschlossen wurde, bekam Larissa sogar mehr Zeit für ihre Arbeit. „Da ich schon im zweiten Lehrjahr war, kam ich ganz gut alleine klar. Aus dem Praktikum habe ich auf jeden Fall mitgenommen, mich gut selbst zu organisieren“, erzählt sie.

Das Erleben fehlt im Virtuellen

Auch wenn es fachlich funktioniert hat, hat die Maßschneiderin das Gefühl, etwas verpasst zu haben. „Mit meiner Gastfamilie wollte ich eigentlich ganz viel unternehmen und das Land kennenlernen. Das werde ich auf jeden Fall nachholen, wenn es wieder geht. Entweder über Erasmus+ oder privat.“ Ein virtuelles Praktikum kann sie nur bedingt empfehlen. „Es klappt schon und man kann auch viel lernen, aber es braucht eine ganz andere Motivation, wenn man allein zu Hause ist. Und vor Ort macht es einfach viel mehr Spaß, das durfte ich zum Glück auch selbst erfahren“, sagt Larissa Jürjens.