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In der Ausbildung ins Ausland - Erasmus+: „Am Ende hat sich alles gelohnt“

Jana Kalinauskas (26) hat während ihrer Ausbildung zur Konditorin auf Sylt ein Auslandspraktikum in Bordeaux gemacht, um die berühmte französische Pâtisserie kennenzulernen. Nach einem holprigen Start verbrachte sie dort eine spannende und lehrreiche Zeit.

Kleine Kuchen in einem Schaufenster (Foto: Annika Voßen)

„Ich weiß nicht, ob es an der Stadt lag, aber ich habe in den drei Wochen keinen einzigen schlecht gelaunten Menschen getroffen. Alle waren unglaublich interessiert und nett“, erzählt Jana Kalinauskas lachend. Im November 2019 hat sie über Erasmus+ ein Auslandspraktikum absolviert – in Frankreich, dem Land des süßen Gebäcks. Kurz vor ihrer Abschlussprüfung wollte die Konditorin die Chance nutzen, noch einmal ganz andere Erfahrungen zu sammeln. „Während meiner Zeit dort habe ich mindestens genauso viel gelernt wie in meinem gesamten dritten Lehrjahr. Ich habe alle Techniken ausprobiert, die man in Frankreich verwendet. Und weil die Eigentümer der Pâtisserie Japaner waren, habe ich auch japanische Techniken kennengelernt.“ Dazu kamen viele französische Fachbegriffe und der Austausch mit den Einheimischen.

Der Anstoß kam vom Ausbilder

Die Idee zum Auslandspraktikum kam von Janas Ausbilder auf Sylt. Dieser war selbst mehrmals im Ausland und wusste, dass die Auszubildende offen für neue Erfahrungen war, da sie bereits nach dem Abi zwei Jahre in Schottland verbracht hatte. „Durch seine eigenen Erfahrungen konnte mein Ausbilder mir direkt die passenden Kontakte zur Handwerkskammer empfehlen“, erinnert sie sich. Zusammen mit einer Vermittlerin führte Jana dann Vorstellungsgespräche für ein Erasmus+-Stipendium. Auch die Berufsschule in Lübeck musste zustimmen, da das Praktikum in die Unterrichtszeit fiel. „Ich habe mich dann entschieden, keinen Gruppenaustausch zu machen, sondern mir meinen Aufenthalt selbst zu organisieren. Dafür bekam ich den Kontakt zu einer Agentur in Bordeaux, die haben für mich einen Praktikumsplatz und eine Gastfamilie gefunden.“

Vom Albtraum zum Traumpraktikum

Der erste Praktikumsplatz in Bordeaux war für die Auszubildende allerdings ein Reinfall. Sie durfte in einer chaotischen Backstube nur Hilfstätigkeiten ausführen und wurde meist allein gelassen. „Nach vier Tagen habe ich es nicht mehr ausgehalten. Weil in Frankreich Feiertag war, habe ich erst die Handwerkskammer in Deutschland angerufen. Die haben mir das Okay gegeben, dort zu kündigen und etwas anderes zu suchen.“ Am nächsten Tag sagte Jana auch der französischen Agentur Bescheid. „Aus lauter Frust bin ich zu einer schönen Pâtisserie gegangen, die mir schon vorher aufgefallen war, eigentlich nur um ganz viel Kuchen zu essen. Aber dann fand ich es so toll, dass ich einfach nachgefragt habe, ob ich da mein restliches Praktikum verbringen kann. Zwei Tage später habe ich dort angefangen und es war richtig genial“, erzählt die 26-Jährige.

Vorteile bis heute

Durch den Konflikt mit dem ersten Praktikumsbetrieb hat sie gelernt, dass sich Selbstbewusstsein und Hartnäckigkeit lohnen. Seit Februar 2020 ist Jana Kalinauskas fertig mit ihrer Ausbildung und arbeitet nun als Pâtissière in einem kleinen Hotel in Konstanz. Von ihrem Auslandspraktikum profitiert sie noch heute. „Ich wende die französischen Techniken häufiger an als die deutschen. Egal, ob das eine bestimmte Handstellung ist, mit der man Sachen aufdressiert, also in Form bringt, oder mit der man eine Masse gleichmäßig auf ein Blech aufstreicht. Das habe ich so übernommen und gebe es auch nicht mehr her.“ Außerdem steht die Konditorin immer noch in Kontakt mit ihrem zweiten Praktikumsbetrieb in Frankreich. „Gerade im Handwerk kann ich die Auslandserfahrung nur empfehlen, weil in jedem Land etwas anders gemacht wird. Am Ende hat sich für mich alles gelohnt.“

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