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Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Familie und Beruf flexibel managen

Wenn beide Elternteile arbeiten gehen oder Alleinerziehende ihren Alltag meistern wollen, müssen die Tage genau geplant werden. Doch nicht immer läuft alles reibungslos: Sowohl auf Arbeitnehmer- als auch auf Arbeitgeberseite ist Flexibilität gefragt.

Foto von einem Wecker (Foto: Julien Fertl)

Wenn Marina F. ihren Tagesablauf beschreibt wird klar: Viel Spielraum hat die 27-Jährige nicht. Wenn sie aufsteht, hat ihr Partner bereits das Haus verlassen. Sie bringt dann den gemeinsamen Sohn in die Kita, den Familienhund zur Oma und muss dann so schnell wie möglich selbst in ihre Ausbildungsstätte fahren. Nachmittags beeilt sie sich, ihren Sohn wieder abzuholen, um noch ein wenig Zeit mit ihm verbringen zu können, bevor er ins Bett geht. Ohne die Unterstützung ihrer Familie im Hintergrund wäre dieses Pensum kaum zu schaffen.

Mütter überwiegend in Teilzeit

Vor allem für junge Frauen mit Familienverantwortung ist es eine große Herausforderung ihre eigene Ausbildung mit der Kindererziehung und -betreuung in Einklang zu bringen. Wenn sie sich mit dem Arbeitgeber entsprechend einigen, können sie durch eine Ausbildung in Teilzeit entlastet werden. Diese Möglichkeit gibt es bereits seit 2005, seit 2020 können theoretisch alle Auszubildenden (auch ohne Familienverantwortung) eine Teilzeitausbildung absolvieren.

Ebenso ist bei berufstätigen Eltern Teilzeit das in Deutschland am häufigsten genutzte Arbeitszeitmodell. Überwiegend reduzieren die Mütter ihre Arbeitszeit. „Bei fast drei Vierteln (71%) der gemischtgeschlechtlichen Ehepaare mit Kindern unter 15 Jahren waren der Vater in Vollzeit und die Mutter in Teilzeit erwerbstätig“, heißt es im Datenreport 2021, einem Sozialbericht, der alle zwei Jahre von der Bundeszentrale für politische Bildung, unter anderem in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt, herausgeben wird. Laut Datenreport üben lediglich 26 Prozent der berufstätigen Ehefrauen mit Kindern unter 15 Jahren ihre Erwerbstätigkeit in Vollzeit aus; bei alleinerziehenden Müttern liegt die Quote bei 38 Prozent, Lebenspartnerinnen (in gleichgeschlechtlichen Beziehungen) sind zu 41 Prozent in Vollzeit erwerbstätig.

Work-Life-Balance wird immer wichtiger

Foto von Oliver Schmitz (Foto: Martina Seitz, Foto Köser) Foto von Oliver Schmitz (Foto: Martina Seitz, Foto Köser)

Oliver Schmitz

Unter das Stichwort Teilzeit fallen verschiedene Arbeitszeitmodelle, nicht nur die klassische Halbtagsstelle. Auch Job-Sharing, Wahl- und Jahresarbeitszeit gehören dazu. Wer vor allem zeitlich flexibler arbeiten möchte, um selbstbestimmter die beruflichen Pflichten den Familienbedürfnissen anzupassen, findet ebenfalls verschiedene Modelle, von Gleitzeit, über Homeoffice bis zur Vertrauensarbeitszeit – siehe Übersicht Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle.

Doch wie findet man heraus, welches Modell passt und vom Arbeitgeber mitgetragen wird? „Das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH. So spielen etwa Region, Branche und Tätigkeitsprofil eine Rolle: „Wer in der Produktion an Maschinen arbeitet, kann nicht ins Homeoffice gehen. Und im Schichtdienst ist Gleitzeit häufig nur begrenzt möglich.“ Er stellt jedoch fest, dass Arbeitgeber zunehmend für die von ihnen angebotene Arbeitszeit und Arbeitsortflexibilisierung werben und sich damit vor allem offensiv um junge Bewerberinnen und Bewerber bemühen. „Für die ist oft nicht nur das Gehalt und immer weniger der Dienstwagen ausschlaggebend, dafür vielmehr eine gute Work-Life-Balance.“

Gute Team- und Vertrauenskultur unerlässlich

Für eine erfolgreiche Umsetzung sei eine gute Team- und Vertrauenskultur unerlässlich, sagt Oliver Schmitz: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich absprechen und aufeinander verlassen können.“

Der Experte stellt fest, dass durch die Corona-Pandemie die Akzeptanz von ortsunabhängiger und in Teilen auch zeitunabhängiger Arbeit gestiegen ist. Der Schub in der Digitalisierung werde zukünftig sein Weiteres dazu beitragen. Zugleich betont er, eigene Grenzen zu beachten: Immer und überall arbeiten zu können berge die Gefahr des „Ausbrennens“. Der Trend zu immer effizienterem Arbeiten – Stichwort Viertagewoche – habe ebenfalls Schattenseiten: „Extrem optimiertes Arbeiten kann die Innovationskraft schwächen, da sie keinen Raum für neue Ideen, Fehlerkultur und Kreativität lässt.“

Betreuungsbedarf von Kindern nicht gedeckt

Ein weiterer Zukunftstrend, der von der Politik forciert wird, ist der zu mehr Partnerschaftlichkeit bei Familienpflichten und damit auch bei der Entscheidung, wer wie lange beruflich kürzertritt. Vor allem wenn beide Elternteile arbeiten sowie für berufstätige Alleinerziehende – siehe Erfahrungsbericht „Unser Familienleben ist extrem durchgetaktet“  – ist neben kooperativen Arbeitgebern sowie Kolleginnen und Kollegen auch eine gesicherte Kinderbetreuung unerlässlich. Seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres. Jedoch ist der Bedarf höher als das Angebot: „48,7 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren wünschten sich 2020 einen Betreuungsplatz für ihr Kind. Mit Blick auf die Betreuungsquote von 35 Prozent bedeutet das: Der Bedarf in Deutschland ist noch nicht gedeckt und der Ausbau muss weitergehen“, informiert das Bundesfamilienministerium in der Publikation „Kindertagesbetreuung Kompakt“.

Weitere Informationen

Erfolgsfaktor Familie

Plattform des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
www.erfolgsfaktor-familie.de

Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten

Mit dem Projekt unterstützt der Deutsche Gewerkschaftsbund Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräte dabei, familienbewusste Maßnahmen in ihren Betrieben und Verwaltungen einzuführen und voranzubringen.
https://vereinbarkeit.dgb.de

berufundfamilie Service GmbH

Dienstleister und Think-Tank im Themengebiet Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Zentrales Angebot ist das von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung initiierte audit „berufundfamilie“ bzw. „familiengerechte hochschule“.
www.berufundfamilie.de

Verband alleinerziehender Mütter und Väter

Der VAMV unterstützt Alleinerziehende durch Informationen, professionelle Beratung und Lobbyarbeit.
www.vamv.de

Verband berufstätiger Mütter

Der VBM berät Frauen und Männer zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er übernimmt zudem die Interessenvertretung für berufstätige Mütter.
www.vbm-online.de

 

Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF)

www.ag-familie.de