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Ausbildung in Zeiten von Corona – Interview: Im Krisenmodus

Kaum eine Branche hat die Pandemie so hart getroffen wie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Sandra Warden, Geschäftsführerin im DEHOGA Bundesverband, erklärt, mit welchen Strategien Unternehmen den Auswirkungen der Corona-Pandemie begegnen.

Eine junge Frau desinfiziert in einem Restaurant einen Tisch. Sie trägt einen Mund-Nasen-Schutz. (Foto: Robert Herschler)

abi» Frau Warden, wie geht es den Betrieben?

Sandra Warden: Die Corona-Pandemie und insbesondere der jetzt seit insgesamt sieben Monaten andauernde Lockdown (Stand: April 2021, Anmerkung der Redaktion) wirken sich in der Tat gravierend auf die Unternehmen und die Beschäftigten der Branche aus. Viele Hoteliers und Gastronomen sind sehr innovativ und lassen sich nicht so leicht unterkriegen. Sie nutzen die verbliebenen Möglichkeiten, um Umsatz zu generieren, zum Beispiel durch den Auf- beziehungsweise Ausbau des Liefer- und Mitnahmegeschäfts oder durch die Schaffung von Kapazitäten für hybride Tagungen. Allerdings können alle diese Strategien bei weitem nicht die Existenz der Betriebe und die Beschäftigung sichern. In vielen Fällen sind sie nicht einmal kostendeckend. Hotellerie und Gastronomie sind derzeit leider auf staatliche Hilfe absolut angewiesen. Das wird sich erst ändern, wenn wir wieder unter vernünftigen Bedingungen öffnen dürfen.

abi» Was bedeutet das für Azubis in der Branche?

Sandra Warden: Unsere Betriebe kämpfen mit aller Kraft, um ihre Mitarbeitenden und Auszubildenden zu halten. Natürlich ist es eine gewaltige praktische und finanzielle Herausforderung, bei geschlossenem oder stark eingeschränktem Betrieb die Ausbildung zu gewährleisten. Und dennoch gibt es großartige Beispiele, wie die Betriebe ihre Azubis und dual Studierenden in noch mögliche Geschäftsfelder wie Take-away oder die Übernachtung von Geschäftsreisenden einbinden. Wir hören häufig von den Azubis, dass sie begeistert davon sind, dass ihnen jetzt – notgedrungen – mehr Verantwortung übertragen wird und sie dabei viel lernen und Einfluss nehmen können. Ich bin mir sicher, dass sich der gemeinsame Wille und das Engagement für alle Seiten auszahlen werden. Jedenfalls zeichnet es sich ab, dass es nur wenige Vertragslösungen in der Ausbildung gibt und dass die Ergebnisse bei den Abschlussprüfungen nicht schlechter geworden sind.

abi» Wie stark ist die Anzahl der Lehrstellen im Ausbildungsjahr 2020/21 zurückgegangen?

Sandra Warden: Zum Stichtag 30. September 2020 ist die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in den sechs gastgewerblichen Ausbildungsberufen um 24,7 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung erfüllt uns mit großer Sorge, denn das bedeutet, dass in zwei bis drei Jahren mehrere Tausend junger Fachkräfte fehlen werden. Viele Schulabgänger, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben, haben sich als Notlösung schulische Ausbildungen gesucht. Wir hoffen, dass sie dann noch in betriebliche Ausbildung kommen, wenn die Pandemie vorüber ist.

abi» Ist für die Branche insgesamt Entspannung in Sicht? Wagen Sie einen Ausblick in die nahe Zukunft?

Sandra Warden: Aktuell hängt das allein davon ab, wann die Bundesregierung und die Landesregierungen uns erlauben zu öffnen. Das kann ich leider nicht vorhersagen. Was ich aber prognostizieren kann: Es wird den Tag X nach Corona geben. Und dann gibt es wieder vielversprechende Perspektiven für angehende Gastgeber. Wir erwarten, dass es in großen Teilen von Tourismus und Gastronomie nach dem Lockdown relativ schnell wieder bergauf geht. Der Trend zum Deutschlandurlaub und zum regionalen Tourismus wird sich weiter fortsetzen. Die Menschen sehnen sich nach Ausgehen, Zusammensein und Reisen. Der Tourismus und mit ihm das Gastgewerbe ist und bleibt eine Zukunftsbranche.