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Ausbildung mit Kind: Die Familie im Hintergrund

Marina F. (27) macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin Digital und Print in Vollzeit. Unter der Woche hat sie nur wenig Zeit für ihren dreijährigen Sohn. In diesen Stunden soll deshalb ihre volle Aufmerksamkeit nur ihm gelten.

Kinderzeichnungen an einer Magnettafel (Foto: Ray van Zeschau | Bundesagentur für Arbeit)

Marina F. hat ein klares Ziel vor Augen: Im Mai 2023 möchte sie ihre Ausbildung zur Mediengestalterin erfolgreich abgeschlossen haben. Bis dahin muss sie einen straffen Tagesplan durchhalten. Zeit zum Durchschnaufen bleibt der 27-Jährigen aus Gelsenkirchen eigentlich nicht. „Um 6 Uhr stehe ich auf, bereite das Frühstück für mich und meinen Sohn Adam vor, wecke ihn, wir machen uns fertig, gehen mit dem Hund raus und dann bringe ich ihn in den Kindergarten“, fasst sie ihren Start in den Tag zusammen. Wenn alles gut läuft, ist der Dreijährige um 7.15 Uhr in der Einrichtung, die Auszubildende bringt den Familienhund zur Schwiegermutter und fährt dann zügig in ihre Ausbildungsstelle, eine Werbeagentur in Marl, damit sie rechtzeitig um 8 Uhr ihren Arbeitstag beginnen kann. „Da ich den Empfangsdienst übernehme, dauert meine Arbeitszeit von 8 bis 17 Uhr“, erklärt sie. „Die anderen Auszubildenden starten eine Stunde später, sind dann aber auch mindestens bis 18 Uhr in der Agentur.“

Einkauf in der Mittagspause

Foto: privat Foto: privat

Nach ihrem Feierabend will die Auszubildende so schnell wie möglich nach Hause fahren und ihren Sohn abholen. Ihr ist es wichtig, wenigstens ein bis zwei Stunden am Tag mit Adam zu verbringen; mit ihm zu spielen oder zu kochen. Deshalb erledigt sie den Familieneinkauf regelmäßig in ihrer einstündigen Mittagspause. Gegen 19.30 Uhr bringt sie ihren Sohn ins Bett. „Ich bin dann schon mega-k.o. von dem Tag“, gibt sie zu. Am liebsten würde sie bei ihm liegen bleiben, aber es wartet noch der Haushalt. Gemeinsam mit ihrem Partner, der ebenfalls täglich über zehn Stunden außer Haus ist, räumt sie die Wohnung auf und kocht für den nächsten Tag vor. Während ihr Freund mit dem Hund spazieren geht, lernt sie für ihre Ausbildung.

An zwei Abenden in der Woche arbeitet die junge Mutter zusätzlich in einer Bar. Zum einen, weil ihr diese Tätigkeit großen Spaß bereitet, zum anderen, weil dieser zusätzliche Verdienst in die Familienkasse fließt, um Sonderausgaben sorgenfreier bestreiten zu können. „Manchmal kommen unvorhergesehene Rechnungen, der Hund muss zum Tierarzt oder es müssen Sachen neu gekauft werden. Dann ist es ganz gut, wenn man etwas Geld als Puffer zur Seite legen konnte“, findet sie.

Ohne Großeltern geht nichts

Die größte Stütze für die Familie sind die eigenen Eltern. „Ohne meine Mutter und meinen Stiefpapa wäre eine Vollzeitausbildung für mich nicht möglich gewesen“, sagt sie. Da Adam nur bis 15.30 Uhr in der Kita betreut wird, holen seine Großeltern ihn jeden Tag ab und kümmern sich um den Enkel, bis seine Mutter von ihrer Ausbildung zurückkommt. Krankheitsfälle sind ein besonderer Balanceakt. Eine Homeoffice-Regelung für Auszubildende sieht der Arbeitgeber nicht vor. Manchmal springen auch hier die Großeltern ein, allerdings ist Marinas Mutter selbst noch berufstätig. Wenn das nicht geht, bleibt sie mit ihrem Sohn zu Hause. Immer dabei: das schlechte Gewissen. „Bei uns übernehmen schon Azubis viel Verantwortung. Wir haben alle viel zu tun und wenn ich dann fehle, weiß ich, dass vieles auf meine Kollegen abfallen würde.“

Nach der Ausbildung möchte sie ihr Arbeitspensum gerne etwas reduzieren. Sie hofft, eine Stelle in Teilzeit zu finden, oder als freiberufliche Mediengestalterin arbeiten zu können.

Kraft tanken am Wochenende

Der für die Familie wichtigste Tag der Woche ist der Sonntag, um die Batterien wieder aufzuladen und Zeit miteinander zu verbringen. „Sonntags entspannen wir miteinander. Wir sind tagsüber viel unterwegs, durch den Hund sind wir auch viel an der frischen Luft. Wir gehen lange spazieren, fahren zu einem großen Spielplatz, gehen in den Zoo oder mit dem Kleinen Schwimmen.“