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Ausbildung mit Behinderungen: Industriekauffrau werden

Celine Pistora befindet sich im Endspurt ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Daimler AG in Sindelfingen. Die 20-Jährige lebt mit der Erkrankung Arthrogryposis multiplex congenita (AMC), einer angeborenen Gelenksteife.

Tastatur mit Headset und Mouse (Foto: Thomas Lohnes)

Die Erkrankung bedeutet für sie einige Einschränkungen. „Meine Beinmuskulatur ist schwach ausgebildet, daher laufe ich mit Orthesen, also äußerlich angebrachten orthopädischen Hilfsmitteln“, erklärt sie. Dazu kommt eine Gelenksteife, auch in den Armen. Ihr Leben und den Einstieg ins Berufsleben nimmt sie aber kraftvoll in die Hand.

„Für mich kam nur eine Bürotätigkeit infrage, einen technischen Beruf könnte ich nicht bewältigen“, sagt sie. „Für die Ausbildung zur Industriekauffrau habe ich mich entschieden, weil sie umfassend ist und mir Einblick in viele Bereiche gibt.“ Die Stelle bei Daimler hat sie über eine Ausbildungsmesse gefunden. „Am Stand mit der Schwerbehindertenvertretung des Unternehmens konnte ich mich gut über die Rahmenbedingungen informieren“, erinnert sie sich.

Mehr Zeit bei Klassenarbeiten

Celine Pistoria (Foto: Privat) Celine Pistoria (Foto: Privat)

Celine Pistoria

Ihr Bewerbungsprozess ist ganz normal verlaufen. Der Schwerbehindertenvertreter hat ihn begleitet und geklärt, wo Unterstützung nötig ist. Dabei steht er im ständigen Austausch mit Celine Pistora, ihrer Ausbilderin und ihren Eltern. „Für mich geht es vor allem um den barrierefreien Zugang zum Arbeitsplatz“, sagt sie. Das fängt mit dem Parkplatz an, der für sie in der Nähe des Eingangs reserviert ist. Treppen und Türen wurden für sie angepasst. „Am Computer kann ich trotz der Gelenksteife in den Armen ohne Hilfsmittel arbeiten“, erklärt sie.

Hürden räumt die 20-Jährige tatkräftig selbst aus dem Weg. „Meine Berufsschule ist in dem Kaufmännischen Schulzentrum, in dem ich 2019 Abitur gemacht habe. Gemeinsam mit meinem Abteilungsleiter haben wir organisiert, dass mein Klassenraum im Erdgeschoss liegt.“ Zudem wurde für sie hier ebenfalls ein gesonderter Parkplatz nahe dem Eingang eingerichtet. Für ihre Klassenarbeiten bekommt sie mehr Zeit. Das gilt auch für die Abschlussprüfung, die im Frühjahr ansteht. Ihre Ausbildungsdauer hat sie auf zweieinhalb Jahre verkürzt.

Sie hat bereits klare Vorstellungen, wie es für sie nach der Ausbildung weitergeht. Aktuell ist sie im dritten Ausbildungsjahr und arbeitet im Kundencenter im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen. Dort betreut sie Mitarbeiter*innen, die ihre geleasten Fahrzeuge zurückgeben. „Die Bereiche Vertrieb und Personal gefallen mir am besten, weil ich dort im Kontakt mit Menschen bin.“ In Kürze kann sie sich intern bewerben und sich so hoffentlich ihre Wunschstelle nach der Ausbildung sichern.

In der Offensive

„Im Unternehmen werde ich gut betreut und im Team immer unterstützt. Es ist aber wichtig, stets respektvoll mit den anderen umzugehen und nicht zu viel zu erwarten“, sagt sie. So hat sie auch die Kennenlernwoche für die neuen Auszubildenden im Schwarzwald erlebt. „Vor Ort hat sich herausgestellt, dass ich nicht bei allen Aktivitäten mitmachen konnte. Wandern kommt für mich nicht infrage. Wir haben dann spontan umgeplant und ein anderer Azubi ist bei mir geblieben.“

Während andere vielleicht gemütlich wandern, treibt Celine Pistora in ihrer Freizeit Leistungssport. Für ihre Einsätze beim Tischtennis bekommt sie vom Unternehmen ebenfalls Unterstützung, etwa freie Tage und Sonderurlaub. „Das habe ich bereits beim Vorstellungsgespräch angefragt“, erinnert sie sich und freut sich schon auf das nächste Match.