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BAföG: „Eine echt coole Stütze“

Von BAföG haben die allermeisten Studierenden in Deutschland schon gehört. Die Antragstellung mag einigen auf den ersten Blick kompliziert erscheinen, lohnt sich aber häufig. Das findet auch Miriam Marek (22). Für sie ist das Geld vom Staat nicht nur hilfreich, sondern auch eine wichtige Lektion im Leben.

Blick auf Orientierungsschilder auf dem Campus der Universität Kassel.

„Es war so viel Papierkram und ich hatte immer wieder Bammel, dass ich etwas falsch ausfülle und später mehr zurückzahlen muss“, erinnert sich Miriam Marek an ihren ersten BAföG-Antrag. Heute ist die 22-Jährige darin ziemlich geübt. Sie studiert im sechsten Semester Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg und reicht ihre BAföG-Unterlagen mittlerweile jedes Jahr in einem Folgeantrag nach.

  • Porträt von Miriam M.

    Das Ausfüllen der BAföG-Formulare wurde schnell zu einer richtigen Familienaktion.

    Miriam Marek, Studentin an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg

BAföG-Antrag als Familienaktion

Als sie ihren ersten Antrag noch vor der Immatrikulation ausfüllte, musste sie sich zum ersten Mal selbstständig mit dem Thema Finanzen beschäftigen. Bei einigen Fragen, wie etwa nach dem eigenen Gesamtvermögen oder dem Einkommen der Eltern aus dem vorletzten Jahr, war immer wieder Rücksprache mit den Eltern nötig. Auch ihre Geschwister mussten ihre Schul- und Studienbescheinigungen einreichen. „So wurde das Ausfüllen der BAföG-Formulare schnell zu einer richtigen Familienaktion“, erzählt sie lachend.

Die Abhängigkeit von den Eltern findet Miriam Marek im BAföG-System jedoch problematisch. „Es gibt so viele Gründe, warum Eltern dich eventuell nicht unterstützen wollen, wenn du volljährig bist.“ Von einigen Freunden kennt sie die Problematik bei der Antragstellung. „Wer zu einem Elternteil keinen Kontakt hat und seine Einkünfte deshalb nicht einreichen kann, muss dies ziemlich umständlich beweisen.“

Notfallplan zum Überbrücken wichtig

Bei Miriam Marek hat letztlich alles geklappt, auch wenn sie ihre Zahlungen erst verzögert im Februar statt zum Semesterstart im Oktober erhalten hat. In dieser Zeit haben ihr ihre Eltern leihweise mit Geld ausgeholfen. Die Erfahrungen dieser Zeit lehrten die Studentin, sparsam hauszuhalten. „Es war charakterlich bestimmt förderlich, aber auch die erste große Hürde direkt zum Studieneinstieg“, sagt die Fränkin. Knapp 740 Euro monatlich hat Miriam im ersten Studienjahr bekommen. Das lag knapp unter dem damaligen BAföG-Höchstsatz von 861 Euro für Studierende, die wie Miriam nicht bei den Eltern wohnen. Inzwischen beträgt die maximale BAföG-Förderung 934 Euro. Wem welcher BAföG-Satz zusteht, hängt von vielen Faktoren ab. Die Summe variiert je nach Lebenssituation und Vermögen.

Spartipps helfen im Alltag

„Oft bleibt mit BAföG während des Studiums keine Möglichkeit, um zu sparen“, findet Miriam Marek. Allein die Hälfte der Förderung zahlt die junge Frau für die Miete in ihrer Wohngemeinschaft. Während der Pandemie konnte sie allerdings etwas Geld auf die Seite legen. Jetzt, wo sie wieder in Präsenz studiert, ausgeht und Geld für Essen in der Mensa und in Cafés ausgibt, bleibt im Monat trotz Minijob und Kindergeld wenig auf dem Konto übrig. Um sich in den Semesterferien etwas mehr zu gönnen, spart die Studentin lieber im Alltag, indem sie WG-Partys statt Bars besucht oder die Happy-Hour-Zeiten nutzt. Eine Entlastung ist für sie zudem, dass sie als BAföG-Empfängerin automatisch keinen Rundfunkbeitrag zahlen muss.

Nebenjobs durch BAföG gedeckelt

„BAföG ist eine echt coole Stütze, aber man sollte immer zusätzliche Rücklagen für unvorhersehbare Ausgaben haben, zum Beispiel wenn mal die Waschmaschine kaputtgeht“, rät die Nürnbergerin. Für solche Fälle arbeitet sie nebenbei an einer Schule als pädagogische Assistenzkraft. Nebenjobs sind mit BAföG zwar erlaubt, nur dürfen die Studierenden in der Regel nicht mehr als 450 Euro monatlich verdienen, um ihren BAföG-Anspruch nicht zu mindern. Ab Oktober 2022 liegt die Freigrenze bei 520 Euro im Monat. Die Deckelung ist ein Nachteil – findet Miriam: „Denn keiner möchte sich ins eigene Fleisch schneiden und Geld verlieren, weil er mehr arbeitet.“

BAföG mit finanziellem Vorteil zurückzahlen

Fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer kommt in der Regel der erste Brief zur Rückzahlungsaufforderung. Zu dieser Zeit sieht sich die angehende Sozialarbeiterin bereits fest im Beruf. Dass der Maximalbetrag für die BAföG-Rückzahlung auf 10.010 Euro gedeckelt ist, beruhigt die junge Frau, weil sie über die Jahre vom Staat mehr erhalten hat. Ihre Schulden möchte sie nach Möglichkeit nicht wie üblich in Raten zurückzahlen, sondern lieber mit einem finanziellen Vorteil auf einen Schlag. Sich ins BAföG-System einzufuchsen, hat sich für Miriam Marek gelohnt. „Es ist eine große Unterstützung auf dem Weg zum Erwachsenwerden und schließlich bekommt man eine Hälfte des Geldes vom Staat geschenkt, die andere zahlt man zinsfrei zurück. Das ist fair.“

Weitere Informationen

BAföG

Infoportal mit Informationen rund ums BAföG
bafög.de

BAföG Digital

Hier kann der BAföG-Antrag heruntergeladen und elektronisch ausgefüllt werden.
bafoeg-digital.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Informationen rund um Bildungsthemen
bmbf.de

Deutschlandstipendium

Infoportal zum Deutschlandstipendium
deutschlandstipendium.de

plus stipendium – Begabtenförderung im Hochschulbereich

Infoportal zu den Begabtenförderungswerken
stipendiumplus.de

MyStipendium

Übersicht über die 13 Begabtenförderungswerke
mystipendium.de/stipendien/begabtenfoerderungswerke

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Informationen zu den verschiedenen Arten der Förderung und passende Angebote in der DAAD-Stipendiendatenbank
www.daad.de

Kreditanstalt für Wiederaufbau

Übersicht über Förderkredite und Förderprogramme für Unternehmen und Privatpersonen
www.kfw.de

Centrum für Hochschulentwicklung

Vergleich und Ranking von Studienkredit-, Darlehen- und Bildungsfondsangeboten
che.de/projekt/che-studienkredit-test

Studienkredit.de

Überblicksportal für Studienkredite und Alternativen
www.studienkredit.de

Hochschulkompass

Infoportal der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu deutschen Hochschulen, Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationalen Kooperationen
hochschulkompass.de