zum Inhalt

Erasmus+: Wenn Europa näher zusammenrückt

Studieren im Ausland – dank Erasmus+ ist das unkompliziert möglich. Hunderttausende junge Menschen nutzen diese Chance jedes Jahr. 2020 waren es deutlich weniger. Die Corona-Pandemie macht die Planung komplizierter, doch Austausch und Verständnis für andere Kulturen bleiben wichtig. Auch – oder gerade – in Krisenzeiten.

Blick auf verschiedenfarbige Sprechblasen aus Papier, auf denen auf verschiedenen Sprachen "Hallo" und "Wie geht es dir?" steht. (Foto: Julien Fertl)

Ins Ausland gehen. Nicht als Tourist*in, sondern als Einwohner*in auf Zeit. In einem fremden Land leben, einkaufen, studieren und neue Menschen kennenlernen. „Das ist einfach etwas völlig anderes“, findet Johanna Heiler. Nur so, sagt die 25-Jährige, lerne man Land, Leute und Kultur wirklich kennen und verstehen. „Klar, es ist auch eine Herausforderung“, gibt sie zu. Man fange schließlich bei null an und kenne erstmal niemanden. „Aber wenn man sich überwindet, offen auf andere zugeht – dann lernt man auch einiges über sich selbst.“

Johanna Heiler lebt und studiert gerade im dänischen Aarhus. Trotz Pandemie ging sie ins Ausland – und hat diese Entscheidung nicht bereut. „Trotz allem werde ich aus Dänemark jede Menge wertvolle Erfahrungen mitnehmen.“ Doch nicht alle Studierenden, die im vergangen Jahr ein Auslandssemester eingeplant hatten, konnten oder wollten ihren Aufenthalt tatsächlich antreten. Von der Universität Mannheim, an der Johanna Heiler studiert, sind gerade Mal 120 Studierende unterwegs. „Normalerweise wären es etwa 400“, sagt Erasmus-Hochschulkoordinatorin Kerstin Bach.

"Don't stop planning - just be flexible"

Gut zwei Drittel der Mannheimer Erasmus+-Studierenden sind im Frühjahr, als das Coronavirus Europa in den ersten Lockdown zwang, aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt. „Sie konnten aber ihre Kurse online fortführen“, erzählt Kerstin Bach. Die Universität rät Studierenden, die aktuellen Reisewarnungen zu beachten. „Aber letztlich liegt die Entscheidung, ob sie derzeit ausreisen oder nicht, bei ihnen“, sagt Kerstin Bach. „Gesundheit und Sicherheit gehen vor. Aber wir versuchen alles möglich zu machen, was derzeit möglich ist.“ Dabei hat Kerstin Bach auch die Rückendeckung des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD). (Siehe hierzu das FAQ: „Erasmus in Coronazeiten“.) Denn die Grundidee des Programms, den Austausch zu fördern und die Identifikation mit Europa zu stärken, gilt auch in Krisenzeiten.

„Don´t stop planning – just be flexible“, formuliert Claudia Süß, internationale Arbeitsvermittlerin in der Bundesagentur für Arbeit, ihren Rat an Studierende. „Mit einer guten Recherche und Vorbereitung, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sollte man den Traum vom Auslandsaufenthalt nicht aufgeben müssen.“ Sie rät dazu, ein anderes Land in Betracht zu ziehen oder eine andere Aufenthaltsform. Denn von Auslandserfahrung könne jede*r Studierende nur profitieren – auch in Krisenzeiten.

Horizonterweiterung – fachlich und persönlich

„Grundsätzlich signalisiert ein Studienaufenthalt im Ausland dem potentiellen Arbeitgeber, dass der Bewerber oder die Bewerberin bereit ist, sich auf neue und unbekannte Situationen einzulassen.“ Was man dabei lerne, gehe weit über Sprachkenntnisse oder interkulturelle Kompetenz hinaus, sagt Claudia Süß. „Ein Auslandsaufenthalt schult die Organisationsfähigkeit und Selbständigkeit sowie das Knüpfen von neuen Kontakten.“ Fähigkeiten, die jeder Arbeitgeber schätzt. Kerstin Bach sieht ein Auslandssemester vor allem als große Horizonterweiterung. „Fachlich, weil man sein Studienfach aus einer anderen Perspektive kennenlernt, und natürlich für die eigene Persönlichkeit.“

Diese Horizonterweiterung macht Erasmus+ einfach und unkompliziert möglich. Nach über 30 Jahren ist das Programm an deutschen Hochschulen fest etabliert, die Organisation eingespielt. Gut eineinhalb Jahre Vorlauf sollten Interessierte einplanen, rät Koordinatorin Kerstin Bach. Ein guter Zeitpunkt seien die höheren Studiensemester. „Dann, wenn man an der Heimatuni sicher durch das Studium geht, ist man bereit für Level 2 im Ausland.“ Die Studierenden wählen bereits in der Bewerbung die Kurse aus, die sie vor Ort besuchen wollen. Über ein Learning-Agreement werden die Studienleistungen dann an der Heimat-Hochschule anerkannt. „Es ist möglich, auch im Ausland 30 ECTS-Punkte pro Semester zu sammeln“, sagt Kerstin Bach. „Viele machen aber nicht den vollen Workload, um auch Zeit für das Land zu haben – und das ist völlig legitim.“

„Reisefreiheit ist ein riesiges Privileg“

Erasmus+ ist ein Zuschuss-Stipendium, mit dem die Mobilität gefördert wird. Die Studierenden bekommen einen Betrag, mit dem die Mehrkosten eines Auslandaufenthaltes gedeckt werden sollen. Da diese je nach Land variieren, beträgt der Zuschuss zwischen 150 und 500 Euro im Monat. Vor Ort gibt es Sprachkurse und – zumindest zu normalen Zeiten – legendäre Erasmus-Partys. Seit 2015 besteht zudem die Möglichkeit, über Eramus+ auch in Partnerländer außerhalb Europas zu reisen. Bachelor- und Masterarbeiten, Promotionen oder Praktika im Ausland werden ebenfalls gefördert. Seit der Gründung des Programms, das nach dem reisenden Gelehrten Erasmus von Rotterdam benannt ist, wurden Jahr für Jahr mehr Studierende gefördert. Rund 40.000 waren es im Jahr 2019 – allein aus Deutschland.

Das Coronavirus hat dieser Entwicklung einen Dämpfer verpasst, doch die wenigsten Studierenden streichen ihren geplanten Aufenthalt komplett und viele bewerben sich bereits für die kommenden Semester. Sobald die Beschränkungen wegfallen, ist sich Kerstin Bach sicher, wird auch Erasmus+ wieder Fahrt aufnehmen – vielleicht sogar mehr als zuvor. „Die Corona-Krise hat ja auch gezeigt, dass diese europäische Reisefreiheit eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein riesiges Privileg – das jede*r nutzen sollte.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Die Studiensuche hilft dir bei der optimalen Auswahl deines Studienorts oder Studienfachs. 
arbeitsagentur.de/studiensuche

Hochschulkompass

Infoportal der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu deutschen Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Erasmus+

Offizielle Website des europäischen Austauschprogramms
www.erasmusplus.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

ba-auslandsvermittlung.de

Deutscher Akademischer Auslandsdienst (DAAD)

Infos rum ums Studium im Ausland, Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse, Länderinformationen etc.
www.daad.de

rausvonzuhaus.de

Kostenloses Infoportal rund um das Thema Auslandsaufenthalte.
www.rausvonzuhaus.de