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Alternative zum Auslandssemester: "Ich will auf jeden Fall ins Ausland – aber nicht so"

Mark Philipps hatte bereits die Zusage für ein Erasmus+-Stipendium und wollte ab Januar in Finnland studieren. Doch er hat seinen Aufenthalt abgesagt. Denn ein rein virtuelles Studium erfüllt für den 23-Jährigen nicht den Sinn und Zweck eines Auslandssemesters.

Verschiedene europäische Flaggen in einem Büro. (Foto: Nicole Schwab)

Ich studiere Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Reutlingen. In meinem Studium ist ein Auslandssemester nach der Prüfungsordnung verpflichtend. Viele meiner Vorlesungen sind auf Englisch, das ganze Studium ist sehr international. Deshalb habe ich mich auch dafür entschieden. Ich hatte mich schon sehr auf meinen ersten längeren Aufenthalt im Ausland gefreut.

Dadurch, dass das Auslandssemester fest eingeplant ist, gibt es in Reutlingen eine klare Organisation und die Bewerbung ist sehr unkompliziert. Bereits im zweiten Semester gibt es eine Infoveranstaltung zu Erasmus+. Vor etwa einem Jahr habe ich mit der konkreten Planung begonnen. Ich mag die skandinavischen Länder sehr und habe mich deshalb für Helsinki entschieden – auch, weil es dort die interessantesten Informatikkurse gab und ich darauf im Auslandssemester meinen Schwerpunkt legen wollte.

„Nicht die Erfahrung, die ich mir erhofft habe“

Doch als im Frühjahr das Coronavirus Europa erreichte, war mir schnell klar: Das wird nicht der Aufenthalt, den ich mir gewünscht habe. Ich habe zu der Zeit ein Praktikum gemacht und saß die ganze Zeit im Home-Office. Ein virtuelles Studium an einer ausländischen Universität konnte ich mir nicht vorstellen. Wenn ich im Ausland bin, will ich die Landessprache sprechen, das Land, die Kultur und die Leute kennenlernen. Wie soll das gehen, wenn ich nur vor dem Rechner sitze? Ich will auf jeden Fall ins Ausland – aber nicht so. Deshalb habe ich bereits im Oktober entschieden, erst mal nicht nach Finnland zu gehen.

Spezialisierungs- statt Auslandssemester

Es gibt für Studierende unseres Studiengangs die Möglichkeit, statt des Auslandssemesters ein Spezialisierungssemester zu machen. Das war ursprünglich vor allem für Studierende gedacht, die Angehörige pflegen oder Kinder haben und nicht mal eben ins Ausland können. Diese Möglichkeit hat unser Fachbereich nun deutlich ausgeweitet. Ich musste dafür lediglich eine formlose E-Mail mit dem Antrag auf ein Spezialisierungssemester schreiben. Dass das Auslandssemester aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewünscht möglich ist, hat als Begründung gereicht.

Natürlich ist es schade, dass ich nicht ins Ausland kann – aber ich will das Beste daraus machen. Im Spezialisierungssemester können wir unsere Vorlesungen und Seminare frei wählen – auch aus anderen Fachbereichen. Teils bieten die Professoren extra Kurse an, zum Beispiel zum Thema Unternehmensgründung. Da sind einige interessante Sachen dabei. Ich werde also in diesem Semester trotzdem über den Tellerrand schauen können – wenn auch anders als geplant.

Im Masterstudium ins Ausland

Den Wunsch, ins Ausland zu gehen, habe ich nach wie vor. Die Hochschule hat bestätigt, dass es kein Problem ist, das Auslandssemester zu verschieben. Ich könnte also im 7. statt im 6. Semester gehen. Solange der Aufenthalt im gleichen akademischen Jahr erfolgt, ist das Stipendium weiterhin gültig. Dann verliert man zwar ein Semester – aber das wäre ja nicht so tragisch. Momentan neige ich aber eher dazu, erstmal meine Bachelorarbeit anzugehen und dann im Masterstudium ins Ausland zu gehen. Bis dahin ist das hoffentlich wieder ohne Einschränkungen möglich.