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Virtuelles Auslandsemester: "Ich nehme mit, was geht"

Auslandsaufenthalte sind in Nora Hertz´ Studium fest verankert – doch das Coronavirus hat diese kräftig durcheinandergewirbelt. Studium vor Ort, virtuelle Kurse, Onlinestudium von Deutschland aus – die 24-Jährige hat bereits fast alle Möglichkeiten durch.

Junge Frau im Sessel mit Notebook surft in einem Online-Netzwerk. (Foto: Christiane Specht)

Ich studiere Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin. Das Studium ist international ausgerichtet, Auslandsaufenthalte sind ein fester Bestandteil. Das war mir wichtig. Durch den Blickwechsel lernt man nicht nur ein anderes Land besser kennen, sondern auch viel über die eigene Kultur und das eigene Rechtssystem. Mein Studiengang ist trinational – deshalb sind zwei Stationen an Partneruniversitäten im Ausland eingeplant. Meine sind Paris und London.

Durch das Coronavirus sind beide Aufenthalte ganz anders verlaufen als geplant. Im Wintersemester 2019/20 war ich bereits an der Université Paris 2 Panthéon-Assas. Diese Zeit habe ich sehr genossen. Im Frühjahr hat das Coronavirus Frankreich dann mit voller Wucht getroffen. Anfang März kamen die ersten Einschränkungen, auch die Uni wurde geschlossen.

„Ich konnte nicht nach Frankreich zurück“

Nora Hertz (Foto: privat) Nora Hertz (Foto: privat)

Nora Hertz

Zu dieser Zeit war ich für einen kurzen Besuch in Deutschland. Doch dann wurden die Grenzen geschlossen und ich kam nicht mehr nach Frankreich zurück. Das war ein richtig mieses Gefühl – meine ganzen Sachen waren ja noch in Paris. Ich saß zu Hause fest. Glücklicherweise konnte ich die Erasmus-Förderung behalten, denn die Miete für mein Zimmer in Paris musste ich weiter zahlen.

Innerhalb einer Woche hat die Uni auf online umgestellt. Ich saß also in Deutschland, habe die Kurse in Frankreich virtuell besucht und auch die Examen online abgelegt. Im Großen und Ganzen hat das ganz gut funktioniert. Klar, einiges war improvisiert, aber manches lief sogar besser. Zum Beispiel wurden die Vorlesungen als Podcast aufgenommen und ich konnte immer eine Pause machen oder zurückspulen, wenn ich auf Französisch nicht mehr mitkam.

„Mein Stipendium konnte ich behalten“

Sobald es die Lockerungen erlaubten, bin ich nach Paris zurückgekehrt. Die Kurse fanden zwar weiter virtuell statt, aber vor Ort hat es sich doch mehr wie ein Auslandssemester angefühlt – auch wenn es noch immer viele Einschränkungen gab. Da war in Deutschland im Sommer doch mehr möglich. Deshalb bin ich auch direkt nach Semesterende wieder zurückgekehrt.

Ich blieb auch erstmal in Deutschland, obwohl im Wintersemester 2020/21 der nächste Auslandsaufenthalt in London für mich anstand. Eine Ausreise wäre auch möglich gewesen, aber ich hatte Angst vor erneuten Grenzschließungen. Ich habe also angefangen, virtuell am King’s College London zu studieren. Mein Learning Agreement gilt weiterhin und auch mein Erasmus-Stipendium konnte ich behalten. Zwar bekomme ich keine finanzielle Förderung, solange ich in Deutschland bin – doch sobald ich ausreise, erhalte ich den Zuschuss.

„Auch ein virtuelles Studium lohnt sich“

Einblick in eine fremde Kultur und das ausländische Rechtssystem, bekomme ich auch so vermittelt. Aber klar, es ist eine völlig andere Erasmus-Erfahrung und kann den Aufenthalt vor Ort nicht ersetzen.

Ich hoffe, dass ich im Frühjahr doch noch nach London gehen kann. Sollte es aber noch große Einschränkungen geben, bleibe ich lieber hier. Ich habe bereits einen Wohnheimplatz in London, der auch weiter für mich freigehalten wird. Es ist gut, dass alle Seiten so flexibel reagieren und versuchen, alles zu ermöglichen, was möglich ist. Und ich nehme mit, was geht. Solange ich ein gutes Gefühl dabei habe. 

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