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Studieren in der Corona-Krise – Praktika: Praktikum in Zeiten von Corona?

Ein Praktikum im Studium an einer Hochschule ist für viele Studierende Pflicht. Unglücklich, wenn das Pflichtpraktikum ausgerechnet in die Zeit der Corona-Beschränkungen fällt. Ist ein Praktikum dann trotzdem möglich? Und wie sieht das aus? Elif Oguz (24) studiert Technikjorunalismus in Nürnberg und absolviert gerade ein Praktikum beim Verlag Nürnberger Presse.

In einem Kalender sind die Begriffe „Homeoffice" und „Meeting" handschriftlich eingetragen. (Foto: Martin Rehm)

Ein Praktikum während Corona? Ja, das funktioniert. Ich studiere im siebten Semester Technikjournalismus an der Technischen Hochschule in Nürnberg und befinde mich gerade mitten in meinem Pflichtpraktikum. Einen Praktikumsplatz habe ich beim Verlag Nürnberger Presse bekommen. Zum Glück – denn die Praktikumssuche gestaltete sich wirklich sehr schwierig. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass ich mein Praxissemester nochmal verschieben muss.

Im E-Learning-Portal der Technischen Hochschule kann man sich erkundigen, welche Betriebe schon mal Studierende für ein Pflichtpraktikum genommen haben. Ich habe außerdem im Internet nach Stellenangeboten gesucht – drei bis vier Monate lang. Die Zusage für meine Praktikumsstelle im Vertriebsmarketing bekam ich schließlich im September. Im Oktober 2020 ging es dann schon los. Bis dahin hatte ich viele Absagen bekommen. Ich glaube, dass das mit der aktuellen Corona-Krise zusammenhängt, etwa weil viele Unternehmen aufgrund von Kurzarbeit niemanden mehr einstellen.

Ich habe mich gefragt, was passiert, wenn man aufgrund von Unternehmensschließungen sein Praktikum abbrechen muss? Ich habe mich zum Beispiel auch auf eine Stelle im Kulturbereich beworben. Im Nachhinein bin ich jetzt echt froh, dass ich dort nicht arbeite, denn dann hätte ich mein Praktikum bestimmt nicht zu Ende führen können.

Langsam Routine finden

Portraitfoto von Elif Oguz (Foto: privat) Portraitfoto von Elif Oguz (Foto: privat)

Elif Oguz

Im Home-Office arbeite ich nur am Freitag, die restlichen Tage der Woche bin ich im Büro. Wenn es die aktuelle Lage erfordert, können wir auch ganz vom Home-Office aus arbeiten. Eigentlich ist das jedem selbst überlassen. Zu Beginn meines Praktikums wurde ich sofort mit einem Laptop ausgestattet, um auch von zu Hause aus arbeiten zu können. Ich finde das schon toll, dass man heutzutage von überall aus arbeiten kann. Bei technischen Problemen kann man sich an den IT-Service wenden, die helfen einem sofort.

Am Anfang habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie das jetzt alles mit Corona abläuft. Eine Sorge war, dass der Austausch mit den Kolleg*innen vielleicht gar nicht richtig möglich ist. Klar sind viele meiner Kolleg*innen die ganze Woche im Home-Office, aber da wir alle zwei Tage um 9 Uhr ein virtuelles Meeting haben, sehen wir uns ja doch. Dort besprechen wir, was die Woche ansteht. Und wir telefonieren oft. Ich habe gemerkt: Es macht wirklich keinen Unterschied, ob ich im Home-Office bin oder im Verlag.

Mittlerweile bin ich in viele Projekte involviert und habe Aufgaben, die ich selbstständig erledigen kann. Und wenn Kolleg*innen Hilfe brauchen, rufen sie mich einfach an. Ich glaube sogar, dass wir momentan viel mehr Arbeit aufgrund von Corona haben. Die Menschen haben jetzt Zeit, lesen vermehrt unser Online-Angebot, schließen Abos ab und bestellen mehr. Auch Weihnachtsaktionen wie der Adventskalender, den wir für unsere Leser entwickelt haben, wurden gut angenommen.

Herausforderungen am Arbeitsplatz

Zu den Herausforderungen gehört natürlich, dass im Verlag nicht alles wie gewohnt läuft. Dazu zählt zum Beispiel, dass man überall – außer am Platz – seine Maske tragen muss und den Abstand einhalten. Wir treffen uns auch nicht mehr im Besprechungszimmer. Es ist wirklich wichtig, sich selbst und die Kolleg*innen zu schützen.

Bis jetzt hat das Praktikum meine Erwartungen komplett erfüllt. Mir liegt es einfach Projekte zu planen und Angebote für Leser zu konzipieren. Das macht mir total Spaß – und ich bin einfach nicht so die Schreiberin, sondern eher die Praktische. Nach dem Studium würde ich auch gerne in diesem Bereich fest arbeiten. Ich fühle mich beim Verlag Nürnberger Presse sehr wohl.

Ich habe gemerkt: Ein Praktikum im Verlagswesen während Corona unterscheidet sich gar nicht viel von einem „normalen“ Praktikum. Abgesehen von Home-Office und virtuellem Austausch ist es in meinem Fall nicht anders. Wir verrichten ja trotzdem dieselbe Arbeit. In anderen Branchen und Einsatzbereichen können die Corona-bedingten Auswirkungen auf den Ablauf sicherlich größer sein.