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Prüfungsangst: Die Angst vor dem Versagen

Lampenfieber und Lernstress? Das kennen fast alle Studierenden vor anstehenden Prüfungen. Doch manche haben mit echter Prüfungsangst zu kämpfen. abi» verrät, was dahintersteckt, wo man Hilfe bekommt und welche Anti-Angst-Methoden helfen.

Studierende sitzen während einer Klausur in einem großen Saal. (Foto: Meramo Studios)

Der Puls ist erhöht, die Anspannung groß. Die Gedanken kreisen, Angstschweiß bricht aus, der Magen rebelliert. Sich konzentrieren? Fast unmöglich. Ein Gefühl von Hilflosigkeit macht sich breit oder es kommt gar Panik auf. Davor, das Erlernte nicht abrufen zu können, in dieser doch so wichtigen Prüfungssituation zu versagen oder sich zu blamieren.

Wer sich beim Lesen dieser Zeilen angesprochen fühlt, leidet vielleicht ebenfalls unter Prüfungsangst – und ist damit längst kein Einzelfall, wie Reinhard Mack, Leiter der Psychotherapeutischen Beratungsstelle vom Seezeit Studierendenwerk Bodensee, bestätigen kann: „In meiner fast 30 Jahre langen Berufserfahrung hatte ich schon mit sehr vielen prüfungsängstlichen Studierenden zu tun.“

  • Portraitfoto von Reinhard Mack

    Je gründlicher und strukturierter man sich vorbereitet, desto besser.

    Reinhard Mack, psychologischer Psychotherapeut

Unterschiedliche Ursachen für Prüfungsangst

Aktuellen Zahlen des Deutschen Studentenwerks zufolge hat knapp über die Hälfte der deutschen Studierenden schon einmal Prüfungsangst gehabt. „Wobei die Dunkelziffer sicherlich höher liegt, da nicht alle offen mit ihren Ängsten umgehen oder denken, sie hätten lediglich etwas mehr Lampenfieber als andere“, sagt Reinhard Mack. Lampenfieber, also eine gewisse Anspannung oder Nervosität vor einer Prüfung, ist übrigens meist sogar gut, führt es doch zu mehr Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Warum verhältnismäßig viele Studierende mit Prüfungsängsten konfrontiert sind, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben: „Bei manchen entsteht Prüfungsangst zum Beispiel aufgrund zu hoher Erwartungen an sich selbst, eines erhöhten Leistungsdrucks durch das Umfeld, etwa der Eltern, oder der Unsicherheit, nicht zu wissen, was sie in den Prüfungen erwartet“, erklärt der psychologische Psychotherapeut, der daher im Beratungsgespräch zu Beginn immer klärt, woher die Angst kommt.

Wichtig: sich gut rüsten und Auszeiten nehmen

Prüfungsangst kann sich auch schon Tage vor der als bedrohlich empfundenen Situation bemerkbar machen, etwa durch Schlafstörungen, aber auch durch Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit, und so den Lernprozess negativ beeinflussen. Hinzu kommt, dass Prüfungsängstliche häufig dazu neigen, alles, was mit der Prüfung zu tun hat, zu vermeiden. Dabei kann das Aufschieben von Lernen die Angst schüren.

„Je gründlicher und strukturierter man sich vorbereitet, desto besser“, meint der Experte. „Hilfreich ist es, sich bei anderen Studierenden über ihre Erfahrung mit der Prüfung zu informieren, sich alte Klausuren anzuschauen oder sich Lerngruppen anzuschließen.“ Blinder Lern-Aktionismus sei hingegen wenig hilfreich. Der Ausgleich zum Büffeln, etwa in Form von Bewegung an der frischen Luft oder einem Ausflug mit Freundinnen und Freunden, dürfe auf keinen Fall zu kurz kommen.

Gedanken in den Griff bekommen

Habe ich genug gelernt? Bin ich gut vorbereitet? Was, wenn ich keine Antwort auf die Frage finde? Was, wenn ich versage? Betroffene kennen dieses Gedankenkarussell. Es ist das eigentliche Problem und gar nicht die Angst selbst. Das ist gut, denn aus einem Karussell kann man wieder aussteigen – und zwar in der Regel relativ einfach, weiß Reinhard Mack und nennt einige Beispiele: „Manchmal genügt ein Gespräch mit der prüfenden Person. Erstens, um zu wissen, wie eine Prüfung aufgebaut ist, und zweitens, um sie auf eine persönliche Ebene zu holen und zu entmystifizieren. Einer ängstlichen Studentin gab ich den Tipp, bereits einige Zeit vor der mündlichen Spanischprüfung mit einer Muttersprachlerin nur noch Spanisch zu sprechen, das gab ihr die nötige Sicherheit.“ In der Klausur hilft es, zum Beispiel erst mit den einfachen Fragen zu starten, ein paar Mal tief durchzuatmen oder sich innerlich zu sagen „Ich schaffe das“.

Gut zu wissen: Die unentgeltliche Beratung und Behandlung durch die psychologischen Beratungsstellen werden bundesweit von 43 Studenten- und Studierendenwerken angeboten. Darüber hinaus können spezialisierte Coaches hilfreich sein. Bei wem die emotionale Belastung so stark ausgeprägt ist, dass körperliche Beschwerden oder sozialer Rückzug die Folgen sind, der sollte eine Psychotherapie in einer niedergelassenen Praxis in Erwägung ziehen. Denn Situationen, die Prüfungsängste hervorrufen können, gibt es auch nach dem Studium zu Genüge, etwa im Berufsleben.

Weitere Informationen

Psychologische Beratung der Studentenwerke

www.studentenwerke.de/de/content/psychologische-beratung

Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (dgvt)

www.dgvt.de

„Prüfungsangst verstehen und bewältigen“

PDF-Dokument der Freien Universität Berlin mit vielen Infos zum Thema

www.fu-berlin.de/sites/studienberatung/psychologische_beratung/Texte/ressourcen_Textdokumente/Pruefungsangst.pdf